Chronologie der Waffenfunde ab Juli 2019

Bei der Pressekon­ferenz vom 12. Dezem­ber 20 meinte der Wiener Polizeipräsi­dent Pürstl, die rund um die Neon­azi-Gruppe von Peter Binder sichergestell­ten Waf­fen bei Neon­azis zählten zu den größten Fun­den der let­zten Jahrzehnte. Das mag sein, aber wenn wir uns anse­hen, wie viele Waf­fe­narse­nale – wir sprechen hier nur von größeren Fun­den! – alleine seit Juli 2019 in Öster­re­ich aus­ge­hoben wur­den und welche Men­gen da dabei waren, dann kön­nte sich Pürstls Aus­sage etwas rel­a­tivieren. Eines scheint klar zu sein: Es wird aufgerüstet, und wie! (Der Artikel wird regelmäßig aktu­al­isiert. Stand: 10.11.21)

Novem­ber 2021/Niederösterreich: Bomben, Schuss- und andere Waf­fen und NS-Devo­tion­alien (Update 10.11.21)
Okto­ber 2021/Wien: Schw­ert­er, Dolche, Arm­brust und Schuss­waf­fen (Update 20.10.21)
Juli 2021/Burgenland, Nieder‑, Oberöster­re­ich und Wien: Grün­dung ein­er Ter­ror­gruppe als Ziel (Update 10.7.21)
Juni 2021/Niederösterreich und Bur­gen­land: Fälschun­gen, Dro­gen, Waf­fen & Wieder­betä­ti­gung (Update 9.6.21)
April 2021/Niederösterreich: Heil Hitler, Waf­fen, NS-Devo­tion­alien (Update 30.4.21)
April 2021/Tirol: Granat­en, Sprengkapseln, andere Waf­fen & Wieder­betä­ti­gung (Update 14.4.21)
Jän­ner 2021/Wien: Nazi-Kram und Waf­fen (Update 1.2.21)
Jän­ner 2021/Niederösterreich: Sprengstoff und Waf­fen (Update 1.2.21)
Jän­ner 2021/Niederösterreich: Waf­fen, Kriegs­ma­te­r­i­al und NS-Devo­tion­alien (Update 20.1.21)
Jän­ner 2021/Dezember 2020/Niederösterreich: Zufalls­fund beim Waf­fend­eal­er und Polizist als Deal­er für den Deal­er (Update 20.1.21)
Dezem­ber 2020/Tirol: NS-Devo­tion­alien, Waf­fen und Sucht­gift (Update 17.12.20)
Dezem­ber 2020/Wien und Niederöster­re­ich: Waf­fen­han­del bei Neonazis
Sep­tem­ber 2020/Wien: NS-Devo­tion­alien und Waffenlager
Juli 2020/Deutschland und Öster­re­ich: Waf­fen­han­del im Neonazi-Milieu
Juli 2020/Niederösterreich: Waf­fen und NS-Devotionalien
April 2020/Oberösterreich: Riesiges Waf­fe­narse­nal und Nötigung
Jän­ner 2020/Niederösterreich: Schuss­waf­fen und Suchtgift
Dezem­ber 2019/Niederösterreich: Waf­fen, Kriegs­ma­te­r­i­al und NS-Devo­tion­alien (Update 20.10.21)
September/Dezember 2019/Niederösterreich: Waf­fen und Chemikalien
Juli 2019/Juni 2020/Niederösterreich: Schuss­waf­fen und Sprengkapseln

Wir weisen expliz­it darauf hin, dass wir hier nur Fälle mit sehr großen Waf­fen- bzw. auch Sprengstoff­fun­den gelis­tet haben, weit­ere Fälle führen wir in unser­er regelmäßi­gen Rubrik „Wochen­schau” an.

Fall 20, Novem­ber 2021/Niederösterreich: Bomben, Schuss- und andere Waf­fen und NS-Devo­tion­alien (Update 10.11.21)

Im Haus eines 53-Jähri­gen und dessen Ehe­frau aus dem Bezirk Baden sind im Zuge ein­er Haus­durch­suchung am 8. Okto­ber riesige Men­gen an Waf­fen, Muni­tion, Bomben, Sprengstoff und dazu noch Nazi-Devo­tion­alien sich­er gestellt wor­den. Das wurde durch Innen­min­is­ter Neham­mer am 9. Novem­ber, also mehr als ein Monat nach der Razz­ia pub­lik gemacht. Unter den aufge­fun­de­nen Mate­ri­alien befan­den sich u.a. Maschi­nengewehre, weit­ere Schuss­waf­fen, darunter „schießende Kugelschreiber”, Hieb- und Stich­waf­fen, 1,2 Ton­nen Muni­tion, eine Hand­granate, Rohrbomben und 20 kg Schwarzpul­ver, das zur Her­stel­lung von Spreng­mit­teln dient.

Die meis­ten Schuss­waf­fen seien geladen in der gesamten Woh­nung herumgele­gen. „Eben­falls sichergestellt wur­den ein Stahlhelm mit einem Hak­enkreuz, weit­ere NS Devo­tion­alien (Fly­er, Orden, Münzen, Büste von Erwin Rom­mel) sowie diverse ein­schlägige Lit­er­atur (Zeitschriften, Büch­er)”, führte die LPD Niederöster­re­ich in ein­er Aussendung an.

Der mut­maßliche Neon­azi ste­ht in Verbindung mit Peter Binder und dessen Neon­azi-Grup­pierung, bei der im Dezem­ber 2020 und im Juli 2021 in Razz­ien eben­falls Unmen­gen an Waf­fen und Krieg­ma­te­ri­alien beschlagnahmt wur­den. Der 53-Jährige und dessen Ehe­frau sind angesichts der Beziehun­gen zu Binders Net­zw­erk und der großen Menge an Fun­den über­raschen­der­weise auf freiem Fuß angezeigt wor­den. Wie der Anwalt des Ehep­aars ver­laut­barte, sei der Mann nur ein geschichtsin­ter­essiert­er Sammler.

mehr dazu: Waf­fen­funde im Neon­azi-Milieu: Spitze des Eisbergs

Fall 19, Okto­ber 2021/Wien: Schw­ert­er, Dolche, Arm­brust und Schuss­waf­fen (Update 20.10.21)

Nach Hin­weisen aus der Bevölkerung führte die Wiener Polizei Durch­suchun­gen in drei Woh­nun­gen durch und stellte „Gewehre, Pis­tolen, blitzblank polierte Schw­ert­er, Macheten, Schla­gringe und sog­ar eine Arm­brust” (Kro­nen Zeitung, 19.10.21, S. 30) sich­er. Ins­ge­samt soll es sich um 100 Waf­fen han­deln, die ein 67-jähriger und ein 29-jähriger Mann und eine 56-jährige Frau gehort­et hatten.

Waffenfund 16.10.21, Aussendung LPD Wien

Waf­fen­fund 16.10.21, Aussendung LPD Wien

Fall 18, Juli 2021/Burgenland, Nieder‑, Oberöster­re­ich und Wien: Grün­dung ein­er Ter­ror­gruppe als Ziel (Update 10.7.21) 

Am 10.7. gibt das Innen­min­is­teri­um bekan­nt, dass im Zuge von neun weit­eren Haus­durch­suchun­gen im Bur­gen­land, in Nieder- und Oberöster­re­ich und in Wien (am 1. Juli) rund um das Neon­azi-Net­zw­erk des Peter Binder „zahlre­iche NS-Devo­tion­alien, vol­lau­toma­tis­che und hal­bau­toma­tis­che Schuss­waf­fen, kisten­weise Muni­tion, Mag­a­zine, Kriegs­ma­te­r­i­al, Sucht­mit­tel sowie Mobil­tele­fone, Note­books sichergestellt” (APA via standard.at, 10.7.21) wor­den seien. Zudem wird Binder zitiert, er habe vorge­habt, eine „Miliz der Anständi­gen” grün­den zu wollen, um „das Sys­tem zu kip­pen”. Über­set­zt: Er hat­te die Bil­dung ein­er recht­sex­tremen Ter­ror­gruppe geplant.

Waffen, Munition und Kriegsmaterial im Neonazi-Netzwerk von Peter B. (Quelle: BM.I)

Waf­fen, Muni­tion und Kriegs­ma­te­r­i­al im Neon­azi-Net­zw­erk von Peter B. (Quelle: BM.I)

NS-Devotionalien und Waffen im Neonazi-Netzwerk von Peter B. (Quelle: BM.I)

NS-Devo­tion­alien und Waf­fen im Neon­azi-Net­zw­erk von Peter B. (Quelle: BM.I)

Fall 17, Juni 2021/Niederösterreich und Bur­gen­land: Fälschun­gen, Dro­gen, Waf­fen & Wieder­betä­ti­gung (Update 9.6.21)

Der Fall erregte in erster Lin­ie deshalb Auf­se­hen, weil bei dem 56-jähri­gen Niederöster­re­ich­er und dem 54-jähri­gen Bur­gen­län­der gefälschte Polizeiausweise, Covid-Impf­pässe und ‑Test­bestä­ti­gun­gen sowie Uten­silien zur Her­stel­lung der Fäschun­gen gefun­den wur­den. Was sich aber noch auf der Liste der angezeigten Delik­te befind­et: Sucht­gifthandel, ille­galer Waf­fenbe­sitz – gefun­den wur­den „Hieb- und Stich­waf­fen (Kampf‑, Spring‑, Klapp- und Jagdmess­er, eine Wur­faxt sowie diverse Dolche), Schuss­waf­fen und Kriegs­ma­te­r­i­al (Vorder­schaft-Repetier­flinte, Maschi­nen­pis­tole mit Schalldämpfer, Pis­tolen mit Schalldämpfer und manip­uliert­er Waf­fen­num­mer sowie mehrere Mag­a­zine und Patro­nen ver­schieden­er Kaliber“ (burgenland.orf.at, 7.6.21) und auch noch Wieder­betä­ti­gung, weil der Niederöster­re­ich­er NS-Devo­tion­alien gehort­et hat­te. Etwaige Verbindun­gen in die recht­sex­treme Szene wür­den noch geprüft.


Fall 16, April 2021/Niederösterreich: Heil Hitler, Waf­fen, NS-Devo­tion­alien (Update 30.4.21)

Aufge­fall­en sein soll der 37-jährige Niederöster­re­ich­er durch „Heil Hitler“-Schreiereien, braune Lieder, die er von seinem Handy abspielte und durch ras­sis­tis­che Äußerun­gen. Bei ein­er Haus­durch­suchung im Bezirk Gänserndorf

wur­den dann Dolche mit Hak­enkreuz, Helme, NS-Lit­er­atur, Münzen und Aufnäher ent­deckt. Von den bei­den gefun­de­nen Lang­waf­fen war nur eine reg­istri­ert. Die sichergestellte Hand­granate wurde let­ztlich durch den Ent­mi­n­ungs­di­enst des Bun­desmin­is­teri­ums für Inneres entsorgt. Den Besitz von NS-Devo­tion­alien und das Versenden von Videos mit NS-Bezug gab der Niederöster­re­ich­er bei der Ein­ver­nahme zu. Ras­sis­tis­che Äußerun­gen will er aber nicht gemacht haben. Zur Hand­granate sagte er, dass er diese gefun­den habe. (noe.orf.at, 30.4.21)

Fall 15, April 2021/Tirol: Granat­en, Sprengkapseln, andere Waf­fen & Wieder­betä­ti­gung (Update 14.4.21)

Wann bei dem pen­sion­ierten Gen­darner­iebeamten der beachtliche Fund getätigt wurde, welchen Hin­ter­grund es dazu gibt, ist (uns) nicht bekan­nt. Eine dies­bezügliche Polizeiaussendung haben wir verge­blich gesucht. Am 12. April hat­te der 72-Jährige jeden­falls seinen ersten Prozesstermin.

Eine deutsche Stiel­hand­granate, zwei Eier­hand­granat­en, eine Panz­er­granate, zwei Maschi­nen­pis­tolen, 42 elek­trische Sprengzün­der, 70 Sprengkapseln und vieles mehr: Ein heute 72-jähriger Unter­län­der besaß ein ganzes Arse­nal an ver­meintlich [ver­meintlich ist hier sprach­lich falsch; Anmk. SdR] ver­boten­em Kriegsmaterial.
Dafür hätte sich der ehe­ma­lige Gen­darm am Mon­tag eigentlich vor Gericht ver­ant­worten müssen. Doch die Rich­terin gewährte dem ohne Anwalt erschiene­nen Pen­sion­is­ten eine „Gal­gen­frist“. Da der Angeklagte auch gegen das Ver­bots­ge­setz ver­stoßen haben soll, wer­den nun die bei­den Prozesse zusam­men ver­han­delt. (krone.at, 13.4.21)

Fall 14, Jän­ner 2021/Wien: Nazi-Kram und Waf­fen (Update 1.2.21)

Bei einem in Wien-Sim­mer­ing leben­den, aus Ungarn stam­menden 46-Jähri­gen wur­den im Zuge ein­er Haus­durch­suchung NS-Devo­tion­alien und Waf­fen sich­er gestellt, darunter Attrap­pen von Hand­granat­en, Dolche und der Nach­bau ein­er Maschi­nen­pis­tole MP 40 samt Muni­tion – let­zteres befand sich in ein­er mit Reich­sadler und Hak­enkreuz verzierten Holzk­iste. Das und die zahlre­ichen weit­eren NS-Reliquien habe der Mann laut Eige­nangabe „auf Flohmärk­ten oder im Fach­han­del für Rep­likate gekauft bzw. selb­st mit­tels Met­allde­tek­tor gefun­den (…). Einen Teil dieser Gegen­stände würde er für eine Sta­tis­ten­rolle als Req­ui­siten benöti­gen.“ (wien.orf.at, 30.1.21)

Bemerkenswert ist, dass die Haus­durch­suchung auf­grund eines anderen laufend­en Ermitlungsver­fahrens stat­tfand. Und das dürfte kaum wegen ein paar Req­ui­siten für eine Sta­tis­ten­rolle gewe­sen sein.

Fall 13, Jän­ner 2021/Niederösterreich: Sprengstoff und Waf­fen (Update 1.2.21)

Eine ver­trauliche Mit­teilung hat­te das niederöster­re­ichis­che Lan­desamt für Ver­fas­sungss­chutz an die Adresse eines 70-Jähri­gen aus dem Bezirk Melk geführt – und dort ist man reich­lich fündig gewor­den: 25 kg Sprengstoff, 114 elek­trische Momentzün­der, 58 Stück Sprengkapseln, 320 Meter Zünd­schnur sowie eine Zünd­mas­chine und einige teil­weise kor­rodierte Waf­fen sind sich­er gestellt worden.

Hin­sichtlich dem Sprengstoff gab der Mann an, dass dieser sowie die weit­eren Spreng­mit­tel und das Zube­hör seinem bere­its vor mehr als einem Jahr ver­stor­be­nen Vater gehört zu haben. Der Pen­sion­ist wird auf­grund dem sichergestell­ten Sprengstoff und den weit­eren Spreng­mit­teln sowie hin­sichtlich der sichergestell­ten Schuss­waffe sowohl der Staat­san­waltschaft St. Pöl­ten als auch der zuständi­gen Bezirksver­wal­tungs­be­hörde zur Anzeige gebracht. (regionews.at, 28.1.21)

In der Pressemit­teilung der Lan­de­polizei­di­rek­tion wurde kein expliziter Bezug zu recht­sex­tremem Gedankengut hergestellt. Den­noch nehmen wir diese Mel­dung in unser­er Chronolo­gie auf, da er keineswegs aus­geschlossen wer­den kann.

Fall 12, Jän­ner 2021/Niederösterreich: Waf­fen, Kriegs­ma­te­r­i­al und NS-Devo­tion­alien (Update 20.1.21)

Ein 53-Jähriger aus dem Bezirk Hol­labrunn hat­te zu Hause jede Men­gen an Schuss­waf­fen, Einzel­teilen davon, Mess­er und Muni­tion sowie Kriegs­ma­te­r­i­al (Hand­granat­en, Flak-Kar­tuschen, Patro­nen …) gehort­et. Dazu kamen NS-Devo­tion­alien wie Hak­enkreuz­fah­nen, Met­all­box­en mit Reich­sadler und diverse ein­schlägige Anstecker.

Auf die Spur des 53-Jähri­gen gekom­men ist das LVT auf­grund eines ver­traulichen Hin­weis­es. Der Mann will nach Eige­nangabe nur ein Samm­ler ohne nation­al­sozial­is­tis­che Gesin­nung sein. „In Bezug auf die sichergestell­ten Gegen­stände erwarten den 53-Jähri­gen Anzeigen bei der zuständi­gen Bezirksver­wal­tungs­be­hörde. Zusät­zlich wird die Staat­san­waltschaft Korneuburg über die Funde informiert. Weit­ere Ermit­tlun­gen konzen­tri­eren sich auf etwaige Hin­ter­män­ner.“ (krone.at, 18.1.21)

Pressemitteilung LPD Niederösterreich 18.1.21

Pressemit­teilung LPD Niederöster­re­ich 18.1.21

Fall 11, Dezem­ber 2020/Niederösterreich: Zufalls­fund beim Waf­fend­eal­er und Polizist als Deal­er für den Deal­er (Update 20.1.21)

In ein­er zweit­en Haus­durch­suchung am 20. Dezem­ber im Wohn­haus des Neon­azi-Waf­fend­eal­ers Peter B. in Gun­trams­dorf ist ein weit­eres Waf­fe­narse­nal aufge­fun­den wor­den. Offen­bar durch Zufall! Der Kuri­er (24.12.20) berichtet zur Razzia:

Dort, wo B. [abgekürzt von SdR] zulet­zt gemeldet war. Es dürfte ein Zufall gewe­sen sein, dass die Ermit­tler vor Ort noch einen weit­eren Hin­weis beka­men – auf eine Woh­nung auf Stiege 1 samt Keller. B.s ver­stor­bene Eltern hat­ten dort gewohnt. Die Woh­nung dürfte B. unter­ver­mi­etet haben. Den Keller soll er aber selb­st weit­er­be­nutzt haben. Genau hier fand die Polizei ein weit­eres riesiges Waf­fen- und Sprengstof­flager. Zwei Hand­granat­en, vier Anti-Per­so­n­en-Minen, zwei Kilo TNT, kisten­weise Muni­tion und vol­lau­toma­tis­che Waf­fen. Ange­blich auch ein Scharf­schützen-Gewehr. „Es waren Berge von Waf­fen“, schildert ein Augenzeuge.

Auch ein Nach­bar von B. dürfte zu den Verdächti­gen gezählt haben; er soll laut Kuri­er in U‑Haft genom­men wor­den und dann wieder ent­lassen wor­den sein.

Qua­si als zweifel­haftes Neu­jahrs­geschenk kam die Nachricht, dass ein Polizist aus Niederöster­re­ich als Waf­fend­eal­er für B. agiert haben soll. Als regelmäßiger Besuch­er von Mil­i­tary-Messen habe er Kon­tak­te zur recht­sex­tremen Szene aufge­baut. Bei drei Tre­f­fen soll der Beamte der recht­en Hand des Ban­den­boss­es jeden­falls ins­ge­samt 5000 Schuss Muni­tion für Maschi­nen­waf­fen um 850 Euro verkauft haben. Durch Ver­lassen­schaften, über die ihn Bezirks­be­hör­den beru­flich informierten, hat­te er leicht­en und bil­li­gen Zugang.“ (krone.at, 1.1.21)

Der auch für den Staatss­chutz tätige, inzwis­chen sus­pendierte Polizeibeamte soll kein­er­lei Reue gezeigt haben: „Reue oder Schuld­be­wusst­sein zeigt der Verdächtige aber nicht …“ (krone.at)

Fall 10, Dezem­ber 2020/Tirol: NS-Devo­tion­alien, Waf­fen und Sucht­gift (Update 17.12.20)

Zwei Haus­durch­suchun­gen bei vier Per­so­n­en zwis­chen 24 und 34 Jahren (drei deutsche Staatsbürger*innen und eine ser­bis­che Staats­bürg­erin) förderten nicht nur einige ein­schlägie Gegen­stände wie Wehrma­cht­shelme verziert mit Hak­enkreuz und SS-Rune zutage, son­dern auch aller­lei Waf­fen. Totschläger, Schla­gringe, Macheten, But­ter­fly­mess­er, Wurfmess­er und eine Gewehrpa­trone sowie eine Schreckschuss­pa­trone. Dazu kam noch eine geringe Menge Sucht­gift. (Vgl. krone.at, 17.12.20)

Ende Okto­ber waren eben­falls im Bezirk Reutte zwölf jugendliche Mit­glieder ein­er Neon­azi-Bande aus­ge­forscht wor­den. Auch bei ihnen wur­den im Zuge von Haus­durch­suchun­gen Waf­fen sich­er gestellt.

Fall 9, Dezem­ber 2020/Wien und Niederöster­re­ich: Waf­fen­han­del bei Neonazis

Sieben Fes­t­nah­men im Neon­az­im­i­lieu – fünf Österreicher*innen und zwei aus Bay­ern –, darunter ein­er, der ver­mut­lich seit Jahrzehn­ten nicht viel anderes getan hat, als mit Waf­fen zu dealen. Bestens ver­net­zt in Öster­re­ich und außer­halb, beson­ders nach Deutsch­land, organ­isierte Peter B. Waf­fen vom Balkan, die ange­blich zum Auf­bau ein­er Neon­azi-Miliz in Deutsch­land dienen hät­ten sollen. Was erstaunt: B. saß in der Haft, ange­blich in der Jus­ti­zanstalt Wien-Sim­mer­ing, die als beson­ders lib­erale Vol­lzugsanstalt gilt. Im Juni 2018 hat­te er zweiein­halb Jahre wegen Wieder­betä­ti­gung und Verge­hen nach dem Waf­fenge­setz aus­ge­fasst – „Stoppt die Recht­en“ hat­te damals exk­lu­siv vom Prozess berichtet. Knapp davor war B. in Pas­sau zu zehn Monat­en bed­ingt verurteilt wor­den. Das Delikt: Waffenhandel!

Nach einem Hin­weis seit­ens der deutschen Polizei im Okto­ber zu Sucht­mit­tel­han­del sei man im Zuge der Ermit­tlun­gen auf die Nazi-Truppe und den Waf­fen­han­del gestoßen. Bei Haus­durch­suchun­gen der let­zten Woche in Wien, Baden, Krems und Tulln stellte die Polizei neben Wehrma­cht­suten­silien, kilo­weise Dro­gen und Bargeld ein riesiges Waf­fe­narse­nal sich­er: Uzis, AK 47, Sko­r­pi­on-MP, Stur­mgewehre – ins­ge­samt 76 voll- und hal­bau­toma­tis­che Lang­waf­fen, 14 Faust­feuer­waf­fen, 6 Hand­granat­en, Zünd­stoff, Sprengstoff und mehr als 100.000 Schuss Muni­tion und massen­haft Zubehör.

Pressemitteilung LPD Wien 12.12.20: Waffen, Drogen, Wehrmachtsgegenstände bei Neonazis

Pressemit­teilung LPD Wien 12.12.20: Waf­fen, Dro­gen, Wehrma­chts­ge­gen­stände bei Neonazis

Der Drahtzieher Peter B. soll die Waf­fengeschäfte vom Gefäng­nis aus und/oder bei seinen Freigän­gen organ­isiert haben – zum Schluss wohl unter Beobach­tung der ermit­tel­nden Behörden.

Fall 8, Sep­tem­ber 2020/Wien: NS-Devo­tion­alien und Waffenlager

Dass Waf­fen­lager in Öster­re­ich regelmäßig aus­ge­hoben wer­den, dass deren Besitzer vielfach aus der recht­sex­tremen Ecke kom­men, ist nichts Neues. Das im Sep­tem­ber im Zuge ein­er Razz­ia aus­ge­hobene Lager, fällt jedoch auch dadurch auf, dass es sich am Czern­in­platz, unweit vom Haus befand, in dem sich in den 1990er- und 2000er-Jahren Got­tfried Küs­sel samt Kam­er­aden aus­ge­bre­it­et hat­ten. Küs­sel und ein weit­er­er verurteil­ter Alpen-Donau-Aktivist besitzen dort noch immer drei Wohnungen.

SS-Dolche, Hitler­dolche, ein Naz­i­helm und das Eis­erne Kreuz: Das ist nur eine Auswahl der NS-Mem­o­ra­bil­ia, die Polizis­ten am Mittwoch in ein­er Woh­nung in Wien gefun­den haben. Dazu kam eine Vielzahl an Waf­fen, deren Herkun­ft jet­zt über­prüft wird. Nach­barn beze­ich­neten die Woh­nung als wahres Waf­fen­lager, der Besitzer hat­te offen­bar auch vor einem größeren Per­so­n­enkreis mit sein­er Samm­lung geprahlt. (…) Geprüft wird, ob er Teil eines größeren Net­zw­erks war. (…). Außer­dem soll der Verdächtige in den ver­gan­genen Jahren geschäftliche Beziehun­gen zum Bun­desheer und zu Wiener Behör­den gehabt haben. (derstandard.at, 17.9.20)

Sei­ther wurde in dieser Causa nichts mehr publik.

Fall 7, Juli 2020/Deutschland und Öster­re­ich: Waf­fen­han­del im Neonazi-Milieu

Viel wis­sen wir, zumin­d­est was den Öster­re­ich-Bezug bet­rifft, noch nicht über die Razz­ien, die am 8. Juli in Sach­sen, Sach­sen-Anhalt, Bay­ern und Öster­re­ich in der Neon­azi- und Reichs­bürg­er­szene stattge­fun­den haben. Hierzu­lande gab’s bloß eine APA-Mel­dung, die aus deutschen Bericht­en zusam­mengestöpselt wurde.

Anlass der Ermit­tlun­gen waren mut­maßliche Ver­stöße gegen das Kriegswaf­fenkon­trollge­setz sowie das Waf­fenge­setz – konkret geht es um Waf­fen­liefer­un­gen aus Kroa­t­ien nach Deutsch­land mit Bezü­gen nach Öster­re­ich und in die Schweiz. (…) Schw­er­punkt der Durch­suchun­gen war Bay­ern, wo die Ermit­tler im Großraum München sowie in den Land­kreisen Rosen­heim, Erd­ing und Deggen­dorf im Ein­satz waren. In Sach­sen, Sach­sen-Anhalt und Öster­re­ich wurde jew­eils ein Objekt durch­sucht; in welchen Regio­nen genau, wollte ein Sprech­er der Gen­er­al­staat­san­waltschaft unter Ver­weis auf ermit­tlungstak­tis­che Gründe nicht sagen. (APA, 8.7.20)

Am 8. Dezem­ber berichtete das ZDF-Mag­a­zin Frontal 21, dass in dieser Causa gegen den früheren NPD-Mann Alexan­der R. ermit­telt würde. Und noch mehr: Die Waf­fen kön­nten für die AfD bes­timmt sein.

Belastet wird R., neben den Waf­fen­fun­den, durch ein Geständ­nis eines Mit­tels­man­nes, der gegenüber kroat­is­chen Behör­den die Waf­fend­eals mit dem Deutschen ges­tanden hat­te. Dem­nach habe R. erk­lärt, die Waf­fen „seien für die AfD, eine rechte Partei“ bes­timmt. Im Geständ­nis heißt es, R. habe Inter­esse an „automa­tis­chen Waf­fen, Kurzwaf­fen, Pumps, Sko­r­pi­one und Kalaschnikows“. (…) Aus­lös­er der Ermit­tlun­gen war ein Amt­shil­feer­suchen der kroat­is­chen Behör­den. Im März 2018 flog in dem Balka­nstaat eine Liefer­ung mit ille­galen Waf­fen für Empfänger in Deutsch­land auf. Über Monate hat­ten kroat­is­che Fah­n­der Waf­fen­schieber überwacht und deren Kom­mu­nika­tion entschlüs­selt. Bei Razz­ien stießen sie auf zahlre­iche automa­tis­che Gewehre, Muni­tion, Hand­granat­en und einen Raketen­wer­fer. (Frontal 21, Waf­fen vom Balkan. Wie Recht­sradikale aufrüsten)

Über die öster­re­ichis­che Beteili­gung, wo die Haus­durch­suchung mit welchen Ergeb­nis­sen stattge­fun­den hat, ist weit­er­hin nichts bekan­nt. Auch nicht, ob es Bezüge zu Peter B. und dessen Deals gibt.

Fall 6, Juli 2020/Niederösterreich: Waf­fen und NS-Devotionalien

In seinem Büro in Gmünd hat­te ein 35-jähriger Ex-FPÖ-Funk­tionär NS-Mer­chan­dise aus­gestellt. Nach ein­er Anzeige fand die Polizei im Zuge ein­er Durch­suchung diverse Waf­fen, darunter „auch ille­gale Waf­fen in Form von Kriegs­ma­te­r­i­al (zwei Maschi­nen­pis­tolen mit Schalldämpfer), ein­er ver­bote­nen Waffe (schießen­der Kugelschreiber) sowie Muni­tion in größerem Aus­maß (…), Sprengkapseln und NS-Devo­tion­alien“ (noen.at, 3.7.20).

Fall 5, April 2020/Oberösterreich: Riesiges Waf­fe­narse­nal und Nötigung

Diese Mel­dung hat es sog­ar in die inter­na­tionalen Medi­en geschafft: Nach­dem ein 65-jähriger Pen­sion­ist aus Rain­bach im Müh­lkreis sein­er Ex-Fre­undin mit einem Killer und ein­er Schuss­waffe, die er immer bei sich trüge, dro­hte, weil die deren langjährige Affäre der Ehe­frau des Mannes gesteckt hat­te, ging die Ex-Fre­undin zur Polizei und zeigte den Mann an. Die Cobra rück­te aus und fand im Keller ein Waf­fe­narse­nal, das dazu geeignet sei, die gesamte oberöster­re­ichis­che Polizei etwa vier Jahre auszus­tat­ten. Es war nach Angaben der oberöster­re­ichis­chen Polizei ein­er der größten Waf­fen­funde der let­zten Jahrzehnte.

Nach bish­erigem Ermit­tlungs­stand wurde Fol­gen­des sichergestellt und in drei Klein-Lkw abtransportiert:
• mehr als 1 Mil­lion Stück Muni­tion aller Kaliber
• min­destens 20 vol­lau­toma­tis­che Waffen
• min­destens 100 Faustfeuerwaffen
• min­destens 30 Lang­waf­fen (u.a. auch Scharfschützengewehre)
• min­destens 100 Schalldämpfer (laut Angaben des Beschuldigten sel­ber hergestellt) (Lan­despolizei­di­rek­tion Oberöster­re­ich, 6.4.20
)

Der Mann wurde 20. Mai aus der Unter­suchung­shaft ent­lassen. Im Zuge des Prozess­es im Novem­ber wurde er im Punkt der Nöti­gung freige­sprochen, für den ille­galen Waf­fenbe­sitz erhielt er ger­ade ein­mal acht Monate bed­ingt und eine Geld­strafe über 960 Euro. Er sei ja nur ein­er Samm­ler­lei­den­schaft nachgegangen.

Fall 4, Jän­ner 2020/Niederösterreich: Schuss­waf­fen und Suchtgift

Im Jän­ner wurde ein Waf­fen­lager bei einem 60-Jähri­gen aus dem Bezirk Baden ausgehoben.

Im Zuge der Ermit­tlun­gen und der daraufhin durchge­führten Haus­durch­suchung kon­nten an der Wohnadresse neben legal besesse­nen Schuss­waf­fen auch eine große Anzahl an ille­galen Schuss­waf­fen und Waf­fen sowie Muni­tion im [sic!] größerem Aus­maß als auch Sucht­mit­tel in geringer Menge vorge­fun­den und sichergestellt wer­den. (noen.at, 22.1.20)

Die Polizei sei auf der Suche nach diversen Hin­ter­män­nern, hieß es im Jän­ner. Sei­ther war in dieser Causa nichts mehr zu vernehmen.

Fall 3, Dezem­ber 2019/Niederösterreich: Waf­fen, Kriegs­ma­te­r­i­al und NS-Devo­tion­alien (Update 20.10.21)

Bei einem 52-jähri­gen Göllers­dor­fer (Bezirk Hol­labrunn) wur­den im Zuge ein­er Razz­ia am 16. Dezem­ber 2019 122 großteils funk­tion­stüchtige Waf­fen und Kriegs­ma­te­r­i­al aus­ge­hoben. Da der Mann mit den Waf­fen auch han­delte und den Post­paketen NS-Devo­tion­alien als Zugabe bei­legte, bei ihm zudem eine Kiste mit NS-Kram gefun­den wurde, gab’s auch eine Anklage nach dem Verbotsgesetz.

Der Niederöster­re­ich­er musste sich im Okto­ber 2021 vor dem Lan­des­gericht Korneuburg ver­ant­worten – vor­erst nur wegen des Ver­dachts auf Wieder­betä­ti­gung, weil das Ver­fahren wegen Ver­stoßes gegen das Waf­fenge­setz geson­dert geführt wird. Der Prozess nach dem Ver­bots­ge­setz endete zumin­d­est erstin­tan­zlich mit einem Freispruch.

➡️ Waf­fen, Waf­fen, Waffen

Fall 2, September/Dezember 2019/Niederösterreich: Waf­fen und Chemikalien

Nach einem sim­plen Ladendieb­stahl und ein­er darauf fol­gen­den Haus­durch­suchung flog das Waf­fen­lager eines 50-Jähri­gen aus dem Bezirk Baden auf.

Ins­ge­samt fand man fünf ver­botene Waf­fen, wie Maschi­nen­pis­tolen, 58 genehmi­gungspflichtige Faust­feuer­waf­fen und 16 Waf­fen, die reg­istri­ert hät­ten wer­den sollen. Zudem hat­te der Mann auch ein großes Arse­nal an Chemikalien. Darunter Ace­ton, Wasser­stoff­per­oix, Salzsäure, Schwe­fel­säure, Kali­um­ni­trat, gel­ber Phos­phor. „Die Chemikalien sind an sich nicht ver­boten. Man kann damit aber Sprengstoff her­stellen“, erk­lärt ein Beamter gegenüber der NÖN. (noen.at, 23.12.19)

Die Erk­lärung des Mannes: Er sei ein Waf­fen­narr und habe Inter­esse an Chemie.

Fall 1, Juli 2019/Juni 2020/Niederösterreich: Schuss­waf­fen und Sprengkapseln

Ende Juni 2020 stand ein 78-jähriger Wald­viertler vor Gericht. Er habe 80 ille­gale Waf­fen bei sich zu Hause gelagert – zusät­zlich 24 legale Waffen.

Darunter stell­ten die Ermit­tler Pis­tolen, Revolver sowie Lang­waf­fen und auch Teile von Schuss­waf­fen, Krieg[s]material, Sprengkapseln und an die tausend Schuss sich­er. Unter anderem zählten 25 Stück (halb- und vol­lau­toma­tis­che Waf­fen sowie eine Panzer­büchse) der ille­gal besesse­nen Waf­fen zu der Kat­e­gorie A des Waf­fenge­set­zes und sind in Öster­re­ich ver­boten. (noen.at, 29.6.20)

Die Erk­lärung vor Gericht:

Er habe vor Jahren zwei Waf­fen­tester ken­nen gel­ernt, und die hät­ten ihm beim Auf­bau eines Schieß­s­tandes unter­stützt. Er habe sich revanchiert: „Damit sie die Waf­fen und die Muni­tion für die Tests nicht immer trans­portieren müssen, habe ich sie halt bei mir gelagert. Als sie dann über­raschend ver­stor­ben sind und kein­er Inter­esse an den Waf­fen angemeldet hat, blieben sie halt bei mir“, erk­lärte er. (noen.at)

Das (noch nicht recht­skräftige) Urteil von sechs Monat­en Haft auf Bewährung und ein Waf­fen­ver­bot fiel sehr milde aus. Ob der Mann gefragt wurde, mit welchem Ziel die bei ihm aufge­fun­de­nen Sprengkapseln getestet wer­den soll­ten, geht aus dem Medi­en­bericht nicht hervor.

Bei dieser Zusam­men­stel­lung han­delt es sich um den aktu­al­isierten Beitrag vom 16.7.2020. Bei der Auflis­tung beste­ht kein Anspruch auf Voll­ständigkeit, da hier nur Funde gelis­tet sind, über die wir durch Medi­en­berichter­stat­tung – manch­mal zufäl­lig – Ken­nt­nis erlangt haben.

 

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