Rechtsextremer Waffenhändler im Internet

Aktuell ist die Seite „Migrantenschreck“ zeitweise nicht erreichbar. Das könnte mit der Berichterstattung der letzten Tage, aber auch mit den Ermittlungen in der BRD gegen die Betreiber des rechtsextremen Waffenversandes zu tun haben. Seit die „Zeit“ am 9.12.2016 in ihrer Online-Ausgabe eine interaktive Karte mit den Orten der Waffenkäufer veröffentlicht hat, wissen wir jedenfalls, dass auch Österreicher unter den Waffenkäufern sind.

Noch ist einiges nicht ganz klar, was „Migrantenschreck“, seine Betreiber und Zulieferer betrifft. Die Seite, die es jedenfalls seit dem Frühjahr 2016 gibt, nutzte wechselnde Internetadressen und nannte ganz bewusst auch eine Adresse in Wien als Betreiber, die sicher nicht hinter dem rechtsextremen Waffenhandel steckt. Ganz im Gegenteil! Die Macher von „Mimikama“ wurden in einer ‚False-Flag‘-Aktion mit dem Waffenhandel in Verbindung gebracht. Ziemlich sicher deshalb, weil sich „Mimikama“ des öfteren mit der rechtsextremen, antisemitischen und verschwörungstheoretischen Facebook-Seite „Anonymous.Kollektiv“ beschäftigt hat, die mittlerweile offline ist.

Bildliche Zusammenstellung: Das rechte "Anonymous.Kollektiv" und die rassistischen Waffenhändler von "Migrantenschreck"

Bildliche Zusammenstellung: Das rechte „Anonymous.Kollektiv“ und die rassistischen Waffenhändler von „Migrantenschreck“

Einer der Administratoren von „Anonymous.Kollektiv“ war Mario Rönsch, der jetzt von „Zeit“-Online als Eigentümer jener ungarischen Firma geoutet wird, die hinter „Migrantenschreck“ steht. Rönsch, der früher in Erfurt als Aktivist der (rechten) Montags- und Friedendemonstrationen und der AfD in Erscheinung getreten ist, dürfte mittlerweile untergetaucht sein.

Über die Seite „Migrantenschreck“ haben seit Mai 2016, so „Zeit“-Online, 198 Menschen Waffen gekauft. Dabei wurden 110.000 Euro umgesetzt. Der rechtsextreme Waffenversand, der offensichtlich gezielt ein rechtes Publikum angesprochen hat, indem er gegen „Rapefugees“ und „Gangbang-Asylanten“ hetzte, wurde auch von Österreichern nachgefragt. Die interaktive Karte auf „Zeit“-Online nennt mehrere Orte in Österreich, aber nicht die Namen der Käufer. Waffen bestellt wurden in Wien, Zeltweg, Amstetten, Steyr, Wernberg und Piesendorf.

Die „Salzburger Nachrichten“ (20.12.2016) haben bei Experten nachgefragt. Demnach handelt es sich bei den angebotenen Waffen um solche der Kategorie B mit großer Durchschlagskraft und keineswegs nur um Schreckschuss-Waffen; „Das bedeutet, dass man für den Kauf einen Altersnachweis und eine Waffenbesitzkarte braucht. „Wer so eine Schusswaffe nach sechs Monaten nicht den Behörden meldet, besitzt sie außerdem illegal“ (SN).

In Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft Berlin wegen illegalen Waffenhandels, Volksverhetzung, Bedrohung und Nötigung gegen die Betreiber von „Migrantenschreck“. „Österreichischen Behörden war der Fall auf SN-Nachfrage nicht bekannt“, heißt es dazu in den „SN“. Wir werden dafür sorgen, dass den Behörden die illegalen Waffenkäufe bekannt werden.

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