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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Die braunen Ränder der Identitären (VII): … und alte Bekannte

Als wir mit unse­ren Recher­chen zu den Iden­ti­tä­ren begon­nen haben, sind wir davon aus­ge­gan­gen, dass sie eine rech­te bzw. rechts­extre­me Strö­mung reprä­sen­tie­ren, die mit natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Ideo­lo­gie und Neo­na­zis tat­säch­lich nichts am Hut haben. Auch wir waren über­rascht, als wir fest­stel­len muss­ten, dass sich eini­ge alte Bekann­te bei den Iden­ti­tä­ren herumtreiben.

25. Feb. 2013
Martin Sellner 2008 beim Gedenken für den Nazi-Piloten Walter Nowotny. Damals noch in den Reihen von Gottfried Küssel und Felix B., die Verantwortlichen der neonazistischen Website "Alpen-Donau.info"
Martin Sellner 2008 beim Gedenken für den Nazi-Piloten Walter Nowotny. Damals noch in den Reihen von Gottfried Küssel und Felix B., die Verantwortlichen der neonazistischen Website "Alpen-Donau.info"

Am 25. Jän­ner 2013 äußern sich „die Iden­ti­tä­ren in Wien“ zu dem Vor­wurf, sie sei­en Neo­na­zis: „Zum Tot­la­chen. Mit stol­zund­frei und unsterb­li­chen haben wir iden­ti­tä­re nix am hut.“ Wirk­lich nicht? Bei „stol­zund­frei“ han­delt es sich um die Nach­fol­ge­grup­pe der Alpen-Donau-Nazis. Ihre Akti­vis­ten waren 2010 beim Neo­na­zi-Auf­marsch in Dres­den dabei. Da war alpen-Donau.info und sei­ne Struk­tu­ren ja noch aktiv. Dem­entspre­chend fand sich eine gro­ße Dele­ga­ti­on von öster­rei­chi­schen Neo­na­zis in Dres­den ein. Von den Chefs Küs­sel und Radl abwärts bis zur „SS-Liesl“ waren etli­che ver­tre­ten. Auch eini­ge, die sich jetzt hin­ter einer „iden­ti­tä­ren“ Iden­ti­tät ver­ste­cken. Han­delt es sich bei ihnen um „Geläu­ter­te“, die mit ihrer Ver­gan­gen­heit gebro­chen haben? Dann haben wir viel­leicht etwas über­se­hen — Klar­stel­lun­gen, Abrech­nun­gen, die einen Bruch mit ihrer jüngs­ten Ver­gan­gen­heit glaub­haft machen würden.

Statt­des­sen tref­fen wir auf alte Bekann­te, die sich nicht nur ein­mal in die Neo­na­zi-Sze­ne ver­irrt haben. Da wäre zum Bei­spiel Mar­tin Sell­ner, der bei sei­ner „iden­ti­tä­ren“ Prä­senz einen Klar­na­men ver­mei­det und sich „grie­chisch“ gibt. Beim Dresd­ner Neo­na­zi-Auf­marsch 2010 schwenk­te er noch die schwar­ze Fah­ne. Auf den Fotos gemein­sam mit ihm sind auch eini­ge der Neo­na­zis, die jetzt bei „stol­zund­frei“ aktiv sind.

Sebastian P. und Martin Sellner in Dresden, 2010
Sebas­ti­an P. und Mar­tin Sell­ner in Dres­den, 2010

Sell­ner war schon vor­her auf­ge­fal­len. Im Sep­tem­ber 2007 tauch­te er mit spä­te­ren „stolzundfrei“-Aktivisten bei einer „Pro-Iran“-Kundgebung auf, 2008 war er an meh­re­ren neo­na­zis­ti­schen Kund­ge­bun­gen betei­ligt, dar­un­ter beim Nowot­ny-Geden­ken am Zen­tral­fried­hof gemein­sam mit Gott­fried Küs­sel und Felix Budin, wo er auch 2009 wie­der zu sehen war. 2010 war er bei dem gut doku­men­tier­ten Auf­marsch in Dresden.

Martin Sellner & Co beim Versuch "eine antifaschistische Demonstration gegen die Angelobung von Martin Graf als drittem Nationalratspräsidenten auf der Wiener Parlamentsrampe zu stören" (Zitat und Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu)
Mar­tin Sell­ner & Co beim Ver­such „eine anti­fa­schis­ti­sche Demons­tra­ti­on gegen die Ange­lo­bung von Mar­tin Graf als drit­tem Natio­nal­rats­prä­si­den­ten auf der Wie­ner Par­la­ments­ram­pe zu stö­ren” (Zitat und Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu)

 

Martin Sellner & Co. gemeinsam mit Gottfried Küssel beim Nowotny-Gedenken 2008 (Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu)
Mar­tin Sell­ner & Co. gemein­sam mit Gott­fried Küs­sel beim Nowot­ny-Geden­ken 2008 (Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu)

Mit dabei in Dres­den war auch Mar­kus. Von ihm stammt die ein­drück­li­che Schil­de­rung eines Aus­bruchs­ver­su­ches bei der Neo­na­zi-Demo, der an den eige­nen Ord­nern geschei­tert ist auf „Alter­me­dia“. Auf „Alter­me­dia“ gab er 2009 auch noch ande­re Kost­pro­ben sei­nes Den­kens ab: Die rechts­extre­me Bri­tish Natio­nal Par­ty (BNP) von Nick Grif­fin ist ihm zu lasch, weil sie sich auch für schwar­ze Bri­ten wähl­bar machen will:

Gut damit weiß man ja, was man von der BNP zu hal­ten hat… Die schwar­zen “Bri­ten” sol­len sie wäh­len? und noch eine libe­ra­li­sier­te anti-Islam Par­tei… juhu“. Stun­den spä­ter prä­zi­siert er sei­ne Hal­tung: „Es hat nichts mit dem Behar­ren auf ideo­li­gí­schen (sic!) Dog­men zu tun, wenn ich die Auf­ga­be des bri­ti­schen Selbst­er­hal­tungs­kamp­fes ver­ur­tei­le. (Alter­me­dia, 18.7.09)

Mit die­ser Posi­ti­on ahnt er 2009 schon iden­ti­tä­re Ideo­lo­gie vor­aus. Er kann aber auch noch deut­li­cher werden:

Weißt du wir hier in der Ost­amrk lachen für gewöhn­lich nur über die Leu­te, die sich hin­stel­len und stolz ver­kün­den wie­lan­ge sie doch schon für die Bewe­gung kämp­fen und was denn die­se “Jung­spun­te” denn über­haupt wollen.
Wir lachen über euch, weil ihr es tat­säch­lich schafft stolz zu sein dar­auf, dass ihr seit Jahr­zenten “kämpft” (selbs­st­ver­ständ­lich nur mit “geis­ti­gen” Waf­fen, wie mutig…) und den­noch nicht den gerings­ten Erfolg auf­wei­sen könnt.
Wo sind denn die Früch­te die­ses Kamp­fes? Wo ist denn die Ver­än­de­rung, die ihr her­bei­ge­führt habt? Der Wider­stand den ihr geleis­tet habt war offen­sicht­lich falsch, sonst hät­te er Erfolg gehabt.
Ver­zeih uns Jun­gen also bit­te, wenn wir unse­ren Wider­stand nicht an dem euren ori­en­tie­ren.“
(Alter­me­dia, 29.7.2009, Feh­ler im Original)

Markus will seine Propaganda bei Stoppt dier Rchten bewerben
Mar­kus will sei­ne Pro­pa­gan­da bei Stoppt dier Rch­ten bewerben

Mar­kus ist auch mit der NPD unzu­frie­den, für die er schon mehr­fach als Wahl­hel­fer aktiv war, wie aus gele­ak­ten NPD-Mails her­vor­geht. Die Zie­le der NPD und ihre Basis sei­en ja in Ord­nung, aber am Ver­ständ­nis der Par­tei­füh­rung von Pro­pa­gan­da hape­re es: „Viel­leicht soll­ten unse­rer Porpaganda’strategen’ ein­mal Mein Kampf oder die Wer­ke von Goeb­bels lesen, dann wüss­ten sie mehr.“ (Alter­me­dia, 27.9.09) Heu­te ist Mar­kus einer der selbst­er­nann­ten Ideo­lo­gen der Identitären.

Juli­an P. ist der Drit­te im Bun­de der angeb­lich Geläu­ter­ten. Er war auch 2010 in Dres­den mit dabei. Als die Bur­schen­schaf­ter am 8. Mai 2011 wie­der ein­mal trau­er­ten, fand sich auch P. in die­sem „gemüt­li­chen Bio­top“ ein , aus dem er eigent­lich ja aus­bre­chen will, wie er in schwüls­ti­gen Schil­de­run­gen eines „auf­bre­chen­den Sturms“ beschreibt.

Julian P. trauerte am 8. Mai 2011 (Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu)
Juli­an P. (Mit­te) trau­er­te am 8. Mai 2011 (Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu)

Ein wei­te­rer Kame­rad aus alten Zei­ten ist Wolf­gang L., ali­as „Sowi­lo“ von den „Frei­en Freun­den“, ali­as „Eva Kuie­ren“ der­zeit auf Face­book. Er war so ziem­lich über­all dabei, im Umkreis von Küs­sel eben­so wie beim „Fun­ken“.

Wolfgang L., Martin Sellner und auch Norbert B. und Paul B. (Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu)
Wolf­gang L., Mar­tin Sell­ner und auch Nor­bert B. und Paul B. (Bild­quel­le: kuesselskameraden.blogsport.eu)

Aller­dings ist er kei­ner von den „Geläu­ter­ten“: Er hält nach wie vor für „Ras­sen­krieg“, was in der gewen­de­ten iden­ti­tä­ren Spra­che jetzt „Bür­ger­krieg“ genannt wird. Das dürf­te eine gewis­se Ent­frem­dung von den Iden­ti­tä­ren zur Fol­ge gehabt haben. Ein Kom­men­tar von „Sowi­lo“ im „Fun­ken“ wur­de jeden­falls gelöscht.

Zur wei­te­ren Infor­ma­ti­on: „Küs­sels Kame­ra­den“ und „Eine Bibel für die Sek­te der Iden­ti­tä­ren“ (publikative.org).

⇒ pro­fil, 25.2.2013 (Print): Das ver­que­re Welt­bild der „Iden­ti­tä­ren“

⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (I)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (II)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (III)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (IV)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (V): Sind die Iden­ti­tä­ren rechtsextrem?
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (VI): Neue Fans …
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (VIII): Kon­tak­te in die Neonazi-Szene?

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