Wochenschau KW 40/22

Während ein Küs­sel-Bekan­nter erneut eine Verurteilung abge­fan­gen hat, gab ein früher in Vorarl­berg leben­der Deutsch­er, der eine Affinität zu Holo­caustleugn­ern zu haben scheint, der öster­re­ichis­chen Jus­tiz einen Korb: Er erschien nicht zum Prozess. Und ein alter Bekan­nter, der frühere Aula-Het­zer Fred Duswald, hat beim Jahreskongress der „Gesellschaft für freie Pub­lizis­tik“ mit drei Jahren Ver­spä­tung in passen­dem Kreis eine Ehrung erhalten.

Feld­kirch: Irgend­wo in Deutschland
Knittelfeld/Wolfsberg/Klagenfurt: Bon­ny & Clyde in brauner Ver­sion verurteilt
Wien: Ein­stel­lung der Ermit­tlun­gen gegen iden­titäre Hetzer
Wien-Donaus­tadt: Hak­enkreuze von Putin-Fans
Siegersdorf/NÖ: Hak­enkreuz gesprayt
Ruh­la (Thüringen)/D: Ehrung für den Aula-Het­zer Fred Duswald

Feld­kirch: Irgend­wo in Deutschland

Zu seinem Prozess ist der 60-jährige Deutsche, der zum Tatzeit­punkt im Bezirk Feld­kirch lebte, nicht erschienen. 

In einem Tele­fonat mit ihn suchen­den Polizis­ten gab der Angeklagte am Dien­stag bekan­nt, er befinde sich irgend­wo in Deutsch­land auf ein­er Auto­bahn und werde nicht nach Feld­kirch zum Prozess fahren. Das Lan­des­gericht schrieb den Angeklagten daraufhin zur Fes­t­nahme aus. Er soll bis zum näch­sten Prozesster­min für einige Tage in Unter­suchung­shaft genom­men wer­den. (Neue Vorarl­berg­er Tageszeitung, 5.10.22, S. 21)

Vorge­wor­fen wird dem Deutschen, der auch zur Szene der Staatsver­weiger­er zählt, er habe einem bere­its im Novem­ber 2021 verurteil­ten, nun­mehr ehe­ma­li­gen Lehrer Links zu Tex­ten geschickt, in denen der Holo­caust geleugnet wird.

Knittelfeld/Wolfsberg/Klagenfurt: Bon­ny & Clyde in brauner Ver­sion verurteilt

Das braune Ehep­aar, das sich T‑Shirts mit „Ben­ny & Clyde“ samt ein­schlägi­gen Codes anfer­ti­gen hat lassen, musste am 6. Okto­ber mit (nicht recht­skräfti­gen) Haft­strafen am Hals den Kla­gen­furter Gerichtssaal ver­lassen. Nach­dem der Prozess im Juli vertagt wurde, kam es in der Fort­set­zung zum Urteil: Der 42-Jährige, der bere­its 2016 wegen Wieder­betä­ti­gung verurteilt wor­den war, fasste 24 Monate, davon acht unbe­d­ingt, seine Ehe­gat­tin neun Monate bed­ingt plus Geld­strafe aus.

Der Mann soll „am Stammtisch” von Got­tfried Küs­sel gesessen sein und „innige Fre­und­schaften mit anderen Ewiggestri­gen“ (krone.at, 7.10.22) pfle­gen. Dem Paar wurde vorge­wor­fen, sich 2015 u.a. in Wolfs­berg und im Inter­net wieder­betätigt zu haben und in ihrem Haus in Knit­telfeld NS-Gestände zur Schau gestellt zu haben.

„Rechts-Rock-Musik mit Titeln wie „Hap­py Holo­caust“, Wohn­raumkun­st mit Wotan­sknoten, Hak­enkreuzen oder Ehren­sprüche wie „Deutsch sein heißt gut sein“. All dies wurde im Haushalt eines Ehep­aares gefun­den.“ (krone.at)

Wien: Ein­stel­lung der Ermit­tlun­gen gegen iden­titäre Hetzer

Das Ver­fahren gegen jene iden­titären Het­zer, die unter dem Label „Patri­oten in Bewe­gung“ am 24. April das Ute Bock Flüchtling­shaus attack­iert hat­ten, wurde eingestellt.

Die Grup­pierung „Patri­oten in Bewe­gung“ ver­schaffte sich in den Mor­gen­stun­den über das Nach­barhaus in der Zohman­ngasse Zugang auf das Dach des Ute Bock Haus­es und entrollte ein riesiges Trans­par­ent. Zudem block­ierten sie den Ein­gangs­bere­ich des Haus­es mit einem Zaun, der um ein Ban­ner mit der Land­karte Öster­re­ichs platziert wurde. Cir­ca 20 unbekan­nte Män­ner waren zuge­gen, skandierten ras­sis­tis­che Äußerun­gen und entzün­de­ten Rauch­bomben auf dem Dach und vor dem Ein­gang. Es wur­den weit­er­hin Zettel mit kru­den Forderun­gen auf die Straße gewor­fen. (Presseaussendung Ute Bock Haus, 24.4.22)

„Ober­staat­san­waltschaft und das Jus­tizmin­is­teri­um seien damit inhaltlich dem Vorhaben der Wiener Staat­san­waltschaft gefol­gt, diesen Über­griff nicht strafrechtlich zu ver­fol­gen und keine weit­eren Schritte zu set­zen“, heißt laut orf.at (3.10.22).

Wien-Donaus­tadt: Hak­enkreuze von Putin-Fans

Vier in der Donaus­tadt park­ende Autos mit ukrainis­chem Kennze­ichen wur­den mit ein­ger­itzten Hak­enkreuzen beschädigt. Zudem fan­den sich Zettel mit Het­zbotschaften bei den PKW.

„Ein mit dem rus­sis­chen Kriegs-Sym­bol ‚Z’ als Unter­schrift verse­hen­er Zettel lag bei den Fahrzeu­gen mit ukrainis­chem Kennze­ichen an der Wind­schutzscheibe. ‚Geht zurück in den Krieg in die Ukraine! Ihr seid in Öster­re­ich nicht erwün­scht’, so die Mes­sage.” (heute.at., 4.10.22)

Ein­er der Autobe­sitzer berichtet auch von vorherge­hen­den Attack­en wie beispiel­sweise die Beschmierung seines Wagens mit Hundekot.

Siegersdorf/NÖ: Hak­enkreuz gesprayt

Van­dalen waren am Woch­enende in Siegers­dorf unter­wegs, sie „verewigten“ sich an zwei Gebäu­den und besprüht­en diese, unter anderem mit einem Hak­enkreuz. Als die Besitzer die Schmier­ereien bemerk­ten, erstat­teten sie Anzeige. (NÖN, 5.10.22, S. 30)

Ruh­la (Thüringen)/D: Ehrung für den Aula-Het­zer Fred Duswald

Nach­dem Fred Duswald, jen­er Autor der inzwis­chen verblich­enen „Aula“, der 2015 befre­ite KZ-Häftlinge als Massen­mörder und Land­plage dif­famiert hat­te, wohl auch oder beson­ders dafür (?) 2019 die Ulrich von Hut­ten-Medaille der recht­sex­tremen „Gesellschaft für freie Pub­lizis­tik“ (GfP), deren Vor­sitzen­der seit 2010 der ehe­ma­lige Aula-„Schriftleiter“ Mar­tin Pfeif­fer ist, erhal­ten sollte und er diese „Ehrung“ nicht ent­ge­gen­nehmen kon­nte, weil die Ver­anstal­tung abge­sagt wer­den musste, hat es nun – drei Jahre später – geklappt.

Am 25. Sep­tem­ber wurde Duswald im Rah­men des GfP-Jahreskon­gress­es im passenden Kreis von vor allem älteren Recht­sex­tremen und braunen Herrschaften geehrt.

Die Jour­nal­istin Andrea Röp­ke berichtete für „End­sta­tion Rechts“ vom Kongress: Völkische Kul­tur­ar­beit

Ein deutsches TV-Team filmte vor dem Hotel und ver­suchte, Teil­nehmer zu interviewen.

Ankündigung des GfP-Jahreskongresses in Ruhla (Thüringen)

Ankündi­gung des GfP-Jahreskon­gress­es in Ruh­la (Thürin­gen)