Wochenschau KW 51–52/18 KW 1/19

Rechts­extre­me Akti­vi­tä­ten an der HTL-Dorn­birn, ein ver­ur­teil­ter Neo­na­zi, der sei­nem Nick­na­me auf thiazi.net alle Ehre mach­te und die Wol­ke mach­te, dazu ein Waf­fen­händ­ler, der schon vor sei­ner Ver­ur­tei­lung die Wol­ke mach­te und nun in Ber­lin vor Gericht stand – das sind eini­ge Punk­te aus unse­rer Rück­schau auf die letz­ten drei Wochen. Unse­ren ver­ba­len Malus „das rech­te Wort der Woche“ ver­ge­ben wir an Heinz-Chris­ti­an Stra­che und sein Emp­fin­den dar­über, was angeb­lich „geleb­te Saue­rei“ ist.

Dorn­birn: neo­na­zis­ti­sche Akti­vi­tä­ten an der HTL
Salz­burg und irgend­wo: Neo­na­zi „Wol­ke“ hat die Wol­ke gemacht
Untersberg/Salzburg: Grup­pen­fo­to mit Hitlergruß
Wien: wie­der Nazi-Pos­tings in Donau-Facebook-Gruppe
Bezirk Bruck/Korneuburg/NÖ: Bestä­ti­gung des Urteils wegen Verhetzung
Berlin/D: Waf­fen­händ­ler Mario Rönsch verurteilt
Wien: anti­se­mi­ti­sche Schmie­re­rei in Wien 23
Das rech­te Wort der Woche: Heinz-Chris­ti­an Strache

Dorn­birn: neo­na­zis­ti­sche Akti­vi­tä­ten an der HTL

Die Schu­le selbst hat die Reiß­lei­ne gezo­gen und die Poli­zei wegen Vor­komm­nis­sen in einer Klas­se ein­ge­schal­tet. Dem­nach kam es an der HTL Dorn­birn zu rechts­extre­mis­ti­schen Hand­lun­gen, natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Äuße­run­gen sowie Pos­tings in Sozia­len Netz­wer­ken. Bei den Beschul­dig­ten han­delt es sich um Schü­ler einer Klas­se im Alter zwi­schen 17 und 18 Jah­ren, die Ein­ver­nah­men lau­fen der­zeit – wie vie­le Per­so­nen invol­viert sind, ist der­zeit noch unklar” (vol.at, 21.12.18hier ein Inter­view mit dem Direk­tor der Schu­le) Im Sep­tem­ber 2018 erhielt die LPD Vor­arl­berg ein Schrei­ben mit einer Bom­ben­dro­hung: „Am Mon­tag­abend gegen 21.45 Uhr lang­te bei der LPD Vor­arl­berg ein Mail ein, in dem eine Grup­pie­rung namens ‚Die schwar­ze Rose’ ein Löse­geld for­dert, andern­falls am Nach­mit­tag des Diens­tag eine Bom­be in der HTL Dorn­birn deto­nie­ren soll­te.“ (vol.at, 11.9.18)

Salz­burg und irgend­wo: Neo­na­zi „Wol­ke“ hat die Wol­ke gemacht

Wir haben über den Pro­zess aus­führ­lich berich­tet: Im März 2017 wur­de – damals schon mit Ver­spä­tung – einer der Haupt­tä­ter im Neo­na­zi-Forum thiazi.net nach dem Ver­bots­ge­setz ver­ur­teilt: Er nann­te sich „Wol­ke“ hat­te rund 9.000 Pos­tings ver­fasst, von denen 49 als Grund­la­ge für die Ankla­ge dien­ten. Nun erfah­ren wir, dass der 52-jäh­ri­ge Salz­bur­ger sei­ne Haft nicht ange­tre­ten hat, obwohl im Novem­ber 2017 ein Ein­spruch der Ver­tei­di­gung abge­wie­sen und das Urteil somit rechts­kräf­tig wurde:

Der rechts­kräf­tig ver­ur­teil­te Neo­na­zi ist unter­ge­taucht. ‚Er wird per euro­päi­schem Haft­be­fehl gesucht’, bestä­tigt der Spre­cher des Salz­bur­ger Lan­des­ge­richts Peter Egger auf Anfra­ge. Der Mann sei seit Sep­tem­ber bei Inter­pol in allen EU-Staa­ten und dem Schen­gen­raum zur Ver­haf­tung aus­ge­schrie­ben. Im März 2018 war er auf­ge­for­dert wor­den, sei­ne Haft anzu­tre­ten. Er stell­te einen Antrag auf Straf­auf­schub. Die­ser wur­de ihm nicht bewil­ligt. Nach­dem er auch bei einem Vor­füh­rungs­ver­such der Poli­zei nicht anzu­tref­fen war, wur­de er zur Fahn­dung aus­ge­schrie­ben. Sein Geschäft in der Salz­bur­ger Alt­stadt wur­de bereits vor Mona­ten auf­ge­löst.“ (derstandard.at, 24.12.18)

Es bleibt die Fra­ge, war­um es vier Mona­te gedau­ert hat, bis „Wol­ke“ die Haft antre­ten hät­te müs­sen und wei­te­re sechs Mona­te, bis die Fahn­dung inter­na­tio­nal aus­ge­schrie­ben wurde.

Untersberg/Salzburg: Grup­pen­fo­to mit Hitlergruß

Der Vor­fall ereig­ne­te sich bereits im April, jetzt geht es für sie­ben Deut­sche wegen Wie­der­be­tä­ti­gung vor ein Gericht: Laut der bereits rechts­kräf­ti­gen Ankla­ge sol­len sie im April anläss­lich einer Wan­de­rung auf den Unters­berg im Bereich des Hoch­throns für ein Grup­pen­fo­to posiert haben – alle mit Hit­ler­gruß und dem Ruf „Sieg Heil“. Nur weni­ge Meter ent­fernt ste­hen­de Ski­tou­ren­ge­her erstat­te­ten Anzei­ge bei der Poli­zei.“(Salz­bur­ger Nach­rich­ten, 29.12.18, S. L6)

Wien: wie­der Nazi-Pos­tings in Donau-Facebook-Gruppe

Die Face­book-Grup­pe „Ich woh­ne auf der rich­ti­gen Sei­te der Donau (21,22 Bezirk)“hat über 18.000 Mit­glie­der und poppt inzwi­schen regel­mä­ßig auf, weil sich dort Neo­na­zis recht wohl füh­len. Nach­dem sich im Novem­ber ein Herr in Unter­ho­se und Nazi-Tat­toos prä­sen­tiert hat­te, war es am 30. Dezem­ber wie­der ein­mal so weit, wie „Heu­te“ ver­öf­fent­lich­te: Micha­el K. fand es offen­bar lus­tig, ein Nazi-Bild als Tipp fürs Böl­ler­schie­ßen zu pos­ten, und Andre­as O. fühl­te sich ani­miert und füg­te ein zwei­tes hinzu.

Michael K. "Immer daran denken: Die Böller weit genug wegwerfen" (Screenshot FPÖ Fails 1.1.19)

Micha­el K. (Screen­shot FPÖ Fails 1.1.19)

Andreas O "Mein Opa – Silvester 1943" (Screenshot FPÖ Fails 1.1.19)

Andre­as O (Screen­shot FPÖ Fails 1.1.19)

Es ist nicht nur irri­tie­rend, dass in die­ser Grup­pe immer wie­der inak­zep­ta­ble Pos­tings getä­tigt wer­den, son­dern dass sich die vier Admi­nis­tra­to­ren (davon einer aus Brau­nau) offen­bar nicht oder nur sehr zeit­ver­zö­gert die Mühe machen, die­se Pos­tings zu löschen. Unse­re Screen­shots wur­den zwei Tage nach der Ver­öf­fent­li­chung abgenommen.

Bezirk Bruck/Korneuburg/NÖ: Bestä­ti­gung des Urteils wegen Verhetzung

Eine im Sep­tem­ber wegen Ver­het­zung aus­ge­spro­che­ne teil­be­ding­te Haft wur­de nun bestä­tigt: Ein Baby auf­grund sei­nes mus­li­mi­schen Glau­bens als ‚para­si­tä­ren Minus­men­schen’ oder ‚mensch­li­chen Sch…dreck’ zu bezeich­nen ist Het­ze – und somit straf­bar. Und das waren noch die harm­lo­se­ren Bezeich­nun­gen, die eine Frau im Vor­jahr dem Neu­jahrs­ba­by 2018 im Inter­net zukom­men ließ. Rich­ter Man­fred Hohenecker ver­ur­teil­te die unein­sich­ti­ge Kom­men­ta­to­rin in Kor­neu­burg (NÖ) zu 9 Mona­ten Haft – davon 3 unbe­dingt. Was das Ober­ge­richt nun bestä­tig­te.“ (Kro­nen Zei­tung, 3.1.2019, S. 30)

Berlin/D: Waf­fen­händ­ler Mario Rönsch verurteilt

Er nann­te sei­ne Web­site „Migran­ten­schreck“, womit die rechts­extre­me Agen­da und das Ziel­pu­bli­kum schon abge­steckt waren. Über die ver­trieb der sze­n­e­be­kann­te Mario Rönsch 2016 ille­gal Waf­fen, auch nach Öster­reich. Rönsch stand dafür in Ber­lin vor Gericht und wur­de am 18.12.18 (nicht rechts­kräf­tig) zu zwei Jah­ren und zehn Mona­ten Haft ver­ur­teilt. „Der Ver­ur­teil­te Mario R. ist kein Unbe­kann­ter. Im Jah­re 2014 war er Akti­vist der „Mon­tags­mahn­wa­chen für den Frie­den“, bei denen sich regel­mä­ßig rech­te, ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche und anti­se­mi­ti­sche Akteu­re betei­lig­ten. Spä­ter sym­pa­thi­sier­te er mit der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land (AfD) und dem rech­ten Com­pact-Maga­zin. Gemein­sam mit des­sen Chef­re­dak­teur und einem wei­te­ren Mit­ar­bei­ter der Zeit­schrift war er im Dezem­ber 2015 bei einer Heft­vor­stel­lung im Rah­men von ‚Com­pact TV’ zu sehen. Zudem ergab die Haupt­ver­hand­lung, dass R. im Jahr 2016 mehr­fach vier­stel­li­ge Euro­be­trä­ge des Com­pact Maga­zins sowie des Kopp Ver­la­ges erhielt – angeb­lich als Ver­gü­tung für Ver­mark­tungs­dienst­leis­tun­gen.” (jfda.de, 18.12.18)

Bestellungen auch aus Österreich (Karte: https://zeitonline.carto.com/viz/e72db5cc-bc64-11e6-ab43-0e3ebc282e83/public_map)

Bestel­lun­gen auch aus Öster­reich (Kar­te: https://zeitonline.carto.com/viz/e72db5cc-bc64-11e6-ab43-0e3ebc282e83/public_map)

Inter­ak­ti­ve Kar­te auf zeit­on­line mit Adres­sen aus Österreich 

Wien: Anti­se­mi­ti­sche Schmie­re­rei in Wien 23 

foto­gra­fiert bei der ehe­ma­li­gen Inzers­dor­fer Fabrik

Das rech­te Wort der Woche

Da ich nie ein Neo­na­zi war, kann auch der Begriff nicht stim­men. Ich bewer­te das als immer wie­der geleb­te Saue­rei mir gegen­über, die von Herr­schaf­ten kommt, die eine poli­ti­sche Moti­va­ti­on haben. Unwahr­hei­ten, die man immer wie­der wie­der­holt, wer­den des­halb aber nicht wahrer.
(Heinz-Chris­ti­an Stra­che, APA, zit. nach derstandard.at, 28.12.18)

2007 klang das so und fand damals in Medi­en als „Zitat des Jah­res“ Eingang:

Strache 2007 (https://derstandard.at/2752656/Zitate-der-Woche--Ich-war-nie-ein-Neonazi-und-bin-kein-Neonazi?_slide=1)

Stra­che 2007 (derstandard.at)

„Ich war nie ein Neo­na­zi und bin kein Neo­na­zi. Ich war damals von sol­da­ti­schen Tugen­den fas­zi­niert, ich habe auch im Wald gespielt.“