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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Einzelfälle: Die Top 8 aus den hinteren FPÖ-Reihen

Der „Stan­dard“ hat in Koope­ra­ti­on mit „Stoppt die Rech­ten“ 200 Per­so­nen ange­se­hen, die auf den Wahl­vor­schlä­gen der FPÖ ste­hen – von der Bun­des­lis­te, über die Lan­des­lis­ten bis zu den Regio­nal­wahl­kreis­lis­ten. Wir haben unse­re Top 8 aus den Rei­hen hin­ter den Par­tei­spit­zen raus­ge­sucht und zei­gen, wie durch­setzt die FPÖ auf allen Ebe­nen mit „Ein­zel­fäl­len“ ist.

28. Sep. 2024
Sitzungssaal Nationalrat (© Parlamentsdirektion/Thomas Topf; Ausschnitt)
Sitzungssaal Nationalrat (© Parlamentsdirektion/Thomas Topf; Ausschnitt)

Table of Contents

Togg­le
  • Nor­bert Neme­th, Strip­pen­zie­her im Hintergrund
  • Rein­hard Teu­fel, Mul­ti­funk­tio­när und Großverdiener
  • Wen­de­lin Möl­zer, Sohn
  • Domi­nic Mai­er, Identitärenfreund
  • Der rechts­extre­me Nach­wuchs: Sil­vio Hem­mel­mayr, And­re Stranz­in­ger, Maxi­mi­li­an Wein­zierl & Kon­stan­tin Leitinger

Norbert Nemeth, Strippenzieher im Hintergrund

Nor­bert Neme­th (Wien) ist lang­jäh­ri­ger Klub­di­rek­tor im FPÖ-Par­la­ments­klub und kan­di­diert auf Platz 9 der Bun­des­lis­te. Sei­ne Chan­cen, in den Natio­nal­rat ein­zu­zie­hen sind daher groß. Neme­th ist Mit­glied der pen­na­len Bur­schen­schaft Van­da­lia Wien und der immer wie­der am Ran­de des Neo­na­zis­mus krat­zen­den Bur­schen­schaft Olym­pia. Beim ÖPR-Bur­schen­tag in Schär­ding im Juni 2024 hielt Neme­th die Fest­re­de. Zuletzt ist er öffent­lich ein­schlä­gig auf­ge­fal­len, weil er nach dem Gewal­teklat vor der Uni Wien, in den Götz Kubit­schek und sein Umfeld direkt ver­wi­ckelt waren, zusam­men mit wei­te­ren FPÖ-Ver­tre­tern am Podi­um einer Ver­an­stal­tung saß, die die FPÖ mit der neu­rech­ten Sze­ne­grö­ße aus Schnell­ro­da in den Räum­lich­kei­ten des FPÖ-Klubs im Par­la­ment orga­ni­siert hatte.

Neme­th galt bis­her als Par­tei­ideo­lo­ge im Hin­ter­grund. Er lei­tet als „Prä­si­dent“ den „Atter­see­kreis“, ein rechts­in­tel­lek­tu­el­ler Think Tank, der mit sei­nem vier­tel­jähr­lich erschei­nen­den „Atter­see-Report“ ein guter Anzei­ger dafür war und ist, wohin die Rei­se mit der FPÖ führt. Neme­ths Fest­re­de in Schär­ding ist im letz­ten Atter­see Report (9.24, S. 38) abge­druckt. Dort heißt es:

Prüft Eure Leh­rer! Nicht alle mei­nen es schlecht mit euch, wenn auch vie­le. Unser Ver­band und sei­ne Reprä­sen­tan­ten wer­den ein schar­fes Auge auf all jene wer­fen, denen die kom­mu­nis­ti­sche Uto­pie näher ist als die Bun­des­ver­fas­sung und die sich dazu beru­fen füh­len, unse­re Akti­ven mit schlech­ten Noten zu bestra­fen, bloß weil sie patrio­tisch den­ken und fühlen.

Ver­traut euren Alten Her­ren! Sie sind die Säu­len unse­rer Ver­bin­dun­gen. Unse­re Bün­de sind der Rah­men, durch den unse­re Leis­tun­gen unse­re eige­ne Lebens­zeit überdauern.

Die Ein­rich­tung einer Denun­zia­ti­ons­mel­de­stel­le gegen miss­lie­bi­ge Leh­ren­de fin­det sich tat­säch­lich im FPÖ-Wahlprogramm.

Reinhard Teufel, Multifunktionär und Großverdiener

Rein­hard Teu­fel (Nie­der­ös­ter­reich, Platz 19 auf der Bun­des­lis­te) ist einst als Kick­ls Kabi­netts­chef im Innen­mi­nis­te­ri­um einer brei­te­ren Öffent­lich­keit bekannt gewor­den. Wel­che Rol­le er beim Über­fall auf das BVT gespielt hat, wur­de nicht ganz klar, denn in der Befra­gung im Unter­su­chungs­aus­schuss gab sich der bei der „Bri­xia Inns­bruck“ Kor­po­rier­te als Meis­ter der Ahnungs­lo­sig­keit.

Wenig Freu­de hat­te Teu­fel über einem Arti­kel von „Öster­reich“ (21.9.19), als die aus einem BVT-Akt zitier­te, in dem fest­ge­stellt wur­de, dass Teu­fel auch in sei­ner Zeit als Kick­ls Kabi­netts­chef in regem Kon­takt mit dem Iden­ti­tä­ren­chef Mar­tin Sell­ner stand. Damals, als die Spen­de des Christ­church-Atten­tä­ters an Sell­ner selbst bei der FPÖ zu einer „Distan­zie­re­rei“ gereicht hat, hat­te Teu­fel den Öster­reich-Arti­kel noch als „Skan­da­li­sie­rungs­ver­such ohne neue Erkennt­nis­se“ (derstandard.at , 22.9.19) bezeich­net.

Der Mann ohne Wahr­neh­mun­gen hat es noch knapp vor dem Ibi­za-Video qua­si als Neben­job in den nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Land­tag und nach der letz­ten Wahl zum Klub­ob­mann der FPÖ im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Land­tag geschafft. Der Mul­ti­funk­tio­när Teu­fel ist nicht nur nach wie vor für den FPÖ-Par­la­ments­klub beschäf­tig, son­dern – nebst wei­te­ren Tätig­kei­ten – über die Regie­rungs­be­tei­li­gung in Nie­der­ös­ter­reich auch bezahl­ter Auf­sichts­rat. Er gehört als bes­tens bezahl­ter Klub­ob­mann mit einem Neben­ver­dienst von 8.000 bis 12.000 Euro zu den Groß­ver­die­nern im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Land­tag. Ein rich­ti­ger Ver­tre­ter des „klei­nen Man­nes“ eben!

Wendelin Mölzer, Sohn

Wen­de­lin Möl­zer (Kärn­ten), Mit­glied des zuletzt wegen Anti­se­mi­tis­mus­vor­wür­fen hart in die Kri­tik gera­te­nen Corps „Van­da­lia Graz“, dem auch sein Vater Andre­as und eine Rei­he wei­te­rer Fami­li­en­mit­glie­der ange­hö­ren, fin­det sich auf der Kärnt­ner Lan­des­lis­te auf Platz 20 und auf der Bun­des­lis­te auf Platz 17. Er gibt als Beruf „Jour­na­list“ an. Sei­ne Haupt­qua­li­fi­ka­ti­on dafür hat sich Wen­de­lin bei dem von sei­nem Vater gegrün­de­ten Wochen­ma­ga­zin „Zur Zeit“ geholt, das er zuwei­len als „Chef­re­dak­teur“ gelei­tet hat. Der Stu­di­en­ab­bre­cher und daher Nicht­aka­de­mi­ker Möl­zer ist Obmann des „Ver­band Frei­heit­li­cher Aka­de­mi­ker Kärn­ten“ und war in die­ser Funk­ti­on auch feder­füh­rend bei der Jubi­lä­ums­ver­an­stal­tung „100 Jah­re Volks­ab­stim­mung“, in deren Ein­la­dungs­bro­schü­re es hieß, die Kärnt­ner Volks­ab­stim­mung am 10. Okto­ber 1920 sei nur des­halb mög­lich gewe­sen, weil zuvor der Abwehr­kampf gegen die „süd­sla­wi­schen Ein­dring­lin­ge“ geführt wurde.

Dazu bes­tens pas­send ist Wen­de­lin Möl­zer auch Schrift­füh­rer beim „Kärnt­ner Hei­mat­dienst“, dem Vater Andre­as als Obmann vor­steht. Wen­de­lin Möl­zer war von 2013 bis 2019 bereits Abge­ord­ne­ter im Natio­nal­rat und durf­te sich dort als Bil­dungs­spre­cher üben. Was ihn dafür qua­li­fi­ziert hat, blieb Bildungsexpert*innen wohl ein Rätsel.

Dominic Maier, Identitärenfreund

Der auf Platz eins im Regio­nal­wahl­kreis Salz­burg Stadt plat­zier­te Domi­nic Mai­er war Chef der Salz­bur­ger FPÖ und wur­de in die­ser Funk­ti­on nach kur­zer Amts­zeit über­ra­schend von Paul Dürn­ber­ger abge­löst, der die Blau­en dann auch in den Gemein­de­rats­wahl­kampf führ­te. Der beim pflicht­schla­gen­den Corps Fran­ko­nia-Brünn orga­ni­sier­te Bun­des­heer­of­fi­zier und Obmann des „Frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­ban­des Salz­burg“ wech­sel­te dar­auf­hin in den Salz­bur­ger Landtag.

2022 nahm Mai­er, damals gera­de frisch­ge­ba­cke­ner Par­tei­chef in Salz­burg Stadt, an dem von „Info-Direkt“ und dem iden­ti­tä­ren Tarn­ver­ein „Hay­mon“ orga­ni­sier­ten Ver­net­zungs­tref­fen „Berg-Kon­gress“ in Schwaz/Tirol teil. Als publik wur­de, dass sein Nach­fol­ger als frei­heit­li­cher Stadt­chef, Paul Dürn­ber­ger, fah­nen­schwen­kend bei der iden­ti­tä­ren Demo am 27. Juli in Wien gesich­tet wur­de, mein­te Mai­er: „Die Iden­ti­tä­re Bewe­gung ist eine Orga­ni­sa­ti­on wie der Alpen­ver­ein oder SOS-Kin­der­dorf.“ Bei­de Orga­ni­sa­tio­nen ver­wehr­ten sich gegen die­se Dif­fa­mie­rung. Ermitt­lun­gen wegen des Ver­dachts auf Ver­het­zung – Mai­er hat­te Klimaaktivist*innen als „Öko­ter­ro­ris­ten, Bar­ri­ka­den­bau­er und Auto­zünd­ler“ beschimpft – wur­den eingestellt.

Der rechtsextreme Nachwuchs: Silvio Hemmelmayr, Andre Stranzinger, Maximilian Weinzierl & Konstantin Leitinger

Drei die­ser Kan­di­da­ten ist gemein­sam, dass sie auf aus­sicht­lo­ser Stel­le plat­ziert sind: Sil­vio Hem­mel­mayr (Platz 109 Bun­des­lis­te), Obmann des frei­heit­li­chen Nach­wuch­ses in Ober­ös­ter­reich, hat­te das zwei­fel­haf­te Pri­vi­leg, im Juli 2023 auf der stark auch mit Neo­na­zis durch­setz­ten iden­ti­tä­ren Demo in Wien als Red­ner den „Schul­ter­schluss“ zwi­schen der blau­en Jugend und den Iden­ti­tä­ren zu ver­kün­den, der „erst der Anfang sein [wer­de] von etwas ganz Gro­ßem“. Dafür emp­fiehlt Mar­tin Sell­ner, Hem­mel­mayr mit einer Vor­zugs­stim­me zu belohnen.

And­re Stranz­in­ger (Platz 17 Lan­des­lis­te OÖ), seit eini­gen Mona­ten Obmann der Frei­heit­li­chen Jugend Bezirk Ried, Mit­glied der Bur­schen­schaft Ger­ma­nia Ried, besticht schon optisch durch sei­ne streng geschei­tel­te Fri­sur. Auf zumin­dest einer Coro­na-Demo in Wien war er für das rechts­extre­me „Info-Direkt“ unter­wegs, um dort, wie es Micha­el Scharf­mül­ler aus­drück­te, „den ‚Exper­ten‘ der Anti­fa genau auf die Fin­ger“ zu sehen. Was der Jung­blaue Stranz­in­ger, des­sen Wahl ein­zel­ne Iden­ti­tä­re eben­falls emp­feh­len, dabei ent­deckt hat, blieb bis jetzt ein Geheimnis.

Der Bun­des­ob­mann der Frei­heit­li­chen Jugend (FJ), Maxi­mi­li­an Wein­zierl (Platz 12 Lan­des­lis­te Wien und Platz 1 Regio­nal­wahl­kreis Wien Innen Ost), gilt als ver­läss­li­cher Lie­fe­rant von Ein­zel­fäl­len: Er war 2021 bei einer Kund­ge­bung an der öster­rei­chisch-unga­ri­schen Gren­ze „Gegen den Asyl­wahn“, für den auch die Iden­ti­tä­ren gekur­belt hat­ten. Gekom­men ist dann auch eine Rei­he von Per­so­nen aus dem direk­ten Umfeld von Gott­fried Küssel.

Wein­zierl war auf Coro­na-Demos genau­so anzu­tref­fen wie mit Kubit­schek im Novem­ber 23 vor der Uni Wien und dann spä­ter am Podi­um u.a. mit Nor­bert Neme­th. Aus rechts­extre­mer Sicht hat Wein­zierl als FJ-Chef sein bis­he­ri­ges Husa­ren­stück wohl mit jenem Pro­pa­gan­da­vi­deo im Som­mer 2023 gelie­fert, das sze­nen­wei­se an Hit­ler­ju­gend-Ästhe­tik erin­nert durch­ge­hend als neo­fa­schis­tisch zu klas­si­fi­zie­ren ist. Bei so viel Talent wird Wein­zierl inner­halb der FPÖ noch Kar­rie­re machen. Sei­ne Chan­cen, einen Platz im Natio­nal­rat zu ergat­tern, sind nicht aussichtlos.

Aus der West­stei­er­mark stammt Kon­stan­tin Leit­in­ger. Er ist Vor­stands­mit­glied der FPÖ Bezirk Deutsch­lands­berg und kan­di­diert auf der Bundes‑, Lan­des- und Regio­nal­wahl­kreis­lis­te an hin­te­ren Stel­len. Sein Name fin­det sich jedoch auch auf einer wei­te­ren Lis­te, näm­lich jener des Ver­fas­sungs­schut­zes, die 2019 publik gewor­den ist und auf der die dama­li­gen Spen­der und Mit­glie­der der Iden­ti­tä­ren ange­führt sind.

➡️ derstandard.at: Kick­ls radi­ka­le Mit­strei­ter: Wer hin­ter dem FPÖ-Chef kandidiert

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Schlagwörter: Atterseekreis | FPÖ | Kärnten/Koroška | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | Oberösterreich | Rechtsextremismus | RFJ | Salzburg | Steiermark | Wien

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