Die braunen Ränder der Identitären (VIII): Kontakte in die Neonazi-Szene?

Die Iden­titäre Bewe­gung wird nicht müde zu behaupten, es gäbe keine Verbindun­gen — wed­er per­son­elle noch ide­ol­o­gis­che — in die Neon­azi-Szene. Das seien alles Hirnge­spin­ste und üble Verdäch­ti­gun­gen, so die Iden­titären. Wenn dann doch ein­mal Fak­ten auf den Tisch liegen, seien es entwed­er ehe­ma­lige Neon­azis, die dank der Iden­titären geläutert wur­den oder aber die Iden­titären kön­nen nichts dafür.

Die Beispiele häufen sich: Wie Mar­tin S., ein ehe­ma­liger Kam­er­ad der Alpen­do­del-Nazis. Oder das Trauern manch­er Iden­titär­er am 8. Mai, gemein­sam mit Wolf­gang L.. Der Wolf­gang L. der sich in Foren schon mal über den Bau von „net­ten” Auto­bomben unterhielt.


Zwei Post­ings von Wolf­gang L. im „Freie Fre­unde Forum”
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Auf die „Likes” auf Face­book durch Robert Fall­er und Franz Radl schreiben die Iden­titären: „Die „Iden­titäre Bewe­gung Innvier­tel“ und Robert Fall­er haben mit der IBÖ nichts zu tun. Alle offiziellen iden­titären Grup­pen, die voll hin­ter unseren Prinzip­i­en ste­hen, sind auf unser­er Seite gelis­tet. […] Wir kön­nen das eben­so wenig kon­trol­lieren, wie wer uns „liked“ oder teilt.”.

Nun gut. Aber was ist mit direk­ten Kon­tak­ten in die Neon­azi-Szene? Was ist mit den Kon­tak­ten von Christo­pher P.? Christo­pher P. ist nicht nur bei der Burschen­schaft Ger­ma­nia, er war auch beim RFS Graz und war Bezirksparteiob­mann von Graz-Umbegung.

Da ist es auch nicht ungewöhn­lich wenn man auch andere Bezirksparteiobleute des RFJ ken­nt — wie die vom RFJ Deutsch­lands­berg. Auf Face­book zeigt sich Christo­pher P. in Feier­laune mit eben diesem ehe­ma­li­gen Bezirk­sob­mann des RFJ Deutsch­lands­berg : Ste­fan J.


Christo­pher P. und Ste­fan J.
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Ste­fan J., eben­falls bei der Burschen­schaft Ger­ma­nia, trat als (dama­liger) Bezirk­sob­mann des RFJ Deutsch­lands­berg für die Abschaf­fung des NS-Ver­bots­ge­setz ein. Beim Som­mer­fest 2007 des BFJ tauchte J. gemein­sam mit Got­tfried Küs­sel und Felix B. Auf, zwei der drei zu langjähri­gen Haft­strafen Verurteil­ten im Wiener Alpen-Donau-Prozess.

Die ab 2007 in Haft sitzen­den Aktivis­ten des neon­azis­tis­chen Bunds freier Jugend (BfJ) beze­ich­nete J. als „volk­streuen Aktivis­ten aus Oberöster­re­ich“ und als und als „poli­tis­che Gefan­gene“.

2010 geri­et Ste­fan J. selb­st ins Visi­er der Jus­tiz. Er soll, so die Staat­san­waltschaft, mit eini­gen anderen ein­schlägig bekan­nten Per­so­n­en, wie Richard P., Ger­hard T. und seinem Brud­er Chris­t­ian J., mehrere BesucherIn­nen des Lokals “Zep­pelin” in Graz zum Teil schw­er­stver­let­zt haben. Anfang 2012 wur­den fünf Per­so­n­en zu Haft­strafen zwis­chen 19 Monat­en und drei Jahren verurteilt. Ste­fan J. wurde neben ein­er weit­eren Per­son freige­sprochen, nach­dem er über­raschend einen Ali­bizeu­gen aufgetrieben hat­te. May­day Graz berichtet: „Diese Zeug­In­nen iden­ti­fizierten die Täter anhand von Fotos statt wie andere direkt im Gerichtssaal. Sieben der Angeklagten […] wur­den dabei von ver­schiede­nen Anwe­senden als Beteiligte an der Schlägerei genan­nt, auch Ste­fan J. und L.. Diese bei­den behaupteten allerd­ings  auf ein­mal, gar nicht im Lokal gewe­sen zu sein. Sie kon­nten Zeug­In­nen wie (ehe­ma­lige) Fre­undin­nen, kün­ftige Schwiegerel­tern und Burschen­schafts-Kol­le­gen auf­bi­eten, die ihnen vor Gericht bestätigten, dass sie an diesem Abend in Stock­er­au bzw. in ein­er Burschen­schafts­bude, aber jeden­falls nicht im „Zep­pelin“ gewe­sen waren. Manch­es hörte sich dabei selt­sam an: Ste­fan J. hat­te zwei Jahre lang schlicht vergessen zu erwäh­nen, dass er gar nicht am Tatort gewe­sen sein wollte, dafür wusste der Verbindungs­brud­er noch heute genau, dass er aus­gerech­net an diesem Datum mit J.  einen gemütlichen Abend ver­bracht hatte.”

Für die zuvor gerufe­nen neon­azis­tis­chen Parolen Hit­ler­grüße, das Absin­gen des Horst-Wes­sel-Liedes („Die Rei­hen dicht geschlossen – SA marschiert“), “wurde im jet­zi­gen Ver­fahren kein einziger der Beteiligten verurteilt. Der Staat­san­walt argu­men­tierte in seinem Plä­doy­er, die Aktion im „Zep­pelin“ sei der „wiedergekehrte Ter­ror aus SA-Zeit­en“. Die Beschuldigten wür­den nicht für Gesin­nun­gen bestraft, son­dern ihr Nation­al­sozial­is­mus knüpfe an Tat­en an. Ihre Gewalt zeige, dass sie ihre Pro­pa­gan­da auch „so meinen“. „Glauben Sie, die hät­ten von selb­st aufge­hört zu treten?“
Doch die Vertei­di­gung hielt dem ent­ge­gen, dass die Zeug­In­nen keinem ihrer Man­dan­ten direkt etwas zuschreiben kon­nten. Wie auch, wenn eine Gruppe, die men­sch nicht ken­nt, auf ein­mal loss­chlägt!”
, berichtet May­day Graz.

Ste­fan J. vergibt auch gerne “Likes” an die Iden­titären. Wie uns diese erk­lären, kön­nen sie nicht kon­trol­lieren wer ihnen „Likes” gibt. Aber wie ist es mit Kon­tak­ten von Aktivis­ten der iden­titären Bewe­gung tief in die neon­azis­tis­che Szene hinein? Das Foto oben, dass die bei­den Ex-Bezirk­sob­män­ner des RFJ bei ein­er eher lau wirk­enden Geburtags­feier für Ste­fan J. zeigt, ist am 29.10.2011 aufgenom­men wor­den. Im August 2012 kom­men­tiert Ste­fan J. das Foto zulet­zt. Inner­halb dieser Zeitspanne wurde von der Staat­san­waltschaft und der Polizei die Verbindun­gen des Ste­fan J. tief in die Neon­azi-Szene hinein prob­lema­tisiert. Der „Enter­hak­en” (Aus­gabe Novem­ber 2012; PDF) schreibt: „Die BeamtIn­nen des Ver­fas­sungss­chutzes zählten wenig spek­takulär die Gegen­stände auf, die bei den diversen Haus­durch­suchun­gen gefun­den wor­den waren, nicht ohne zu ver­sich­ern, dass Radls Hitler-Büste nicht straf­bar sei. Inter­es­sant war die Antwort auf die Frage nach den Kon­tak­ten. So bestätigte ein Beamter, dass es eine ständi­ge Verbindung von Radl, Pf., T., L. und Ste­fan J. gebe: Mit Ste­fan J. war damit ein RFJ-Bezirk­sob­mann und Burschen­schafter (Ger­ma­nia im CDC, jet­zt Ger­ma­nia Süd­mark) fest in eine Gruppe von Neon­azis inte­gri­ert gewesen.”

Es ist natür­lich nicht kon­trol­lier­bar wer auf Face­book etwas „liked”. Aber das ist auch gar nicht die entschei­dende Frage, son­dern die Tat­sache, dass der Inhalt für bes­timmte Per­so­n­en (wie Radl) so ansprechend ist, dass sie diesen „liken”. Darüber hin­aus stellt sich die Frage nach den per­son­ellen Verbindun­gen manch­er Iden­titär­er zu Per­so­n­en im Umfeld um Franz Radl und Neonazi-Schlägern.

Wir wer­den weit­er über die Verbindun­gen der Iden­titären berichten.

Die braunen Rän­der der Iden­titären (I)
Die braunen Rän­der der Iden­titären (II)
Die braunen Rän­der der Iden­titären (III)
Die braunen Rän­der der Iden­titären (IV)
Die braunen Rän­der der Iden­titären (V): Sind die Iden­titären rechtsextrem?
Die braunen Rän­der der Iden­titären (VI): Neue Fans….
Die braunen Rän­der der Iden­titären (VII): ….und alte Bekannte