FPÖ Liezen: Ein merkwürdiger Rücktritt

So schnell kann’s gehen! Im April wurde Andre Taschn­er (24), hoff­nungsvolle Nach­wuch­skraft der FPÖ, noch mit 96 Prozent der Stim­men als Obmann der FPÖ im Bezirk Liezen bestätigt, jet­zt, ein halbes Jahr später, musste er abdanken. Als Gründe wur­den partei­in­terne Quere­len und Nazi-Schmier­ereien im Parteibüro genannt.

Andre Taschn­er war ab 2009 Obmann der FPÖ im Bezirk Liezen und ab 2007 Obmann des RFJ im Bezirk. Haupt­beru­flich werkt er als Mitar­beit­er von Susanne Win­ter. Als Anlass für den Rück­tritt nan­nte die „Woche – Ennstal“ ( 17.11.2011) „mas­sive Kri­tik von allen Seit­en“. Das ver­wun­dert doch einiger­maßen bei einem ger­ade fast ein­stim­mig gewählten Obmann.

Etwas konkreter ist der Vor­wurf, Taschn­er habe durch einen von ihm gegrün­de­ten „unab­hängi­gen“ Jugend­vere­in dem parteieige­nen Ring Frei­heitlich­er Jugend (RFJ) Konkur­renz gemacht. Der ange­blich parteifreie Jugend­vere­in hat­te als Adresse das Bezirks­büro der FPÖ. Gegenüber der „Woche“ beze­ich­nete Taschn­er diesen Vere­in als „Eigen­fehler“,  aber war er der Rück­tritts­grund? Taschn­er selb­st bemerkt zu seinem Rück­tritt, „dass mächtige Leute mit mir nicht mehr zufrieden sind“ (Kleine Zeitung, 9.11.2011). Das klingt nicht nach frei­willigem Rück­tritt. Aber als braver Jung­funk­tionär fügt er auch noch hinzu: „Das ist zu akzeptieren.”

Neben diesen mys­ter­iösen Rück­tritts­grün­den gibt es noch einen sehr konkreten. Bei ein­er der Feiern der „parteifreien“ Konkur­ren­zor­gan­i­sa­tion im FPÖ-Büro sei es zu Nazi-Schmier­ereien gekom­men und, so die Lan­des-FPÖ, „Taschn­er hätte sich so des Ver­bots­ge­set­zes schuldig gemacht“ (Woche – Ennstal,17.11.). Das ist eigentlich ein ziem­lich heftiger Vor­wurf, vor allem, wenn er von der eige­nen Lan­despartei kommt.

Taschn­er bestre­it­et den Vor­fall nicht, will sich aber von „anti­demokratis­chen Strö­mungen einzel­ner Ver­rück­ter“ (Woche – Ennstal) dis­tanzieren, die „von ein­er parteiex­ter­nen Einzelper­son im Rah­men ein­er Pro­jek­t­sitzung passiert“ seien. Taschn­er, der von der eige­nen Lan­despartei de fac­to eines Ver­stoßes gegen das NS-Ver­bots­ge­setz beschuldigt wird, bleibt par­la­men­tarisch­er Mitar­beit­er von Susanne Win­ter und hofft auf bessere Zeit­en. „Die Partei ist noch nicht reif”, meint er. Wofür?