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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 15/19

Wei­te­re Leaks aus den BVT-Papie­ren zu den Iden­ti­tä­ren und eine Raz­zia, die Neo­na­zis rund um das Blood & Honour-Milieu betrof­fen hat­te, waren die media­len Rechts­extre­mis­mus-Auf­re­ger der letz­ten Woche. Dar­über wer­den wir in Fol­ge­bei­trä­gen berich­ten. Abseits davon fas­sen wir drei Wie­der­be­tä­ti­gungs­pro­zes­se zusam­men, einen wegen Ver­het­zung und eine NS-Schmie­re­rei. Ein ehe­ma­li­ges RFS-Mit­glied steht nun ein zwei­tes Mal vor Gericht. Dazu zwei „Ein­zel­fäl­le“ aus der FPÖ: Stra­che bei einem Bur­schen­schaf­ter­kom­mers in der Hof­burg und Udo Land­bau­er, der auf Insta­gram dem Account „antizion03“ folg­te. Bonus: Das Neo­na­zi-Piep der Woche.

15. Apr. 2019

Graz: Die Oma hat gewarnt, aber …
Innsbruck: Wiederbetätigung und Verhetzung
Leoben-Judenburg/Stmk: Mit 81 als Neonazi vor Gericht
Wien: Haft wegen Hetze gegen das Neujahrsbaby Asel
Schwaz/T: NS-Schmierereien an Mauern und Steinen
Krems-Stein/NÖ: ehemaliges Mitglied des RFS erneut vor Gericht
Das SS-Treuelied, Strache, die ÖVP und der CV
Wiener Neustadt/NÖ: Landbauer folgt „antizion03“-Account
Strache, der Piep-Minister

 

Graz: Die Oma hat gewarnt, aber …

Beim 22-jäh­ri­gen Süd­stei­rer, der sich zuvor schon wegen Dro­gen­de­lik­te vor Gericht ver­ant­wor­ten muss­te und des­halb in Fuß­fes­sel erschie­nen war, hat­te sich eini­ges ange­sam­melt: mehr als 1000 Bil­der mit NS-Bezug auf sei­nem Han­dy, die er teil­wei­se auch ver­schickt hat, dazu Fotos, auf denen er mit Hit­ler­gruß posier­te, in der Woh­nung ein Haken­kreuz aus Draht, ein Krug und ein mobi­les Lade­ge­rät mit Hakenkreuz-Aufdruck.

Aus Spaß soll alles gewe­sen sein, wegen des Dro­gen- und Alko­hol­kon­sums und selbst die War­nun­gen der Oma, die Gegen­stän­de nicht sicht­bar in der Woh­nung zu depo­nie­ren, habe er nicht ernst genom­men. Das nicht rechts­kräf­ti­ge Urteil fiel mil­de aus:

Der Ange­klag­te wur­de zu 20 Mona­ten beding­ter Haft­stra­fe ver­ur­teilt. Der Rich­ter setz­te eine Pro­be­zeit von drei Jah­ren sowie eine Bewäh­rungs­hil­fe fest. Außer­dem wur­de der mut­maß­li­che Täter ange­wie­sen, das Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Maut­hau­sen samt Füh­rung zu besu­chen und die Beweis­ge­gen­stän­de zu ver­nich­ten. (steiermark.orf.at, 9.4.19)

Innsbruck: Wiederbetätigung und Verhetzung

Face­book-Ein­trä­ge mit Hit­ler und ver­het­zen­den Tex­ten bescher­ten einem 60-jäh­ri­gen  Pen­sio­nis­ten eine Haus­durch­su­chung. Und da wur­de wei­te­res Mate­ri­al gefun­den: zwei Abzei­chen aus der NS-Zeit, ein Buch über Hit­ler und einen Auf­nä­her mit Reichs­ad­ler und Haken­kreuz. „‚Ich habe die­se Din­ge vor Jah­ren im Dach­bo­den gefun­den. Hät­te ich sie weg­wer­fen sol­len?’, frag­te der gebür­ti­ge Stei­rer Rich­ter Nor­bert Hofer.“ (krone.at, 11.4.19)

Alles sei Spaß gewe­sen, er sei sich „der Trag­wei­te des Gesam­ten nicht bewusst“ gewe­sen. Das rechts­kräf­ti­ge Urteil nach einem ein­stim­mi­gen Schuld­spruch: Ein Jahr beding­te Haft und sat­te 7.200 Euro Geldstrafe.

Leoben-Judenburg/Stmk: Mit 81 als Neonazi vor Gericht

Eigent­lich soll­te eine inten­si­ve Beschäf­ti­gung mit dem Holo­caust gegen NS-Gedan­ken­gut immu­ni­sie­ren, bei dem 81-jäh­ri­gen Juden­bur­ger Alo­is H. hat sie offen­bar ins Gegen­teil geführt: Er wur­de zum Neo­na­zi mit Kon­tak­ten in die Holo­caust leug­nen­de Hard­core­sze­ne. Weil er ein­schlä­gi­ge Flug­blät­ter ver­teilt hat­te, lan­de­te der laut „Klei­ne Zei­tung“ ehe­ma­li­ge Haupt­schul­leh­rer, Grü­ne Gemein­de­rat* und spä­te­re Ver­tre­ter einer Bür­ger­lis­te vor Gericht:

Er hat unter ande­rem ein Flug­blatt mit einem Arti­kel aus einer Neo­na­zi-Zeit­schrift ver­brei­tet, in dem etwa von ‚Maut­hau­sen-Betrug‘ die Rede ist und der den Ein­satz von Gift­gas in diver­sen Kon­zen­tra­ti­ons­la­gern in Abre­de stellt. 27 Stück davon schick­te er an einen Häft­ling in die Jus­tiz­an­stalt Stein, der wegen Ver­bre­chen nach dem Ver­bots­ge­setz inhaf­tiert ist. (Klei­ne Zei­tung, 14.4.19, S. 24)

H. soll zudem Gerd Hon­sik und ande­re Neo­na­zis finan­zi­ell unter­stützt und an Nazi-Tref­fen teil­ge­nom­men haben. Der Ange­klag­te war gestän­dig, er erhielt 15 Mona­te Haft bedingt auf drei Jah­re. 

*Unse­re Recher­chen haben erge­ben, dass es sich nicht um einen ehe­ma­li­gen Grü­nen Gemein­de­rat, son­dern um ein ehe­ma­li­ges Mit­glied der VGÖ (Ver­ein­ten Grü­nen Öster­reich) han­delt, der laut ste­no­graph. Pro­to­koll vom 10.5.1995 (S. 137) dann von der FPÖ unter­stützt wurde.

Wien: Haft wegen Hetze gegen das Neujahrsbaby Asel

Über zwei ande­re Pro­zes­se haben wir bereits berich­tet (hier und hier), letz­te Woche setz­te es die (min­des­tens) drit­te Ver­ur­tei­lung wegen eines Hass­pos­tings gegen das Neu­jahrs­ba­bys 2018. „Der 58-Jäh­ri­ge wur­de zu 15 Mona­ten teil­be­ding­ter Haft ver­ur­teilt – zwei davon muss er tat­säch­lich im Gefäng­nis absit­zen. Außer­dem wur­de dem Hass­pos­ter eine Wei­sung zur Teil­nah­me am Kurs ‚Dia­log statt Hass‘ auf­ge­brummt.“ (heute.at, 10.4.19) Die unbe­ding­te Haft könn­te auf eine straf­recht­lich rele­van­te Vor­ge­schich­te des Ange­klag­ten hinweisen.

Schwaz/T: NS-Schmierereien an Mauern und Steinen

„Mit teils ras­sis­ti­schen Graf­fi­ti ver­un­stal­te­ten Unbe­kann­te zwi­schen Diens­tag- und Mitt­woch­nach­mit­tag Stein­mau­ern und Stei­ne am Lahn­bach in Schwaz. Laut Poli­zei hat­ten die Täter die Mau­er ent­lang des Fuß­gän­ger­we­ges über meh­re­re Hun­der­te Meter mit vio­let­ter, roter und wei­ßer Far­be beschmiert. Neben Stei­nen im Bach­bett fan­den sich auch Haken­kreu­ze, ras­sis­ti­sche Aus­rü­cke und ähn­li­ches an einem Hin­weis­schild und an der Rück­sei­te einer am Lahn­bach­weg angren­zen­den Hüt­te. Der Scha­den dürf­te beträcht­lich sein.“ (tt.com, 11.4.19)

Krems-Stein/NÖ: Ehemaliges Mitglied des RFS erneut vor Gericht

Nach­dem Phil­ipp K. 2010 sei­ne Freun­din ersto­chen und zer­stü­ckelt hat­te und des­we­gen in der Jus­tiz­an­stalt Stein ein­saß, steht der Mör­der, ein ehe­ma­li­ges RFS-Mit­glied, im Juni erneut vor Gericht, wie der „Kurier” (13.4.19) berich­tet: Dies­mal weil er einen Mit­häft­ling mit Medi­ka­men­ten betäubt und sexu­ell miss­braucht haben soll.

Das SS-Treuelied, Strache, die ÖVP und der CV

Am 23. März fand nach dem FPÖ-Aka­de­mi­ker­ball in die­sem Jahr die zwei­te bur­schen­schaft­li­che Ver­an­stal­tung in der Hof­burg statt: der sog. Frei­heits­kom­mers der völ­ki­schen Bur­schen­schaf­ten. Unter Anwe­sen­heit des Vize­kanz­lers Heinz-Chris­ti­an Stra­che, der auch den Ehren­schutz über den Kom­mers über­nom­men hat, soll dort laut Bericht des „pro­fil“ das sog. SS-Treu­e­lied zum Bes­ten gege­ben wor­den sein.

Wie aus dem Pro­gramm­heft her­vor­geht, das pro­fil vor­liegt, wur­de am Frei­heits­kom­mers unter ande­rem das Lied ‚Was ist des Deut­schen Vater­land?‘ ange­stimmt. Und: ‚Wenn alle untreu wer­den.‘ Umstrit­ten ist das Lied, weil es in der NS-Zeit von der Schutz­staf­fel (SS) als ‚Treu­e­lied‘ ver­wen­det wur­de und im SS-Lie­der­buch an drit­ter Stel­le stand. Den Text dich­te­te Max von Schen­ken­dorf zwar lan­ge vor­her, näm­lich 1814, doch gibt es unter­schied­li­che Ver­sio­nen davon. In einer unter Deutsch­na­tio­na­len popu­lä­ren Fas­sung wird die Treue der ‚deut­schen Eichen‘ und das ‚heil’ge deut­sche Reich‘ besungen.

Wer an der eben­falls ange­kün­dig­ten Vor­ver­an­stal­tung, einer Podi­ums­dis­kus­si­on, teil­ge­nom­men hat, ver­ra­ten die Kom­mers-Ver­an­stal­ter auf ihrer Web­site nicht. Sie wer­den wis­sen, warum.

Ankündigung Freiheitskommers 23.3.19, Hofburg
Ankün­di­gung Frei­heits­kom­mers 23.3.19, Hofburg

Noch im Jän­ner hat ein Inse­rat für den Bur­schen­bund­ball, das die Text­zei­le „wenn alle untreu wer­den“ ent­hal­ten hat­te, dem Geschäfts­füh­rer des Alum­ni-Ver­eins der Lin­zer Kep­ler-Uni­ver­si­tät, Johan­nes Pra­cher, sei­nen Job gekos­tet. Der Vor­fall war für die ÖVP mit ihrem Lan­des­ge­schäfts­füh­rer und Obmann der Orts­grup­pe Wolf­gang Hatt­manns­dor­fer aller­dings kein Hin­der­nis, Pra­cher im Vor­stand der VP-Orts­grup­pe Auhof-Dor­nach-Katz­bach zu behal­ten. Bis heu­te, wie auf der Web­site der Orts­grup­pe ersicht­lich ist.

Vorstand ÖVP Auhof/OÖ (Stand 15.4.19)
Vor­stand ÖVP Auhof/OÖ (Stand 15.4.19)

Pra­cher soll eben­falls Mit­glied der CV-Ver­bin­dung „K.a.V. Aus­tro-Danu­bia Linz“ sein. Und just in der Zeit­schrift des Ober­ös­ter­rei­chi­schen Car­tell­ver­bands fand sich das­sel­be Inse­rat wie in der JKU-Bro­schü­re – geschmack­vol­l­er­wei­se neben dem Bericht über eine Mauthausen-Gedenkveranstaltung.

@SabineSchatz @fpoefails
Auch im ÖVP-nahen Car­tell­ver­band wur­de das SS-Inse­rat abge­druckt. Sogar ziem­lich per­fi­de plat­ziert, neben einer angeb­li­chen „Gedenk­fei­er“ des CV in Maut­hau­sen. Das wur­de bis dato nie the­ma­ti­siert. pic.twitter.com/6kDuRhM8rW

— Pjotr Kro­pot­kin (@kr0p0tkin) 13. April 2019

Wiener Neustadt: Landbauer folgt „antizion03“-Account

Nach den Trou­bles rund um das Lie­der­buch der Ger­ma­nia Wie­ner Neu­stadt ist Udo Land­bau­er wie­der in den media­len Fokus geraten.

Auf Insta­gram folgt Land­bau­er einem Account namens ‚antizion03’, der als Pro­fil­bild ein ein­schlä­gig bekann­tes Sym­bol gewählt hat: eine soge­nann­te Schwar­ze Son­ne. Das Sym­bol, das sich aus drei über­ein­an­der­ge­leg­ten Haken­kreu­zen zusam­men­setzt, war von der SS als Boden­or­na­ment in der nord­rhein-west­fä­li­schen Wewels­burg ein­ge­las­sen wor­den und dient Neo­na­zis als Erken­nungs­merk­mal. In Straf­ver­fah­ren nach dem Ver­bots­ge­setz, etwa im Objekt-21-Ver­fah­ren am Lan­des­ge­richt Wels, dien­te unter ande­rem die­ses Sym­bol als Beleg für die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Gesin­nung der schul­dig­ge­spro­che­nen Ange­klag­ten. (derstandard.at, 14.4.19)

Schuld sei, so Land­bau­er auf Twit­ter, eine Soft­ware, die auto­ma­ti­siert ande­ren Accounts fol­ge. Böse Software!

Strache, der Piep-Minister

„Vom Neo­na­zi zum Sport­mi­nis­ter“ titu­lier­te Maschek bei „Will­kom­men Öster­reich“ in Rich­tung Heinz-Chris­ti­an Stra­che. Das war dem ORF – oder wem auch immer – zu viel. Das Video wur­de aus der TVthek und von You­Tube gelöscht. Eine Ver­si­on, in der „vom Neo­na­zi zum Sport­mi­nis­ter“ mit einem Piep über­blen­det wur­de, ist nun aller­dings wie­der online.

Maschek hat das berühmt gewor­de­ne „Piep” zur frei­en Ent­nah­me zur Ver­fü­gung gestellt, die unzen­sier­te Video­ver­si­on kur­siert in den sozia­len Netz­wer­ken und erfreut sich größ­ter Beliebtheit.

Zur frei­en Ent­nah­me. Wenn jemand ein Piep braucht. Wir soll­ten es nicht mehr benö­ti­gen müs­sen. pic.twitter.com/ukXMagpomo

— maschek. (@maschek_org) 13. April 2019

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