Die AFP – Teil 2: Geschichte der AFP

Die AFP – Arbeits­ge­mein­schaft für demokratis­che Poli­tik, eine poli­tis­che Partei, wurde 1963 gegrün­det, der Name der AFP lautete bis 1975 Arbeits­ge­mein­schaft für Poli­tik. Als die AFP 1975 behördlich aufgelöst wurde, formierte sie sich als Aktion­s­ge­mein­schaft für Poli­tik neu. 1987 benan­nte sich die AFP sich in Arbeits­ge­mein­schaft für demokratis­che Poli­tik um.

Führende Funk­tionäre der AFP waren oder sind: Horst Lud­wig, Kon­rad Windisch, Sepp Kraßnig, Ingrid Kraßnig, Alois Wolf, Mathilde Wolf, Her­bert Drexler, Karin Manke.

Neben der poli­tis­chen Partei wird die AFP auch von einem Vere­in nach außen vertreten: Aktion­s­ge­mein­schaft für Poli­tik (Vere­in­sreg­is­ter­auszug). Vor­sitzende sind Josef Kraßnig und Man­fred Hubral, andere im öffentlichen Vere­in­sreg­is­ter auf­scheinende Per­so­n­en: Her­mann Uss­ner und Her­minio Redon­do.

Die AFP ver­fügt über mehrere regionale Stützpunk­te, der wichtig­ste ist das Fritz-Stüber-Heim, in der Kopp­straße 72 im 16. Wiener Gemein­de­bezirk. Das Fritz-Stüber-Heim hieß ursprünglich Diet­rich-Klagges-Heim. 1986 kam es zur ein­er Umbe­nen­nung, da die AFP die ver­botene Nationale Front (NF) beherbergte.

Die Nationale Front wurde 1984 von Gerd Hon­sik gegrün­det, und schon die Grün­dungsver­samm­lung wurde vom Innen­min­is­teri­um unter­sagt. Her­bert Schweiger sollte als Red­ner bei der Grün­dungsver­anstal­tung auftreten. Trotz des Ver­bots ent­stand eine Grup­pierung unter diesen Namen, bei der auch Got­tfried Küs­sel involviert war.

So wurde das Heim in Frei­herr-von-der-Trenck-Heim unbe­nan­nt. Aber schon ab 1993 hat­te es wieder einen anderen Namen: Fritz-Stüber-Heim, nach­dem 1992 das Heim in der Kopp­straße von der Polizei gestürmt und die Wehrsport­gruppe Trenck, bei der Got­tfried Küs­sel führend beteiligt war, aus­ge­hoben wurde. Dabei wur­den zahlre­iche Waf­fen sichergestellt. Die Wehrsport­gruppe zählte zu diesem Zeit­punkt 20 bewaffnete Mitglieder.

Die AFP ver­bre­it­et ihre Pro­pa­gan­da über mehrere Medi­en, darunter der Wiener Beobachter und die Kom­mentare zum Zeit­geschehen, als deren Medi­en­in­hab­erin Ingrid Kraßnig und deren Schriftleit­er Her­minio Ren­don­do fungiert. Sie bestün­den jedoch „nahezu auss­chließlich aus Zitat­en, Witzen und Kuriosa”, so die Ein­schätzung des Lan­des­gerichts Wien.

Regelmäßig find­en sich in den Kom­mentaren zum Zeit­geschehen Buchtipps, wie zum Beispiel: „Her­bert Walther: ‚Die Waf­fen-SS’, ‚fünfhun­dert Pack­ende, nie veröf­fentlichte Bilder zeigen den Kampf ein­er Truppe, der nie­mand, auch nicht ihr Geg­n­er auf dem Schlacht­feld, Tapfer­keit und Opfer­bere­itschaft abge­sprochen hat’ ”. Im Wiener Beobachter veröf­fentliche die AFP unter dem Titel „Feigen­baums Gebet” fol­gende Zeilen: „Lieber Jah­we, mach mich fromm,/dass ich zu mehr Dol­lars komm! / Büßen, trauern und erin­nern, / daran lässt sich toll ver­di­enen! / Sieh’, wie grä­men die sich sehr, / und mein Geld wird immer mehr! / Und dass es so bleibt noch lang, bin gewiss, mir ist nicht bang.” (Wiener Beobachter 5/2000)

2009 vertei­digte die AFP auf ihrer Home­page den Pius­brud­er und Holo­caust-Leugn­er Williamson. Eben­falls 2009 dro­hte die AFP unter anderem Andreas Kohl, der für die AFP ein „Deutschen­has­s­er” sei, dass all jene „Gesellen, die aus niederem Antrieb her­aus die Ein­heit Tirols als ersten Schritt zur Erneuerung unseres Vater­lan­des sabotieren (…) früher oder später ein­se­hen müssen, dass ihre Untreue sich nicht auszahlt und dementsprechend geah­n­det wer­den wird!”

2009 zeigt sich in den Kom­mentaren zum Zeit­geschehen – wie zur­vor bere­its öfter geschehen – die Ver­bun­den­heit zur FPÖ: So bit­ten die Kom­mentare ihre Fre­unde, bei „den kom­menden Land­tags- und Gemein­de­wahlen (…) volk­streue Kan­di­dat­en in der FPÖ zu unter­stützen. Diese sind die einzi­gen, die sich dem herrschen­den Gesin­nung­ster­ror entgegenstellen.”

Im Jahr 2000 musste wieder die Polizei tätig wer­den und schritt wegen ein­er Raufer­ei vor dem Fritz-Stüber-Heim ein, bei der unter anderem Got­tfried Küs­sel anwe­send war. Im Zuge der anschließen­den Durch­suchung wurde ein­schlägiges Mate­r­i­al sichergestellt.

Bei dem BFJ — Bund freier Jugend han­delt es sich um eine Jugen­dor­gan­i­sa­tion der AFP, ähn­lich der AFP-Aktion. Im Jahr 2007 wur­den die Mit­glieder des BFJ, Rene Hönig, Ste­fan Mag­net und Michael Scharfmüller ver­haftet, und es fan­den Umfan­gre­iche Haus­durch­suchun­gen statt. Trotz des Schlags gegen den BFJ wur­den Sol­i­dar­ität­sak­tio­nen mit Konz­erten und Flug­blät­tern organ­isiert. Das zeige, so der Recht­sex­trem­is­mu­s­ex­perte Wolf­gang Purtscheller, eine neue Qual­ität im Ver­gle­ich zur Sit­u­a­tion der recht­en Szene nach der Zer­schla­gung der Volk­streuen außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion — VAPO. Die Angeklagten, darunter auch Host Lud­wig, wur­den freige­sprochen, auch deswe­gen, weil die Anklage auf § 3a (Ver­bG) lautete, also auf Vor­wurf der „Wieder­her­stel­lung oder Aufrechter­hal­tung aufgelöster nation­al­sozial­is­tis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen” (im konkreten Fall der „Hitler­ju­gend”), was sich nur schw­er nach­weisen lässt.

Nach Ein­schätzung des DÖW han­delt es sich bei der Neon­azi­seite alpen-donau.info um eine Home­page, „welche maßge­blich aus den alten Struk­turen der Volk­streuen Außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion (VAPO) und der ver­schiede­nen Jugend­grup­pen der Arbeits­ge­mein­schaft für demokratis­che Poli­tik (AFP) her­vorge­gan­gen ist. Die möglichst zeit­geistig gestal­tete Home­page ist auch Aus­druck eines Gen­er­a­tio­nen­wech­sels in der zunehmend mil­i­tan­ter agieren­den Neonaziszene.”

Auch in der par­la­men­tarischen Anfrage „Neon­azis von Alpen-Donau Web­site und Forum” wird nach den Verbindun­gen von der AFP zu dem Neon­azi-Net­zw­erk alpen-donau.info gefragt. So wer­den im Forum von alpen-donau.info zu Tre­f­fen in das AFP-Heim aufgerufen. Es sind auch auf­fal­l­ende Ähn­lichkeit­en zwis­chen der AFP (und AFP-Aktiv) und alpen-donau.info festzustellen.

Die AFP-Akademie

Zu den wichtig­sten Aktiv­itäten der AFP zählen die Abhal­tung der soge­nan­nten Poli­tis­chen Akademien, die seit 1966 alljährlich stat­tfind­en. Neben Neon­azis treten dort auch immer wieder FPÖ-Man­datare zu Vorträ­gen auf. 2000 musste die Polizei ein­schre­it­en, nach­dem Frank Ren­nicke (NPD und „Barde”) bei der Akademie auftreten wollte – auf­grund sein­er ein­schlägi­gen Lieder wurde Ren­nicke nach dem Ver­bots­ge­setz angezeigt. 1991 referierte der spanis­che Neon­azi Pedro Varela und lobte Hitler als „zweit­en Erlös­er der Men­schheit”. Auf­grund dieser Aus­sagen wurde Varela 1992 bei sein­er erneuten Ein­reise nach Öster­re­ich ver­haftet und wegen neon­azis­tis­ch­er Wieder­betä­ti­gung angeklagt. In Spanien wurde Varela wegen Leug­nung des Holo­causts und Auf­s­tachelung zum Hass zu fünf Jahren Haft verurteilt.

2006 durfte Andreas Thier­ry über „Die Legion Con­dor und der Spanis­che Bürg­erkrieg” referieren – die Legion Con­dor war eine Ein­heit des deutschen NS-Regimes, die im Spanis­chen Bürg­erkrieg kämpfte. Der Öster­re­ich­er Andreas Thier­ry nahm 1992 an Aus­bil­dungslagern der ver­bote­nen deutschen Nationalen Front teil und gehörte zur „Volk­streuen Jugend­of­fen­sive” unter Franz Radl.


Franz Radl und Got­tfried Küs­sel, gemein­sam auf ein­er Anti-EU-Demon­stra­tion 2008 — Bildquelle: de.indymedia

Thier­ry ist nun im Vor­stand der recht­sex­tremen NPD. Laut der öster­re­ichis­chen Zeitung ZOOM war Thier­ry 1993 gemein­sam mit Peter Nau­mann bei ein­er Ver­anstal­tung am Ulrichs­berg. Bei Nau­mann wur­den bei mehreren Haus­durch­suchun­gen Sprengstoff und Rohrbomben gefun­den, weswe­gen er auch verurteilt wurde.

Fol­gende Per­so­n­en referierten eben­falls bei der Akademie: Horst Jakob Rosenkranz, der Ehe­mann der Nation­al­ratsab­ge­ord­neten Bar­bara Rosenkranz; der bur­gen­ländis­che Neon­azi Rober Dürr; Andreas Mölz­er; der in der Neon­azi-Szene sehr beliebte aber mit nur mäßi­gen Erfolg tätige Anwalt Her­bert Schaller; der öster­re­ichis­che Neon­azi Bruno Haas (Grün­der der behördlich aufgelösten neon­azis­tis­chen ANR — Aktion Neue Rechte); der FPÖ-Man­datar Hel­mut KowarikHans Jörg Jenewein und Ger­hard Kurz­mann, eben­falls bei­de von der FPÖ; der Holo­caust-Leugn­er Wal­ter Lüftl durfte 2000 über das The­ma „Wird die Lüge zur Pflicht” referieren; der Anti­semit Richard Melisch, der von der AFP als „Nahost-Experte” geführt wird und bere­its mehrfach den nun begin­nen­den Drit­ten Weltkrieg vorherge­sagt hat; Ste­fan Mag­net, Angeklagter beim BFJ-Prozess war eben­so Ref­er­ent wie Robert J. Ver­be­len.

Ver­be­len war SS-Ober­sturm­führer und Mit­glied der flämis­chen SS, er war direkt ver­ant­wor­lich für die Ermor­dung von 101 bel­gis­ch­er ZivilistIn­nen und Wider­stand­skämpferIn­nen. Auf­grund dieser Ver­brechen wurde er 1947 zum Tode verurteilt. Ver­be­len flüchtete nach Öster­re­ich und kon­nte hier unbe­hel­ligt leben. Erst 1962 wurde er ver­haftet, und es wurde ihm die öster­re­ichis­che Staats­bürg­er­schaft aberkan­nt. Den­noch lebte er in Öster­re­ich unbe­hel­ligt weit­er und referierte regelmäßig bei recht­sex­tremen Veranstaltungen.

Noch 1993 hat der antifaschis­tis­che Autor Wolf­gang Purtscheller richtiger­weise über die AFP geschrieben: „Im Pro­gramm der Poli­tis­chen Akademie der AFP ste­ht (…) unter Punkt 15 mit schön­er Regelmäßigkeit fol­gen­der Satz nachzule­sen: ‚Andere wer­fen ihre Sym­bole über Bord — wir wollen sie pfle­gen. Wir bit­ten jeden Teil­nehmer, sich am Bücher­tisch eine Korn­blume zu besor­gen und zu tra­gen!’ (…) Insid­er wis­sen aber, daß besagte Korn­blume vor dem ‚Anschluß’ das geheime Erken­nungsze­ichen war: … der ille­galen öster­re­ichis­chen NSDAP.”

Heute kräht kein Hahn mehr danach, wenn Per­so­n­en aus dem Umfeld der AFP, über die der Ver­fas­sungss­chutz schreibt, dass sie „eine aus­geprägte Affinität zum Nation­al­sozial­is­mus” aufweisen, Korn­blu­men tra­gen, denn heute trägt der Par­la­mentsklub der FPÖ regelmäßig die Korn­blume.


Bildquelle: oe24.at

➡️ Die AFP – Teil 1: Die “Arbeits­ge­mein­schaft für demokratis­che Poli­tik (AFP)”
➡️ Die AFP – Teil 3: Die “Poli­tis­che Akademie der AFP”
➡️ Die AFP – Teil 4: Die Jugen­dor­gan­i­sa­tio­nen der AFP