Die braunen Ränder der Identitären (IV)

Die Identitären geben sich locker. Sie geben vor, nicht rassistisch zu sein, jubeln aber zu „Pro Border -Pro Nation“ und „Reconquista“. Sie sind gegen die angebliche Zerstörung der „kulturellen Identität unseres Volkes“ durch die Globalisierung , nutzen aber die globalisierte Popkultur, um bei Jugendlichen anzukommen. Mit Rechtsextremismus wollen sie nichts zu tun haben, sind aber mittendrin.

Ende August 2012 wurde der Verein zur Erhaltung und Förderung der kulturellen Identität behördlich angemeldet. Sein Vorsitzender ist Alexander Markovics. Bekannt ist der Verein unter dem Namen W.I.R. Das steht abgekürzt für Wiens Identitäre Richtung. Auf Facebook ist W.I.R. seit März 2012 als „zivilgesellschaftliche Initiative“ vertreten. Schon unter den ersten Gratulanten („Gefällt mir“) finden sich einige heftige Rechte.


„Unsterblich“-Neonazis gegen Volkstod, Identitäre gegen „existentielle Bedrohung“. Wo ist der Unterschied?

Das Kürzel W.I.R. wird innerhalb der Identitären auch für Weiß, Identitär, Revolutionär verwendet. Ein Zufall? Kein Zufall ist jedenfalls, dass W.I.R. von Beginn an gegen die „Islamisierung“ Wiens, gegen die „Invasion“, die als „existentielle Bedrohung“ gesehen wird, „mit aller Kraft“ kämpfen will. Die apokalyptische Sprache fügt sich nahtlos ein in jene Bedrohungsszenarien, die von paranoiden Verschwörungstheoretikern bis hin zu den „Volkstod“- und „Unsterblich“-Nazis gemalt werden. Andreas Peham vom DÖW: „Wer nach Anders Behring Breivik [Anm.: dem Attentäter von Oslo 2011] noch davon spricht, dass Europa untergeht, dass man die letzte Generation sei, die die Chance habe, das noch aufzuhalten und dazu noch die kämpferische Grundhaltung betont, der ist zumindest unverantwortlich!“.

Anfang September 2012 wird eine neue Facebook-Gruppe gegründet: Die Identitären in Wien. Die Gruppe übernimmt auch die Verantwortung für die Provokation am Schlingermarkt Ende September. Innerhalb nur weniger Tage werden dann „spontan“ im Oktober Facebook-Gruppen der Identitären in Linz, Innsbruck, Salzburg und Graz gegründet.

Anfang November nimmt Markovics am Kongress des Bloc Identitaire teil. Während Markovics in Interviews noch davon spricht, dass sein Verein Wienerliedabende, Wanderungen und Infotische veranstaltet, radikalisieren sich die Identitären. Ab November gibt es Stör-Aktionen, die sich gegen das Camp vor der Votivkirche und gegen Andreas Peham vom DÖW richten. Auch unmittelbar vor der Votivkirche veranstalten sie eine Hardbass-Aktion und schreiben dazu: “Aus Respekt vor der Religion blieben wir vor den Mauern…“

Der Respekt hält nur kurz an – bis zu der ziemlich peinlichen Aktion am 10. Februar, als Identitäre aus Wien und Graz eine „Besetzung der Besetzung“ der Votivkirche durch Asylwerber proklamieren, dort politische Erklärungen gegen „Asylbetrug“ abgeben und nach einigen Stunden wegen der Kälte unter Polizeischutz abziehen.

Diese letzte Provokation hat auch eine Vorgeschichte. Schon im Dezember ist „Saby Genauso“ der Meinung, „das (!) die in unserer Kirche nix verloren haben! Und wie immer macht eigl keiner was dagegen! Wie wärs mal wenn ma sich wehren?“

Als die über die FPÖ für 28. Jänner organisierte und propagierte Protestveranstaltung vor der Votivkirche abgesagt wird und unter den Rechtsextremen der Unmut über die Absage kocht, ist die Stunde der Identitären gekommen. Sie setzen mit der Provokation auch die wahltaktisch orientierte FPÖ unter Druck und erhalten dementsprechend den Applaus von ganz rechts: Werner Königshofer jubelt über die Aktion, die Reste von SOS-Österreich und etliche sonstige einschlägig Bekannte. Selbstverständlich ist auch „unzensuriert“ unter den Gratulanten.

Auf den Facebook-Seiten der Identitären tummeln sich sogar einige, die im Neonazi-Forum von Alpen-Donau noch unter Nicknames unterwegs waren, mit ihren Klarnamen: Franz Radl etwa oder „Frundsberg“. Auch ehemaliges NVP-Personal ist vertreten.


Franz Radl und die Identitären Wien

Anfang Oktober 2012 versuchten sich die Identitären nach der Provokation am Schlingermarkt noch in einer Klarstellung „Wir sind keine “Rassisten, Fremden-, Schwulen- , Juden-, oder Islamhasser”, wie uns von jenen, denen unsere Kritk nicht gefällt, auf einmal pauschal vorgeworfen wird“. Wenige Sätze später dann das faktische Gegenteil: “Aber wir wollen auch kein europäisches Kalifat, sondern eine Reconquista!“


Robert Faller und die Identitären Graz

Mit der Reconquista, mit ihrer Berufung auf kulturelle und völkische Identität sind sie in den blauen und braunen Sumpfgebieten angekommen, dort wo unter völkischer Identität immer noch das Deutschtum verstanden und verteidigt wird. Da ist es dann nur mehr ein kleiner Schritt zum Antisemitismus und man findet auch die Rückbenennung des Universitätsrings in den Dr.Karl Lueger-Ring gut!

Coming soon: Die braunen Ränder der Identitären Teil V

Die braunen Ränder der Identitären (I)
Die braunen Ränder der Identitären (II)
Die braunen Ränder der Identitären (III)