Die Fußstapfen des Rechtsverbinders

Der Name Reb­han­dl hat in Salzburg den recht­en Klang. Fritz Reb­han­dl, das war der 2006 ver­stor­bene und auch wegen Wieder­betä­ti­gung verurteilte Neon­azi. Rein­hard Reb­han­dl, das ist der Kan­di­dat der FPÖ für die Land­tagswahl 2018, deren stel­lvertre­tender Bezirksparteiob­mann im Ten­nen­gau und Burschen­schafter der Goth­ia Salzburg. Wodurch die bei­den miteinan­der ver­bun­den sind und warum wir Rein­hard als Rechtsverbinder beze­ich­nen, das wollen wir im Fol­gen­den erklären.

Die Kan­di­datur von Rein­hard Reb­han­dl auf dem ziem­lich sicheren zweit­en Lis­ten­platz im Ten­nen­gau hat Unruhe aus­gelöst – jeden­falls beim langjähri­gen FPÖ-Funk­tionär Anton Zuck­er­stät­ter, der sich selb­st Chan­cen für eine Kan­di­datur auf einem der vorderen Plätze aus­gerech­net hat. Weil er mit Burschen­schaftern nichts zu tun haben wolle, sei er über­gan­gen wor­den, mut­maßte Zuck­er­stät­ter gegenüber den „Salzburg­er Nachricht­en“.

FPÖ-Lan­desparte­ichefin Mar­lene Svazek rück­te daraufhin zur Vertei­di­gung ihrer Burschen­schafter aus und sprach in ein­er Pressekon­ferenz von „Men­schen­jagd“. Der bei der Pressekon­ferenz anwe­sende Rein­hard Reb­han­dl erk­lärte trotzig, dass er sich wohl für seine Mit­glied­schaft in ein­er Burschen­schaft nicht recht­fer­ti­gen müsse (SN).

Mar­leneS­vazek erk­lärt sich zu Burschen­schaftern auf Facebook

Doch! Aber nicht nur dafür. Rein­hard Reb­han­dl ist der Sohn von Fritz Reb­han­dl, dem wei­therum bekan­nten Salzburg­er Neon­azi, der 2006 ver­stor­ben ist. Für die famil­iäre Beziehung zu seinem Vater braucht sich der Sohn natür­lich nicht zu recht­fer­ti­gen, wohl aber für seine poli­tis­che. Als Fritz Reb­han­dl 2006 stirbt, erscheint die näch­ste Num­mer des „Volk­streuen“, eines bis dahin von Fritz Reb­han­dl her­aus­gegebe­nen braunen Blättchens, mit einem Nachruf der Söhne.

„Der Volk­streue“ – das Nazi-Blättchen von Fritz Rebhandl

Die schildern ohne jede spür­bare Dis­tanz die poli­tis­che Kar­riere ihres Vaters von einem ille­galen Mit­glied der Hitler­ju­gend über die Mit­glied­schaft zur SS, dann auch zur Waf­fen-SS bis hin zur Grün­dung der NDP unter Nor­bert Burg­er: „Im Jahr 1972 über­nahm unser Vater das Amt des Lan­desleit­ers der NDP für Salzburg und kon­nte rel­a­tiv rasch mit ein­er motivierten jun­gen Mannschaft Ein­druck erwecken.“

Die poli­tis­che Schlussfol­gerung der Söhne: „Aus heutiger Sicht betra­chtet, hat sich der ganze ‚Zinober’ (sic!) inner­halb des nationalen Lagers nicht aus­gezahlt. Hätte das frei­heitliche Lager aus­re­ichend Geschlossen­heit gezeigt, inner­halb der dama­li­gen FPÖ, wäre es niemals so weit gekom­men, wie es heute aussieht.“

Die ver­schwurbel­ten Sätze beziehen sich klar auf die tiefe Krise und Spal­tung der FPÖ im Jahr 2005 und bein­hal­ten wohl eine Mah­nung an das „nationale Lager“ zur Geschlossen­heit inner­halb der FPÖ. Als Ver­di­enst ihres Vaters, dessen Verurteilun­gen wegen NS-Wieder­betä­ti­gung uner­wäh­nt bleiben, führen die Söhne an, dass es ihm, „trotz aller ‚poli­tis­chen Ver­boten­heit‘“ gelun­gen sei, „eine Gen­er­a­tion von Söh­nen und Enkeln zu prä­gen, die zeit­gemäß in die Fußstapfen des Groß­vaters treten. Sei es als Turn­er, Schütze, Burschen­schafter, Turn­er­schafter, Mili­zof­fizier oder Mutter!“

Aus dem Nachruf der Reb­han­dl-Söhne (Der Volk­streue 4/2006)

Rein­hard Reb­han­dl ist in fast alle dieser Fußstapfen getreten – die ein­er Mut­ter fehlen logis­cher­weise, aber auch schon beim Vater. Mit biographis­chen Angaben ist Rein­hard Reb­han­dl sparsam. Einem Inter­view mit dem Ring Frei­heitlich­er Jugend (RFJ) lässt sich nur ent­nehmen, dass er vor mehr als 20 Jahren in die FPÖ einge­treten ist, aber schon vorher für frei­heitliche Organ­i­sa­tio­nen, darunter den RFS, aktiv war. Und natür­lich für die Burschen­schaft Goth­ia in Salzburg.

Dort ist Rein­hard Reb­han­dl – mit­tler­weile zwar Alter Herr – noch immer ziem­lich aktiv. Als die Goth­ia für 11. März 2016 zu einem burschen­schaftlichen Abend mit den Iden­titären über den „Großen Aus­tausch“ ein­lädt, hält Reb­han­dl eine Begrüßungsrede. Im Pub­likum nicht nur recht­sex­treme Iden­titäre und Burschen­schafter, son­dern auch einige ziem­lich Braune. Schon vorher beteiligten sich die Goth­ia und auch Reb­han­dl selb­st an den Demon­stra­tio­nen der Iden­titären Anfang 2016 beim Gren­züber­gang Freilass­ing. Die Beziehun­gen der Iden­titären zu den Gothen sind so inten­siv, dass man sog­ar gemein­sam Som­mer­son­nwend feiert. Rein­hard Reb­han­dl gefällt das nicht nur auf Face­book, er feiert offen­sichtlich auch mit. In sein­er Face­book-Fre­und­schaft­sliste find­en sich die Spitzen der recht­sex­tremen Iden­titären. Da geht nichts mehr mit Zufall und „reingerutscht“!

Als Anfang 2015 der FPÖ-Gemein­der­at Reindl bei ein­er iden­titären Kundge­bung mit deren Salzburg­er Lan­desleit­er fotografiert wird, spricht der noch von einem Missver­ständ­nis („Ich hab’s nicht bess­er gewusst“). Zwis­chen Reb­han­dl und den Iden­titären gibt es mit­tler­weile kein Missver­ständ­nis mehr, son­dern offen­sichtlich nur mehr Einverständnis.

Die Fußstapfen des Rein­hard Reb­han­dl find­en sich auch mit­ten im braunen Dreck. Als seine Burschen­schaft Goth­ia vor Wei­h­nacht­en 2017 zum „Julfest 2017“ das Nazi-Wei­h­nacht­slied „Hohe Nacht“ des Nazi-Poet­en Hans Bau­mann auf ihre Face­book-Seite stellt, gefällt auch das Rein­hard Rebhandl.

Screen­shot Face­book Goth­ia: Bau­manns „Hohe Nacht….“ zum Julfest. Reb­han­dl gefällt das

Am 8. Mai 2016 haben die Gothen das Plakat des NS-Hil­f­swerks Mut­ter und Kind mit der Inschrift „Schütze Mut­ter und Kind, das kost­barste Gut deines Volkes“ auf ihr Face­book-Kon­to gestellt. Erst nach­dem der Blog „Rechts­drall“ im Juli 2017 über Twit­ter auf die Herkun­ft des Fotos aufmerk­sam macht, ver­schwindet das Posting.

Bericht des „Stan­dard“ zu Rebhandl