Kaum Distanz zwischen FAV und FPÖ

Der Frei­heitliche Akademik­erver­band (FAV) Salzburg ist wieder ein­mal ein­schlägig aufge­fall­en. Mit der Forderung nach Arbeit­slagern, in die nicht nur Flüchtlinge, son­dern auch (arbeit­slose) Zuwan­der­er eingewiesen wer­den sollen. Der mehrphasige Abschiebe­plan ist nicht neu. In vie­len Punk­ten ist er eng ver­wandt mit dem Abschiebekonzept, das bei der FPÖ Land­straße im Juni aufge­taucht ist. Die Dis­tanzierung der FPÖ ist wenig glaubhaft.


Arbeit­slager, frei­heitliche Fantasien
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„Phasen­plan für eine nach­haltige Rück­wan­derungspoli­tik“ nen­nt der FAV Salzburg abgeschmackt und zynisch seine Phan­tasien über die Massen­ab­schiebung so ziem­lich aller, die nach Mei­n­ung der frei­heitlichen Akademik­er nicht in dieses Land gehören. Das sind für die Recht­sex­trem­is­ten des FAV Salzburg vor allem die Afrikan­er. Gegen sie, die provozierend „Neger“ genan­nt wer­den, wird regel­recht gehetzt:

„Mil­lio­nen Neger wollen selb­st aus Afri­ka weg, nach Europa, wo alles hier gratis und ohne Arbeit zu erhal­ten ist. Sie flücht­en vor sich selb­st, sie brin­gen ihr Unwis­sen, ihr Anal­pha­beten­tum, ihren Haß und Stre­it unter sich und ihren Haß auf uns Weiße nach Europa mit und Europa wird spätestens in 50 Jahren im Chaos und Sumpf enden, wie wir es heute in Südafri­ka sehen“.

In ein­er unglaublich bürokratis­chen Sprache, aus der die Ver­ach­tung für “diese Sub­jek­te“ (FAV) nur so her­aus­trieft , wer­den zunächst ausweis­lose Flüchtlinge (Phase 3) in Arbeit­slager gesteckt, in Phase 4 dann arbeit­slose Zuwanderer:

„Mit dem Erlöschen der Voraus­set­zun­gen der Aufen­thalts- und Arbeits­genehmi­gung (in der Regel ver­bun­den mit dem Ver­lust oder Nich­tantreten von Arbeit) hat der Aus­län­der die legale Basis des Aufen­thalts ver­loren und muss inner­halb eines Monats in sein Herkun­ft­s­land zurück­kehren. Das­selbe gilt für länger als einen Monat arbeit­slose Fremde. Tut er dies nicht von sich aus, ist er zu bestrafen (Ver­wal­tungsstrafe genügt) und abzuschieben. Abzuschiebende haben keinen Anspruch auf Sozial­hil­fe und sind bis zu ihrer fak­tis­chen Abschiebung in Arbeit­slagern unterzubrin­gen“.

Der „Phasen­plan“ des FAV Salzburg ist nicht neu, son­dern schon mehrere Jahre alt. 2010 erwäh­nte ihn etwa der „Stan­dard“ in einem Beitrag über eine recht­sex­treme Ver­anstal­tung des Salzburg­er FAV. Bei den Neon­azis von „Alpen-Donau.Info“ ist der Plan schon im Juli 2009 aus­führlich vorgestellt wor­den. Über Face­book tauchte der Plan jet­zt wieder auf und führte zu zahlre­ichen poli­tis­chen Reaktionen.

Auch die FPÖ Salzburg reagierte. Ihr Inter­im­schef Andreas Schöp­pl dis­tanzierte sich, was den „Inhalt, geschweige denn die Wort­wahl“ bet­rifft, von der Massen­ab­schiebung . Dann aber schießt der Lan­desvor­sitzende der Salzburg­er FPÖ etwas übers Ziel hinaus:

„Der Frei­heitliche Akademik­erver­band Salzburg ist bekan­nter­maßen keine Vor­fel­dor­gan­i­sa­tion der Frei­heitlichen. Allein deshalb schon kön­nen dessen Aus­sagen nicht ein­fach der FPÖ zuge­ord­net wer­den”.

Schöp­pl scheint an der FPÖ-typ­is­chen Teil­am­ne­sie zu lei­den. Schließlich ist er selb­st erst vor ziem­lich genau einem Jahr nach 15 Jahren Mit­glied­schaft aus dem FAV Salzburg aus­ge­treten. Wie die „Salzburg­er Nachricht­en“ am 26.7.2014 berichteten, weil der dama­lige Vor­sitzende des FAV als Klub­di­rek­tor für das Team Stronach werk­te. Die recht­sex­tremen Posi­tio­nen des „Phasen­plans“ haben Schöp­pl hinge­gen jahre­lang nicht gestört bzw. zu einem Aus­tritt ver­an­lasst. Auch als im Jahr 2013 auf der Seite des FAV Salzburg ein wein­er­lich­er Beitrag über Frei­heitsstrafen „wegen Ver­bre­itung des freien Wortes“ (gemeint und namentlich ange­führt wur­den 18 Neon­azis und Holo­caustleugn­er!!) erschien, gab es keine Dis­tanzierung durch die FPÖ bzw. Schöppl.

Auch son­st ist die Dis­tanzierung vom FAV ziem­lich schein­heilig. For­mal ist der Frei­heitliche Akademik­erver­band Salzburg genau­so von der FPÖ unab­hängig wie die Frei­heitlichen Akademik­erver­bände in anderen Bun­deslän­dern. Aber sowohl ide­ol­o­gisch pro­gram­ma­tisch als auch per­son­ell gibt es zahlre­iche Über­schnei­dun­gen und enge Verbindungen.

In Vorarl­berg und Kärn­ten wer­den die frei­heitlichen Akademik­er expliz­it als Vor­fel­dor­gan­i­sa­tio­nen von der jew­eili­gen FPÖ Lan­des­or­gan­i­sa­tion geführt. Nicht nur in Vorarl­berg wäre das auch schw­er zu leug­nen. Dort ist der FPÖ-Abge­ord­nete und Burschen­schafter („Teu­to­nia“) Rein­hard Bösch prak­tis­cher­weise auch Vor­sitzen­der des FAV. Auch beim steirischen FAV werkt ein FPÖ- Abge­ord­neter und Burschen­schafter (Axel Kasseg­ger, Arminia Graz) im Vor­stand, in dem auch Mar­tin Pfeif­fer, Chefredak­teur der „Aula“ und Rechtsverbinder zu NPD und anderen deutschen recht­sex­tremen Grup­pen , vertreten ist. Wolf­gang Cas­part (pen­nale Verbindung Rugia, Corps Sax­o­nia Wien) der jet­zt wieder ein­mal Vor­sitzen­der des FAV Salzburg und damit ver­ant­wortlich für die braune Suppe auf dessen Seit­en ist, war Gemein­der­at der FPÖ in Bergheim bei Salzburg und stellt im Gegen­satz zu seinem Vorgänger, der Schöp­pl so verärg­ert hat, deshalb wohl keinen Aus­tritts­grund dar.

Die Frei­heitlichen Akademik­erver­bände ver­schieden­er Bun­deslän­der bilden gemein­sam die Arbeits­ge­mein­schaft Frei­heitlich­er Akademik­erver­bände, die auch die recht­sex­treme Zeitschrift „Aula“ her­aus­geben. Aber wer zur Arge FAV zählt, das ist seit gestern nach außen hin anders. Auf der Seite des FAV für Wien, NÖ und das Bur­gen­land wur­den bis zum 25.8. die Län­dervere­ine für Wien/NÖ und Bur­gen­land, Kärn­ten, Salzburg und Vorarl­berg ange­führt. Seit dem 26.8. fehlt der FAV Salzburg – ohne Kom­men­tar. So ein Zufall aber auch! Auf der Seite des Salzburg­er FAV ist die kleine Welt der Frei­heitlichen Akademik­erver­bände hinge­gen noch heil.

Ja, und dann ist noch etwas bemerkenswert: aus­gerech­net in der Bezirk­sor­gan­i­sa­tion, wo der Bun­desparteivor­sitzende Stra­che auch Bezirksparteiob­mann ist, bei der FPÖ Land­straße in Wien, wird der Frei­heitliche Akademik­erver­band ganz unge­niert zwis­chen Frei­heitlichen Senioren und Frei­heitlichen Arbeit­nehmern ange­führt. Als was? Als Teilor­gan­i­sa­tion? Als Vor­fel­dor­gan­i­sa­tion? Als Teil des Teams FPÖ, wie der Titel sug­geriert? Egal! Als Ansprech­part­ner fir­miert jeden­falls der FPÖ-Bezirk­srat Dim­itrij Grieb. Der Klubob­mann der FPÖ Land­straße in der Bezirksvertre­tung, Wern­er Greb­n­er, der bis zum Juni 2015 die „All­ge­meinen Leitgedanken“ der FPÖ Land­straße und damit auch die geistig eng mit dem “Phasen­plan für eine nach­haltige Rück­wan­derungspoli­tik“ des FAV ver­wandten „Über­legun­gen für eine nach­haltige Lösung des Über­frem­dung­sprob­lems“ vorstellte, kann sich jeden­falls über die Unter­stützung aus Salzburg freuen.