Burghausen (BRD): Breiter Protest gegen Neonazis

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Eine von der Neo­na­zi-Grup­pe „Frei­es Netz Süd“ orga­ni­sier­te Demons­tra­ti­on in Burghausen/Salzach (Bay­ern) traf am Sams­tag, 11. 8., auf den ent­schlos­se­nen Wider­stand eines brei­ten anti­fa­schis­ti­schen Bünd­nis­ses. Rund 30 bis maxi­mal 40 Neo­na­zis stan­den bis zu 400 Gegen­de­mons­tran­ten gegen­über. Unter den Neo­na­zis eini­ge gute Bekannte.

Anmel­der der Neo­na­zi-Demo, mit der der angeb­lich dro­hen­de „Volks­tod“ the­ma­ti­siert wer­den soll­te, war Karl-Heinz Statz­ber­ger, ein Münch­ner Neo­na­zi, der im Vor­jahr eine Mahn­wa­che für Gott­fried Küs­sel orga­ni­siert hat­te. Statz­ber­ger war im Jahr 2005 zu einer mehr­jäh­ri­gen Haft­stra­fe ver­ur­teilt wor­den, weil er 2003 gemein­sam mit Mar­tin Wie­se und ande­ren einen Anschlag auf das jüdi­sche Gemein­de­zen­trum in Mün­chen geplant hat­te. Mar­tin Wie­se, der nach sei­ner Frei­las­sung (er war wegen des geplan­ten Atten­tats zu sie­ben Jah­ren Gefäng­nis ver­ur­teilt wor­den) immer mehr zur Gali­ons­fi­gur für die zer­strit­te­ne bay­ri­sche Neo­na­zi-Sze­ne wur­de, nahm eben­falls am Auf­marsch in Burg­hau­sen teil, trat aber im Unter­schied zu Statz­ber­ger nicht als Red­ner auf. Die Neo­na­zi-Kund­ge­bung stand unter dem Mot­to „Mach’s Maul auf – Gesicht zei­gen für die Hei­mat gegen Multi-Kulti“.


„End­sta­ti­on Rechts” über die Nazi-Demo und die Gegen­pro­tes­te: ↳ Burg­hau­sen: Ras­sis­mus, Sexis­mus und NS-Ver­herr­li­chung gehen im Pfeif­kon­zert unter
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Sein Maul auf­ma­chen durf­te Roland Wut­t­ke, der auch der hei­mi­schen Neo­na­zi-Sze­ne bes­tens bekannt ist, weil er im Jahr 2010 bei der „Aka­de­mie“ der brau­nen AFP in Offen­hau­sen über die „volks­treue Oppo­si­ti­on“ refe­rie­ren durfte.

Wut­t­ke betrieb, wie End­sta­ti­on Rechts in einem Bei­trag zu Burg­hau­sen berich­tet, in sei­ner Rede eine in die­ser Deut­lich­keit unvor­stell­ba­re Ver­herr­li­chung des NS-Regimes:

„Und es gab in Deutsch­land in jenen 12 Jah­ren die­se Gegen­mo­dell, das ihr nicht mehr aus der Geschich­te aus­lö­schen könnt. An die­sem Gegen­mo­dell muss sich die BRD fort­wäh­rend mes­sen las­sen. Und die­ses Gegen­mo­dell steht in der Geschich­te ein­ma­lig und die­ses Gegen­mo­dell wird und wirkt, denn es hat ein bes­se­res, ein sozia­le­res Deutsch­land gezeigt. […] in der groß­ar­ti­gen sozia­len Idee, die in Deutsch­land gebo­ren wur­de, in der groß­ar­ti­gen sozia­len Idee der Volksgemeinschaft.”

Für sei­ne Nazi-Pro­pa­gan­da erhielt Wut­t­ke loben­de Wor­te von sei­nen Nazi-Kame­ra­den: „Kla­re Wor­te gegen die Umvol­kung“. – „Umvol­kung“? Die­sen Begriff tei­len sich die Neo­na­zis mit eini­gen öster­rei­chi­schen Frei­heit­li­chen.

Der Auf­marsch der Neo­na­zis im ober­ös­ter­rei­chisch-bay­ri­schen Grenz­raum ist nicht zufäl­lig. In Hals­bach im Land­kreis Alt­öt­ting haben sich die Neo­na­zis in einem alten Gast­hof ein­ge­nis­tet und ihn als „Haus der Kunst“ benannt, um sich dort mit Nazi-Musik nie­der­sau­fen zu kön­nen. Ein­zel­ne Prot­ago­nis­ten vom Frei­en Netz Süd wie Nor­man Bord­in sind bes­tens in der ober­ös­ter­rei­chi­schen Sze­ne verankert . 

Die Gegen­de­mons­tra­ti­on gegen das Neo­na­zi-Spek­ta­kel wur­de von den Bür­ger­meis­tern von Burg­hau­sen (Bay­ern), Hochburg-Ach(OÖ) und Hals­bach unter­stützt – ein erfreu­li­ches Zeichen!