Freiheitliche Entgleisungen

Der FPÖ-Gemein­der­at Udo Guggen­bich­ler ver­fasste in der Vor­woche (28.2.13) eine ziem­lich selt­same Presseaussendung. In ihr machte er einen Redak­teur des „Kuri­er“ mehr oder min­der deut­lich für ange­bliche Anschläge auf Verbindungs­bu­den ver­ant­wortlich. Eine Anzeige gegen den Ver­fass­er des „Kurier“-Beitrags sei bere­its einge­bracht wor­den, so Guggen­bich­ler. Uns ist da was anderes aufgefallen.

Am 1. Feb­ru­ar 2013 erschien im Chronik-Teil des „Kuri­er“ der Beitrag „Burschen mit braunen Fleck­en“. Darin wur­den drei Verbindun­gen, die Burschen­schaften Olympia und Teu­to­nia sowie die Gren­z­lands­man­nschaft Cim­bria als „recht­sex­trem“ benan­nt. Zur Illus­tra­tion des Beitrags wur­den die drei Verbindun­gen mit Grün­dungs­da­tum, Far­ben, Zirkel und Adresse vorgestellt. Beige­fügt war dieser Illus­tra­tion eine winzige Über­sicht­skarte über die „rechte Meile“ im West­en Wiens.

Für Guggen­bich­ler stellt das eine „gewal­tauf­fordernde Berichter­stat­tung“ dar. In dem winzi­gen Über­sicht­s­plan sieht der FPÖ-Gemein­der­at und Burschen­schafter eine „topographis­che Karte“ und eine „unfass­bare Ent­gleisung“ des Kuri­er-Redak­teurs. Deshalb habe die FPÖ Wien Strafanzeige gegen den Redak­teur einge­bracht und den Presser­at informiert: „Es könne jeden­falls nicht aus­geschlossen wer­den, dass der Ver­fass­er des Artikels Angriffe auf die genan­nten Häuser bewusst miteinkalkuliert habe“, so Guggen­bich­ler. Geht’s noch?

Die Adressen der Burschen­schaften sind ohne jeglichen Aufwand über­all abruf­bar. Die Mini-Grafik im „Kuri­er“ ist als Stadt­plan zur Ori­en­tierung völ­lig ungeeignet. Von Anschlä­gen auf ihre Buden schreiben die betrof­fe­nen Kor­po­ra­tio­nen nichts, und Guggen­bich­ler liefert auch keine Hin­weise. Worum geht’s also wirk­lich? Das einzig denkbare Motiv: der Bericht im „Kuri­er“ war den Frei­heitlichen offen­sichtlich zu kri­tisch. Mit der Anzeige will man offen­sichtlich kri­tis­che Berichter­stat­tung über Burschen­schaften denunzieren.

Schon am Tag der Veröf­fentlichung des „Kurier“-Beitrags gab es eine Presseaussendung der Frei­heitlichen („Kuri­er zün­delt im Vor­feld des Akademiker­balls und veröf­fentlicht Adressen von gefährde­ten Häusern in Wien“), die in der rhetorischen Frage mün­dete: „Wer übern­immt eigentlich im Fall eines Anschlags die Ver­ant­wor­tung?“ Die Presseaussendung des Lan­desparteisekretärs Jenewein war gespickt mit Ver­bal­in­jurien: von „Basse­na-Jour­nal­is­mus“, „link­sex­tremen Schmierfinken“ und dem Doku­men­ta­tion­sarchiv als „kom­mu­nis­tis­ch­er Tarnor­gan­i­sa­tion“, die mit ein­er „Mis­chung aus Halb­wahrheit­en und Denun­zi­a­tion“ arbeite, war da die Rede. Keine Spur von Gege­nar­gu­menten gegen den Rechtsextremismus-Vorwurf!

Auf dem Face­book-Account von Ste­fan Gotschacher, dem Press­esprech­er des FPÖ-Klubs, ging es noch etwas heftiger ab. Roland Mölz­er gibt dort schon den Weg vor: „Den Kuri­er kla­gen!“ und „das ist der ‚schwarze‘ Kuri­er“, worauf Gotschacher antwortet: „Mit Redak­teuren, die vom kom­mu­nis­tis­chen, hoch sub­ven­tion­ierten Fal­ter stam­men. Aber ich sags immer: Am wenig­sten hal­ten die Schwarzen.“

In anderen Post­ings, darunter einem mit­tler­weile gelöscht­en, wird es noch wesentlich heftiger: Da wird „Kurier“-Redakteuren per­sön­lich mit Kla­gen und der Veröf­fentlichung ihrer Pri­vatadressen mit Bild im Inter­net gedro­ht. Dazu der süff­isante Nach­satz: „Ich ersuche aus­drück­lich, diesen Het­zern und deren Fam­i­lie nichts anzu­tun.“ In einem weit­eren Kom­men­tar zum Burschi-Ball wird zum The­ma Selb­stvertei­di­gung das fol­gende beacht­enswerte Post­ing veröffentlicht:

Zur rechtlichen Sit­u­a­tion: Ich darf mich jed­erzeit mit den notwendi­gen, legalen Mit­teln gegen einen Angriff auf mich oder mein Eigen­tum vertei­di­gen (Selbstverteidigung)….Das heißt freilich nicht, dass ich einen der besof­fe­nen Idioten nieder­schießen darf, wenn er mir mit einem Mess­er dro­ht, aber, wenn keine andere „gelin­dere“ Möglichkeit, dann doch.

Schließlich hät­ten wir noch fol­gen­des Post­ing: „…. die Links­faschis­ten haben die Macht über­nom­men. Und ich erin­nere an deren Spruch: Wenn Recht zu Unrecht wird, wird Wider­stand zur Pflicht!“