Antisemitische Hetzorgie

Der Präsi­dent der Israelitis­chen Kul­tus­ge­meinde (IKG) Wien, Oskar Deutsch, hat einige Tage vor der Wahl anlässlich eines Besuch­es des amtieren­den Bun­de­spräsi­den­ten in ein­er jüdis­chen Schule und im Mai­monides-Zen­trum Wien eine Wahlempfehlung für Van der Bellen aus­ge­sprochen und den FPÖ-Kan­di­dat­en Rosenkranz wegen dessen Ver­harm­lo­sung von Anti­semitismus und Nation­al­sozial­is­mus kri­tisiert. Das hat eine unerträgliche und beschä­mende anti­semi­tis­che Het­zorgie zur Folge gehabt.

Die per­sön­liche Beleidigung

In sein­er Stel­lung­nahme auf Face­book hat Oskar Deutsch von Öster­re­ich als weltof­fen­em, vielfälti­gen und mod­er­nen Land gesprochen, in dem die Würde des Men­schen unan­tast­bar ist. Das woll­ten Dutzende Pos­terIn­nen auf der Stelle wider­legen. Weil Deutsch in sehr klaren Worten darauf hingewiesen hat, dass der FPÖ-Kan­di­dat Wal­ter Rosenkranz die „Nazi-Ver­brechen sein­er Gesin­nungskam­er­aden“, der Burschen­schafter ver­harm­lost, ille­gale Nazis als „Leis­tungsträger“ hochge­jubelt und den Anti­semiten Julius Sylvester als sein Vor­bild dargestellt hat, wurde in Dutzen­den Post­ings nicht etwa ver­sucht, ihn sach­lich zu wider­legen (was angesichts der Fak­ten schw­er möglich wäre), son­dern per­sön­lich beleidigt.

Ausschnitt Posting von Oskar Deutsch (3.10.22)

Auss­chnitt FB-Post­ing von Oskar Deutsch (3.10.22)

„Het­zer“ war die meist­ge­brauchte Beschimp­fung in den Post­ings, wobei die mit den unter­schiedlich­sten Attribut­en präsen­tiert wurde: „Bösar­tiger“, „dreck­iger“, „mieser“, „wider­lich­er“, „graus­lich­er“, „niederträchtiger“, „elen­der“. Für andere war er ein „ver­ab­scheuungswürdi­ger Charak­ter“, „echt das Let­zte“, ein „Ver­brech­er“, „schmieriger Lügn­er“, ein „Kasperl“, „Affe“ oder ein „Spal­ter“.

Die „anderen“ sind die Antisemiten? 

Auf etwas andere, näm­lich die hin­ter­fotzige Weise, näh­ern sich einige Poster dem – näm­lich ihrem eige­nen – Anti­semitismus, indem sie Oskar Deutsch darauf hin­weisen wollen, dass andere den Anti­semitismus ins Land brin­gen wür­den. Bemerkenswert ist dabei, dass die deut­lich anti­semi­tis­chen Post­ings fast auss­chließlich von Men­schen ohne Migra­tionsh­in­ter­grund stam­men. Aber begin­nen wir zunächst mit den hin­ter­fotzi­gen Erin­nerun­gen an die „anderen“, die den Anti­semitismus ins Land brächten.

Van der Bellen sei der­jenige, der Anti­semitismus fördere, weil er „jeden Tag hun­derte ille­gal rein lässt und nix untern­immt“. Ein ander­er Poster wird richtig zutraulich und raunt: „der immer stärk­er wer­dende anti­semitismus kommt doch zum grössten teil von mus­lim­is­ch­er seite.“ Sehr ähn­lich: „Ist ihnen nur annäh­ernd bewusst das ihr Favorit aber­tausende ihrer schlimm­sten Tod­feinde ins Land holt“ Und wieder ein ander­er will Oskar Deutsch dis­tan­z­los verdeut­lichen, was die dann machen: „Was glauben Sie was die mit Euch machen wenn mal zu viele von denen hier sind ?“

Die „Artgenossen“

Wir näh­ern uns dem klas­sis­chen Anti­semitismus. Oskar Deutsch und die IKG wer­den in zynis­ch­er Igno­ranz zunächst ein­mal für die Poli­tik in Israel ver­ant­wortlich gemacht: „Sie haben genug radikale Zion­is­ten in Israel, küm­mern sie sich um diese… Da ist genug Arbeit zu leis­ten aber hören sie auf immer und immer wieder The­men ans Tages­licht zu brin­gen die 80 Jahre her sind, es inter­essiert keinem (sic!) mehr.“ Wer und was darunter zu ver­ste­hen ist, wird aus einem anderen Post­ing klar: „Der ange­bl. Praes­i­dent soll sich lieber um seine artgenossen in israel kuem­mern da haette er arbeit genug“

Wir sind also dort angekom­men, wo viele Post­ings hin­wollen: bei der Denun­zi­a­tion des „ange­blichen“ Präsi­den­ten als jüdis­chen „Artgenossen“. Warum nicht ehrlicher­weise gle­ich ein „Rassegenosse“, der „frech“, „schmierig“, „ehr­los“ und „falsch“ ist? Die Zuschrei­bun­gen erledi­gen aber andere.

Die Juden

Genau sie sind der Grund warum ich solche Juden nicht mag. Schmierig und falsch so wie ihr es immer wart.“ Die Juden sind eben doch die anderen, „schmierig“ und „falsch“ und „frech“ oben­drein, „so wie ihr es immer wart“: „der ewige Jude“ eben, der klar von „uns“ Öster­re­ich­ern“ unter­schieden wer­den muss. „Frech­heit son­der­s­gle­ichen, man stelle sich vor, ein Öster­re­ich­er hätte der­ar­tiges über einen Juden gesagt.“ Oder: „Wie wärs mit weniger vor­laut sein und schön brav im Käm­mer­lein bleiben?

Und natür­lich: „Die Juden geben nie Ruhe“, „jüdis­che Wahlbee­in­flus­sung“, „Ihr Juden glaubt ja, ihr kön­nt euch alles erlauben“, und ziem­lich ver­rä­ter­isch: „Ich liebe unsere israelis­chen (sic!) Mit­bürg­er, aber Affen wie Sie oder Bel­lo gehören abgeschafft [sic!], miese Het­zer!

Raus!

Wenn es mit der neuer­lichen „Abschaf­fung“ der „israelis­chen Mit­bürg­er“ nicht klappt, dann eben: „Ihr kön­nts auch alle in den Flieger steigen und tschüss“ Oder: „Ich sage nur Eines, wenn es Ihnen da nicht gefällt,ab nach Istrael (sic!) mit ihnen“. Ein weit­eres Post­ing bezieht sich auf Fotos, die Oskar Deutsch und Kinder mit Kip­pa zeigen: „Eine Schande für Öster­re­ich sind diese Per­so­n­en auf den Bildern wenn ich schon das wenn ich schon das auf ihrer birne sehe soll­ten sie schle­u­nigst öster­re­ich ver­lassen.“ Noch deut­lich­er ein ander­er: „Raus!

Ausschnitt FB-Posting Oskar Deutsch (3.10.22)

Auss­chnitt FB-Post­ing Oskar Deutsch (3.10.22)

Natür­lich fehlen auch die anderen anti­semi­tis­chen Zuschrei­bun­gen nicht: „Nicht schon genug an Spenden bekom­men?“ oder: „zu dem erhält ihr Schmerzens­geld für die Ver­gan­gen­heit

Oskar Deutsch hat die anti­semi­tis­chen und per­sön­lichen Belei­di­gun­gen, die da zu Dutzen­den auf sein­er Face­book-Seite abge­lassen wur­den, bish­er nicht gelöscht – die Ermit­tlungs­be­hör­den haben damit hof­fentlich aus­re­ichend Zeit und Gele­gen­heit, die Het­ze zu sortieren und nach § 283 (Ver­het­zung) des Strafge­set­zbuch­es tätig zu wer­den. Im Bedarfs­fall: Wir haben eine Sicherung vorgenommen.

Ausstellungsplakat 1938: "Der ewige Jude"

Ausstel­lungsplakat 1938: „Der ewige Jude”