Der blaue Brigadier

Wenn Ewald Stadler in seinem früheren Leben der Dobermann der Haider- FPÖ war, was ist dann Wolfgang Jung für die Strache-FPÖ? Den blauen Wiener Gemeinderat und früheren Bundesheer-Brigadier zeichnet eines aus: alles verbellen, was der FPÖ unangenehm ist. Jetzt hat er sich den Polizisten Uwe Sailer vorgenommen, der für ihn ein „Sicherheitsrisiko“ ist.

In seiner Presseaussendung vom 31.3. 14 bedient Jung, der für einige Jahre auch Mitarbeiter des Heeresnachrichtenamtes war, die nachrichtendienstliche Klaviatur:

„Mir wurden Screenshots eines internen Aktivistennetzes zugespielt, die zeigen, wie Uwe Sailer darin die Identitäten zweier ihm offenbar ‚politisch unsympathischer‘ Kollegen vom Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Niederösterrreich vor einer qualifizierten Öffentlichkeit aufdeckt, die zuletzt sogar in einem Gerichtsverfahren aus gutem Grund nur mit Tarnnummern auftreten durften“ (OTS0146, 31.3.14).

Wenn es nicht stimmt…..

Sailer, so Jung weiter, habe offensichtlich in voller Absicht die Wichtigkeit der Geheimhaltung negiert, er sei deshalb ein „Sicherheitsrisiko“, das „sofort außer Dienst gestellt werden“ müsste – „wenn das stimmt“. Wie bitte? Wenige Zeilen vorher bemüht Jung noch angebliche Fakten, die Screenshots eines internen Aktivistennetzes, fordert die sofortige Außerdienststellung von Sailer und krebst dann wieder zurück: “Wenn das stimmt“.

Und was ist, wenn das nicht stimmt, was Jung da angeblich „zugespielt“ wurde? Wird Jung dann „außer Dienst“ treten? Warum rastet Jung in einer Presseaussendung so aus, dass er – um Sailer zu diskreditieren, eine sehr problematische Gerüchteküche bedient: „Aus Polizeikreisen wurde schon öfter auf schwer bedenkliche Verhaltensmuster Sailers hingewiesen“ – Ja, um welche Polizeikreise handelt es sich dabei? Um die freiheitlichen Polizeikreise von der AUF?

Hintergrund für den Ausraster von Jung ist offensichtlich ein kurzer Kommentar von Sailer, der als Zuhörer an der Verhandlung vom 27.3. im Prozess von Ed Moschitz gegen die FPÖ wegen übler Nachrede teilgenommen hatte und zu den Verfassungsschützern auf seinem Facebook-Konto folgendes schrieb:

„Die beiden Verfassungsschutzbeamten Sch. (N10) , das ist der Chef und war der Leiter der Amtshandlung und G. (N80), er nannte sich Protokollführer, widersprachen sich teilweise sogar und wussten beide nichts mehr zu berichten, wenn es für sie brenzlig wurde, ja da setzte das Erinnerungsvermögen aus“.

Jung hat Erfahrung mit Entlastungsangriffen. Dass der Journalist Ed Moschitz höchstes Interesse daran hat, den Vorwurf er habe zwei Neonazi-Skinheads zu „Sieg Heil“-Rufen bei einer Strache-Wahlveranstaltung angestiftet, zumindest zivilrechtlich zu klären, nachdem die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn (aber auch gegen Strache) eingestellt hat, irritiert Jung so, dass er sich den Kommentar Sailers vorknöpft und „weitere Schritte“ gegen den Polizisten ankündigt.

Als 2002 ein Video zeigte, wie am 13. April 2002 Neonazis nach einer Kundgebung gegen die Wehrmachtsausstellung durch die Wiener Innenstadt marschierten und dabei laut und deutlich Nazi-Sprüche skandierten, gab es interessante Reaktionen. Innenminister Strasser, der sich zuvor geweigert hatte, den Neonazi- Aufmarsch zu untersagen, wollte auch danach nichts von Wiederbetätigung und Nazi-Sprüchen gehört und gesehen haben und konnte sich dabei auf den damaligen Leiter des Wiener Verfassungsschutzes und auf Wolfgang Jung stützen, die von möglicher Manipulation der Bänder sprachen.


Neonazis bei der Anti-Wehrmachtsausstellungs-Kundgebung 2002 am Heldenplatz. Danach zogen etwa 100 Neonazis grölend durch die Innenstadt

Jung, damals Nationalratsabgeordneter der Regierungspartei FPÖ, sprach davon, dass „hier anscheinend wieder jene Gruppierungen am Werk sind, die Österreich in der Öffentlichkeit und vor allem im Ausland vernadern wollen“ und mit dem Video „Manipulationen der öffentlichen Meinung“ (APA, 8.5. 02) stattgefunden hätten. Rund 100 Neonazis waren damals mit Sprüchen wie „Deutschland den Deutschen“, „Ausländer raus“, „Hier marschiert der nationale Widerstand“ und „Sieg Heil“ unbehelligt durch die Innenstadt marschiert. Am Stephansplatz, kurz bevor sich die Neonazi-Demo auflöste, wurde noch das Lied der Band „Gestapo“ gesungen: „Ich mag Skinheads und SA, Türkenklatschen, ist doch klar, Fußball mag ich auf dem Rasen, die SS, wenn sie gasen“, berichtete damals der “Falter“ (Nr. 22/02).

Obwohl nicht nur über das Video, sondern auch über etliche Zeugen die NS-Wiederbetätigung dokumentiert werden konnte, wurden alle Verfahren (insgesamt 36) gegen Mitglieder teilnehmender Kameradschaften und Burschenschaftern eingestellt. Seinen Vorwurf der Manipulation musste Jung nie belegen.

2002 war für Jung auch noch in anderer Hinsicht ein bezeichnendes Jahr.

Morgen: Wolfgang Jung, der bekennende Deutsche.