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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 5 Minuten

Die Identitären: kriminell, bewaffnet und mit Blaustich

Die Infor­ma­tio­nen über die Iden­ti­tä­ren, die nun Stück für Stück an die Öffent­lich­keit gespült wer­den, haben es in sich, bestä­ti­gen jedoch alles, was schon vor­her (ten­den­zi­ell) bekannt war: Die Iden­ti­tä­ren sind das Gegen­teil von dem, was etwa Heinz-Chris­ti­an Stra­che mein­te, als er sie blau­äu­gig als fried­li­che, nicht-lin­ke zivil­ge­sell­schaft­li­che Initia­ti­ve tät­schel­te. Den neu­en Ver­öf­fent­li­chun­gen nach han­delt es sich bei den Iden­ti­tä­ren um eine Ver­ei­ni­gung mit hohem Kri­mi­na­li­täts- und Gefah­ren­po­ten­ti­al. Die als iden­ti­tä­re Mit­glie­der geoute­ten FPÖ-Funk­tio­nä­rIn­nen reagie­ren aber so: Kei­ne Ahnung, ganz sicher nicht, eine Frechheit … 

12. Apr. 2019
Delikte der rechtskräftig verurteilten Identitären (Screenshot ZiB 2, 11.4.19)
Delikte der rechtskräftig verurteilten Identitären (Screenshot ZiB 2, 11.4.19)

Ges­tern, 11.4.19, waren es Details aus einem Anlass­be­richt des BVT, die via ZiB 2 und heu­te über die Salz­bur­ger Nach­rich­ten an die Öffent­lich­keit gin­gen. Der Bericht wur­de im Zuge des Ver­fah­rens gegen 17 Mit­glie­der der Iden­ti­tä­ren an die Gra­zer Staats­an­walt­schaft übermittelt.

Pro­zess 2018 in Graz: Mar­tin Sell­ner & Co. auf dem Weg ins Gericht, im Hin­ter­grund Felix Budin und Richard Pfingstl

Die Zahlen

Die Behör­den gehen von bis zu 550 Mit­glie­dern aus, der ORF erwähnt 528. Grund­la­ge dafür sei­en Zah­lun­gen an die IBÖ gewe­sen. Ob es sich wirk­lich um Mit­glie­der im for­ma­len Sinn han­delt oder „nur“ um Unter­stüt­ze­rIn­nen und/oder Akti­vis­tIn­nen, sei dahingestellt.

68 Mit­glie­der (so die For­mu­lie­rung im Anlass­be­richt) sei­en poli­zei­lich vor­ge­merkt, 32 sei­en bereits rechts­kräf­tig ver­ur­teilt. Die Lat­te an Delik­ten ist – im nega­ti­ven Sinn – beeindruckend:

16 Ver­ur­tei­lun­gen gab es dem­nach wegen Gewalt­de­lik­ten. Neun Mal kam es wegen einer Kör­per­ver­let­zung zu rechts­kräf­ti­gen Schuld­sprü­chen, ein Mal wegen Rauf­han­dels. Zwei Iden­ti­tä­re wur­den wegen Belei­di­gung ver­ur­teilt, jeweils einer wegen Dieb­stahls bzw. wegen Ver­sto­ßes gegen das Schuss­waf­fen­ver­bot und einer wegen poli­tisch moti­vier­ter Sach­be­schä­di­gung und Ver­ge­wal­ti­gung. Vier Mal kam es zu Schuld­sprü­chen wegen des Miss­brauchs von Sucht­mit­teln. Es gab laut Staats­schutz immer­hin auch sechs Ver­ur­tei­lun­gen nach dem Ver­bots­ge­setz. (SN, 12.4.19, S. 3)

75 Iden­ti­tä­re besit­zen (legal) Waf­fen, gegen zehn besteht ein behörd­li­ches Waffenverbot.

Die Ein­nah­men der Iden­ti­tä­ren sind im Lau­fe der Jah­re explo­diert, im März 2018 lagen sie bereits bei über 700.000 Euro, was als Unter­gren­ze zu ver­ste­hen ist, weil dies­be­züg­li­che Ermitt­lungn noch nicht abge­schlos­sen sei­en, wie es in der ZiB 2 hieß. Ein Kon­to der Iden­ti­tä­ren wur­de wegen des Ver­dachts auf Geld­wä­sche auf­ge­löst, wei­te­re wur­den ins Aus­land (z.B. Ungarn) verlagert.

Einnahmen der Identitären: zwischen 2016 und 2018 explodiert (Screenshot ZiB 2, 11.4.19)
Ein­nah­men der Iden­ti­tä­ren: zwi­schen 2016 und 2018 explo­diert (Screen­shot ZiB 2, 11.4.19)

Die FPÖ und die IBÖ

Dass FPÖ-Funk­tio­nä­rIn­nen im Nah­be­reich der IBÖ zu fin­den sind, ist schon seit Jah­ren klar. Wer davon auch Mit­glied ist – also offen­bar Zah­lun­gen geleis­tet hat – wis­sen wir nun wenigs­tens aus­zugs­wei­se: Neu ist Bri­git­te Kas­ho­fer. Die Amstett­ner Stadt­rä­tin ist in der Ver­gan­gen­heit durch diver­se Äuße­run­gen auf­fäl­lig gewor­den. 2011, als die Aberken­nung der Ehren­bür­ger­schaft von Adolf Hit­ler dis­ku­tiert wur­de, stach sie durch fol­gen­des State­ment hervor:

[N]och heu­te wer­den die Kriegs­ver­lie­rer pau­sen­los zu ein­sei­ti­gem Schuld­be­kennt­nis auf­ge­for­dert, wäh­rend in Ver­ges­sen­heit gerät, dass Eng­land den Krieg begon­nen“ hat. Das NS-Ver­bots­ge­setz beur­teil­te Bri­git­te Kas­ho­fer damals so: „[S]icherheitshalber wur­de das Ver­bots­ge­setz erlas­sen, um die Gebil­de­ten unter den Kri­ti­kern mund­tot zu machen.

2012 erlang­te Kas­ho­fer durch ihre Atta­cken auf Frau­en­häu­ser („Frau­en­häu­ser zer­stö­ren Ehen“) über­re­gio­na­le Auf­merk­sam­keit. 2011 fabu­lier­te sie, dass Gen­der Main­strea­ming Fami­li­en zer­stö­re und nichts ande­res sei als die Fort­set­zung des Zwei­ten Welt­krie­ges mit effek­ti­ve­ren Waffen.

2014 und 2015 zeig­te Kas­ho­fer offen Sym­pa­thie mit der damals gera­de erwa­chen­den Pegi­da Öster­reich. Dass es zwi­schen den Pegi­da-Akti­ven und der IBÖ Über­schnei­dun­gen gab, wur­de allei­ne durch die gemein­sa­me Teil­nah­me an diver­sen Auf­mär­schen ersichtlich.

2018 hielt Kas­ho­fer an ihrem Stadt­rats­kol­le­gen Bru­no Weber fest, der mit sei­nen homo­pho­ben und ras­sis­ti­schen Äuße­run­gen bekannt wur­de. Kas­ho­fer dazu:

„Er ist halt ehr­lich” ver­tei­digt die Amstett­ner FPÖ-Obfrau Bri­git­te Kas­ho­fer den blau­en Stadt­rat. „In Öster­reich darf jeder sei­ne Mei­nung sagen”, meint sie. Mehr sei dazu nicht zu sagen. Rück­tritts­auf­for­de­run­gen wären „lächer­lich”. (SN)

Kas­ho­fers Reak­ti­on auf das Outing, dass sie IBÖ-Mit­glied sei: „Ich gebe kei­ne Stel­lung­nah­me ab.“ (SN)

Die „Salz­bur­ger Nach­rich­ten“ füh­ren – wenig über­ra­schend – auch Ulrich Püschel als IBÖ-Mit­glied an. Püschel ist nicht nur Büro­lei­ter vom Lin­zer FPÖ-Chef Mar­kus Hein und 2018 in den Auf­sichts­rat der Linz AG gehievt wor­den, son­dern hält auch 30% der Antei­le an Info-Direkt, dem Ver­an­stal­ter des Kon­gres­ses der „Ver­tei­di­ger Euro­pas“. Zudem ist er stell­ver­tre­ten­der Obmann vom „Frei­heit­li­chen Aka­de­mi­ker­ver­band“ (FAV) OÖ, der wie­der­um 20,1975% Anteil am Aula-Nach­fol­ger, der „Frei­lich Medi­en GmbH“, hält. Püschel zu den SN: „Ich war nie Mit­glied der Iden­ti­tä­ren Bewe­gung, ich gren­ze mich davon ab und will damit nichts zu tun haben.“ Dür­fen wir laut lachen?

Mit der „Frei­lich Medi­en GmbH“ sind wir direkt bei Hein­rich Sickl, dem stei­ri­schen FAV-Obmann und Frei­lich-Geschäfts­füh­rer. Dass das „Frei­lich Maga­zin“ wie ein Organ aus der Feder der Iden­ti­tä­ren wirkt, haben wir bereits in ande­ren Bei­trä­gen thematisiert.

Sick­ls dicke Quer­ver­bin­dun­gen zur IBÖ waren trotz hef­ti­ger Pro­tes­te kei­ner­lei Hin­de­rungs­grund, ihn in den Gra­zer Gemein­de­rat zu holen. Sie sind für die Gra­zer Stadt­re­gie­rung auch jetzt kein Grund, ihm nahe­zu­le­gen, sein Man­dat abzu­ge­ben. Ein­zi­ge Kon­se­quenz bis­her: Er soll den Miet­ver­trag mit den Iden­ti­tä­ren lösen. Sick­ls Reaktion:

„Kei­ne Ahnung, was das für eine Lis­te ist. Ich bin nie Mit­glied gewe­sen oder irgend so etwas. Und jetzt bin ich kei­nes – natür­lich jetzt sowie­so kei­nes –, ich war es aber auch nie in der Geschich­te.“ Auf die Fra­ge, ob er Zah­lun­gen an die rechts­extre­me Grup­pie­rung aus­schlie­ßen kön­ne, sagt er: Ich fin­de die­se Fra­ge eine Frech­heit.“ (SN)

Geoutet wur­de auch Rein­hard Reb­handl. Er ist stell­ver­tre­ten­der FPÖ-Bezirks­par­tei­ob­mann im Ten­nen­gau und Ersatz­mit­glied des Bun­des­ra­tes, war Kan­di­dat für den Salz­bur­ger Land­tag, in den er es schluss­end­lich durch eine Vol­te der dor­ti­gen Par­tei­che­fin Mar­le­ne Sva­zek nicht schaff­te. Der dürf­te näm­lich das dro­hen­de Unge­mach, das schon allei­ne durch Reb­handls NS-Affi­ni­tä­ten aus­ging, bewusst gewe­sen sein.

Von den SN mit der ‚Mit­glie­der­lis­te’ des BVT kon­fron­tiert, sagt er: „Ich bin kein Mit­glied, zah­le kei­ne Spen­den, zah­le kei­nen Mit­glieds­bei­trag und gehe auf kei­ne Ver­an­stal­tung der Iden­ti­tä­ren.“ Wie er sich erklä­ren kön­ne, dass er vom Staats­schutz auf die­ser Lis­te geführt wer­de? „Es könn­te sein, dass ich vor Jah­ren ein­mal etwas gespen­det habe, aber ich weiß es nicht mehr.“ R. legt Wert auf die Fest­stel­lung, dass er sei­ner Ansicht nach kei­ne Per­son des öffent­li­chen Inter­es­ses ist. (SN)

Die­ses State­ment ist nicht nur ange­sichts von Reb­handls aktu­el­len Par­tei­funk­tio­nen gro­tesk, son­dern auch, weil meh­re­re Fotos bele­gen, dass Reb­handl an iden­ti­tä­ren Kund­ge­bun­gen teil­ge­nom­men und zudem die Begrü­ßungs­re­de gehal­ten hat­te, als sich sei­ne Bur­schen­schaft Gothia mit Iden­ti­tä­ren über den „gro­ßen Aus­tausch“ austauschte.

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