Ebbs/Innsbruck: Ein seltsamer Waffennarr vor Gericht

Bei Nor­bert B. aus Ebbs in Tirol wur­den im Jän­ner 2013 100 Kilo­gramm Chemikalien zur Sprengstoffher­stel­lung gefun­den. Außer­dem einige Kalaschnikows, Maschi­nen­pis­tolen, andere Lang­waf­fen und eine SS-Fahne. In der Unter­suchung­shaft gab er noch drei Waf­fend­e­pots im Erd­bo­den preis. Jet­zt wurde gegen ihn beim Lan­des­gericht Inns­bruck ver­han­delt.

Der erste Hin­weis auf die selt­same Samm­ler­lei­den­schaft von Nor­bert B. kam von aus­ländis­chen Ermit­tlungs­be­hör­den. In der Folge wurde nicht nur gegen Nor­bert B., son­dern auch gegen weit­ere Beteiligte ermit­telt. Ende März 2013 – Nor­bert B. war schon aus der Unter­suchung­shaft ent­lassen- berichtete die „Kro­ne“ von Verbindun­gen des Ebb­sers in das Umfeld der HTBLVA Fer­lach und entsprechen­den Ermit­tlun­gen wegen des Besitzes von Spreng­mit­teln, Ver­stoß gegen das Waf­fenge­setz und Verbindun­gen zur recht­sex­tremen Szene. Die „Kleine Zeitung“ schrieb etwas später dazu: „Der Hin­weis auf die Gruppe, zu der der Kärnt­ner gehören soll, stammt von der deutschen Polizei“.

Der Ver­fas­sungss­chutz kon­nte „nach umfan­gre­ichen Ermit­tlun­gen“ keine Verbindun­gen in die Neon­azi-Szene fest­stellen, worauf die Ermit­tlun­gen nach dem NS-Ver­bots­ge­setz eingestellt wur­den. Sei­ther wurde Nor­bert B. unter der Rubrik „Waf­fen­narr“ gehandelt.

Ein ziem­lich unbe­friedi­gen­des Ermit­tlungsergeb­nis: „Waf­fen­nar­ren“ sam­meln – selt­sam genug – Waf­fen, aber nicht 100 Kilo­gramm Chemikalien zur Sprengstoffher­stel­lung. „Waf­fen­nar­ren“ leg­en auch keine (zusät­zlichen) Erd­de­pots an, in denen sie Waf­fen ver­bud­deln. Auch SS-Fah­nen gehören bei „Waf­fen­nar­ren“ nicht unbe­d­ingt zur Grun­dausstat­tung. Und Nor­bert B. hat­te offen­sichtlich Mitwiss­er bzw. –täter: „gle­ich­gesin­nte Fre­unde“, die an Schießübun­gen teilgenom­men haben und von denen zumin­d­est ein­er (aus dem Umfeld der HTBLVA Fer­lach in Kärn­ten) als recht­sex­trem gilt.


⇒ tirol.orf.at — Polizei hob großes Waf­fen­lager aus
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Vor Gericht gab Nor­bert B., auf dessen Com­put­er-Fest­plat­te Anleitun­gen zur Pro­duk­tion von Sprengstoff (aus den bei ihm gefun­de­nen Chemikalien) gefun­den wur­den, an, dass er die Waf­fen in den Erd­de­pots so vor möglichen Ein­brech­ern in das Haus sein­er Fam­i­lie sich­ern wollte: „Da waren wirk­lich gefährliche Sachen drin­nen – da hat­te ich Angst, dass das jemand find­et“ (Tirol­er Tageszeitung, 11.1.2014). Als Motiv für sein Geständ­nis gab er an: „Wenn da Ost-Krim­inelle mit Stur­mgewehren in der Gegend herumge­laufen wären, wäre mir nicht mehr wohl gewe­sen“ (Tirol­er Tageszeitung,11.1.2014).

In der näheren Umge­bung von Ebbs haben zwar einige rus­sis­che Oli­garchen ihren Zweit­wohn­sitz aufgeschla­gen, aber mit Stur­mgewehren laufen auch die bzw. deren Body­guards nicht in den Wäldern herum….

In der Ver­hand­lung gab Nor­bert B. dann auch bekan­nt, dass er auf die Waf­fen „im Ern­st­fall“ doch vielle­icht zurück­ge­grif­f­en hätte: „Wenn Europa wegen des Euros kol­la­biert, der Staat und die Polizei der Anar­chie Platz macht, hätte man sie vielle­icht schon ein­mal gebraucht, um Haus und Eltern zu vertei­di­gen“ (Tirol­er Tageszeitung).

Obwohl sich die Rich­terin über die Menge der bei Nor­bert B. gefun­de­nen Chemikalien zur Sprengstoffher­stel­lung entset­zt zeigte („Mit ein­er der­ar­ti­gen Menge (sind) in Bag­dad 120 Leute getötet wor­den – das sind keine Kleinigkeit­en mehr“), brachte die Ver­hand­lung keine Erk­lärung für das gewaltige Sprengstoff­po­ten­tial. Das Urteil fiel milde aus: sechs Monate bed­ingte Haft und 4320 Euro Geld­strafe (noch nicht rechtskräftig).

Unsere Berichte zu dem Ebb­ser Wafffen- und Sprengstofffund:

Ebbs (Tirol): Anklage wegen geplantem Sprengstoffattentat
Fer­lach (Kärn­ten): Merk­würdi­ge Verbindungen
Ebbs (Tirol): Neue Waf­fen und eine SS-Fahne
Ebbs (Tirol): Mit­tler­weile fünf Verdächtige
Tirol: Merk­würdi­ger Waffenfund