Wer steckt hinter AUF1-TV? Teil 1: Brauner Untergrund

Das Logo hat schon mal Anlei­hen beim deutschen öffentlichen-rechtlichen „Das Erste“ genom­men, auch son­st kommt einiges bekan­nt daher beim neuen „TV“ des Ste­fan Mag­net, das am 31. Mai erst­mals gesendet hat. Es nen­nt sich „alter­na­tiv“ und „unab­hängig“ und rei­ht sich naht­los in das Medi­enge­bräu ein, das aus der recht­sex­tremen Ecke in das Inter­net flutet. Wer sind nun die Leute, die AUF1-TV machen? Ein Blick hin­ter die Kulisse.

Logo AUF1 und ARD

Logo AUF1 und ARD

Die AUF1-Web­site ist im Grund­ton blau-weiß gehal­ten, was wohl nichts mit Bay­ern zu tun hat. Ob das Blaue eine Ref­erenz an die FPÖ ist, sei dahingestellt – einige von jenen, die dort werken, haben jeden­falls Beziehun­gen zu den poli­tis­chen Blauen. Der Chef und TV-Grün­der Ste­fan Mag­net, war oder ist auch beim Wochen­blick tätig. Zulet­zt ist er uns mit einem braunen Mut­tertagspost­ing aufge­fall­en, wo er einen Text des deutschen Nazi-Schrift­stellers Kurt Eggers veröf­fentlichte, um es dann, nach­dem wir darüber berichtet hat­ten, wieder ver­schwinden zu lassen.

Mag­net gehörte zum Führungskad­er der 2007 aufgelösten Neon­azi-Grup­pierung „Bund freier Jugend“, die als Jugen­dor­gan­i­sa­tion der AfP fir­mierte, und wurde 2007 zusam­men mit Michael Scharfmüller (dem jet­zi­gen Mach­er von Info-Direkt) und Rene Hönig ver­haftet, jedoch 2008 freige­sprochen. „Ein Grund für den Freis­pruch war sich­er auch die Wahl des Anklagepunk­tes nach dem Ver­bots­ge­setz § 3a. Dieser erfordert den Beweis für den wil­lentlichen Ver­such, eine ver­botene nation­al­sozial­is­tis­che Organ­i­sa­tion wieder aufzubauen. Dieser Vor­wurf ist natür­lich nur schw­er nachzuweisen.“ (SdR 2010)

Podgorschek, Küssel, Magnet, Budin beim Palm-Gedenken 2006 Braunau

Elmar Pod­gorschek, Got­tfried Küs­sel, Ste­fan Mag­net, Felix Budin beim Palm-Gedenken 2006 in Braunau

2011 grün­dete Mag­net sein Medi­en- und Wer­be­un­ternehmen „Medi­en­l­o­gis­tik“ und pro­duzierte u.a. auch Wer­be­v­ideos für den oberöster­re­ichis­chen FPÖ-Chef Man­fred Haim­buch­n­er. Engere Beziehun­gen unter­hält Mag­net auch zu „Info-Direkt“, was schon alleine angesichts sein­er his­torisch gewach­se­nen Beziehung zu Scharfmüller wenig erstaunlich ist. Die Ankun­ft von Mag­nets „TV“ hat Scharfmüller allerd­ings noch nicht begrüßt und bewor­ben. Dafür haben u.a. Mar­tin Sell­ner, der Wochen­blick, PI-News und Jour­nal­is­ten­watch die Wer­be­trom­mel gerührt. Wüssten wir nichts von Mag­nets Vorgeschichte, wäre die Liste jen­er, die sein „TV“ boost­en, ohne­hin schon aus­sagekräftig genug. Das Pro­mot­ing hat sich jeden­falls gelohnt: Der Telegram-Kanal hat bere­its über 73.000 Abonnent*innen.

Telegram-Kanal AUF1: 73,314 Abonnent*innen

Telegram-Kanal AUF1: 73,314 Abonnent*innen

Als Her­aus­ge­ber, Medi­en­in­hab­er und Her­steller fungiert der neu gegrün­dete „Vere­in für basis­ge­tra­gene, selb­st­bes­timmte, plu­ral­is­tis­che und unab­hängige Medi­en­vielfalt“, der an der­sel­ben Adresse seinen Sitz hat, wie das eben­falls rel­a­tiv neue Schundmedi­um aus der recht­sex­tremen Ecke „report24.news“, das uns in einem späteren Beitrag auch beschäfti­gen wird.

Vereinsregisterauszug "Verein für basisgetragene, selbstbestimmte, pluralistische und unabhängige Medienvielfalt": Obmann und Kassier Magnet, Vize-Obmann Franzelin

Vere­in­sreg­is­ter­auszug „Vere­in für basis­ge­tra­gene, selb­st­bes­timmte, plu­ral­is­tis­che und unab­hängige Medi­en­vielfalt”: Obmann und Kassier Mag­net, Vize-Obmann Franzelin

Obmann des Vere­ins ist naturgemäß Ste­fan Mag­net, als sein Vize fungiert Jür­gen Franzelin. Der war ein­mal Lan­des­fi­nanzref­er­ent der Salzburg­er frei­heitlichen Jugend und Ortsparteiob­mann der FPÖ Piesendorf, kam aber ins Trudeln, als Anfang 2012 bekan­nt wurde, dass Franzelin beim neon­azis­tis­chen „Nationalen Ver­sand­haus“ Kunde war. Das Ver­sand­haus, dessen Kun­den­datei im Dezem­ber 2011 geleakt wor­den war, kam mit einem kaum überse­hbaren optis­chen und ver­balen braunen Vorschlagham­mer daher: Es warb „mit einem Zitat des NS-Poli­tik­ers Rudolf Hess, mit Adolf Hitlers ‚Mein Kampf’ und dem braunen Het­z­film ‚Der ewige Jude’“ (Kleine Zeitung, 25.5.2011), führte Pro­duk­te mit Auf­druck­en wie „88“, „Deutsches Reich“ und der „Schwarzen Sonne“ oder hat­te braune Edel­ware wie einen Gür­tel mit dem Namen „NS-Hard­core“ und rei­hen­weise ein­schlägige Ton­träger im Sor­ti­ment. Franzelin will von all dem nichts bemerkt haben, wie er dem Kuri­er (27.1.2012) treuherzig erk­lärte. Genau­so wenig, nehmen wir an, hat­te er über die Salzburg­er „Odins Bar“ wahrgenom­men, deren Face­book-Seite er gelikt hat­te. Die war ein über­re­gionaler Neon­azi-Tre­ff­punkt und musste nach ein­er Haus­durch­suchung und etlichen Anzeigen sperren.

Viel Ein­sicht zeigte Franzelin nicht. Im Feb­ru­ar 2012 in einem Inter­view vom nun­mehri­gen ZiB-Mod­er­a­tor Tobias Pötzels­berg­er zum Ver­sand­haus befragt, meinte er trotzig: Ich werde da näch­stes Mal sich­er wieder bestellen. Es wird das alles nur kün­stlich aufgebauscht.“

Franzelin als RFJ-Landesfinanzreferent mit dem Motto "Lieber stehend sterben als kniend leben." (RFJ-Zeitschrift 2011)

Franzelin als RFJ-Lan­des­fi­nanzref­er­ent mit dem Mot­to „Lieber ste­hend ster­ben als kniend leben.” (RFJ-Zeitschrift 2011)

Dass sich Franzelin als Vere­ins-Vize über den Start von AUF1-TV freut, ist klar. Wir wun­dern uns aber auch nicht, dass er aus­gerech­net ein Post­ing des verurteil­ten Neon­azi Gün­ther A., der den Beitrag von Mag­net zum Sendestart geteilt hat, likt. Mit dem muss man näm­lich „befre­un­det“ sein, um es über­haupt sehen zu können.

Franzelin likt Posting des verurteilten Neonazi Günther A.

Franzelin likt Post­ing des verurteil­ten Neon­azi Gün­ther A.

➡️ Wer steckt hin­ter AUF1-TV? Teil 2: Die Schwurbelecke
➡️ Wer steckt hin­ter AUF1-TV? Teil 3: der Häferlsender