Wer steckt hinter AUF1-TV? Teil 2: Die Schwurbelecke

AUF1 startete mit ein­er „Nachrichten“-Schiene, um das ver­bre­it­en, was die „Mainstream“-Medien ver­schweigen. Also nichts Neues, Desin­fo­tain­ment, und selb­st das eher auf einem Hob­byniveau. An Bord geholt hat Mag­net auch einen früheren Motor­rad­sportler und IT-Unternehmer und mit Edith Brötzn­er eine Ober-Schwur­b­lerin aus Linz.

Max J. Puch­er ist Autoren­n­fahrer (Ral­lye­cross) und Unternehmer im IT- und Event­bere­ich. Auf AUF ver­sucht er sich jedoch in ein­er anderen Branche, näm­lich als Wis­senschafter und Forsch­er, der für AUF als Fak­tencheck­er auftritt. In seinem bis­lang einzi­gen Auftritt macht er dem Image, dass Wis­senschafter möglichst unver­ständlich und auch fade sind, alle Ehre. Vielle­icht glaubt Puch­er, das müsse so sein, um glaub­haft und ser­iös rüberzukom­men? Der Ver­such ist jeden­falls gescheitert.

Puch­er opfert sich, wie er gle­ich am Anfang erk­lärt, weil er es als seine „Bürg­erpflicht“ empfinde, „der Pro­pa­gan­da der Main­stream-Medi­en, die mit der Poli­tik gle­ichgeschal­tet sind, ein Gegengewicht zu liefern“. Puch­er will echt­en Fak­tencheck betreiben und schwadroniert über Wis­senschaft – mit welch­er Qual­i­fika­tion, bleibt freilich im Dunkeln.

Mag sein, dass sein Unternehmen forscht, eine wie auch immer geart­ete wis­senschaftliche Qual­i­fika­tion weist der HTL-Inge­nieur den­noch nicht auf. Das macht bei AUF1 auch nichts, denn Puch­er wis­cht sein fehlen­des Studi­um mit Hin­weisen auf Bill Gates, Al Gore und die „Schulschwänz­erin Gre­ta Thum­berg“, weg. Dass die drei nicht als wis­senschaftliche „Faktencheker/in“ in ein­er TV-Sendung auf­tur­nen, berührt Puch­er nicht.

"Fakten, Daten, Wissenschaft" mit Pucher – "Bill Gates, Al Gore, [sic!] und Greta Thunberg haben kein Studium in Klima oder Epidemologie [sic!]"

„Fak­ten, Dat­en, Wis­senschaft” mit Puch­er – „Bill Gates, Al Gore, [sic!] und Gre­ta Thun­berg haben kein Studi­um in Kli­ma oder Epi­de­molo­gie [sic!]”

Er, so legt er die Kon­fronta­tion­slin­ie gle­ich fest, habe nicht „wie viele Poli­tik­er einen Uni­ver­sitätsab­schluss per Betrug erlangt“. Und weit­ere Trennlin­ien zieht er eben­falls: Sein „kon­ser­v­a­tives Welt­bild“ ste­he „im Kon­flikt mit einem poli­tis­chen Nar­ra­tiv an den Uni­ver­sitäten, welch­es keine kon­struk­tive Kri­tik und Diskus­sion mehr erlaubt“. Hier haben wir also die drei dauer­bren­nen­den Feind­bilder aus der recht­sex­tremen Ecke: Medi­en, Poli­tik und Wissenschaft.

Dann legt Puch­er los, natür­lich mit dem The­ma Num­mer 1, „Coro­na“: gegen die total­itäre Machtüber­nahme des Staates, gegen die „Glob­al­is­ten“ usw.. Die Ide­olo­gien sind Puch­er über­haupt ein Dorn im Auge, vor allem jene, die „Utopi­en“ zum Ziel hät­ten wie CO2-Net-Zero und Zero-Covid. Ein Großteil der AUF1-Schauer*innen wird zwar kaum ver­ste­hen, was darunter gemeint ist, aber Puch­ers Fest­stel­lung, dass die Anzahl der Opfer sehr hoch sein würde, kön­nte kleben bleiben. Das reicht als Grund­botschaft auch. Und dann geht’s im üblichen, dem milieueige­nen Jar­gon dahin – mit dem Schw­er­punkt Wis­senschafts­feindlichkeit, die Puch­er mit­tels irgendwelch­er eingestreuten „The­sen“, die nichts erk­lären, aber alles vernebeln, zu unter­mauern ver­sucht. Logis­cher­weise dek­lin­iert er seine „The­sen“ an zwei Haupt­the­men herunter: am in der Pucher’schen Welt nicht bewiese­nen Kli­mawan­del und an der Nicht-Gefährlichkeit des Coro­na-Virus. Damit hat er sich, aber das war nicht anders zu erwarten, mit­ten in den Main­stream-The­men der ver­schwörungside­ol­o­gis­chen Com­mu­ni­ty platziert.

Ein biss­chen ein Rät­sel bleibt, wie Puch­er seine ein­gangs gemachte Ansage, er werde immer mit einem pos­i­tiv­en, opti­mistis­chen The­ma aufhören, ein­löst, aber vielle­icht liegt die darin, dass er seine Telegram- und Face­book-Adresse ein­blendet. Die fir­mieren unter „Deep Thought News“. „Tief“ ist in der Tat das geeignete Adjek­tiv für Puch­ers Performance.

Volk­stüm­lich­er geht’s bei „Klar­text mit Edith“ zu. Edith, das ist die Oberöster­re­icherin Edith Brötzn­er, die eigentlich eine Mar­ket­ing-Fir­ma besitzt. Bre­it­er bekan­nt gewor­den ist sie allerd­ings als Demo-organ­isierende Coro­na-Schwurbeltante, die einige Web­shops mit über­teuerten Pro­duk­ten betreibt und noch viel mehr Anlässe find­et, um Spenden zu sam­meln. Aber immer­hin: Edith bringt „TV”-Erfahrung mit, was mehr wäre als fast alle anderen AUF1-Beteiligten. Ihr „Coro­n­aaufk­lärung-TV“ startete Anfang März und endete allerd­ings nach nur drei Wochen. Sei­ther ist Funkstille im „Coro­n­aaufk­lärung-TV“.

Corona-Aufklärung.TV mit Edith Brötzner

Corona-Aufklärung.TV mit Edith Brötzner

Dafür darf Edith nun bei AUF1 Klar­text sprechen – oder zumin­d­est das, was sie darunter ver­ste­ht. Bish­er nur ein­mal, dafür aber gle­ich 27 sehr lange Minuten lang. Beim Debüt trat der Gmund­ner Volksmusik­er „Flo“ Flo­ri­an Daxn­er auf, der vom „Wochen­blick“ als „echt­es Gmund­ner Mul­ti­tal­ent“ gepriesen wird. Flo musiziert, betreibt ein Ton­stu­dio und hat Coro­na-Protestlieder eingesungen.

Bei Edith darf er schwadronieren, dass er bere­its im März 2020 nicht daran geglaubt hätte, dass sich Covid so schnell ver­bre­it­et: „Des gibt’s net, des hot’s net amol bei der Pest glaubi gegeben!“ Flo, der Traun­see-Epi­demi­ologe, bedauert sehr, dass es nur wenige Kün­stler (gegen­dert wird naturgemäß nicht) gäbe, die gegen die Coro­na-Maß­nah­men auftreten, aber das sei darauf zurück­zuführen, dass viele, die haupt­beru­flich auch ander­swo tätig seien, Knebelverträge hät­ten, in denen ein Engage­ment in der Coro­na-Protest­szene ver­boten werde. Fol­gerichtig lässt sich Flo wed­er impfen noch testen und hofft, dass der Ver­fas­sungs­gericht­shof „diese hirn­ris­sige, kom­plett vertrot­tel­nde, men­schen­ver­ach­t­ende, alles zer­störende Regel [gemeint sind die drei „g”, Anmk. SdR]“ als rechtwidrig erk­lären und aufheben würde. Flo tröstet sich und Edith jedoch final damit, dass „sie (…) diese Fake-Pan­demie und Lüge“ nicht mehr lange aufrechter­hal­ten kön­nen. „Dein Wort in Gottes Ohr“, flötet Edith abschließend. Möglicher­weise sollte sie eher an die Ohren und vor allem den Ver­stand jen­er glauben, die sich testen und impfen lassen und damit ermöglichen, dass Flo wieder im Bierzelt auf­spie­len darf.

➡️ Wer steckt hin­ter AUF1-TV? Teil 1: Brauner Untergrund