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Stoppt die Rechten

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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 13 Minuten

Mélange KW 22/26: Job weg für Polizistin wegen NS-Postings?

NS-Pos­tings einer Poli­zis­tin füh­ren jetzt wahr­schein­lich doch zum Job­ver­lust, die Diver­si­on eines Mühl­viert­ler Hass-Pos­ters wur­de auf­ge­ho­ben. In Tirol pöbeln wie­der jun­ge Män­ner Neo­na­zi-Paro­len im Zug, und ein hart­nä­cki­ger Neo­na­zi zeigt in U‑Haft (zu) spä­te Reue.

3. Juni 2026
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Inns­bruck: In der U‑Haft angeb­lich geläu­ter­ter Neonazi
  • Linz: Pro­zess muss nach „Black Friday”-Urteil wie­der­holt werden
  • Wien: Poli­zis­tin könn­te nun doch Job wegen NS-Pos­tings verlieren
  • Tirol: Wie­der brau­ner Vor­fall im Zug
  • Bad Goisern/OÖ: Fah­ne mit Haken­kreuz gehisst
  • Mattsee/Sbg: Ein Dut­zend Neonazi-Sprühereien
  • Stei­er­mark: FPÖ emp­fängt rechts­extre­me Freun­de aus Sachsen
  • Gabersdorf/Stmk: FPÖ-Poli­ti­ker schoss auf Drohne
  • Wolfsberg/K: Dis­kus­si­on über Umgang mit Nazikunst
  • Peter Thiel: Nicht in Wien (Absa­ge), aber in Argen­ti­ni­en (Steu­er­flucht)
  • Brüs­sel: Ver­bots­ver­fah­ren gegen ESN-Par­tei eingeleitet

Innsbruck: In der U‑Haft angeblich geläuterter Neonazi

Im Zusam­men­hang mit Vor­fäl­len um einen Bezie­hungs­streit ent­deck­te die Poli­zei in der Woh­nung eines Inns­bru­ckers zahl­rei­che NS-Devo­tio­na­li­en. Das brach­te dem 41-Jäh­ri­gen einen Pro­zess wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung ein – nach elf Vor­stra­fen die ers­te Ankla­ge nach dem Verbotsgesetz.

Als regel­mä­ßi­ger Kun­de am Tank­stel­len­buf­fet soll er sei­ne Freun­de mit „Sieg Heil und fet­te Beu­te“ begrüßt haben. „Fet­te Beu­te“ soll im Neo­na­zi-Jar­gon auf NS-Raub­zü­ge ver­wei­sen. Zudem habe der Ange­klag­te bis dahin ein­schlä­gi­ge Klei­dung und Sym­bo­le offen getra­gen. Einen Ein­blick in die neo­na­zis­ti­sche Lebens­welt des Man­nes bot auch sein beschlag­nahm­tes Han­dy, ein­schließ­lich Kon­tak­ten in der Neo­na­zi­sze­ne, im Video­chat soll er Freun­de mit dem Hit­ler­gruß begrüßt haben. Selbst nach der Beschlag­nah­mung setz­te er die­se Akti­vi­tä­ten mit einem neu­en Han­dy fort, wes­halb Unter­su­chungs­haft ver­hängt wurde.

Erst Gericht zeig­te sich der 41-Jäh­ri­ge reu­mü­tig und erklär­te, sich künf­tig von der Sze­ne distan­zie­ren zu wol­len. Sei­ne Anwäl­tin, Eva Kath­rein: „Für den Man­dan­ten zählt nun nur noch sei­ne Arbeit und der dar­aus fol­gen­de Unter­halt für die Fami­lie.“ Ver­ur­teilt wur­de er trotz­dem, zu 16 Mona­ten Haft, wobei ein Antrag auf Fuß­fes­sel mög­lich ist.

(Quel­le: tt.com, 31.5.26)

Linz: Prozess muss nach „Black Friday”-Urteil wiederholt werden

Über ein­ein­halb Jah­re ver­schick­te ein 26-Jäh­ri­ger aus dem Bezirk Rohr­bach 71 Nach­rich­ten mit Neo­na­zi-Codes und beson­ders zyni­schen ras­sis­ti­schen, anti­se­mi­ti­schen Inhal­ten. Der Pin zum Ent­sper­ren sei­nes Han­dys lau­te­te drei­mal „88“, eine Chif­fre für „Heil Hit­ler“. Vor Gericht, am „Black Fri­day“, dem 28. Novem­ber, beteu­er­te Flo­ri­an S. alles nur „unbe­dacht“ wei­ter­ge­lei­tet zu haben. Er zeig­te sich gestän­dig und wol­le „rei­nen Tisch machen“. Stoppt die Rech­ten hat­te damals den Pro­zess als ein­zi­ges Medi­um beob­ach­tet und die irri­tie­ren­de Ent­schei­dung des vor­sit­zen­den Rich­ters öffent­lich gemacht: Der Mühl­viert­ler bekam ein Ange­bot zu Diver­si­on. Mit der Zah­lung von 3.200 Euro ent­ging er einer Ver­ur­tei­lung und blieb unbe­schol­ten. Flo­ri­an S. nahm freu­dig an.

Das Maut­hau­sen Komi­tee Öster­reich und das OÖ. Netz­werk gegen Ras­sis­mus und Rechts­extre­mis­mus pro­tes­tier­ten vehe­ment. Die Staats­an­walt­schaft leg­te gegen die Diver­si­on Beschwer­de ein.

Ein Drei-Rich­ter-Senat des Ober­lan­des­ge­richts Linz leis­te­te die­ser auf­grund der schwe­ren Schuld, die der Mühl­viert­ler auf sich gela­den habe, nun auch Fol­ge. Laut den OLG-Rich­tern sei des­sen Sym­pa­thie für den Natio­nal­so­zia­lis­mus ein­deu­tig erkenn­bar. Aus gene­ral­prä­ven­ti­ven Grün­den muss der 27-Jäh­ri­ge daher neu­er­lich vors Schwur­ge­richt – die gesam­te Ver­hand­lung ist zu wie­der­ho­len. (krone.at, 30.5.26)

Wien: Polizistin könnte nun doch Job wegen NS-Postings verlieren

Eine Wie­ner Poli­zis­tin hat­te über einen Zeit­raum von fünf Jah­ren 206 Datei­en mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen, ras­sis­ti­schen und anti­se­mi­ti­schen Moti­ven in meh­re­ren Chat­grup­pen ver­schickt und sich dar­in über NS-Opfer und den Holo­caust lus­tig gemacht. Das Lan­des­ge­richt Eisen­stadt ver­ur­teil­te die Beam­tin nach dem Ver­bots­ge­setz, ver­häng­te damals jedoch eine über­aus mil­de Stra­fe: 2.160 Euro Geld­stra­fe, sechs Mona­te bedingt und einen beding­ten Amts­ver­lust. Die Bun­des­dis­zi­pli­nar­be­hör­de ord­ne­te eben­falls nur eine Geld­stra­fe, jedoch kei­ne Ent­las­sung an.

Der Dis­zi­pli­nar­an­walt des Innen­mi­nis­te­ri­ums leg­te aber gegen die Ent­schei­dung Ein­spruch ein und for­der­te die Ent­las­sung aus dem Polizeidienst:

Der Dis­zi­pli­nar­an­walt des Innen­mi­nis­te­ri­ums argu­men­tier­te hin­ge­gen, dass die Beam­tin das Ver­trau­en der Öffent­lich­keit in die Pro­fes­sio­na­li­tät und Rechts­treue der Poli­zei sowie ihr Ver­hält­nis zur Repu­blik in Fra­ge gestellt hät­te. (profil.at,1.6.26)

Vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt wur­de im April ver­han­delt, jetzt erging das Urteil: die Ent­las­sung der Poli­zis­tin aus dem Dienst, mit Ver­weis auf „gene­ral- und spe­zi­al­prä­ven­ti­ve Grün­de“, denn „man müs­se ande­re und die Frau selbst von ähn­li­chen wei­te­ren Taten abhal­ten“ (pro­fil).

Die Ent­schei­dung ist noch nicht rechts­kräf­tig – die Beam­tin könn­te noch zum Ver­wal­tungs- oder Ver­fas­sungs­ge­richts­hof gehen. Bis­lang sei aber noch kei­ne ent­spre­chen­de Beschwer­de oder Revi­si­on ein­ge­gan­gen, teil­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit. (pro­fil)

Ohne jeg­li­che Ver­hand­lung ist ein mitchat­ten­der Poli­zei­kol­le­ge davon gekom­men: Das Ver­fah­ren gegen ihn wur­de eingestellt.

Tirol: Wieder brauner Vorfall im Zug

Nach­dem schon im Mai jun­ge Män­ner mit Neo­na­zi-Gegrö­le in der Zil­ler­tal­bahn für Schlag­zei­len gesorgt haben, ließ der nächs­te Vor­fall im Zug nicht lan­ge auf sich war­ten – dies­mal im Rail­jet von Wörgl nach Wien.

Wie­der war es eine Grup­pe jun­ger Män­ner, die sich so unver­hoh­len wie laut ras­sis­tisch und anti­se­mi­tisch äußer­ten. Sie ver­spot­te­ten Migrant:innen, ver­wen­de­te mehr­fach das N‑Wort, den Begriff „Volks­ver­rä­ter“, ein Mann bekann­te sich laut­stark als Nazi. Dar­über hin­aus spie­len sie in der Fami­li­en­zo­ne des Zuges laut ein Lied der deut­schen Neo­na­zi­band Sleip­nir. Inter­ven­tio­nen von Fahr­gäs­ten und des Schaff­ners hal­fen kaum.

Tei­le des Vor­falls wur­den von einem Fahr­gast heim­lich mit­ge­filmt, und die Sache lan­de­te in den Medi­en. Ein Zeu­ge sprach mit der Zei­tung: „ ‚Schnell fie­len mir die­se fünf Typen auf, die mit im Abteil saßen, Bier tran­ken und teils etwas her­um­schrien. Am Anfang war das kein Pro­blem’, sagt er. Bis der Ton rau­er gewor­den sei.” Und: „Vie­le Leu­te im Wag­gon fühl­ten sich merk­lich bedrängt, hat­ten Angst.“ (tt.com, 28.5.26)

Beson­ders erschre­ckend ist die Tat­sa­che, dass es sich bei der Grup­pe um in Tirol sta­tio­nier­te Sol­da­ten des öster­rei­chi­schen Bun­des­hee­res han­deln dürf­te. Das Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um bestä­tig­te die Vor­wür­fe und hat Unter­su­chun­gen ein­ge­lei­tet. Die Iden­ti­tät der fünf Män­ner, alle­samt Kader­an­wär­ter des Bun­des­hee­res, wur­de fest­ge­stellt. Bei der Wie­ner Poli­zei wur­de Anzei­ge ein­ge­bracht. Zwar ergab die Sich­tung der Video­auf­nah­men durch das Minis­te­ri­um bis­her kei­ne ein­deu­tig straf­recht­lich rele­van­ten Inhal­te, jedoch stüt­zen Zeu­gen­aus­sa­gen die Vor­wür­fe. Das Bun­des­heer kün­dig­te dis­zi­pli­na­ri­sche Maß­nah­men an.

Bad Goisern/OÖ: Fahne mit Hakenkreuz gehisst

Ein Mann häng­te am Mut­ter­tag eine Haken­kreuz­fah­ne aus dem Fens­ter sei­nes Hau­ses in Bad Goi­sern, das direkt an der stark befah­re­nen B 145 am Pötschen­pass liegt. Die Akti­on war weit­hin sicht­bar und führ­te zu meh­re­ren Not­ru­fen bei der Poli­zei. Die schritt rasch ein und beschlag­nahm­te die Fah­ne. Der Ver­däch­ti­ge ver­öf­fent­lich­te zudem ein Foto der Fah­ne auf Face­book mit dem Kom­men­tar: „Ihr wer­ded (!) die­se Dyna­mik nicht auf­hal­ten kön­nen“ und bezeich­ne­te die Akti­on gegen­über der Poli­zei als Kunst­ak­ti­on. Ein Alko­test ergab 1,94 Pro­mil­le. Der Mann wur­de bei der Staats­an­walt­schaft wegen Ver­sto­ßes gegen das Ver­bots­ge­setz angezeigt.

(Quel­le: krone.at, 29.5.26)

In einem spä­te­ren Kom­men­tar auf Face­book pos­te­te der Mann eine durch Farb­sprit­zer ver­un­stal­te­te Haken­kreuz­fah­ne und schrieb: „Für die Öffent­lich­keit nun, ich habe von einer Akti­on der dyna­mi­schen Pro­zes­se gespro­chen, die sich nicht auf­hal­ten lässt. Macht damit was ihr wollt und seht das Bild.”

Mattsee/Sbg: Ein Dutzend Neonazi-Sprühereien

In Matt­see wur­den am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de zahl­rei­che Gebäu­de, Autos, Gar­ten­mau­ern und ein Geschäfts­lo­kal mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Sym­bo­len und Paro­len beschmiert, dar­un­ter Haken­kreu­ze und „Heil Hit­ler“. Rund ein Dut­zend Schmie­re­rei­en sind es, die die Poli­zei beschäf­ti­gen. Beson­ders betrof­fen ist Mus­ta­fa Ust­ao­g­lu, Betrei­ber von „Mus­tis Kebab“, des­sen Geschäft mit belei­di­gen­den Wor­ten, wie „Fuck Mus­ti“, besprüht wur­de. Dazu der Bür­ger­meis­ter Micha­el Schwarz­mayr (SPÖ): „Ich sage es jetzt, wie es ist: Mir war kotz­übel am Sonn­tag in der Früh. Es ist ein­fach wirk­lich grau­sam und es ist abso­lut zu ver­ur­tei­len.” Aber zugleich meint er: Das „passt auch über­haupt nicht zu unse­rem Ort”. (salzburg.orf.at, 1.6.26)

Dem wider­spricht sein Vor­gän­ger (ÖVP), in des­sen Amts­zeit die Geschich­te des Ortes im Natio­nal­so­zia­lis­mus auf­ge­ar­bei­tet wurde.

Dass es Per­so­nen mit brau­ner Ver­gan­gen­heit gibt, die immer wie­der im Ort gesich­tet wer­den, kann man nicht weg­dis­ku­tie­ren. (…) Heu­te ist Matt­see – so erzählt man sich im Ort – auch Anlauf­punkt durch­aus pro­mi­nen­ter Anhän­ger der vom deut­schen Ver­fas­sungs­schutz als rechts­extre­mer Ver­dachts­fall ein­ge­stuf­ten AfD. (salzburg.orf.at, 2.6.26)

Die Poli­zei ermit­telt jetzt gegen drei Ver­däch­ti­ge – zuerst nur wegen Sach­be­schä­di­gung und jetzt doch auch nach dem Verbotsgesetz.

Steiermark: FPÖ empfängt rechtsextreme Freunde aus Sachsen

Die Zusam­men­ar­beit der FPÖ und des weit rech­ten Flü­gels der deut­schen AfD inten­si­viert sich: Der stei­ri­sche Lan­des­rat Han­nes Ames­bau­er und Klub­chef Mar­co Tril­ler emp­fin­gen im Mai Ver­tre­ter der AfD-Sach­sen. Die Lan­des­par­tei gilt laut deut­schem Ver­fas­sungs­schutz als „gesi­chert rechtsextrem“.

Die AfD-Dele­ga­ti­on führ­te Lan­des­par­tei­ob­mann Jörg Urban an, der sich um den Minis­ter­prä­si­den­ten­pos­ten für Sach­sen im Jahr 2028 bewer­ben will. Urban fin­det, das Volk kön­ne sei­ne „Einig­keit und Frei­heit nur bewah­ren, wenn es weit­ge­hend homo­gen“ blei­be. Dies stuft der Ver­fas­sungs­schutz ein­deu­tig als eine „Ableh­nung des Demo­kra­tie­prin­zips“ ein.

Auch Teil der Dele­ga­ti­on: Der Ex-Poli­zist und ver­ur­teil­te Lars Kup­pi. Er soll einem Kol­le­gen gesagt haben, die­ser wer­de „nicht über­le­ben“, sol­le der sich mit Kup­pis ehe­ma­li­ger Part­ne­rin ein­las­sen. 2018 wur­de des­we­gen sei­ne Dienst­waf­fe ein­ge­zo­gen. Heu­te sitzt der AfD-Mann dem Innen­aus­schuss vor, kon­trol­liert damit den Verfassungsschutz.

Bei Ames­bau­er und Co. schlug auch AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Alex­an­der Wies­ner auf. Zwei sei­ner Mit­ar­bei­ter, einer davon Kurt Hätt­asch, ste­hen seit Jän­ner vor dem Ober­lan­des­ge­richt Dres­den im Pro­zess gegen die „Säch­si­schen Sepa­ra­tis­ten”. Ihnen wird dort die Mit­glied­schaft in einer ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung und Vor­be­rei­tung eines hoch­ver­rä­te­ri­schen Unter­neh­mens vor­ge­wor­fen. Sie sol­len die „Liqui­die­rung von Amts­trä­gern“ geplant haben, so die Anklage.

Dass der extrem rech­te Flü­gel der ohne­hin weit rech­ten AfD bei der stei­ri­schen FPÖ gas­tiert, bleibt aber nicht ohne Widerspruch.

„Wer Ver­fas­sungs­fein­den und För­de­rern von Mit­glie­dern einer mut­maß­li­chen Ter­ror­zel­le im Land­haus den roten Tep­pich aus­rollt, hat jeden mora­li­schen Kom­pass ver­lo­ren“, sagt SPÖ-Klub­chef Han­nes Schwarz zum Besuch der AfD Sach­sen. (der­stan­dard, 27.5.26)

Im Herbst ver­gan­ge­nen Jah­res war schon eine Dele­ga­ti­on der AfD-Bay­ern zu Gast in der Stei­er­mark. Mit dabei war damals der AfD-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Andre­as Jur­ca, des­sen Gewalt­a­ffi­ni­tät wir einen eige­nen Bei­trag gewid­met haben.

Gabersdorf/Stmk: FPÖ-Politiker schoss auf Drohne

In Gabe­rs­dorf (Bezirk Leib­nitz) ist ein Nach­bar­schafts­streit mit Schüs­sen und einem Waf­fen­ver­bot gegen einen FPÖ-Poli­ti­ker eska­liert. Der stei­ri­sche Wein­bau­prä­si­dent Ste­fan Pot­zin­ger hat­te einen Fach­mann für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen beauf­tragt, sein Dach per Droh­ne ver­mes­sen zu las­sen. Wäh­rend des Droh­nen­flugs wur­de vom Nach­bar­grund­stück aus auf die Droh­ne geschos­sen. Das Flug­ge­rät wur­de zwar nicht getrof­fen, die Poli­zei rück­te den­noch aus.

Der Nach­bar ist Ernst Hol­ler, FPÖ-Gemein­de­rat und Gemein­de­kas­sier von Gabe­rs­dorf. Die Poli­zei beschlag­nahm­te bei ihm meh­re­re Waf­fen, dar­un­ter ein Jagd­ge­wehr, und sprach zunächst ein vor­über­ge­hen­des Waf­fen­ver­bot aus. Die Bezirks­haupt­mann­schaft Leib­nitz ver­häng­te inzwi­schen ein end­gül­ti­ges Waf­fen­ver­bot, das aller­dings noch nicht rechts­kräf­tig ist.

Abgeb­lich soll zwi­schen den Nach­barn schon län­ger dicke Luft herr­schen, unter ande­rem wegen Geruchs­be­läs­ti­gung durch einen Schwei­ne­stall des FPÖ-Politikers.

Die FPÖ Stei­er­mark erklär­te, ihr sei der Sach­ver­halt bis­her unbe­kannt gewe­sen. Da ein Rechts­ver­fah­ren anhän­gig sei, wol­le man die­ses nicht kom­men­tie­ren – eine durch­aus ori­gi­nel­le Antwort!

(Quel­le: kleinezeitung.at, 30.5.26)

Wolfsberg/K: Diskussion über Umgang mit Nazikunst

„Die Par­tei braucht Arbei­ten aus mei­ner Hand“, schrieb einst der Kärnt­ner Künst­lers Leo „Swit­bert“ Lobis­ser und behielt damit offen­bar recht. Denn Hein­rich Himm­ler kauf­te sei­ne Wer­ke eben­so wie Joseph Goeb­bels und Rudolf Heß. Lobis­ser war Mit­glied der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Reichs­kam­mer der bil­den­den Küns­te und schuf Kunst mit NS-Bezug. Der­sel­be Lobis­ser gestal­te­te die Fres­ken der Fas­sa­de eines Hau­ses in der Wolfs­ber­ger Innen­stadt. Die NS-Geschich­te des Künst­lers war dort bis­her kein The­ma. Bis­her, denn die Kul­tur­in­itia­ti­ve „Con­tai­ner 25“ will jetzt die Nazi­kunst kon­tex­tua­li­sie­ren. Platz gäbe es genug dafür, etwa auf einer bestehen­den Pla­ket­te am Gebäude.

Anders sieht es die SPÖ-geführ­te Stadtregierung:

Sowohl im Fall der Lobis­ser-Fres­ken als auch beim Krie­ger­denk­mal in Pri­el sieht die Stadt­po­li­tik der­zeit kei­nen drin­gen­den Hand­lungs­be­darf und erteilt ent­spre­chen­den Ein­grif­fen eine Absa­ge. Man beken­ne sich zwar „zu einer ver­ant­wor­tungs­vol­len Erin­ne­rungs­kul­tur“, aber die Fres­ken „befin­den sich an einem Pri­vat­haus und zei­gen aus­schließ­lich bäu­er­li­che, all­täg­li­che Motive“.

Kurz­um: Kom­men­tie­ren, kon­tex­tua­li­sie­ren unnö­tig. Ähn­lich äußer­te sich der Besit­zer des Hauses.

Katha­ri­na Pressl von „Con­tai­ner 25” aber wider­spricht: „Swit­bert Lobis­ser war über­zeug­ter Natio­nal­so­zia­list, hat sehn­süch­tig auf den Anschluss Öster­reichs gewar­tet und hat sich gefreut, Adolf Hit­ler ken­nen­zu­ler­nen.“ Dies sei in sei­nen Dar­stel­lun­gen und sei­ner Ästhe­tik deut­lich erkenn­bar, in sei­ner „Ver­herr­li­chung der Arbeit und der Natur­ver­bun­den­heit“, zei­ge sich eine „eine Blut-und-Boden-Ideo­lo­gie“ natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Gesinnung.

Noch direk­ter sind die NS-Kon­ti­nui­tä­ten in Wolfs­berg beim Krie­ger­denk­mal zu erken­nen, eine Tafel, die an das Gebirgs­jä­ger­re­gi­ment 139 der deut­schen Wehr­macht erin­nert. Zwar feh­le das Haken­kreuz im abge­bil­de­ten Wehr­machts­sym­bol, aber in der Kapel­le prangt der Spruch „Ewig lebt der Toten Taten­ruhm“. Erst ver­gan­ge­nen März war der eins­ti­ge Rosen­kranz-Büro­lei­ter René Schi­ma­nek auch wegen die­ses Spruchs auf der Par­te für sei­nen Vater wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung ver­ur­teilt wor­den. Für inter­es­sier­te Krei­se stel­le dies eine Glo­ri­fi­zie­rung, Ver­herr­li­chung, Revi­ta­li­sie­rung und ein Wie­der­auf­le­ben der NS-Ideo­lo­gie dar, hat­te die Staats­an­wäl­tin in Krems argumentiert.

(Quel­le und alle Zita­te: kleinezeitung.at, 31.5.26)

Peter Thiel: Nicht in Wien (Absage), aber in Argentinien (Steuerflucht)

Eine Ein­la­dung zu den Fest­wo­chen nach Wien wur­de ihm zwar letzt­lich ver­sagt, aber der dezi­tier­te Anti-Demo­krat Peter Thiel scheint ohne­hin ander­wei­tig beschäf­tigt: Der ein­fluss­rei­che Tech­no­lo­gie­inves­tor, Trump-Unter­stüt­zer und För­de­rer weit rech­ter Poli­ti­ker wie JD Van­ce, hat sich angeb­lich ent­schie­den, den USA den Rücken zu keh­ren. Thiel habe ein Anwe­sen in Argen­ti­ni­en erwor­ben und lebe neu­er­dings mit sei­nem Ehe­mann und Kin­dern in Bue­nos Aires. Thiel besitzt neben der US-Staats­bür­ger­schaft auch einen neu­see­län­di­schen Pass und hat die mal­te­si­sche Staats­bür­ger­schaft beantragt.

Hin­ter­grund für Thiels Umzug sei die Dis­kus­si­on in Kali­for­ni­en über eine stär­ke­re Besteue­rung von Mil­li­ar­dä­ren. In Argen­ti­ni­en erhofft sich Thiel Steu­er­vor­tei­le. Die argen­ti­ni­sche Regie­rung prüft der­zeit, ob ver­mö­gen­den Inves­to­ren wie Thiel durch ein geplan­tes „Golden-Pass”-Programm die Staats­bür­ger­schaft ange­bo­ten wer­den kann, demen­tiert jedoch, dass dies bereits für Thiel selbst in Erwä­gung gezo­gen werde.

Immer­hin teilt Thiel mit dem argen­ti­ni­schen Prä­si­den­ten Javier Milei poli­ti­sche Ansich­ten, gera­de was die Dere­gu­lie­rung der Wirt­schaft angeht.

(Quel­le: t‑online.de, 31.5.26)

Brüssel: Verbotsverfahren gegen ESN-Partei eingeleitet

Die euro­päi­sche Par­tei „Euro­pe of Sove­reign Nati­ons“ (ESN), der unter ande­rem die Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) ange­hört, könn­te ver­bo­ten wer­den, weil sie mög­li­cher­wei­se gegen die Wer­te der Euro­päi­schen Uni­on ver­stößt. Die zustän­di­ge Auf­sichts­be­hör­de für euro­päi­sche Par­tei­en, die Aut­ho­ri­ty for Euro­pean Poli­ti­cal Par­ties and Foun­da­ti­ons (APPF), hat ein Ver­fah­ren ein­ge­lei­tet, das zum Ent­zug des Par­tei­en­sta­tus und der EU-Finan­zie­rung für die ESN füh­ren könnte.

Die ESN-Par­tei ist recht­lich von der gleich­na­mi­gen Frak­ti­on im Euro­päi­schen Par­la­ment getrennt. Sank­tio­nen wür­den aus­schließ­lich die Par­tei betref­fen. AfD-Abge­ord­ne­te wären ledig­lich ohne par­tei­li­che Unter­stüt­zung bei künf­ti­gen Wah­len oder in der poli­ti­schen Koor­di­na­ti­on. Die ESN wur­de nach der Euro­pa­wahl 2024 von der AfD gegrün­det und ver­eint meh­re­re rechts­po­pu­lis­ti­sche bis rechts­extre­me Par­tei­en aus Bul­ga­ri­en, Frank­reich, Polen, Tsche­chi­en, Ungarn, den Nie­der­lan­den und der Slo­wa­kei. Für 2026 sind über zwei Mil­lio­nen Euro EU-Sub­ven­tio­nen an die ESN vorgesehen.

Laut APPF-Direk­tor Pas­cal Schonard gibt es Bewei­se, die Zwei­fel an der Ein­hal­tung der Wer­te der EU durch die ESN-Par­tei begrün­den. In einem 300-sei­ti­gen Dos­sier zum Fall fin­den sich migra­ti­ons­feind­li­che, anti­se­mi­ti­sche und Anti-LGBT-Rhe­to­rik und die For­de­run­gen nach „Remi­gra­ti­on“ durch Par­tei­mit­glie­der. Das Schrei­ben hebt zudem die bul­ga­ri­sche Par­tei Revi­val her­vor, der eine Zusam­men­ar­beit mit Putins Par­tei „Eini­ges Russ­land“ und die Betei­li­gung an gewalt­tä­ti­gen Pro­tes­ten in Sofia sowie Angrif­fen auf die EU-Kom­mis­si­ons­de­le­ga­ti­on im Febru­ar 2025 vor­ge­wor­fen wird.

Im Fokus steht auch die AfD: Der deut­sche Ver­fas­sungs­schutz stuf­te sie im Mai 2025 als rechts­extrem ein. Ein Köl­ner Gericht unter­sag­te die­se Ein­stu­fung zwar, stell­te aber fest, dass das AfD-Pro­gramm gegen die Men­schen­wür­de und Reli­gi­ons­frei­heit ver­sto­ße. Die ESN-Par­tei erklär­te gegen­über der APPF, sie habe kein Man­dat, direkt in die Ange­le­gen­hei­ten ihrer Mit­glied­s­par­tei­en ein­zu­grei­fen, beken­ne sich aber zu den EU-Wer­ten und set­ze auf Dialog.

Das Par­la­ment, die Kom­mis­si­on oder der Rat kön­nen die APPF for­mell beauf­tra­gen, das Prüf­ver­fah­ren ein­zu­lei­ten. Die ESN hät­te dann Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me. Eine unab­hän­gi­ge Kom­mis­si­on wür­de eine Emp­feh­lung abge­ben, bevor die APPF über eine Aberken­nung des Par­tei­en­sta­tus entscheide.

(Quel­le: politico.eu, 27.5.26)

Nicht ange­tan von der Ent­wick­lung zeigt sich wenig über­ra­schend die FPÖ: „Par­tei­ver­bo­te kennt man aus auto­ri­tä­ren Regi­men und Dik­ta­tu­ren – nicht aus demo­kra­ti­schen Gesell­schaf­ten“, schreibt EU-Par­la­men­ta­ri­er Harald Vilims­ky dazu in einer Aus­sendung. „Die Sys­tem­par­tei­en“ könn­ten sich offen­bar „nur noch dadurch ret­ten, dass sie jene Par­tei­en bekämp­fen wol­len, die die tat­säch­li­chen Pro­ble­me Euro­pas ansprechen.“

Update 7.7.26: Das Euro­päi­sche Par­la­ment hat mehr­heit­lich ein Prüf­ver­fah­ren gegen die ESN beschlos­sen.

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