Kriminalität : Die Implosion des Herrn Wurm

Seit 2013 sitzt Peter Wurm für die FPÖ im Nation­al­rat und kann noch immer Sta­tis­tiken nicht richtig lesen. Vielle­icht will er das auch gar nicht ? Schließlich lebt er bzw. seine Partei ganz gut damit, dass die „Aus­län­der“, die „Migranten“, die „Asyl­wer­ber“ für die „Explo­sion der Krim­i­nal­ität“ ver­ant­wortlich gemacht wer­den. Aber wenn es die „Explo­sion“ gar nicht gibt? Dann würde der arme Wurm ja seine Geschäfts­grund­lage verlieren!

Blut ist dick­er als Wass­er, erk­lärt der FPÖ-Abge­ord­nete auf sein­er Home­page, und meint damit die „Bluts­bande“, also die famil­iären Beziehun­gen. Schon da liegt er falsch, denn das Sprich­wort meint eigentlich das Gegen­teil. Wichtige Verträge wur­den in alten Zeit­en mit Blut besiegelt. Diese mit Blut unter­mal­ten ver­traglichen Beziehun­gen gal­ten als wichtiger als das Geburts-oder Taufwass­er. Erst später wurde daraus das Gegen­teil, die beson­dere Bedeu­tung von Blutsver­wandtschaft von Völk­ern, wobei bei let­zteren das Wass­er im Bild ziem­lich in der Luft hängt.

Über die Sache mit dem Blut sind wir sowieso unter­schiedlich­er Mei­n­ung mit den Blauen, aber bei Zahlen über die Krim­i­nal­ität und ihre Entwick­lung, da sollte man doch die Fak­ten sprechen lassen!

Auf sein­er Home­page schreibt Wurm schon im September:

“Jet­zt haben wir es schwarz auf weiß. Die Anzahl der straf­fäl­lig gewor­de­nen Frem­den ist in Tirol im ersten Hal­b­jahr 2015 ger­adezu explodiert“.

Die Kro­nen­zeitung (Aus­gabe Tirol, 7.9.15) übern­immt diesen gewichti­gen Satz und fügt noch hinzu: „Unter den Straftat­en waren auch 83 Morde – 45 von Aus­län­dern“.

Das wäre tat­säch­lich eine Explo­sion, denn 2014 gab es 38 Fälle vol­len­de­ter vorsät­zlich­er Tötung. In ganz Öster­re­ich! Im gesamten Jahr! Inlän­der und Aus­län­der zusam­men! Nimmt man die Mord­ver­suche noch dazu, dann gab es ins­ge­samt 107 Fälle, also auch 69 Mord­ver­suche. Zum Mitschreiben für frei­heitliche Igno­ran­ten: 80 % davon fan­den im Fam­i­lien- bzw. Bekan­ntenkreis statt (Quelle: Sicher­heits­bericht 2014).

Aber das mit den Mor­den war ja weniger die Behaup­tung des Her­rn Wurm, son­dern die der „Kro­ne“. Wurm will etwas anderes fest­gestellt haben: die Explo­sion der Anzahl der straf­fäl­lig gewor­de­nen Frem­den in Tirol im ersten Hal­b­jahr 2015.

Nun fra­gen ungeduldige FPÖ –Abge­ord­nete schon seit Jahren nach diesen Zahlen für das jew­eils erste Hal­b­jahr. Und erhal­ten neben den Zahlen auch immer den war­nen­den Hin­weis des Innenministeriums:

„Es wird aus­drück­lich darauf hingewiesen, dass Experten aus der Wis­senschaft im Rah­men des Pro­jek­tes „Krim­i­nal­sta­tis­tikneu“ fest­gestellt haben, dass Aus­sagen über die Sicher­heit­slage und die Krim­i­nal­itäts­be­las­tung aus quar­talsmäßi­gen und hal­b­jährlichen Zahlen­werten nicht möglich sind, weil daraus gezo­gene Schlüsse ein­er wis­senschaftlichen Über­prü­fung nicht stand­hal­ten“.

Tja, das Innen­min­is­teri­um ist halt ein biss­chen blauäugig! Was inter­essiert denn einen ges­tande­nen Blauen schon eine wis­senschaftliche Über­prü­fung, wenn es auch anders geht? Aber immer­hin ste­hen dank der zap­pel­nden Blauen auch die Ver­gle­ichs­dat­en vom Vor­jahr zur Verfügung.

Und siehe da, die Innen­min­is­terin schreibt in ihrer Antwort zu Frage 1:

„Im ersten Hal­b­jahr 2014 kon­nten 124.010 Tatverdächtige ermit­telt wer­den“.

Und zu Frage 2:

„Im ersten Hal­b­jahr 2014 kon­nten 43.099 fremde Tatverdächtige ermit­telt wer­den“.

In ihrer Antwort für 2015 for­muliert sie keine Sätze mehr, son­dern eine Tabelle, der wir fol­gende Zahlen entnehmen:

2015 gab es 120.027 Tatverdächtige, davon waren 44.804 „fremde Tatverdächtige“. Das würde einen leicht­en Rück­gang bei den Tatverdächti­gen ins­ge­samt und einen leicht­en Anstieg bei den „frem­den“ bedeuten. Von Explo­sion keine Spur – wed­er in die eine noch die andere Richtung!

Jet­zt schreibt aber der FPÖ-Abge­ord­nete, dass die Explo­sion in Tirol stattge­fun­den haben soll?! Armer Wurm! In Tirol gab es 2014 5.936 fremde Tatverdächtige und 2015 waren es 5.457 – das wäre sog­ar ein erhe­blich­er Rück­gang! Die Explo­sio­nen spie­len sich nur im Kopf von Wurm ab, nicht in der Wirk­lichkeit. Da implodieren die blauen Seifenblasen!

Übri­gens, die größte Gruppe unter den frem­den Tatverdächti­gen kommt aus Deutsch­land: 4.819 waren es im ersten Hal­b­jahr 2015, während die Türkei mit nur 3.080 regel­recht abstinkt dagegen!

Der Wurm lässt aber nicht lock­er! Im Milser Dorf­blatt ( Okto­ber 15) greift er sich die Asyl­wer­berIn­nen heraus:

„…allein im ersten Hal­b­jahr 2015 (wurde) jed­er vierte Asyl­wer­ber in Tirol krim­inell“.

Jet­zt ist ver­mut­lich der richtige Zeit­punkt gekom­men, um den Her­rn Wurm ein biss­chen aufzuk­lären: tatverdächtig zu sein bedeutet noch nicht, dass man’s gewe­sen ist. Da gibt’s noch eine Instanz, die nach den polizeilichen Ermit­tlun­gen darüber entschei­det, ob jemand schuldig ist. Wenn also die Anfrage­beant­wor­tung für Tirol 2015 (1. Hal­b­jahr) 777 tatverdächtige Asyl­wer­berIn­nen ausweist, dann bedeutet das ger­ade bei Tirol nicht, dass sich diese Per­so­n­en alle noch in Tirol aufhal­ten. Wesentlich­er ist ver­mut­lich, dass unter den Asyl­wer­bern aus bekan­nten Grün­den Män­ner stark über­wiegen und zweit­ens sich diese Män­ner in den beson­ders gefährde­ten Alters­grup­pen befind­en (auch große Lager tra­gen erhe­blich dazu bei – siehe Leoben):

Für das erste Hal­b­jahr 2014 liegen keine Ver­gle­ich­szahlen vor, für das ganze Jahr 2014 wur­den für Tirol 1.379 tatverdächtige Asyl­wer­berIn­nen aus­gewiesen. Angesichts der stark steigen­den Zahlen von Geflüchteten im Jahr 2015 deutet das nicht auf einen Anstieg von Krim­i­nal­ität in dieser Gruppe hin. Außer­dem ist unklar, wer – neben den offiziell in Öster­re­ich bzw. in Tirol gemelde­ten Asyl­wer­berIn­nen — zu dieser Gruppe gerech­net wird. Auch die Aus­sage, wonach jed­er vierte Asyl­wer­ber in Tirol krim­inell wurde, ist daher so nicht richtig.

Wie sehr die Blauen daneben­liegen bei der Krim­i­nal­ität von Flüchtlin­gen, zeigen auch die Zahlen, die Elmar Pod­gorschek, mit­tler­weile Lan­desrat in Oberöster­re­ich, in der Antwort auf seine Anfrage zur „über­bor­den­den Krim­i­nal­ität durch Flüchtlinge“ im Erstauf­nah­mezen­trum Thal­ham (OÖ) erhal­ten hat. Von 251 für den ganzen Bezirk angezeigten Fällen von Dieb­stahl wur­den 17 Asyl­wer­bern zugerech­net. „Gar nichts zu tun hat­ten Flüchtlinge mit schw­er­er Kör­per­ver­let­zung (sieben Fälle), Raufhan­del (acht Fälle), sex­ueller Beläs­ti­gung (sechs Fälle), gefährlich­er Dro­hung (22 Fälle) oder Geld­fälschung (18 Fälle)“ (Kuri­er, 12.11.2015).

Stark gestiegen sind dage­gen nach Angaben des Innen­min­is­teri­ums im Jahr 2015 frem­den­feindlich und ras­sis­tisch motivierte Straftat­en. Auch bei anderen Delik­ten gibt es einen Anstieg an Krim­i­nal­ität gegenüber Flüchtlin­gen. So ermit­telt etwa die Staat­san­waltschaft Wien gegen mehrere Ver­mi­eter wegen Miet­be­trugs an Dutzen­den Flüchtlin­gen (APA, 11.11.2015).

Gute Analy­sen zum The­ma liefern Stan­dard und SOS Mit­men­sch.