Stefan Magnets tiefbraunes Hoch zum Muttertag

Der Wochen­blick-Autor Ste­fan Mag­net, einst Führungskad­er der bis 2007 aktiv­en Neon­azi-Truppe „Bund freier Jugend“, auch im Nazi-Wiki Meta­pe­dia mit einem Ein­trag vertreten, set­zt auf beson­dere Art Mut­tertags­grüße ab: mit einem Zitat eines Kom­paniechefs der berüchtigten 5. SS-Panz­er-Divi­sion „Wik­ing“.

„Recht­sex­tremes Gedankengut weist dieser zwar stets von sich“, schreibt „Der Stan­dard“ 2018 über Ste­fan Mag­net, als er das rechte Mod­e­la­bel „Heimat­mode“ für „fes­che Faschos“ gegrün­det hat­te, oder, wie Vice Mag­nets Pro­duk­t­palette in ein­er lesenswerten Analyse benan­nt hat­te, mit rech­tex­tremer Sym­bo­l­ik „für rechte Fash­ion­istas”.

Die verblichene "Heimatmode" des Stefan Magnet

Die verblich­ene „Heimat­mode” des Ste­fan Magnet

Mag­nets „Heimat­mode“ scheint inzwis­chen still und leise den Bach hin­un­terge­gan­gen zu sein, die Face­book-Seite ist weg, bei Aufruf des Onli­neshops erhält man Sicher­heitswar­nun­gen und tut bess­er daran, nicht weit­er zu klick­en. Dur­chaus passend angesichts des ide­ol­o­gis­chen Backgrounds!

"Heimatmode" als Sicherheitsrisiko: Falls Sie die Website besuchen, könnten Angreifer versuchen, Passwörter, E-Mails oder Kreditkartendaten zu stehlen.

„Heimat­mode” als Sicher­heit­srisiko: „Falls Sie die Web­site besuchen, kön­nten Angreifer ver­suchen, Pass­wörter, E‑Mails oder Kred­itkar­tendat­en zu stehlen.”

Podgorschek, Küssel, Magnet, Budin beim Palm-Gedenken 2006 Braunau

Beim Palm-Gedenken 2006 in Brau­nau noch vere­int marschierend: nebeneinan­der Küs­sel, Mag­net, Budin, davor Elmar Pod­gorschek (FPÖ)

Mag­net hat seine sicht­baren Aktiv­itäten immer mehr zu der im oberöster­re­ichis­chen Brun­nen­thal ansäs­si­gen Pos­tille „Wochen­blick“ ver­legt, die vom Recht­sex­trem­is­mus so weit weg ist wie Brun­nen­thal von Brun­nen­thal. Dazu gibt er auf Face­book immer wieder Ein­blick in seine – eben­so gar nicht recht­sex­treme – Gedanken­welt. Etwa zum let­zten Mut­tertag. Da find­en die recht­en Kam­er­aden alljährlich ihre Erfül­lung darin, den Frauen ihre Rolle, die selb­stver­ständlich immer ans Mut­ter­sein gekop­pelt ist, zuzuweisen. Mag­net war davon bere­its zwei Tage vorher, just am 8. Mai, als andere den Jahrestag der Befreiung vom Nazi-Ter­ror feierten, beseelt:

„Zum bevorste­hen­den Mut­tertag: Ein Hoch den müt­ter­lichen und kämpferischen Frauen.“, schwadroniert er zum Foto eines Tex­tauss­chnitts in Frakturschrift:

Ger­ade der kriegerische Nor­den, das Land der Pflicht, die Heimat der Starken, die in ihrer Ord­nung das Gesetz verkör­pern, wird die müt­ter­lichen Frauen, die ent­thron­ten König­in­nen des Lebens, in ihr Reich zurück­führen. Der starke, geset­zes­be­wußte kämpferische Mann sehnt sich um der Vol­len­dung der Schöp­fung­sein­heit willen nach der müt­ter­lichen Frau, die nicht sein Spielzeug, son­dern seine Gefährtin, seine Mitschöpferin sein soll.

Magnet postet den Nazi-Schriftsteller Kurt Eggers

Mag­net postet den Nazi-Schrift­steller Kurt Eggers

Diese wahrlich jeden kriegerisch-nordisch ver­an­lagten und zeu­gungswilli­gen Mann erfül­len­den Zeilen stam­men aus der Fed­er des deutschen Nazi-Schrift­stellers Kurt Eggers, der seine NS-lin­ien­treuen Vorstel­lun­gen über Frauen 1935 in der Schrift „Von der Heimat und ihren Frauen“ verewigt hat.

Titelblatt Kurt Eggers: Von der Heimat und ihren Frauen

Titel­blatt Kurt Eggers: Von der Heimat und ihren Frauen

Eggers, 1905 in Berlin geboren, gehört zweifel­los zu den sehr frühen und wider­lich­sten rabi­at-völkischen Pro­tag­o­nis­ten aus der Vor-NS-Zeit, dessen Werde­gang der His­torik­er Elmar Vieregge in einem Auf­satz schon mit dem Titel „Rezep­tion eines his­torischen Gewalt­täters“ (1) hin­länglich charak­ter­isiert. So ist auch im Wikipedia-Ein­trag zum jun­gen Eggers zu lesen: Eggers hohe Gewalt­bere­itschaft vor allem Juden gegenüber brachte ihm in der Schule den Beina­men ‚Eggers, der Juden­töter’ ein.“

Eggers war ein­er jen­er vorher chro­nisch erfol­glosen Fig­uren, die ab der nation­al­sozial­is­tis­chen Machtüber­nahme 1933 in Deutsch­land auch schnell Kar­riere gemacht haben. Eggers trat in die SS ein, wo er 1936 zum Leit­er der Abteilung Feiergestal­tung im „Rasse- und Sied­lung­shaup­tamt“ avancierte. Zum Krieg­sein­satz meldete sich der fanatisierte Eggers frei­willig und diente als Kom­paniechef in der für ihre zahllosen (auch in Öster­re­ich began­genen) Kriegsver­brechen bekan­nten 5. SS-Panz­er-Divi­sion „Wik­ing“. Nach­dem Eggers 1943 an der Ost­front umgekom­men war, wurde eine Pro­pa­gan­da-SS-Stan­darte nach ihm benannt.

Unter Alt- und Neon­azis ist Eggers wegen sein­er kon­se­quenten Hal­tung The­ma und Vor­bild. Sicht­bar wurde dies nicht nur in diversen Nach­druck­en sein­er lit­er­arischen Hin­ter­lassen­schaft und ein­schlägi­gen Pub­lika­tio­nen, in denen das Ide­al des für die deutsche Heimat kämpfend­en Dichters propagiert wurde und wird, son­dern auch in Neon­azi-Foren wie „alter­me­dia“ und „Thi­azi“ und sog­ar im Recht­srock, wo 2011 Texte von Eggers von der NSHC-Band (2) „Thri­ma“ ver­tont wurden.

Vier­rege fasst Eggers’ Beliebtheit in der recht­sex­tremen Szene so zusammen:

Mit Kurt Eggers ste­ht heuti­gen Recht­sex­trem­is­ten ein kul­turell tätiger Fron­tkämpfer als Vor­bild zur Ver­fü­gung, der nicht nur The­o­retik­er, son­dern Han­del­nder war. Zu ver­danken haben sie dies der ide­ol­o­gis­chen Trans­fer­ar­beit jahrzehn­te­lang tätiger Alt­nazis, die Ide­olo­gieele­mente aus der Zeit des „Drit­ten Reichs“ bewahrt und unter jun­gen Aktivis­ten ver­bre­it­et haben.

Wer den außer­halb der braunen Szene weit­ge­hend unbekan­nten Eggers zitiert, tut das in der Regel nicht zufäl­lig. Wer also aus­gerech­net diesen nation­al­sozial­is­tis­chen Gewalt­täter aus seinem Fun­dus fis­cht, um ein Hoch auf die Müt­ter loszuw­er­den, muss sich schon die Frage gefall­en lassen, wie sehr er selb­st in jen­em Gedankengut ver­haftet ist, das Eggers propagiert.

Gut, diejeni­gen, die Mag­nets tief­braunes Müt­ter-Hoch gelikt haben, kön­nen, aber müssen nicht wis­sen, aus wessen Fed­er die dem Post­ing ange­hefteten Zeilen stam­men. Da helfen wir mit diesem Beitrag gerne, etwa der ehe­ma­li­gen Mitar­bei­t­erin des FPÖ-Par­la­mentsklubs und Bezirk­sratskan­di­datin 2015, Bernadette C., oder dem ehe­ma­li­gen Brau­nauer FPÖ-Vize­bürg­er­meis­ter Chris­t­ian Schilch­er, der 2019 wegen seines Rat­tengedichts den Hut nehmen musste oder Mar­ti­na Grab­mayr, Ehe­frau des Linz­er FPÖ Gemein­der­ats Wolf­gang Grab­mayr und Obfrau jenes Vere­ins, der Räum­lichkeit­en in der Linz­er „Vil­la Hagen“ an die Iden­titären ver­mi­etet hat­te (3).

Likes für Magnets Muttertags-Posting: Martina Grabmayr

Likes für Mag­nets Mut­tertags-Post­ing: Mar­ti­na Grabmayr

Likes für Magnets Muttertags-Posting: Bernadette Conrads und Christian Schilcher

Likes für Mag­nets Mut­tertags-Post­ing: Bernadette C. und Chris­t­ian Schilcher

Verein Studentenheim Urfahr: Vereinsobfrau Martina Grabmayr

Vere­in Stu­den­ten­heim Urfahr: Vere­in­sobfrau Mar­ti­na Grabmayr

Update 22.5.20: Mag­net hat sein Mut­tertagspost­ing inzwis­chen gelöscht.

Fußnoten

1 Elmar Vieregge, Rezep­tion eines his­torischen Gewalt­täters. Die Bedeu­tung von Kurt Eggers als Freiko­rp­skämpfer, NS-Dichter und SS-Sol­dat für den Recht­sex­trem­is­mus. In: Armin Pfahl-Traugh­ber (Hg.), Jahrbuch für Extrem­is­mus- und Ter­ror­is­mus­forschung 2013, Brühl/Rheinland 2013, S. 95–112. (unter: https://docplayer.org/10573566-Extremismus-terrorismus.html)
2 NSHC: Kürzel für Nation­al Social­ist Hardcore
3 vgl. https://www.diepresse.com/5606040/identitare-linzer-burgermeister-will-weiter-mit-fpo-regieren