Aula: Wie aus Alt Neu wird und doch Alt bleibt

Wir erinnern uns: Mit großen Schmerzen hat sich die FPÖ von der „Aula“ getrennt, die Distanzierung hat sich in Schritten vollzogen, bis das publizistische „Flaggschiff des Dritten Lagers“ (Selbstbezeichnung) nach der skandalösen Juni-Nummer gänzlich Adieu sagen musste. Gestern wurde nun – zeitverzögert – das Nachfolgeprodukt für Anfang bis Mitte Dezember angekündigt. Doch was wurde aus dem Aula-Verlag? Wir haben uns die Firmenkonstruktion genauer angesehen und – wenig überraschend – keine großen Änderungen festgestellt.

„Das Nachfolgemagazin der rechtsradikalen, FPÖ-nahen ‚Aula’ soll Anfang bis Mitte Dezember erstmals erscheinen. Das erste Heft sei ‚am Fertigwerden’, sagt Heinrich Sickl, FPÖ-Politiker und Chef des Freiheitlichen Akademikerverbands (FAV), der Eigentümer des Magazins ist. Den Namen verrät Sickl noch nicht, es werde aber eine ‚tolle Zeitschrift’.“ (derstandard.at, 28.11.18)

Wir gestehen: Unsere Vorfreude auf die angeblich „tolle Zeitschrift“ hält sich in engen Grenzen, es werden wohl die alten Inhalte etwas neu verpackt daherkommen. Darauf weist hin, dass sich die Akteure hinter den Kulissen kaum verändert haben. Die „Aula“ wurde im Aula-Verlag produziert, der seinen Sitz in Graz hat – eigentlich hatte, denn den scheint es nicht mehr zu geben. Also doch alles neu? Nein: Die „Aula-Verlag GmbH“ wurde durch die bereits seit 1956 existierende „Freilich Medien GmbH“ abgelöst, aber, wie die Firmenbuchauszüge zeigen, wurde einfach das Türschild ausgetauscht.

aus Aula-Verlag GmbH wurde Freilich Medien GmbH

aus Aula-Verlag GmbH wurde Freilich Medien GmbH

Wir sehen: Aus „Aula“ wird „Freilich“, und von „Freilich“ ist der Weg zu „Freiheitlich“ nicht nur verbal ein kurzer, wie ein Blick auf die Eigentumsverhältnisse zeigt:

Eigentümer und Geschäftsführung: oben Aula-verlag, unten „Freilich Medien“

Martin Pfeiffer wurde also durch Heinrich Sickl ersetzt, der Freiheitliche Akademikerverband (FAV) Steiermark hat die Anteile des FAV Wien/NÖ/B und Kärnten zur Gänze übernommen.

Freiheitlicher Akademikerverband Steiermark: 67,4147%
Vereinsregisterauszug Ende November 2018)

Obmann: Heinrich Sickl
FPÖ-Gemeinderat Graz
freiheitlicher Verbindungsmann zu den Identitären
w.p.B! Tigurnina Feldkirchen und aB! Arminia Graz
stv. Obmann und Schriftführer: Martin Pfeiffer
FPÖ-Bezirksrat in Graz/St. Leonhard
Vorsitzender der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP)
F! Rugia Eisgrub
Kassier: Zinterl Ernst
aB! Germania Graz, dazu: https://twitter.com/doew_at/status/828904236004020224?lang=de

Freiheitlicher Akademikerverband OÖ: 20,1975%
Vereinsregisterauszug Ende November 2018

Obmann: Lang Stefan ist Gemeinderat der FPÖ Puchenau
Stv. Obmann: Püschel Ulrich
Büroleiter vom Linzer FPÖ-StR Markus Hein
bei Info-Direkt,
Aufsichtsrat Linz AG
B! Arminia Czernowitz Linz
Schriftführer: Watschinger Rudolf Ferdinand
Klubdirektor der FPÖ im OÖ Landtag
Stv. Landesamtsdirektor
im Kuratorium Institut für Föderalismus
Schriftführer Verein Atterseekreis
B! Brixia Innsbruck
Kassier: Stockinger Ulrich
von der FPÖ in den Aufsichtsrat der LIVA entsandt
B! Arminia Czernowitz

Verband Freiheitlicher Akademiker Salzburg: 12,3878%

Obmann: Dumböck Wolfram
Schriftführer: Wimmer Christian
Kassier: Riepler Walter

Und wovon wird nun der bisherige Frontmann und Schriftleiter der „Aula“, Martin Pfeiffer, leben? Es ist anzunehmen, dass er weiterhin im Aula-Verlag, pardon, bei „Freilich Medien“ in der gewohnten Rolle beschäftigt sein wird. Ein „tolles Magazin“ in alter Form ist also garantiert.