Alpen-Donau-Nazis: Am Ende

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Zum Ende woll­ten sie noch ein­mal Ver­wir­rung stif­ten und erzähl­ten eine krau­se Geschich­te: Die Repu­blik Öster­reich habe die Sei­te von Alpen-Donau ange­grif­fen, die Nazis hät­ten in der Fol­ge einen Ver­gleich erwirkt und wür­den, mit dem Geld des Innen­mi­nis­te­ri­ums aus­ge­stat­tet, nun eine bes­se­re tech­ni­sche Lösung bei einem ande­ren Pro­vi­der anstreben.

Nicht nur Papier, auch die Home­page der Alpen-Nazis ist gedul­dig! Die Nazi-Sto­ry macht näm­lich kei­nen Sinn, aber den wird man alpen-donau.info ohne­hin nur schwer finden.


Mit Lügen begon­nen — mit Lügen geendet

Weder hat die Repu­blik erwirkt, dass Alpen-Donau vom Netz genom­men wird, noch hat Alpen-Donau das Feld frei­wil­lig geräumt, um sich gemüt­lich auf die Suche nach einer bes­se­ren tech­ni­schen Lösung und einem ande­ren Pro­vi­der zu machen. Der Abbruch der Zel­te bei Dre­am­host hat ver­mut­lich meh­re­re Ursachen:

  • Unse­res Wis­sens lau­fen Kla­gen wegen Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen, die für einen Pro­vi­der wie Dre­am­host unan­ge­nehm sind. Die Debat­ten im Dis­kus­si­ons­fo­rum von Dre­am­host haben zusätz­lich am Ruf des Pro­vi­ders gekratzt.
  • Die Haus­durch­su­chun­gen bei Per­so­nen, die zum Alpen-Donau-Umfeld gezählt wer­den, haben zwar nicht den Effekt erzielt, Alpen-Donau abzu­schal­ten, aber ver­mut­lich bei eini­gen Sym­pa­thi­san­ten von Alpen-Donau zu etwas mehr Zurück­hal­tung geführt. Bei einem der mut­maß­li­chen Betrei­ber steht außer­dem ein Gerichts­ver­fah­ren wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung (in einer ande­ren Cau­sa) vor der Tür – er wird wohl dem­nächst nicht über die nöti­ge Zeit und Muße ver­fü­gen, um über Hon­sik und Hit­ler zu sinnieren.
  • Die Kon­tak­te in die FPÖ sind emp­find­lich gestört. Zum einen hat das codier­te Mail, das über FPÖ-Königs­ho­fers PC an Alpen-Donau ver­sandt und dort ver­öf­fent­licht wur­de, den Nazis (und ihren Kon­tak­ten in der FPÖ) klar­ge­macht, dass sie tech­nisch ver­wund­bar sind, zum ande­ren sind schon vor­her etli­che FPÖ-Kon­takt­per­so­nen aus dem Ver­kehr gezo­gen wor­den. Im Büro Graf und nicht nur dort hat es per­so­nel­le Ver­än­de­run­gen gege­ben, in der Stei­er­mark, in Tirol Aus­schlüs­se bzw. Aus­trit­te und „Ehren­er­klä­run­gen“.
  • Die Nazis von Alpen-Donau sind aber auch an ihrem eige­nen Anspruch geschei­tert, mit einer stramm natio­nal­so­zia­lis­tisch an Pro­pa­gan­da und Ideo­lo­gie ori­en­tier­ten Home­page die Füh­rung im Lager rechts von der FPÖ zu über­neh­men. Im letz­ten Jahr haben sich eine Rei­he von aktio­nis­tisch ori­en­tier­ten Grup­pen gebil­det, die – per­so­nell teil­wei­se mit den Bezugs­grup­pen von Alpen-Donau ident – ver­sucht haben, die Nazi-Sze­ne zu verbreitern.

Das bekann­tes­te und aktu­ells­te unter den Nach­fol­ge­pro­jek­ten ist „Der Volks­tod kommt“, das nicht zufäl­lig sei­ne Sti­cker und Flug­blät­ter oft gemein­sam mit denen von Alpen-Donau und der AfP in Umlauf bringt. Initi­al­zün­dung für das Pro­jekt war wahr­schein­lich die Tagung der AfP in Offen­hau­sen im Okto­ber 2010, bei der es viel um Jugend­ar­beit ging. Ande­re Neo­na­zi-Grup­pen, wie etwa die Auto­no­men Natio­na­lis­ten Wien, die sich an der hit­le­ris­ti­schen Ori­en­tie­rung von Alpen-Donau rie­ben, haben ihren Geist schon wie­der aufgegeben.

Die AfP, die mit ihrem Hei­mat­schutz­fo­rum auch so etwas wie den Vor­läu­fer des Alpen-Donau–Forums stell­te, hat trotz erheb­li­cher inter­ner Pro­ble­me und Span­nun­gen offen­sicht­lich mit der Volks­tod-Initia­ti­ve zu tun.



Das “Hei­mat­schutz­fo­rum” der AfP und das Forum von “alpen-donau.info”

Die Neo­na­zi-Sze­ne in Öster­reich ist in Bewe­gung. Ein Pro­jekt wie Alpen-Donau, das im Wesent­li­chen von sei­nen bur­schen­schaft­li­chen Kon­tak­ten zehr­te und von täg­li­cher Hass­pro­pa­gan­da leb­te, hat sich da mehr­fach über­lebt. Mög­li­cher­wei­se schaf­fen es die Alpen-Nazis noch ein­mal zurück­zu­keh­ren, aber dann hof­fent­lich um eini­ge Jah­re Haft angereichert.