Sächsische Separatisten: Umsturzfantasie mit Parteianschluss und Österreich-Spur
Der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Dresden hat mit Beschluss vom 2. Dezember 2025 das Hauptverfahren gegen acht deutsche Staatsangehörige eröffnet und die Verlängerung der Untersuchungshaft verkündet. Vorgeworfen werden u.a. mitgliedschaftliche Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung sowie die Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens.
Der Kernvorwurf: Die Gruppe habe sich auf einen „Tag X“, den erwarteten Zusammenbruch staatlicher Ordnung, vorbereitet, um dann Teile Sachsens mit Waffengewalt zu erobern und ein am Nationalsozialismus orientiertes Herrschaftsmodell zu errichten. In den Ermittlungen geht es explizit um „ethnische Säuberungen“ und gezielte Gewalt gegen politische Gegner und Minderheiten. Die Beschuldigten waren zum Zeitpunkt der Festnahme 20 bis 25 Jahre alt, zu Beginn des Tatzeitraums (spätestens 2020) allerdings zumindest teilweise noch unter 20.
Unter den Angeklagten sind drei frühere AfD-Funktionäre: der frühere Grimmaer AfD-Fraktionschef Kurt Hättasch, außerdem Kevin R. und Hans-Georg P. Hättasch wird laut Generalbundesanwalt zusätzlich versuchter Mord sowie ein tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und ein Waffengesetz-Delikt vorgeworfen.
Zu den Angeklagten zählen auch der mutmaßliche Rädelsführer Jörg Schimanek sowie dessen Bruder Jörn – Söhne des aus Langenlois stammenden Neonazis Hans Jörg Schimanek, gegen den (noch nicht rechtskräftig) in Wien Anklage erhoben wurde. Noch ist der Verfahrensstand bezüglich der Funde im Langenloiser Forsthaus nicht bekannt – die zuständige Staatsanwaltschaft Krems hält sich darüber weitgehend bedeckt.
Letzte Verteidigungswelle: jugendliche Neonazis, reale Anschläge
Nach den Festnahmen im Mai 2025 hat die Bundesanwaltschaft nun Anklage gegen die „Letzte Verteidigungswelle“ (LVW) erhoben – wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung und weiterer schwerer Delikte. Die Gruppe, Alter 14 bis 18, soll sich spätestens April 2024 zusammengefunden haben. Im Zentrum stand Gewalt gegen Migrant:innen, politische Gegner:innen und die LGBTQ+-Bewegung.
Die taz (18.12.25) beschreibt die interne Organisation als Mischung aus Neonazi-Ästhetik und Chat-„Staat im Staat“: ein „Generalchat“, Rollen wie „Propagandaminister“ und sogar eine gruppeneigene „Gestapo“. Ziel sei gewesen, eine Gewaltspirale auszulösen, um die Demokratie zu destabilisieren und einen „Rassenkrieg“-Soundtrack in Taten zu übersetzen.
Bei Fantasien blieb es allerdings nicht: Zur Anklage führten bereits verübte bzw. konkret vorbereitete Taten:
– Altdöbern (Okt 2024): Brandanschlag auf das Kulturhaus „Kultberg“, Schaden 550.000 Euro; wegen der Gefahr für das angrenzende Wohnhaus wertet die Bundesanwaltschaft die Tat als versuchten Mord.
– Schmölln (Jan 2025): Angriff auf eine Geflüchtetenunterkunft mit einer Feuerwerksbatterie – ebenfalls als versuchter Mord bewertet.
– Senftenberg (Feb 2025): ein weiterer Angriff auf eine Unterkunft soll bevorgestanden haben; die Ausführung scheiterte an einer Festnahme.
Hinzu kommen Überfälle, bei denen sich Mitglieder als „Pedo-Hunter“ inszenierten und ihre Opfer schwer misshandelt haben sollen.
Jung, gewaltorientiert, digital organisiert und zellförmig
Die LVW ist kein isolierter Ausreißer. Schon im Frühjahr 2025 beschrieb die taz (2.4.25) eine „brutal junge“ militante Neonazi-Szene, die sich über Soziale Medien vernetzt, Codes teilt und Gewalt als Gruppenleistung produziert – ohne klassische Kameradschaftsstrukturen, aber mit funktionierender Organisation. Dazu passt, was Sicherheitsbehörden in verwandten Verfahren als „Siege“-inspirierten, zellförmigen „führerlosen Widerstand“ beschreiben: kleine Gruppen, hohe Gewaltbereitschaft, schnelle Mobilisierung.
Beide Verfahren, „Sächsische Separatisten“ und LVW, zeigen damit dieselbe Eskalationslinie: Von der Umsturzfantasie zur Tat ist es oft nur ein Chatverlauf. Dass auch Österreich davon nicht verschont ist, haben die Hate Crimes gezeigt, die letzten März publik geworden sind.
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