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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 30-33/26 (Teil 3): Rechte Terrorplanung und Mord durch „Pedo-Hunter“?

In Tirol wurde ein Jugendlicher wegen des Verdachts auf rechtsextreme Terrorplanung festgenommen, in Niederösterreich ein junger Erwachsener wegen eines mutmaßlich homophoben Mordes. Mitglieder der Schützen-Traditionsvereine rücken in Salzburg und Tirol regelmässig mit NS-Gewehren aus.

20. Aug. 2026
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  • Langenzersdorf/NÖ: Mord durch selbsternannten „Pedo-Hunter“?
  • Tirol: Rechtsterrorpläne eines 14-Jährigen
  • Wien: Hitlergruß mit blutenden Händen
  • Braunau/OÖ: Drogen, Waffen und NS-Wiederbetätigung
  • Wels-Land/OÖ: Hakenkreuzschmierer enttarnt
  • T+Sbg: Schützen mit NS-Gewehren
  • Stmk: NS-Parole auf Firmen-Lkw
  • Schladming/Stmk: Mit Waffe bedroht: „Juden verschwindet“
  • Feldkirch/V: Antisemitische Schmierereien

Langenzersdorf/NÖ: Mord durch selbsternannten „Pedo-Hunter“?

Ein 18-Jähriger soll in Langenzersdorf einen 29-jährigen Wiener getötet haben. Laut Polizei zeigte sich der Beschuldigte bei seiner Einvernahme „vollumfänglich geständig“. Die beiden Männer hatten über Social Media Kontakt aufgenommen und sich in einem Einfamilienhaus getroffen. Dort soll der 18-Jährige massive Gewalt ausgeübt und das Opfer gegen Kopf und Hals geschlagen haben.

Medienberichten zufolge soll der Täter Kampfsport betreiben und der sogenannten „Pedo-Hunter“-Szene angehören. Teile dieser Szene lockten in der Vergangenheit insbesondere homosexuelle Männer zu Treffen, unterstellten ihnen fälschlicherweise Pädophilie und misshandelten sie. Ob auch die Tat in Langenzersdorf homophob motiviert war, wird noch ermittelt. Die Staatsanwaltschaft prüft laut eigener Aussage „in alle Richtungen“.

Der Fall ruft einen größeren österreichweiten Ermittlungskomplex ins Gedächtnis: Nach Razzien im März 2025 wird bei der Staatsanwaltschaft Graz weiterhin gegen 38 Beschuldigte aus dem Umfeld mutmaßlicher „Pedo-Hunter“ ermittelt. Ihnen werden teils schwere Gewalttaten gegen LGBTIQ-Personen vorgeworfen. In einigen Fällen wird auch wegen nationalsozialistischer Inhalte ermittelt.

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg beantragte Untersuchungshaft gegen den 18-Jährigen. Eine Obduktion sowie die Auswertung seines Mobiltelefons sollen weitere Erkenntnisse über die Tat und das Motiv liefern.

(Quelle: derstandard.at, 7.8.26)

Tirol: Rechtsterrorpläne eines 14-Jährigen

Ein erst 14-jähriger Tiroler wurde nach einem Hinweis aus dem Ausland in Untersuchungshaft genommen. Die Staatsanwaltschaft Innsbruck ermittelt gegen den Schüler wegen des Verdachts eines versuchten Beitrags zur Ausführung einer terroristischen Straftat. Auslöser waren Chats, in denen er sich mit einem User in Schweden derart konkret über Attentate ausgetauscht haben soll, dass die Behörden eine reale Gefahr sahen. Mögliche Ziele sollten jüdische und muslimische Einrichtungen sein.

Bei einer Hausdurchsuchung stellten Ermittler unter anderem ein mit rechtsextremen Parolen versehenes Kampfmesser, eine Stichschutzweste, eine mit Totenkopf und NS-Zeichen versehene Maske sowie zwei taktische Helme sicher. Einer davon soll mit einer Kamera ausgestattet gewesen sein. Der Jugendliche schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Laut STANDARD-Informationen sei der junge Mann bisher nicht auffällig geworden, es gebe keine Hinweise auf ein einschlägiges familiäres Umfeld. Alarmierend seien für die Beamten die „professionellen Züge“, die die Anschlagsplanung aufweise. (derstandard.at, 31.7.26)

Die Ermittler gehen davon aus, dass er sich innerhalb kurzer Zeit im Internet radikalisiert haben dürfte. Sichergestelltes Material soll auf sein Interesse an Neonazi-Inhalten hindeuten.

Der Jugendliche bleibt mindestens bis Anfang September in Untersuchungshaft. (orf.at, 5.8.26)

Wien: Hitlergruß mit blutenden Händen

Ein 21-Jähriger soll am 24. Juli gemeinsam mit einer 15-Jährigen in Wien-Margareten mehrere Fenster von Wohnhäusern und einem Geschäftslokal beschädigt haben. Polizist:innen wurden wenig später im Bereich einer angemeldeten Versammlung in der Siebenbrunnenfeldgasse auf den offenbar alkoholisierten Mann aufmerksam: Er hatte blutende Hände und zeigte den Hitlergruß.

Die Polizei nahm den 21-Jährigen wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung vorläufig fest. Später wurde er auf freiem Fuß angezeigt. Auch die 15-Jährige wurde wegen der Sachbeschädigungen angezeigt und ihren Erziehungsberechtigten übergeben.

(Quelle: LPD Wien, 25.7.26)

Braunau/OÖ: Drogen, Waffen und NS-Wiederbetätigung

Nach anonymen Hinweisen und eigenen kriminalpolizeilichen Erkenntnissen ermittelt das Landeskriminalamt Oberösterreich gegen Mitglieder einer Gruppierung wegen möglicher Verstöße gegen das Suchtmittel-, Waffen- und Verbotsgesetz. Am 7. Mai ließ die Staatsanwaltschaft Ried im Innkreis fünf Durchsuchungen im Bezirk Braunau durchführen. „Dabei fanden die Ermittler unter anderem eine Cannabis-Aufzuchtanlage mit rund 2,5 Kilogramm Cannabis, etwa 160 Gramm Kokain, MDMA sowie weitere Suchtmittel.“ (orf.at, 31.7.26)

Beschlagnahmt wurden außerdem 15 Mobiltelefone, Datenträger, Bargeld, eine verbotene Waffe sowie eine Schreckschusswaffe. Einer der Beschuldigten gestand laut Polizei zudem den Verkauf von vier Kilogramm Cannabis.

Zwei Personen wurden festgenommen, eine davon auf Anordnung der Staatsanwaltschaft in eine Justizanstalt eingeliefert. Gegen zwei Beschuldigte sprach das Landeskriminalamt vorläufige Waffenverbote aus. Nach Abschluss der Ermittlungen wurden insgesamt zehn Personen wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das Suchtmittelgesetz angezeigt, acht wegen des Verdachts der NS-Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz und eine Person wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz.

(Quelle: Presseaussendung LPD OÖ 31.7.26)

Wels-Land/OÖ: Hakenkreuzschmierer enttarnt

Brandstiftungen, Sachbeschädigungen, NS-Wiederbetätigung und Tierquälerei: Nach fast einjährigen Ermittlungen hat die Polizei eine Serie von Straftaten im Bezirk Wels-Land einer Gruppe von 16- bis 18-Jährigen zugeordnet. Als Hauptverdächtige gelten zwei 18-Jährige und ein 17-Jähriger.

Insgesamt wirft die Polizei den Jugendlichen 61 Straftaten seit 2023 vor, darunter auch vorsätzliche Gemeingefährdung und Hakenkreuz-Schmierereien. Der entstandene Schaden soll in die Millionen gehen. Die Beschuldigten zeigten sich teilweise geständig. Als Motiv nannten sie Langeweile. Sie wurden bei der Staatsanwaltschaft Wels angezeigt.

(Quelle: meinbezirk.at, 7.8.26)

T+Sbg: Schützen mit NS-Gewehren

Eine Waffenkontrolle in Bayern brachte im Juni die NS-Vergangenheit mancher Schützengewehre zum Vorschein. Tiroler Schützen aus Pillersee, Waidring und Fieberbrunn waren von einer Feier für den Salzburger Erzbischof auf dem Heimweg, als die deutsche Polizei 34 nicht ausreichend gesicherte Langwaffen beschlagnahmte. Auf zwölf Gewehren fanden die Behörden kleine Hakenkreuz-Prägungen aus der NS-Zeit. Neben den waffenrechtlichen Ermittlungen prüft die Staatsanwaltschaft Traunstein deshalb auch einen möglichen Verstoß gegen das deutsche Verbot der Verwendung von NS-Kennzeichen.

Solche alten Wehrmachtskarabiner seien auch bei Salzburger Schützenkompanien „sicher im Umlauf“, sagte der Salzburger Landeskommandant der Schützen, Josef Braunwieser. Sein Stellvertreter Anton Kaufmann besitzt selbst einen Karabiner mit Reichsadler und Hakenkreuz. Beide weisen einen Zusammenhang mit NS-Wiederbetätigung zurück und argumentieren, bei den kleinen Symbolen handle es sich um historische Prüfzeichen. Insider:innen gehen von einigen Hundert Wehrmachtsgewehren bei Salzburger Kompanien aus.

In Österreich hatte die Sache für die Tiroler Schützen keine strafrechtlichen Folgen: Die Staatsanwaltschaft Innsbruck stellte das Verfahren gegen 14 Beschuldigte ein, weil sich kein Vorsatz zur NS-Wiederbetätigung nachweisen ließ. In Deutschland laufen die Ermittlungen hingegen weiter. Auch die beschlagnahmten Gewehre befinden sich weiterhin dort.

(Quellen: tirol.ORF.at, 21.7.26, sn.at, 22.7.26, sz.de, 26.7.26)

Stmk: NS-Parole auf Firmen-Lkw

Mit Neonazi-Schriftzügen war ein Lkw einer südsteirischen Spedition in Graz unterwegs. Über dem Fahrerhaus stand in Frakturschrift „Führerhaus“, an den Seitenfenstern waren „Klagt nicht, kämpft“ und „Arbeit macht frei“ angebracht. Letztere Parole befand sich während des Nationalsozialismus an den Eingängen mehrerer Konzentrationslager, darunter Auschwitz.

Nachdem der Lkw in Graz fotografiert worden war, wurde Anzeige erstattet. Das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung wurde eingeschaltet. Wer die Parolen aufklebte und was die Spedition davon wissen wollte, ist bislang unklar. Zumindest „Führerhaus“ dürfte allerdings schon länger auf dem Fahrzeug stehen: Ein Foto des Lkw mit dem Schriftzug soll bereits im März 2020 auf dem Instagram-Account des Unternehmens zu sehen gewesen sein. Die Ermittlungen laufen.

(Quelle: krone.at, 18.8.26)

Mittlerweile blicken wir schon auf mehrere „Führerhaus“-Provokationen zurück, wie etwa 2019 in Böheimkirchen-Mannersdorf/NÖ oder 2021 in Göpfritz/NÖ.

Schladming/Stmk: Mit Waffe bedroht: „Juden verschwindet“

Ein 70-Jähriger soll am 30. Juli in einem Hotel in Schladming einen 30-jährigen US-amerikanischen Urlauber mit einem Revolver bedroht, ihm eine Patrone gezeigt und „Juden verschwindet“ zugerufen haben.

Die Polizei räumte Teile des Hotels und nahm den Verdächtigen fest. Bei der anschließenden Durchsuchung fanden die Beamt:innen den beschriebenen Revolver in einer Schublade. Wegen des mutmaßlich antisemitischen Hintergrunds übernahm das Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung die Ermittlungen.

(Quelle: orf.at, 31.7.26)

Feldkirch/V: Antisemitische Schmierereien

Unbekannte haben ein Schaufenster der Feldkircher Grünen in der Unterführung bei der Bärenkreuzung eingeschlagen und antisemitisch beschmiert. Auf der zerstörten Scheibe wurden ein gelber „Judenstern“ sowie das Wort „Juden“ angebracht. Laut Grünen-Stadtrat Clemens Rauch war das Schaufenster bereits zuvor mehrfach beschmiert und verunreinigt worden. Außerdem seien Hassbriefe mit Verschwörungserzählungen eingegangen.

Die Stadtpolizei ermittelt wegen des Verdachts nach dem Verbotsgesetz gemeinsam mit dem Landesamt für Staatsschutz und Extremismusbekämpfung. Erst wenige Tage zuvor war auch die Eingangstür des Feldkircher Zentrums für Migration, Integration und Teilhabe (ZeMiT) mit einem gelben „Judenstern“ beschmiert worden.

Vor einigen Monaten schon war Feldkirch mit weiteren Nazi-Schmierereien in den Medien.

(Quelle: vol.at, 13.8.26)

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Schlagwörter: Antisemitismus | Hitlergruß | Homosexuellen-/Transfeindlichkeit | Illegaler Waffenbesitz/Waffenhandel | Mord/Mordversuch/Totschlag | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | Oberösterreich | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsterrorismus | Salzburg | Tirol | Vandalismus/Sachbeschädigung/Schmierereien | Vorarlberg | Wiederbetätigung | Wien

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