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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

„Sächsische Separatisten”: Rechtsterror mit Arm nach Österreich

In Deutsch­land gab’s heu­te acht Fest­nah­men aus der mut­maß­lich rechts­ter­ro­ris­ti­schen Grup­pie­rung „Säch­si­sche Sepa­ra­tis­ten”, die einen gewalt­sa­men Umsturz und die Errich­tung eines Staa­tes nach Vor­bild des Natio­nal­so­zia­lis­mus plan­te. Ver­bin­dun­gen füh­ren wie so oft auch nach Österreich.

5. Nov. 2024
Verhaftung (Symbolfoto; pixabay)
Verhaftung (Symbolfoto; pixabay)

Heu­te, 5.10., wur­den acht mut­maß­li­che Mit­glie­der einer rechts­extre­mis­ti­schen ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung namens „Säch­si­sche Sepa­ra­tis­ten” (Abkür­zung „SS”) ver­haf­tet. Die Fest­nah­men erfolg­ten in ver­schie­de­nen Städ­ten Deutsch­lands, dar­un­ter Leip­zig, Dres­den und im Land­kreis Mei­ßen, sowie in Zgor­zel­ec, Polen. „Zudem wer­den Räum­lich­kei­ten von nicht­tat­ver­däch­ti­gen Per­so­nen, dar­un­ter sol­che in Wien und im Bezirk Krems-Land (Öster­reich), durch­sucht”, berich­tet die deut­sche Gene­ral­bun­des­an­walt­schaft in einer Pres­se­mit­tei­lung. Auch drei AfD-Poli­ti­ker, dar­un­ter der Stadt­rat Kurt Hätt­asch aus Grim­ma, sei­en ver­haf­tet worden.

Unter den Fest­ge­nom­me­nen sol­len sich zwei Söh­ne eines amts­be­kann­ten öster­rei­chi­schen Neo­na­zis mit Ver­gan­gen­heit in der „Volks­treu­en außer­par­la­men­ta­ri­schen Oppo­si­ti­on” (VAPO) des Gott­fried Küs­sel befin­den.  Jörn S., der jün­ge­re Bru­der des Rädels­füh­rers Jörg, ist „Stoppt die Rech­ten” auf­ge­fal­len, weil er 2024 als Teil­neh­mer des Neo­na­zi-Mar­sches am „Tag der Ehre” in Buda­pest gelis­tet ist. „Bei zwei wei­te­ren Brü­dern fan­den Durch­su­chun­gen statt, aber kei­ne Fest­nah­men”, berich­tet die „taz” (5.11.24).

Jörn S. als Teilnehmer am neonazistischen "Tag der Ehre" in Budapest 2024
Jörn S. als Teil­neh­mer am neo­na­zis­ti­schen „Tag der Ehre” in Buda­pest 2024

Nationalsozialistisches Regime als Ziel

Die Grup­pe, die seit spä­tes­tens Novem­ber 2020 bestand, ver­folg­te eine ras­sis­ti­sche, anti­se­mi­ti­sche und apo­ka­lyp­ti­sche Ideo­lo­gie und lehnt die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung Deutsch­lands ab. Sie glaubt an einen bevor­ste­hen­den Zusam­men­bruch des Staa­tes und plan­te, die­sen Moment zu nut­zen, um mit Waf­fen­ge­walt Gebie­te in Sach­sen und mög­li­cher­wei­se ande­ren ost­deut­schen Regio­nen zu erobern, um dort ein natio­nal­so­zia­lis­ti­sches Regime zu errich­ten. Die Grup­pe hat sich mit para­mi­li­tä­ri­schen Trai­nings und der Beschaf­fung mili­tä­ri­scher Aus­rüs­tung auf die­sen „Tag X“ vorbereitet.

Die Beschul­dig­ten wer­den der Mit­glied­schaft in die­ser ter­ro­ris­ti­schen Ver­ei­ni­gung, der 15 bis 20 Betei­lig­te ange­hör­ten, beschul­digt. Eini­ge von ihnen sol­len als Jugend­li­che oder Her­an­wach­sen­de gehan­delt haben. Die fest­ge­nom­me­nen Per­so­nen sol­len am 5. und 6. Novem­ber 2024 dem Ermitt­lungs­rich­ter des Bun­des­ge­richts­hofs vor­ge­führt wer­den, der über den Voll­zug der Unter­su­chungs­haft ent­schei­den wird.

Update 17h40: Das „pro­fil” berich­tet, dass bei Haus­durch­su­chun­gen der Fami­lie der bei­den fest­ge­nom­me­nen Brü­der in Lan­gen­lois und Wien NS-Devo­tio­na­li­en und Waf­fen gefun­den wor­den seien.

Der deut­sche Neo­na­zi-Anwalt Mar­tin Kohl­mann ist wäh­rend­des­sen nach Polen gereist, um Jörg S. zu ver­tre­ten, wie er in einem auf Tele­gram ver­öf­fent­lich­ten Video angibt.

Im Zuge der Fest­nah­me des AfD-Poli­ti­kers Kurt Hätt­asch sei es zu einer Schie­ße­rei gekom­men. „Dem­nach habe der AfD-Poli­ti­ker bei der Fest­nah­me durch Spe­zi­al­ein­satz­kräf­te einen Kara­bi­ner ergrif­fen, wor­auf­hin Beam­te der GSG9 zwei »Warn­schüs­se« abge­ge­ben hät­ten.” (spiegel.de, 5.11.24) Ein vom anti­fa­schis­ti­schen Kol­lek­tiv „Objek­tiv Ost” auf­ge­nom­me­nes Foto zeigt Hätt­asch als Teil­neh­mer von Götz Kubit­scheks IFS-Früh­jahrs­aka­de­mie 2022 in Schnell­ro­da. Mit dabei waren damals auch der kürz­lich als Kopf eines inter­na­tio­na­len rechts­extre­men Netz­werks ent­tarn­te Erik Ahrens, der dort nach eige­nen Anga­ben den Info-Direkt Betrei­ber Micha­el Scharf­mül­ler ken­nen­ge­lernt hat und wie immer bei Anläs­sen die­ser Art eben­falls Mar­tin Sellner.

Update 18h55: Die deut­sche „Zeit” schreibt über die Brü­der S.: „Die bei­den Män­ner haben zwei wei­te­re Brü­der. Min­des­tens einer von ihnen soll nach Infor­ma­tio­nen von ZEIT ONLINE eben­falls beschul­digt sein.” [Tat­säch­lich sind es nur drei Brü­der, zwei davon ver­haf­tet, der drit­te beschul­digt. Anmk. SdR] 

Update 6.11.24: Der „Spie­gel” (6.11.24) schreibt: „Nach SPIE­GEL-Infor­ma­tio­nen stie­ßen die Fahn­der unter ande­rem auf nicht regis­trier­te, schar­fe Schuss­waf­fen, dazu­ge­hö­ri­ge Muni­ti­on und Schall­dämp­fer. Das Arse­nal umfass­te zudem Patro­nen für Kalasch­ni­kow-Sturm­ge­weh­re, Ein­zel­tei­le mut­maß­li­cher Kriegs­waf­fen sowie die Hül­se einer Mörsergranate.”

➡️ stopptdierechten.at (8.11.24): „Säch­si­sche Sepa­ra­tis­ten“ seit Jah­ren im rechts­extre­men Milieu verankert

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Schlagwörter: AfD | Neonazismus/Neofaschismus | Niederösterreich | Rechtsterrorismus | Weite Welt | Wien

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