Wochenschau KW 22/21Lesezeit: 4 Minuten

Eine nicht all­täg­li­che Lie­bes­be­zeu­gung erhielt ein Mann von sei­ner Lebens­ge­fähr­tin via Whats­App: „Ich lie­be Adolf Hit­ler.“ Der Nach­rich­ten­emp­fän­ger liebt sie wohl auch und ließ sich von ihr in SS-Uni­­form ablich­ten. In Kla­gen­furt ver­zier­ten zwei Häft­lin­ge die Git­ter­stä­be ihres Zel­len­fens­ters mit Haken­kreuz und SS-Zei­chen – mit Klo­pa­pier! Wäh­rend die Iden­ti­tä­ren an diver­sen Orten in Öster­reich antiislamische […]

7. Jun 2021

Kla­gen­furt: Haken­kreuz und Sig-Rune aus WC-Papier gebastelt
Mostviertel/NÖ: Hit­ler-Lie­be
Ö: Iden­ti­tä­re het­zen mit Islam-Landkarte
Königstetten/NÖ, Fügen-Lienz-Inns­bruck/T: brau­ne Schmierereien

Kla­gen­furt: Haken­kreuz und Sig-Rune aus WC-Papier gebastelt

Zwei Mal 15 Mona­te haben zwei Häft­lin­ge (21 und 23 Jah­re) kas­siert, die an den Git­ter­stä­ben des Fens­ters ihrer Zel­le mit WC-Papier ein Haken­kreuz und zwei Sig-Runen (SS) mon­tiert hat­ten. Das hät­ten sie ohne Sym­pa­thie für den NS aus rei­ner Pro­vo­ka­ti­on getan.

Viel mehr führ­ten sie die Tat auf eine Aus­ein­an­der­set­zung mit ande­ren Häft­lin­gen zurück: „Im Hof direkt gegen­über von unse­rer Zel­le waren Afri­ka­ner, die uns dau­ernd pro­vo­ziert und beschimpft haben“, gab der 23-Jäh­ri­ge an. Auch von ihrer Sei­te habe es Beschimp­fun­gen gege­ben, wie der Kon­flikt ange­fan­gen habe, kön­ne er aber nicht mehr sagen. (kaernten.orf.at, 2.6.21)

Half nichts, die Geschwo­re­nen ent­schie­den ein­stim­mig auf einen Schuld­spruch. Vor­stra­fen hat­ten die bei­den bereits wegen Gewalt­de­lik­ten. Der älte­re hat sei­nen Haft­auf­ent­halt schon ohne die neue Stra­fe bis 2027 gebucht, der ande­re war erst im Novem­ber ent­las­sen wor­den und muss nun neu­er­lich ein­che­cken. „Bei­de nah­men das Urteil an, auch Staats­an­walt Pir­ker erklär­te Rechts­mit­tel­ver­zicht.“ (kaernten.orf.at)

Mostviertel/NÖ: Hit­ler-Lie­be

Eine im Most­vier­tel leben­de Tsche­chin pflegt offen­bar eine beson­de­re Affi­ni­tät zu Adolf Hit­ler. Für die muss­te oder woll­te auch ihr Lebens­ge­fähr­te her­hal­ten: Er ließ sich von der Frau in SS-Uni­form ablich­ten. Via Whats­App soll sie dem Mann auch „Ich lie­be Adolf Hit­ler“ geschrie­ben haben.

Der Chat ist auf­ge­flo­gen, weil gegen ihren Part­ner in Tsche­chi­en ermit­telt wor­den war. Bei einer Haus­durch­su­chung haben die Poli­zis­ten sein Han­dy sicher­ge­stellt. Die Frau bekann­te sich vor Gericht als nicht schul­dig. Laut Anwalt Mar­tin Mah­rer habe die 50-Jäh­ri­ge die Nach­rich­ten aus Tsche­chi­en weg­ge­schickt. “Somit ist die inlän­di­sche Gerichts­bar­keit nicht gege­ben.” Für die genau­en Bewei­se, bean­trag­te Mah­rer wei­te­re Zeu­gen. Daher wur­de der Pro­zess ver­tagt. (kosmo.at, 2.6.21)

Ö: Iden­ti­tä­re het­zen mit Islam-Landkarte

Die Kri­tik an der sog. „Islam-Land­kar­te“ hat sich ver­brei­tert und ver­schärft – wohl auch unter dem Ein­druck, dass die Iden­ti­tä­ren Hetz­schil­der in der Nähe von in der Kar­te mar­kier­ten isla­mi­schen Ein­rich­tun­gen ange­bracht haben.

Der Migra­ti­ons- und Inte­gra­ti­ons­bei­rat der Stadt Linz ver­ur­teilt sowohl die Schil­der als auch die Dro­hun­gen. Man hal­te aber auch fest, dass die auf der „Islam-Land­kar­te“ ver­öf­fent­lich­ten Infor­ma­tio­nen nicht aktu­ell bzw. teil­wei­se auch feh­ler­haft sei­en, was die abge­bil­de­ten Lin­zer Ver­ei­ne betref­fe, sagt Bei­rats­vor­sit­zen­de Bal­int. Unter ande­rem wür­den auch nicht-mus­li­mi­sche Ver­ei­ne gezeigt. Das alles und die Tat­sa­che, dass alle abge­bil­de­ten Ver­ei­ne über einen Kamm geschert wer­den, füh­re zu einem ver­zerr­ten Bild, warnt der Bei­rat. (ooe.orf.at, 4.6.21)

Kar­di­nal Chris­toph Schön­born schlägt als Alter­na­ti­ve einen Atlas für für alle Reli­gi­ons­ge­mein­schaf­ten vor und fragt sich, „war­um eine Reli­gi­on ‚her­aus­ge­pickt‘ wor­den sei. Der vor­bild­li­che Reli­gi­ons­frie­den in Öster­reich basie­re auf gegen­sei­ti­gem Ver­trau­en, auf Dia­log und Wert­schät­zung.“ (derstandard.at, 4.6.21)

Die Web­site ist online, die via Goog­le-Maps her­ge­stell­te Kar­te funk­tio­niert aller­dings nicht. Nach angeb­li­chen Hack­an­grif­fen wol­le man nun den „IT-Betrei­ber“ (wer ist damit gemeint, das Hos­ting-Unter­neh­men?) wech­seln. Inzwi­schen hat das stark Iden­ti­tä­ren- und FPÖ-nahe „Frei­lich-Maga­zin“ ange­kün­digt, zusam­men mit dem Ex-Sal­fis­ten Irfan Peci, eine eige­ne anti­is­la­mi­sche Land­kar­te erstel­len zu wollen.

Und die Anti­fa hat den nach außen hin offi­zi­el­len Chef der iden­ti­tä­ren „Die Öster­rei­cher”, Jakob Guna­cker, dabei ertappt, wie er sich bei einem Bau­markt mit sehr viel Brenn­spi­ri­tus ein­ge­deckt hat. Damit könn­ten die faschis­ti­schen Iden­ti­tä­ren Fon­due für die nächs­ten Jahr­zehn­te zubereiten.

Königstetten/NÖ, Fügen-Lienz-Inns­bruck/T: brau­ne Schmierereien

Im nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Königs­stet­ten sind Auto und Gara­gen­tor des dor­ti­gen Senio­ren­bund­ob­manns „niveau­los“ und „geschmack­los“ (noen.at, 3.6.21) beschmiert wor­den: Die Eti­ket­tie­rung dürf­te sich in ers­ter Linie auf die mit Lack ange­brach­ten „männ­li­chen und weib­li­chen Geschlechts­tei­le in Wort und Bild“ (noen.at) bezie­hen. Dazu gab’s noch ein Haken­kreuz am Auto.

In Tirol wur­de gleich an drei Orten braun gesprüht. In Fügen hin­ter­lie­ßen zwei 16-Jäh­ri­ge nach einem Ein­bruch in ein Haus auf einem Auto ein „Haken­kreuz und schrien ‚Heil Hit­ler‘“ (polizei-nachrichten.at, 3.6.21).

In Lienz „besprüh­ten unbe­kann­te Täter (…) die Stadt­saal­pas­sa­ge, eine Bank, ein Kino sowie die Schu­le in Lienz mit roter Far­be und meh­re­ren nach dem Ver­bots­ge­setz ver­bo­te­nen Sym­bo­len. Bis­lang konn­ten der oder die Täter noch nicht ermit­telt wer­den.“ (tt.com, 6.6.21) Auch auf einem Ein­kaufs­markt in Inns­bruck wur­den brau­ne Sym­bo­le hinterlassen.

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