„Führerbunker‘“ ist offline

Da war doch was? 32 Hausdurchsuchungen im Neonazi-Bereich, eine überhastete, aber mit viel Trara einberufene Pressekonferenz der Generalsekretäre von Innen- und Justizressort, keine einzige Festnahme. Heftige Beteuerungen der beiden Generalsekretäre, dass der Staat voll handlungsfähig sei gegen Rechtsextremismus und die Aktion kein Ablenkungsmanöver von den Identitären. Das könnte tatsächlich ein Problem werden.

Es war ein gut besuchtes Neonazi-Konzert, das da im Frühjahr 2018 in St. Barbara im Mürztal stattgefunden hat. Rund 90 BesucherInnen wurden polizeilich erfasst, bei 32 fanden jetzt – nach einem Jahr – die schon erwähnten Hausdurchsuchungen statt. Elf in der Steiermark, sechs in Niederösterreich, fünf in Vorarlberg, drei in Salzburg, je zwei in Kärnten, Oberösterreich und dem Burgenland sowie eine in Wien. Schon allein dieser Umstand deutet auf einen gewissen Organisationsgrad hin: „Dafür kommen nur wenige in Frage. Ob es „Blood & Honour“ war, das ein regionaler Neonazi auf seinem Bauch tätowiert hat, können wir aber derzeit noch nicht beantworten“, schrieben wir vor einer Woche.

Mittlerweile wissen wir etwas mehr. Das hängt auch mit einem Prozess wegen NS- Wiederbetätigung zusammen, der im Jänner 2018 vor dem Landesgericht Leoben stattfand. Sieben Personen waren damals angeklagt, weil sie 2013 (!) eine „Legion Werwolf – Sektion Ostmark“ gegründet hatten. Die sollte unter anderem auch „Rechtsrock“-Konzerte mit einschlägigen Nazi-Bands organisieren. Die „Sektion Ostmark“ war der österreichische Ableger der „Legion Werwolf“, die maßgeblich von Harald F. und Martin W. gegründet worden war. Harald F. war auch in Tirol kein Unbekannter, weil er dort zweitweise als „Präsident“ der „Heimaterben Tyrol“ fungiert und in dieser Funktion ein Nazi-Konzert organisiert hatte. Harald fasste für seine Aktivitäten 2015 in Deutschland zwei Jahre und neun Monate Gefängnis aus.

Warum es in Österreich bis 2018 gedauert hat, dass endlich die Aktivitäten der „Sektion Ostmark“ vor Gericht abgehandelt wurden, entzieht sich unserer Kenntnis. Die Strafen, die die Angeklagten damals erhielten, waren jedenfalls durchaus beachtlich. Dominik, der Erstangeklagte, hätte den „Präsidenten“ der Sektion geben sollen, die über eine WhatsApp-Gruppe mit dem Namen „Legion Werwolf“ kommunizierte. Der „Präsident“ der Neonazi-Gruppe meldete sich am Telefon gern mit dem Erkennungsgruß „Führerbunker“, wie die Anklage penibel vermerkte. Erkennbar war Dominik aber auch an seinen zahlreichen einschlägigen Tattoos. Bis vor wenigen Tagen verfügte er auch noch über zwei Facebook-Profile, ein aktives, bei dem er aber die Öffentlichkeit ausgesperrt hatte und ein älteres, auf dem auch jetzt noch seine „Legion Werwolf“-Kostümierung erkennbar ist. Das aktive Konto hat er in der Vorwoche gelöscht – nach einer Medienanfrage anscheinend auch sein Mail-Konto.

Legion Werwolf auf FB-Account von Dominik

Legion Werwolf auf FB-Account von Dominik

Dominik, der Ex-Präsident der Werwolf-Sektion Ostmark, mit seiner Vorliebe für Neonazi-Konzerte, ist aber nicht der einzige aus der Gegend, bei dem in der Vorwoche Nachschau gehalten wurde. Die Milieus der Rechtsextremen am Land sind sehr kleinzellig und vermischen sich häufig: Man kennt sich natürlich und trifft sich wohl auch zu Suff und Songs. Daher würde es auch nicht verwundern, wenn sich bei den Hausdurchsuchungen auch ein Leobner Identitärer im Netz verfangen hätte – wie es aus der Mur-Mürz-Furche erzählt wird.

Dass gleich bei fünf Vorarlbergern gerazzt wurde, ist jedenfalls ein klarer Hinweis auf „Blood & Honour“ – womit wir schon wieder bei den Identitären wären. Die Vorarlberger „Blood & Honour“-Truppe ist nämlich uniformiert zur Identitären-Demo im November 2015 nach Spielfeld angereist und hat 2016 in Vorarlberg die maßgeblich von den Identitären als Sammelaktion gestalteten „Lichter für Österreich“-Kundgebungen organisiert – und dann auch noch das Neonazi-Konzert mit „Indulat“.

Identitären-Demo mit B&H-beteiligung (15.11.2015 Spielfeld)

Identitären-Demo mit B&H-Beteiligung (15.11.2015, Spielfeld)

2014 gaben Neonazis bei einem „B & H“-Konzert in Slowenien durch die Fahne mit dem Logo „Wien 28“ (28 für B und H) zu erkennen, dass die Neonazi-Gruppe auch im Osten Österreichs ihre Anhänger hat.

Slowenien: "28 Wien" steht für Blood & Honour Wien

Slowenien: „28 Wien“ steht für Blood & Honour Wien

Die fanden sich dann auch bei Konzerten eines wegen Wiederbetätigung verurteilten deutschen Neonazi-Barden wieder (den kennt auch der Dominik ganz gut) oder gelegentlich auch als Ordner bei identitären Veranstaltungen.

Es könnte also durchaus noch interessant werden mit den Verbindungen zwischen der „Blood & Honour“-Szene und den Identitären. Vom Innenminister ist da allerdings keine Aufklärung zu erwarten.

Slowenien: B&H-Fan

Slowenien: B&H-Fan