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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 4 Minuten

Durchschnittliche dynamische freiheitliche Einzelfälle

Andre­as Bors, der Tull­ner FPÖ-Bezirks­par­tei­ob­mann und Gemein­de­rat, der 2006 mit zwei wei­te­ren Kame­ra­den nicht den Hit­ler­gruß, son­dern beim Sau­fen und Sin­gen von Schlacht­ge­sän­gen nur eine „Moment­auf­nah­me“ abge­lie­fert haben will, hat kein schlech­tes Gewis­sen, erklär­te er „Öster­reich“ (19.11.2014) und füg­te einen bemer­kens­wer­ten Satz hinzu.

20. Nov. 2014

„Ich bin ein durch­schnitt­li­cher, dyna­mi­scher Frei­heit­li­cher, der in die Zukunft schaut.“ (Österreich,19.11.2014) Die­ser Satz hat uns zum Grü­beln gebracht. Das Ergeb­nis: Uns sind noch eini­ge ande­re durch­schnitt­li­che dyna­mi­sche Frei­heit­li­che ein­ge­fal­len, die so ähn­lich wie Bors in den letz­ten Jah­ren auf­ge­fal­len sind. Es gäbe noch viel mehr durch­schnitt­li­che dyna­mi­sche Ein­zel­fäl­le, die auf­ge­fal­len sind, aber wir woll­ten ja kein Buch schrei­ben! Und so haben wir eine Aus­wahl getrof­fen bei den durch­schnitt­li­chen Dyna­mi­schen und dabei fest­ge­stellt, dass etli­che von ihnen auch wei­ter­hin als Frei­heit­li­che in die Zukunft schau­en – nicht nur Susan­ne Win­ter, die sogar mit einem Natio­nal­rats­man­dat belohnt wur­de. Die Chan­cen ste­hen daher auch gut für Bors, Höbart und die ande­ren Ein­zel­fäl­le der letz­ten und nächs­ten Tage. Wer aber trotz­dem ein­mal aus­schei­den soll­te, der oder die muss nicht ver­zwei­feln: Es gibt auch eine zwei­te Chan­ce bei den Blauen.

Wei­te­re durch­schnitt­li­che dyna­mi­sche Freiheitliche

And­re Tasch­ner, Obmann der FPÖ Lie­zen (Stmk) kurz vor sei­nem Aus­schluss: „Mäch­ti­ge Leu­te sind mit mir nicht mehr zufrie­den.“ (Klei­ne Zei­tung, 9.11.2011) Ger­hard Kurz­mann, Obmann der FPÖ Stei­er­mark dazu: „Er hat ver­sucht, uns Leu­te in die Par­tei zu brin­gen, die wir nicht brau­chen, die uns rui­nie­ren. Er hat sich mit Kräf­ten ver­bün­det, die anti­de­mo­kra­ti­sche Zie­le ver­fol­gen.“ (Klei­ne Zei­tung, 4.12.2011) Wir berich­te­ten hier und hier.

Jür­gen Fran­ze­lin, RFJ und FPÖ Salz­burg, kauf­te im „Natio­na­len Ver­sand­haus”, einem Neo­na­zi-Ver­sand ein. Sei­ne Recht­fer­ti­gung: „Ich habe einen Begriff im Inter­net ein­ge­ge­ben und bin auf die­se Sei­te gekom­men.” (Kurier, 27.1.2012) Jür­gen Fran­ze­lin ist heu­te Orts­par­tei­ob­mann der FPÖ Piesendorf.

Sebas­ti­an Ort­ner, Klub­ob­mann der FPÖ im Lin­zer Gemein­de­rat, legt im April 2013 sei­ne Par­tei­mit­glied­schaft und alle Funk­tio­nen nie­der, nach­dem bekannt wur­de, dass er noch 2006 am Par­tei­fest der neo­na­zis­ti­schen NPD in Dres­den teil­ge­nom­men hat: „Ich bin damals ein­ge­la­den wor­den und woll­te mir ein­fach ein Bild von der Ver­an­stal­tung machen.” Wegen sei­ner Neo­na­zi-Akti­vi­tä­ten in den 1990er-Jah­ren inklu­si­ve Teil­nah­me an Wehr­sport­übun­gen hat­te die FPÖ vor­her noch um eine Chan­ce auf Reso­zia­li­sie­rung gebeten.

Meli Goschi war Wahl­hel­fe­rin der FPÖ Wien und wur­de 2011 aus der Par­tei aus­ge­schlos­sen, nach­dem „News“ über ihre natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Gesin­nung berich­tet hatte.

Karl Mayr­ho­fer, Gemein­de­rat der FPÖ in Blu­denz, 2010 aus der FPÖ aus­ge­tre­ten nach Sprü­chen wie die­sem: „Es ist den Museln jetzt sehr gut anzu­ra­ten, ja still zu sein und sich nicht zu muck­sen. Wie heisst es so schön: Ist die Kugel aus dem Lauf, hält sie nur der Teu­fel auf.”

Chris­ti­an Ball­mül­ler, Vize­bür­ger­meis­ter der FPÖ in Trais­mau­er (NÖ), leg­te 2010 alle Funk­tio­nen und sei­ne Mit­glied­schaft zurück, nach­dem bekannt wur­de, dass er vor­her Funk­tio­när der Natio­na­len Volks­par­tei (NVP) war.

Chris­ti­an Höbart, Abge­ord­ne­ter zum Natio­nal­rat und geschäfts­füh­ren­der Vor­sit­zen­der der FPÖ NÖ, schreibt im Novem­ber 2014 auf Face­book über Asyl­wer­be­rIn­nen: „Skan­da­lö­ser wei­se [sic!] wis­sen es die­se gan­zen ‚Erd- und Höh­len­men­schen’ nicht zu schät­zen, dass sie hier bes­tes Essen, neue Klei­dung und sons­ti­gen Fir­le­fanz bekom­men! Eine Frech­heit son­der­glei­chen!!!“ Höbart genießt nach wie vor das Ver­trau­en sei­ner Partei.

Micha­el Lind­ner, 2013 RFJ-Obmann und FPÖ-Gemein­de­rat in Aurolz­müns­ter (OÖ), ver­öf­fent­lich­te im Dezem­ber 2012 anläss­lich der Win­ter­son­nen­wen­de einen Aus­zug aus dem Hit­ler-Jugend-Gedicht „Son­nen­wen­de“. Lind­ner ist wei­ter­hin FPÖ-Gemeinderat.

Andre­as Möl­zer, Abge­ord­ne­ter der FPÖ zum Euro­päi­schen Par­la­ment, tritt 2014 von sei­ner neu­er­li­chen Kan­di­da­tur zurück nach Äuße­run­gen über David Ala­ba, das „Neger­kon­glo­me­rat“ EU und die “Dik­ta­tur“ EU, gegen die das „Drit­te Reich wahr­schein­lich form­los und libe­ral“ gewe­sen sei. Möl­zer ist nach wie vor Mit­glied der FPÖ.

Ste­fan Got­scha­cher, Pres­se­spre­cher des Wie­ner FPÖ-Klubs bzw. von Johann Gude­nus, sind auf Face­book zunächst zwei schwe­re Neo­na­zis „durch­ge­rutscht“, dann auch eini­ge ein­schlä­gi­ge Zita­te. Die FPÖ lös­te zunächst das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis, aber seit Got­scha­cher vom Vor­wurf der Wie­der­be­tä­ti­gung frei­ge­spro­chen wur­de, weist ihn die Home­page der FPÖ wie­der als Pres­se­re­fe­ren­ten aus.

Micha­el Win­ter, Lan­des­ob­mann des RFJ (2008) Stei­er­mark, schrieb in der „Tan­gen­te”, der Zeit­schrift des RFJ 2007, der Gra­zer Bür­ger­meis­ter sol­le sich über­le­gen, „ob er nicht als Sofort­mass­nah­me gegen mus­li­misch-tür­ki­sche Ver­ge­wal­ti­gun­gen eine Schaf­her­de im Stadt­park gra­sen las­sen will“ und wur­de für die­se und ande­re Äuße­run­gen wegen Ver­het­zung ver­ur­teilt. Heu­te ist er Bezirks­rat der FPÖ in Graz.

Sieg­fried Kampl, FPÖ-Bür­ger­meis­ter von Gurk und Bun­des­rat der Frei­heit­li­chen, bezeich­ne­te 2005 Wehr­machts­de­ser­teu­re als „zum Teil Kame­ra­den­mör­der“ und sprach von einer „bru­ta­len Nazi­ver­fol­gung nach 1945“. Kampl war in den letz­ten Jah­ren wie­der FPÖ-Mit­glied (vor­her BZÖ, FPK) und wur­de erst 2014 nach sei­nem jüngs­ten Sager über die Nazis („Nur von dem, was sie gemacht haben, distan­zie­re ich mich, nicht vom Natio­nal­so­zia­lis­mus“) aus der FPÖ aus­ge­schlos­sen. Von der FPÖ Gurk wur­de er aber ein­stim­mig wie­der als Bür­ger­meis­ter-Kan­di­dat gewählt und wird mit der Lis­te „Die Frei­heit­li­chen in Gurk-Pis­weg Lis­te Sieg­fried Kampl“ 2015 kandidieren.

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