Ebbs/Innsbruck: Ein seltsamer Waffennarr vor Gericht

Lesezeit: 3 Minuten

Bei Nor­bert B. aus Ebbs in Tirol wur­den im Jän­ner 2013 100 Kilo­gramm Che­mi­ka­li­en zur Spreng­stoff­her­stel­lung gefun­den. Außer­dem eini­ge Kalasch­ni­kows, Maschi­nen­pis­to­len, ande­re Lang­waf­fen und eine SS-Fah­ne. In der Unter­su­chungs­haft gab er noch drei Waf­fen­de­pots im Erd­bo­den preis. Jetzt wur­de gegen ihn beim Lan­des­ge­richt Inns­bruck ver­han­delt.

Der ers­te Hin­weis auf die selt­sa­me Samm­ler­lei­den­schaft von Nor­bert B. kam von aus­län­di­schen Ermitt­lungs­be­hör­den. In der Fol­ge wur­de nicht nur gegen Nor­bert B., son­dern auch gegen wei­te­re Betei­lig­te ermit­telt. Ende März 2013 – Nor­bert B. war schon aus der Unter­su­chungs­haft ent­las­sen- berich­te­te die „Kro­ne“ von Ver­bin­dun­gen des Ebbsers in das Umfeld der HTBLVA Fer­lach und ent­spre­chen­den Ermitt­lun­gen wegen des Besit­zes von Spreng­mit­teln, Ver­stoß gegen das Waf­fen­ge­setz und Ver­bin­dun­gen zur rechts­extre­men Sze­ne. Die „Klei­ne Zei­tung“ schrieb etwas spä­ter dazu: „Der Hin­weis auf die Grup­pe, zu der der Kärnt­ner gehö­ren soll, stammt von der deut­schen Poli­zei“.

Der Ver­fas­sungs­schutz konn­te „nach umfang­rei­chen Ermitt­lun­gen“ kei­ne Ver­bin­dun­gen in die Neo­na­zi-Sze­ne fest­stel­len, wor­auf die Ermitt­lun­gen nach dem NS-Ver­bots­ge­setz ein­ge­stellt wur­den. Seit­her wur­de Nor­bert B. unter der Rubrik „Waf­fen­narr“ gehandelt.

Ein ziem­lich unbe­frie­di­gen­des Ermitt­lungs­er­geb­nis: „Waf­fen­nar­ren“ sam­meln – selt­sam genug – Waf­fen, aber nicht 100 Kilo­gramm Che­mi­ka­li­en zur Spreng­stoff­her­stel­lung. „Waf­fen­nar­ren“ legen auch kei­ne (zusätz­li­chen) Erd­de­pots an, in denen sie Waf­fen ver­bud­deln. Auch SS-Fah­nen gehö­ren bei „Waf­fen­nar­ren“ nicht unbe­dingt zur Grund­aus­stat­tung. Und Nor­bert B. hat­te offen­sicht­lich Mit­wis­ser bzw. –täter: „gleich­ge­sinn­te Freun­de“, die an Schieß­übun­gen teil­ge­nom­men haben und von denen zumin­dest einer (aus dem Umfeld der HTBLVA Fer­lach in Kärn­ten) als rechts­extrem gilt.


⇒ tirol.orf.at — Poli­zei hob gro­ßes Waf­fen­la­ger aus
-

Vor Gericht gab Nor­bert B., auf des­sen Com­pu­ter-Fest­plat­te Anlei­tun­gen zur Pro­duk­ti­on von Spreng­stoff (aus den bei ihm gefun­de­nen Che­mi­ka­li­en) gefun­den wur­den, an, dass er die Waf­fen in den Erd­de­pots so vor mög­li­chen Ein­bre­chern in das Haus sei­ner Fami­lie sichern woll­te: „Da waren wirk­lich gefähr­li­che Sachen drin­nen – da hat­te ich Angst, dass das jemand fin­det“ (Tiro­ler Tages­zei­tung, 11.1.2014). Als Motiv für sein Geständ­nis gab er an: „Wenn da Ost-Kri­mi­nel­le mit Sturm­ge­weh­ren in der Gegend her­um­ge­lau­fen wären, wäre mir nicht mehr wohl gewe­sen“ (Tiro­ler Tageszeitung,11.1.2014).

In der nähe­ren Umge­bung von Ebbs haben zwar eini­ge rus­si­sche Olig­ar­chen ihren Zweit­wohn­sitz auf­ge­schla­gen, aber mit Sturm­ge­weh­ren lau­fen auch die bzw. deren Body­guards nicht in den Wäl­dern herum….

In der Ver­hand­lung gab Nor­bert B. dann auch bekannt, dass er auf die Waf­fen „im Ernst­fall“ doch viel­leicht zurück­ge­grif­fen hät­te: „Wenn Euro­pa wegen des Euros kol­la­biert, der Staat und die Poli­zei der Anar­chie Platz macht, hät­te man sie viel­leicht schon ein­mal gebraucht, um Haus und Eltern zu ver­tei­di­gen“ (Tiro­ler Tageszeitung).

Obwohl sich die Rich­te­rin über die Men­ge der bei Nor­bert B. gefun­de­nen Che­mi­ka­li­en zur Spreng­stoff­her­stel­lung ent­setzt zeig­te („Mit einer der­ar­ti­gen Men­ge (sind) in Bag­dad 120 Leu­te getö­tet wor­den – das sind kei­ne Klei­nig­kei­ten mehr“), brach­te die Ver­hand­lung kei­ne Erklä­rung für das gewal­ti­ge Spreng­stoff­po­ten­ti­al. Das Urteil fiel mil­de aus: sechs Mona­te beding­te Haft und 4320 Euro Geld­stra­fe (noch nicht rechtskräftig).

Unse­re Berich­te zu dem Ebbser Waff­fen- und Sprengstofffund:

Ebbs (Tirol): Ankla­ge wegen geplan­tem Sprengstoffattentat
Fer­lach (Kärn­ten): Merk­wür­di­ge Verbindungen
Ebbs (Tirol): Neue Waf­fen und eine SS-Fahne
Ebbs (Tirol): Mitt­ler­wei­le fünf Verdächtige
Tirol: Merk­wür­di­ger Waffenfund