Graz: Rassistische Schweinsköpfe provozieren wieder

In Graz wur­den in der Nacht auf Dien­stag, 8. Mai, auf dem Gelände des geplanten islamis­chen Gebet­shaus­es und Mehrzweckzen­trums sechs Schweinekopfhälften abgelegt und ein bere­its errichtetes Gebet­szelt mit Blut bespritzt. Der Ver­fas­sungss­chutz, der die Ermit­tlun­gen führt, sprach in ein­er ersten Reak­tion davon, dass in alle Rich­tun­gen ermit­telt würde, es sich aber anscheinend um Täter aus der recht­en Szene han­deln würde.

Der Leit­er des Ver­fas­sungss­chutzes Steier­mark sprach auch davon, dass es in der Ver­gan­gen­heit ähn­liche Schän­dun­gen in anderen europäis­chen Städten, in denen der Bau von Moscheen geplant war, gegeben habe. Er hätte gar nicht andere europäis­che Städte bemühen müssen: zum Jahreswech­sel 2007/2008 wurde der Bau­grund ein­er in Linz geplanten Moschee mit Schweineköpfen geschän­det. Der dama­lige Funk­tionär der Nationalen Volkspartei (NVP), ‚Ste­fan S., gab in ein­er Mail an die NPD-Bay­ern den gön­ner­ischen Ratschlag:

„Ein Tipp am Rande: Wenn ein Bau­grund­stück bekan­nt wir (wo eine Moschee gebaut wer­den soll)…und ihr bringt es in Erfahrung…dann pro­biert doch mal Schweineköpfe (sozusagen als Willkom­mensgruß *frech­grins*) auf dem zukün­fti­gen Bau­grund­stück zu plazieren…so geschehen im Zen­trum von Linz zu Neu­jahr (Oberösterreich)…wo dieses Grund­stück dadurch “entwei­ht” wor­den ist…mehr als “Umweltver­schmutzung” dürfte da nicht drin sein…falls sie böse wer­den (mit Anzeigen etc.). Besprecht das mal untereinander ;- ) …“


Artikel in „Öster­re­ich” zu der ras­sis­tis­chen Aktion 2011
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Gegen die NVP, die damals sehr zeit­na­he über die Schän­dung berichtet und eine eigene Home­page für anti­is­lamis­che Het­ze („Keine Moschee.at“) ein­gerichtet hat­te, wur­den zwar nach Bekan­ntwer­den dieser Mail im Jahr 2011 Ermit­tlun­gen geführt, sie dürften aber ähn­lich ver­laufen sein wie die Ermit­tlun­gen in Graz, wo im Feb­ru­ar 2008 die gesamte islamis­che Sek­tion des Zen­tral­fried­hofs geschän­det wurde. Zeit­gle­ich war ein Dro­hbrief an den Präsi­den­ten der ägyp­tis­chen Gemeinde, verziert mit ein­er Odal­rune, ver­schickt wor­den. Der Ver­fas­sungss­chutz hat­te sowohl in Graz als auch in Linz 2008 keine recht­sex­tremen Motive erken­nen kön­nen. Der oö. Sicher­heits­di­rek­tor Lißl stellte damals sog­ar fest: “Die Wörter und Sym­bole passen nicht in die rechte Ecke“.

Im Herb­st 2008 wurde anlässlich der Schän­dung von 90 Gräbern in der islamis­chen Sek­tion des Stadt­fried­hofs in Traun bei Linz bekan­nt, dass zuvor schon recht­sex­treme Sym­bole aufge­taucht waren.

2006 war im Okto­ber der islamis­che Fried­hof in Wien-Liesing geschän­det wor­den. Über die Täter ist in diesem Fall eben­falls nichts bekan­nt geworden.

In Graz tauchte 2008 nach der Fried­hof­sak­tion und dem Dro­hbrief noch das Beken­ner­schreiben ein­er Aktion­s­gruppe für ein moslem­freies Graz auf, das deut­lich mit NS-Sym­bol­en verziert war.

Im steirischen Land­tagswahlkampf 2010 war es dann über das „Moschee Baba“-„Spiel“ der FPÖ kurzfristig möglich, virtuell Moscheen und Muezzine mit einem Klick abzuschießen.

Im Juli 2011 wurde ein Schwein­skopf vor dem Gebäude des türkisch-islamis­chen Vere­ins ATIB in Reuthe bei Bezau (Vorarl­berg) deponiert. Auch dieser Aktion war eine recht­sex­treme Hak­enkreuz-Schmier­erei vorausgegangen.

Mit den het­zerischen Schän­dun­gen sollen offen­sichtlich islamis­che Gläu­bige provoziert und zu Gegen­reak­tio­nen ver­an­lasst wer­den. Die islamis­che Gemeinde hat hinge­gen auch die jüng­ste Schän­dung in Graz herun­terzus­pie­len ver­sucht und von einem „groben Laus­buben­stre­ich“ bzw. „ein­er dum­men Aktion von Betrunk­e­nen“ gesprochen.