Wochenschau KW 28–33/22 (Teil 4: Rechte Attacken und Schmierereien im Sommer)

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Seit gerau­mer Zeit müs­sen wir einen mas­si­ven Anstieg rechts­extre­mer Akti­vi­tä­ten in Öster­reich fest­stel­len. Eini­ge davon lan­den dann vor Gericht (auch da ist der Anstieg beträcht­lich), aber vie­le blei­ben unauf­ge­klärt oder kön­nen erst Jah­re spä­ter kon­kre­ten Per­so­nen zuge­ord­net wer­den. Haken­kreuz­schmie­re­rei­en fin­den nicht immer den Weg in die media­le Bericht­erstat­tung, ande­re nicht ein­deu­tig zuor­den­ba­re Aktio­nen noch sel­te­ner. Auf­fäl­lig ist heu­er, dass die Atta­cken auch im Som­mer nicht nachlassen.

Stinatz/Bgl: BBA isn’t back
Sollenau/NÖ: Ham­mer gegen Hakenkreuz
Bre­genz: Haken­kreuz am Holzschopf
Schattendorf/Bgl: Schat­ten­dor­fer Schmierereien
Bgl: Haken­kreu­ze auf Frauenbrüsten
Enzers­dorf bei Staatz/NÖ: Ver­kehr­te Hakenkreuze
Wien/Donaustadt: Anti­se­mi­ti­sche Attacke
Wien: Drei Atta­cken auf Moscheen
Freistadt/OÖ: Atta­cke auf Moschee
Wien/Penzing: Frau­en­feind­li­che Attacke
Ö: An- und Über­grif­fe gegen LGBTQIA+-Community

Stinatz/Bgl: BBA isn’t back

Die Baju­wa­ri­sche Befrei­ungs­ar­mee (BBA), die als Absen­der etli­cher Brief­bom­ben in den 1990er-Jah­ren für die Mor­de von Sti­natz, etli­che schwe­re Kör­per­ver­let­zun­gen, vor allem aber für rechts­extre­men Ter­ror ver­ant­wort­lich war, hat es in die­ser Form so nie gege­ben, selbst wenn man nicht an die Ver­ant­wor­tung des Ein­zel­tä­ters Franz Fuchs glau­ben soll­te. Schon damals gab es allem Anschein nach Nachahmungstäter.

Am 26. Juli 2022 wur­de in der bur­gen­län­di­schen Ort­schaft Sti­natz (wo 1995 einem Mit­ar­bei­ter des Umwelt­diens­tes die Hand durch eine Spreng­fal­le der „BBA“ zer­fetzt wur­de) am Schau­kas­ten der Kir­che eine Droh­bot­schaft mit dem Text „Die baju­wa­ri­sche Befrei­ungs­ar­mee. Sie wer­den noch von uns hören“ gefun­den, wie der ORF Bur­gen­land (26.7.22) berich­te­te. Auch dies­mal steht kei­ne Armee hin­ter der Dro­hung, aber sicher eine rechts­extre­me Per­son, die zumin­dest Angst und Schre­cken ver­brei­ten will. Die Abge­ord­ne­te Sabi­ne Schatz (SPÖ) hat dazu eine par­la­men­ta­ri­sche Anfra­ge eingebracht.

Sollenau/NÖ: Ham­mer gegen Hakenkreuz

Beim Lau­fen auf einem Feld­weg hin­ter der Lebens­hil­fe mach­te ÖVP-Vor­stand Man­fred Lug­stei­ner eine selt­sa­me Ent­de­ckung: Unbe­kann­te hat­ten dort mit Beton­res­ten – ganz in der Nähe wird der­zeit gebaut – ein Haken­kreuz gezo­gen“, berich­te­ten die NÖN am 20.7.22. Dem vor­aus­ge­gan­gen ist im Juni die Beschmie­rung der Moschee in Sol­len­au mit ras­sis­ti­schen Hetzparolen.

Gemein­sam mit einem ÖVP-Gemein­de­rat und mit­tels Häm­mer wur­de das beto­nier­te Haken­kreuz zer­trüm­mert. Wir kön­nen daher zwei ÖVP-Poli­ti­ker vor den Vor­hang bit­ten: Applaus!

Bre­genz: Haken­kreuz am Holzschopf

Holz­schopf nennt man im Länd­le einen Holz­schup­pen. Ein sol­cher wur­de im Gemein­de­ge­biet der Lan­des­haupt­stadt Bre­genz zwi­schen 23. und 25. Juli mit einem Haken­kreuz und einem Text, der sich gegen die Grü­nen rich­te­te, beschmiert. Mut­maß­lich rich­tet sich die geschmier­te Paro­le „Wider­stand“ gegen die Coro­na-Maß­nah­men­po­li­tik des Gesundheitsministeriums.

Schattendorf/Bgl: Schat­ten­dor­fer Schmierereien

Auch in die­sem Fall waren es bis­lang unbe­kann­te Täter, die in der Nacht auf den 29 Juli ein Haus in der bur­gen­län­di­schen Gemein­de Schat­ten­dorf mit einem Haken­kreuz und der Paro­le „Nazi“ beschmiert haben.

Bgl: Haken­kreu­ze auf Frauenbrüsten

Der bur­gen­län­di­sche Lan­des­ge­richts­prä­si­dent Karl Mit­ter­hö­fer resü­mier­te gegen­über dem „Kurier“ (24.7.22) die Ermitt­lun­gen bzw. bereits lau­fen­de Pro­zes­se gegen zahl­rei­che Mit­glie­der der Whats­App-Chat­grup­pe „Roten­tur­mer Schüt­zen­ver­ein“ (wir berich­te­ten über den ers­ten Pro­zess) . Etwa zwan­zig Mit­glie­der die­ser Grup­pe hat­ten „Pin-up-Bil­der mit Haken­kreu­zen auf Frau­en­brüs­ten, Wit­ze über den Holo­caust und wei­te­res natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Gedan­ken­gut ver­brei­tet“. Ange­sichts von wei­te­ren 19 zu erwar­ten­den Pro­zes­sen wegen NS-Wie­der­be­tä­ti­gung allein in den nächs­ten Wochen stei­gen dem „Kurier“-Redakteur die Graus­bir­nen auf: „irgend­wie mag man es sich nicht vor­stel­len, dass alle die­se 20 erwach­se­nen Män­ner tat­säch­lich dekla­rier­te Anhän­ger des Natio­nal­so­zia­lis­mus sind“. Die knap­pe Fest­le­gung des Rich­ters: „Die Hemm­schwel­le sinkt“.

Enzers­dorf bei Staatz/NÖ: Ver­kehr­te Hakenkreuze

Das Phä­no­men ist bekannt: Eini­ge Neo­na­zis tun sich sogar beim Abma­len der Haken­kreu­ze schwer. In der Nacht auf den 8. August schei­ter­ten mut­maß­li­che Neo­na­zis an der kor­rek­ten Wie­der­ga­be ihres wich­tigs­ten Sym­bols und „spray­ten ver­kehr­te Haken­kreu­ze auf Schup­pen und Fas­sa­den in Enzers­dorf bei Staatz (Mis­tel­bach)“ (Heute,11.8.22, S. 8).

Wien/Donaustadt: Anti­se­mi­ti­sche Attacke

Neu­er­lich eine anti­se­mi­ti­sche Atta­cke gab es am Cam­pus der Reli­gio­nen in der See­stadt Aspern, wo am Wochen­en­de 20./21.8. drei Bur­schen eine Fah­ne der jüdi­schen Glau­bens­ge­mein­schaft her­un­ter­ge­ris­sen haben, was in einem Tik­Tok-Video fest­ge­hal­ten wur­de. Auch in die­sem Fall sind die Täter bis­lang unbekannt.

Wien: Drei Atta­cken auf Moscheen

Wie die Wie­ner Bezirks­zei­tung am 23.8. berich­te­te, gab es in den letz­ten Wochen auch meh­re­re Atta­cken auf Moscheen:

In den ver­gan­ge­nen zwei Wochen gab es drei Angrif­fe auf Moscheen in Wien, bestä­tig­te die Isla­mi­sche Glau­bens­ge­mein­schaft (IGGÖ). In zwei Fäl­len han­delt es sich um Beschmie­run­gen an den Außen­wän­den. So wur­de zuerst eine Moschee in Otta­kring mit rechts­extre­mis­ti­schen Bot­schaf­ten beschmiert. In Favo­ri­ten wur­de eine Moschee der bos­nia­ki­schen Gemein­de (Mos­lems aus u. a. Bos­ni­en-Her­ze­go­wi­na, Anm.) mit ser­bisch-natio­na­lis­ti­schen Bot­schaf­ten besprüht. Dabei han­delt es sich um das „Ser­bi­sche Kreuz” (sie­he oben) mit vier S auf Kyril­lisch für „Samo slo­ga Srbi­na spaša­va” (z. Dt.: „Nur Ein­tracht ret­ten den Ser­ben”, Anm.).

Außer­dem wur­den an einer wei­te­ren Moschee in Flo­rids­dorf mehr­fach gewalt­ver­herr­li­chen­de Droh­n­ach­rich­ten am Ein­gangs­be­reich ange­bracht, die auch natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Gedan­ken­gut beinhal­ten. Eine der Droh­n­ach­rich­ten, die der Bezirks­zei­tung vor­liegt, beinhal­tet auch meh­re­re reli­giö­se Belei­di­gun­gen sowie homo­pho­be Äuße­run­gen. Die Nach­richt wur­de mit „Heil Hit­ler” beendet.

Freistadt/OÖ: Atta­cke auf Moschee

Immer wie­der ist die Moschee in der Lin­zer Stra­ße 29 Ziel­schei­be von Angrif­fen. Erst kürz­lich wur­de mit einer Geträn­ke­fla­sche („Rus­sen­soda”) eine Schei­be ein­ge­schla­gen. Zudem wur­de eine Schei­be mit Sti­ckern beklebt, die für ein alko­ho­li­sches Getränk wer­ben“, berich­te­te meinbezirk.at am 17.8.22. In und um Frei­stadt gab es in den letz­ten Jah­ren immer wie­der rechts­extre­me Akti­vi­tä­ten, vor allem von Sei­ten der Identitären.

Wien/Penzing: Frau­en­feind­li­che Attacke

Die „Kro­nen Zei­tung“ berich­te­te am 27.8.22 unter der apo­li­ti­schen Rubrik „Van­da­lis­mus­fäl­le an der Tages­ord­nung“neben der deut­lich anti­se­mi­ti­schen Atta­cke am Cam­pus der Reli­gio­nen und ande­ren Vor­fäl­len auch über eine miso­gy­ne Atta­cke auf die Aus­stel­lung „Frauen*Spuren in Wien Pen­zing”:

Beson­ders hel­le Köp­fe haben erneut in Pen­zing zuge­schla­gen. Dort wur­de die Aus­stel­lung über enga­gier­te Frau­en im Bezirk bereits zum zwei­ten Mal zum Ziel. Schon vor eini­gen Mona­ten hat­ten Unbe­kann­te die Pla­ka­te beschmiert. Die sinn­be­frei­te Meis­ter­leis­tung dies­mal: Obs­zö­ni­tä­ten, wenig geist­rei­che Ergüs­se und ein zer­schnit­te­nes Pla­kat. (Kro­nen Zeitung)

Ö: An- und Über­grif­fe gegen LGBTQIA+-Com­mu­ni­ty

Eine wah­re Flut von Hass und Het­ze, die von Rech­ten mit tat­kräf­ti­ger Unter­stüt­zung aus dem FPÖ-Lager vor allem rund um den Pri­de­month ange­zet­telt wur­de, ergoss sich über die LGBTQIA+-Community.

Seit Wochen – und im Spe­zi­el­len seit dem soge­nann­ten Pri­de­month im Juni – rich­tet sich der Hass nun aber ver­stärkt vor allem gegen nicht-binä­re Geschlechts­iden­ti­tä­ten, also gegen jene Men­schen, die sich nicht aus­schließ­lich als männ­lich oder weib­lich iden­ti­fi­zie­ren. Laut Berich­ten von Ban­Ha­te wer­den in den betref­fen­den Pos­tings, bei denen häu­fig der Hash­tag „#gegen­lgbtq” gesetzt wird, zum Teil Anschul­di­gun­gen gemacht, in denen Men­schen auf­grund ihrer homo­se­xu­el­len Ori­en­tie­rung auf pro­vo­ka­ti­ve Art und Wei­se mit den Nei­gun­gen der Pädo­phi­lie und Nekro­phi­lie auf eine Stu­fe gestellt wer­den. Damit wird ver­sucht, die LGBTQIA+ Bewe­gung mit nicht ein­ver­nehm­li­chen sexu­el­len Nei­gun­gen und mit dar­aus oft­mals resul­tie­ren­den Sexu­al­straf­ta­ten in Ver­bin­dung zu brin­gen. (meinbezirk.at, 16.7.22)