Mölzer (FPÖ): Liberales Nazi-Reich

Andreas Mölz­er, FPÖ- Spitzenkan­di­dat für die Wahlen zum Europäis­chen Par­la­ment, weiß schon, was er aus­löst, wenn er die EU als eine Dik­tatur beze­ich­net, gegen die „das Dritte Reich wahrschein­lich form­los und lib­er­al“ gewe­sen sei. Die bre­ite Ablehnung seines grotesken Ver­gle­ichs schafft ihm Öffentlichkeit und ermöglicht, sich als Opfer zu insze­nieren. Öffentlichkeit aber auch für eine absurde Behaup­tung, mit der – wieder ein­mal – das NS-Regime ver­harm­lost wird.

Warum laufen so viele der his­torischen „Ver­gle­iche“ von Frei­heitlichen auf eine Ver­harm­lo­sung des NS-Regimes hin­aus? Das fragt sich nicht nur der Pub­lizist Robert Misik, der auch eine Antwort weiß: „Ger­adezu obses­siv zieht es sie hin zum bizarr-ver­harm­losenden Nazi-Ver­gle­ich, sie kön­nen schi­er nicht anders, ES denkt in ihnen und quillt aus ihnen raus“.


Auch ver­wirrte recht­sex­treme Ver­schwörungs­the­o­retik­erIn­nen, die sich selb­st als die „wahren” Nation­al­sozial­is­ten ver­ste­hen, set­zen die EU mit dem Nazi-Regime gleich
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Mölz­er, der seinen Ver­gle­ich noch ver­stärk­te durch die Behaup­tung, dass es im Drit­ten Reich „sich­er nicht so viele Regeln und Vorschriften, Gebote und Ver­bote“ wie in der EU gegeben habe, bestätigtet auch nach den zahlre­ichen Rück­trittsauf­forderun­gen im wesentlichen den Inhalt sein­er Äußerun­gen, die vom Mag­a­zin der “Süd­deutschen Zeitung“ wiedergegeben wur­den. Er habe allerd­ings nicht von einem „Negerkon­glom­er­at“, beherrscht von ein­er „Bande von Lob­by­is­ten“ gesprochen, son­dern von einem „nekrophilen Kon­glom­er­at“. Aja, Lump oder Hump-Dump usw.!

Sein Ver­gle­ich zwis­chen Drit­tem Reich und EU-Dik­tatur habe sich “nur“ auf die „Über­re­gle­men­tierung“ und das „All­t­agsleben“ bezo­gen – so Mölz­er. Die „Über­re­gle­men­tierun­gen“ bzw. die Ein­griffe in das „All­t­agsleben“ bei jüdis­chen Men­schen hat Mölz­er da offen­sichtlich nicht vor Augen gehabt. Das Zusam­men­spiel zwis­chen NS- Gewal­tap­pa­rat (Gestapo, SS, SA usw.) und peniblen bürokratis­chen Reg­ulierun­gen, die von der Wannsee-Kon­ferenz bis zum Heimtücke-Gesetz, vom Tra­cht­en­ver­bot für Juden bis zur „Endlö­sung“ der „Juden­frage“ durch die detail­lierte bürokratis­che Pla­nung ihrer Ver­nich­tung haben eine Unzahl an Geset­zen und Verord­nun­gen bedeutet, die das „All­t­agsleben“ nicht nur von Juden mas­siv und exis­ten­tiell bee­in­flussten. Das etwa mit ein­er (unsin­ni­gen) EU- Verord­nung über die Gurkenkrüm­mung zu ver­gle­ichen ist atem­ber­aubend und ver­langt eine klare Zurück­weisung bzw. den Rück­tritt von Mölz­er. Diese Reak­tio­nen, die von Karas (ÖVP) bis zur Aktion Kri­tis­ch­er Schü­lerIn­nen und den Grü­nen reichen, als das Fließen des „medi­alen Spe­ichels der pawlowschen Hunde“ (Presse am Son­ntag, 23.3.2014) herun­terzu­machen, wie das in der „Presse am Son­ntag“ kom­men­tiert wird, spricht für sich und in diesem Fall gegen den „Presse“-Kommentator.