Reiseportale mit brauner Vergangenheit?

Das ursprünglich als Start-Up gegrün­dete Unternehmen Unis­ter betreibt u.a. beliebte Online-Reise­por­tale wie ab-in-den-urlaub.de, fluege.de oder Travel24. Gestern wurde außer­dem bekan­nt, dass zwei „Öster­re­ich­er mit Neon­azi-Biografien“ in dem Unternehmen mitmischen.

Die Web­fir­ma Unis­ter mit Sitz in Leipzig betreibt an die 90 Inter­net­por­tale, beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter_innen und ist wahrlich nicht unbekan­nt. Für Skan­dale und Auf­se­hen sorgte Unis­ter bis­lang nicht nur weil 2012 Vor­würfe der Steuer­hin­terziehung sowie des Ver­sicherungs- und Com­put­er­be­trugs im Raum standen. Vor kurzem verunglück­te auch Grün­der und Gesellschafter Thomas Wag­n­er nach ein­er mys­ter­iösen Venedig-Reise mit 1,5 Mil­lio­nen Euro Bargeld im Gepäck bei einem bis­lang ungek­lärten Flugzeu­gab­sturz in Slowe­nien. Seit rund einem Monat befind­et sich das Unternehmen auch noch in einem Insol­ven­zver­fahren. Die Fir­ma scheint jedoch nicht zur Ruhe zu kom­men da sich gestern auch noch her­ausstellte, dass zwei „Öster­re­ich­er mit Neon­azi-Biografien“ in der Fir­ma bedeu­tende Funk­tion haben.

In ein­er gemein­samen Recherche von ZEIT und Säch­sis­ch­er Zeitung heißt es: „Jahre­lang unbe­merkt von der Öffentlichkeit und selb­st von hochrangi­gen Mitar­beit­ern haben min­destens zwei Män­ner mit schillern­der Neon­azi-Biografie an den Reisekonz­ern ange­dockt.“ Dort sollen sie in ihren Funk­tio­nen als Berater und Teil­haber bzw. Besitzer eines nicht unbe­deu­ten­den Aktio­nenan­teils Ein­fluss auf das Unternehmen genom­men haben.

Die bei­den sind auch in Öster­re­ich keine Unbekan­nten. Rein­hard Rade ist zwar in Ober­bay­ern aufgewach­sen, aber in Inns­bruck geboren. In den 1980ern war er u.a. bei den Repub­likan­ern in Deutsch­land aktiv. Für Unis­ter fungierte er laut eige­nen Angaben als „Berater der Gesellschafter und Son­der­beauf­tragter der Geschäfts­führung“. Obgle­ich er selb­st immer wieder abstre­it­et, in den let­zten Jahren poli­tisch aktiv gewe­sen zu sein, fiel er beispiel­sweise im Zuge der Demon­stra­tio­nen des Leipziger Pegi­da Ablegers Legi­da auf. Auch der zweite große Aktionär stammt ursprünglich aus Öster­re­ich und ist den Behör­den nicht unbekan­nt: Hans Jörg Schi­manek („Schi­manek Junior”) aus Niederöster­re­ich. Er stand in den 1990ern im Visi­er von Ermit­tlun­gen wegen neon­azis­tis­ch­er Aktiv­itäten, Mitte der 1990er wurde er sog­ar wegen Wieder­betä­ti­gung und sein­er Tätigkeit­en in ein­er öster­re­ichis­chen Wehrsport­gruppe in Lan­gen­lois (der Volk­streuen Außer­par­la­men­tarischen Oppo­si­tion – VAPO des Got­tfried Küs­sel) zu acht Jahren Haft verurteilt, jedoch frühzeit­ig ent­lassen. Gemein­sam mit Küs­sel und anderen Kam­er­aden war Schi­manek außer­dem aufge­fall­en, als er 2009 das SS-Vet­er­a­nen­tr­e­f­fen am Kärnt­ner Ulrichs­berg besuchte.


Hans Jörg Schi­manek jun. 2009 während des SS-Vet­er­a­nen­tr­e­f­fens am Kärnt­ner Ulrichs­berg (Bildquelle: u‑berg.at)

Die Zusam­me­nar­beit zwis­chen Rade und Schi­manek ist jedoch nicht neu. Gemein­sam sollen die bei­den, die bere­its seit ihrer Jugend befre­un­det sind, u.a. auch im Bürg­erkrieg im ehe­ma­li­gen Jugoslaw­ien im Ein­satz gewe­sen sein. Nach sein­er Haf­tent­las­sung war Schi­manek nach Leipzig gegan­gen, wo er in der Fir­ma „Baube­treu­ung für Mit­teldeutsch­land GmbH” (BBM) tätig wurde, deren dama­liger Geschäfts­führer nie­mand ander­er als Rein­hard Rade war. Wie ein Han­del­sreg­is­ter­auszug aus dem Jahr 1994 zeigt, waren Schi­manek und Rade auch Gesellschafter der Leipziger Fir­ma Con­dor Pro­jek­ten­twick­lung GmbH. Diese Zusam­me­nar­beit wurde nun offen­sichtlich bei Unis­ter fortgesetzt.

Das Unternehmen selb­st dis­tanziert sich zwar von recht­sex­tremem Gedankengut und bestre­it­et deren Ein­fluss, den­noch bleiben neben den ganzen Ungereimtheit­en zum mys­ter­iösen Todes­fall des Fir­men­grün­ders auch die Fra­gen, wie Rades Gesin­nung und Ver­gan­gen­heit so lange unbe­merkt bleiben kon­nten und welchen Ein­fluss die bei­den tat­säch­lich auf das Unternehmen aus­geübt haben.