Wochenschau KW 3/21

Lesezeit: 6 Minuten

Für bei­de, dem selbst­er­nann­ten „Gau­lei­ter M.“ und einem Hit­ler­grü­ßer aus St. Pöl­ten, gab’s eine beding­te Haft­stra­fe. Eine Geld­stra­fe setz­te es  – nicht rechts­kräf­tig – für zwei Offi­zie­re aus dem Hee­res­ab­wehr­amt, die die Schän­dung einer Moschee in Graz nicht ver­hin­dert hat­ten. In Kärn­ten wer­den rei­hen­wei­se zwei­spra­chi­ge Orts­tei­len beschmiert, und der blaue Ex-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Schel­len­ba­cher wur­de letz­ten Mitt­woch verhaftet.

Graz: Die brau­ne Sati­re des „Gau­lei­ter M.“
St. Pöl­ten: Hit­ler­gruß am Hauptbahnhof
Graz: Nächs­te Pro­zess­run­de in der Schweinekopfaffäre
Bleiburg/Pliberk, Buchbrunn/Bukovje, Tutzach/Tuce und Eberndorf/Dobrla vas – Kärnten/Koroška: Beschmie­rung von zwei­spra­chi­gen Ortstafeln
NÖ: Ex-FPÖ-Natio­nal­rat als Fluchthelfer
Mattersburg/B: wei­te­re Brö­sel in der FPÖ
OÖ: Geld­re­gen für pen­na­le Burschenschaften

Graz: Die braune Satire des „Gauleiter M.“

Vor­stra­fen wegen Kör­per­ver­let­zung, Ver­let­zung der Unter­halts­pflicht und wegen Kin­der­por­no­gra­fie hat­te er bereits, nun stand der 45-jäh­ri­ge Gra­zer wegen Wie­der­be­tä­ti­gung vor Gericht. Das „Doku Ser­vice Stei­er­mark“ war beim Pro­zess und berich­te­te über Ver­lauf und Urteil via Twit­ter.

St. Pölten: Hitlergruß am Hauptbahnhof

Der am Lan­des­ge­richt St. Pöl­ten zum Pro­zess gela­de­ne 20-jäh­ri­ge Ange­klag­te muss schon eini­ges ver­tra­gen: Nach – frei­lich von ihm selbst ange­ge­be­nen – 15 Bie­ren wies er gera­de mal einen Alko­hol­spie­gel von 0,7 Pro­mil­le auf. Das reich­te aber, dass er sich an den Vor­fall am Haupt­bahn­hof St. Pöl­ten nicht mehr erin­nern konn­te (oder wollte).

Es war im März des Vor­jah­res, als ein 20-Jäh­ri­ger den St. Pölt­ner Haupt­bahn­hof betrat und die rech­te Hand in die Höhe streck­te. Dabei soll er mit den Wor­ten „Sieg Heil” sei­ne Freun­de „begrüßt” haben. Die Sze­ne blieb aller­dings nicht unbe­ob­ach­tet. Zwei Poli­zis­ten grif­fen ein und nah­men den Mann mit auf die Dienst­stel­le. (kurier.at, 21.1.21)

Das nicht rechts­kräf­ti­ge Urteil: ein Jahr bedingt und die Wei­sung, eine Dro­gen­the­ra­pie zu machen.

Graz: Nächste Prozessrunde in der Schweinekopfaffäre

Der Vor­fall ist bereits mehr als vier Jah­re her, vier der damals an der Schän­dung einer Moschee in Graz/Puntigam Betei­lig­ten aus dem rechts­extre­men Milieu wur­den im März 2019 wegen Her­ab­wür­di­gung reli­giö­ser Leh­ren und Sach­be­schä­di­gung schul­dig gespro­chen. Die Sache wuchs sich davor zur sog. „Schwei­ne­kopf­af­fä­re“ aus, als bekannt wur­de, dass neben dem aus dem rechts­extre­men Umfeld ange­heu­er­ten Ver­bin­dungs­mann Georg B. auch zwei Offi­zie­re des Hee­res­ab­wehr­amts invol­viert waren. Die waren zwar über B. vom geplan­ten Anschlag infor­miert wor­den, hat­ten aber, anstatt das LVT zu infor­mie­ren, zuge­se­hen, wie ein Schweins­kopf am Bau­zaun des Mina­retts ange­bracht und Schwei­ne­blut ver­schüt­tet wurde.

Angriff auf das Isla­mi­sche Kul­tur­zen­trum Graz mit Schwei­ne­kopf und Blut — Bild­quel­le: Isla­mi­sche Kul­tur­zen­trum Graz

Die bei­den Beam­ten stan­den dafür bereits im Mai vor Gericht, der Pro­zess ging nun in die nächs­te Runde.

Sie hät­ten den Anschlag trotz Kennt­nis der geplan­ten Akti­on nicht ver­hin­dert, und das sei „sehr tra­gisch”: Mit die­sen Wor­ten ver­kün­de­te der Rich­ter das Urteil gegen zwei Mit­ar­bei­ter des mili­tä­ri­schen Abwehr­amts. Bei­de wur­den des Amts­miss­brauchs schul­dig gespro­chen. Der ange­klag­te Oberst muss 25.200 Euro, der Major 16.200 Euro zah­len. Die Ver­tei­di­gung will Beru­fung ein­le­gen, das Urteil ist somit nicht rechts­kräf­tig. (derstandard.at, 22.1.21)

Die nächs­te Pro­zess­run­de ist also gesichert.

Bleiburg/Pliberk, Buchbrunn/Bukovje, Tutzach/Tuce und Eberndorf/Dobrla vas – Kärnten/Koroška: Beschmierung von zweisprachigen Ortstafeln

Nach­dem am vor­letz­ten Wochen­en­de die slo­we­ni­sche Bezeich­nun­gen von Orts­ta­feln in Bleiburg/Pliberk, Buchbrunn/Bukovje (Orts­teil von St. Kan­zi­an) beschmiert wor­den waren, wur­den an die­sem Wochen­en­de sechs Tafeln im Gemein­de­ge­biet von Eberndorf/Dobrla vas und eine in Tutzach/Tuce besprüht.

NÖ: Ex-FPÖ-Nationalrat als Fluchthelfer

Beim ehe­ma­li­gen FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Tho­mas Schel­len­ba­cher kommt nun bereits eini­ges zusam­men: Der Ver­dacht auf Ver­un­treu­ung im Zuge des Gel­des, das im Zuge der Man­dats­kauf­af­fä­re geflos­sen sein soll, Ver­dacht auf schwe­ren Betrug und betrü­ge­ri­sche Kri­da, weil er u.a. die Asfi­nag und die Stra­bag um mehr als zehn Mil­lio­nen Euro geschä­digt haben soll und nun Fluchthilfe.

Ihm sei der „Arsch schon auf Grund gegan­gen”: Ein gutes Gefühl hat­te der ehe­ma­li­ge Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Tho­mas Schel­len­ba­cher (FPÖ) am 19. Juni 2020 nicht. Er war gera­de dabei, die Aus­rei­se des Wire­card-Vor­stands Jan Mar­sa­lek zu orga­ni­sie­ren. Has­tig soll­te der Chief Ope­ra­ting Offi­cer (COO) des deut­schen Finanz­dienst­leis­ters aus der EU gebracht wer­den. Der Bör­sen­gi­gant Wire­card war da gera­de im Begriff, ein­zu­stür­zen: Mar­sa­lek wird ver­däch­tigt, Bilanz­fäl­schung in der Höhe von 1,9 Mil­li­ar­den Euro betrie­ben zu haben. Dass Mar­sa­lek dafür nicht hin­ter Git­tern sitzt, liegt auch an Schel­len­ba­cher: Er koor­di­nier­te mit zwei Pilo­ten jenen Flug, der Mar­sa­lek von Bad Vös­lau ins weiß­rus­si­sche Minsk brach­te. (derstandard.at, 24.1.21)

Schel­len­ba­cher befin­det sich inzwi­schen in Haft. Dass in der Cau­sa Wire­card auch noch eine Rei­he von Beam­ten des BVT invol­viert sind, fügt sich in eine schier end­los wir­ken­de Ket­te von „Plei­ten, Pech und Pan­nen“ beim hei­mi­schen Ver­fas­sungs­schutz. Es ist unschwer vor­aus­zu­sa­gen, dass hier noch eini­ges nach­kom­men wird.

Mattersburg/B: weitere Brösel in der FPÖ

Es ist nicht mehr leicht zu über­bli­cken, wer inner­halb der bur­gen­län­di­schen Blau­en gera­de mit wem strei­tet. Die nächs­te Front hat sich jeden­falls in Mat­ters­burg auf­ge­tan. Der Par­tei­ob­mann Sieg­fried Stei­ner hat der FPÖ den Rücken zuge­kehrt und ist aus­ge­tre­ten. Dem vor­aus­ge­gan­gen ist die Ankün­di­gung des Ex-Chefs der bur­gen­län­di­schen FPÖ, Johann Tschürtz, in Mat­ters­burg als Bür­ger­meis­ter­kan­di­dat antre­ten zu wol­len. Das hat Stei­ner wenig gefallen.

„Mei­ne Klar­stel­lung in Rich­tung Tschürtz hat mir kei­nen Anruf, nein, aber eine schrift­li­che Ver­war­nung von Lan­des­par­tei­ob­mann Pet­sch­nig ein­ge­bracht, also eine Andro­hung mei­nes Par­tei­aus­schlus­ses“, so Stei­ner. Er kün­dig­te wei­ters an, sein Man­dat wei­ter­hin aus­zu­fül­len. Laut sei­nen Anga­ben ver­las­sen auch wei­te­re Mit­glie­der aus Mat­ters­burg die FPÖ. (burgenland.orf.at, 23.1.21)

Damit droht der FPÖ Mat­ters­burg ein Da Capo von 2013, als sich die Stadt­par­tei auf­ge­löst hatte.

OÖ: Geldregen für pennale Burschenschaften

Sat­te 835.000€ haben die rechts­extre­men Bur­schen­schaf­ten von der ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­re­gie­rung in den letz­ten zehn Jah­ren unter dem Titel „Jugend­sub­ven­ti­on“ erhal­ten; im letz­ten Jahr sol­len es 111.000€ gewe­sen sein, die über den „Lan­des­de­le­gier­ten­con­vent der pen­na­len und fach­stu­den­ti­schen Kor­po­ra­tio­nen Ober­ös­ter­reichs“ (LDC) an des­sen 15 Mit­glie­der­ver­bin­dun­gen gegan­gen sind. Ein Neo­na­zikon­zert bei den Rie­der Ger­ma­nen war eben­so kein Hin­der­nis wie die kla­ren Ver­bin­dun­gen und Über­schnei­dun­gen eini­ger Bur­schen­schaf­ten zu den Iden­ti­tä­ren oder wenn das Pro­gramm schon im Namen ent­hal­ten ist wie bei der pen­na­len Bur­schen­schaft „Ost­mark zu Linz“.

Die Lie­der­buch­af­fä­re der Wie­ner Neu­städ­ter Ger­ma­nen hat­te die Kri­tik an den Bur­schen­schaf­ten im All­ge­mei­nen laut wer­den las­sen. Der dama­li­ge Grü­ne Lan­des­rat Rudi Anscho­ber muss­te sich auch zu sei­ner Zustim­mung zu den För­de­run­gen erklä­ren, räum­te 2018 einen Feh­ler ein und ver­sprach, künf­ti­ge Anträ­ge „auf Herz und Nie­ren“ zu prü­fen, wie er von Kurt Palm in einem Kom­men­tar der Ande­ren zitiert wird. Die För­de­rung 2020 als Gesamt­lis­te wur­de mit den Stim­men von ÖVP, FPÖ und Grü­nen en bloc beschlos­sen. Der Grü­ne Lan­des­rat Ste­fan Kai­ne­der ließ pro­to­kol­la­risch fest­hal­ten, dass sei­ne Zustim­mung nicht der För­de­rung für den LDC gilt. Das Ver­lan­gen der SPÖ-Lan­des­rä­tin Bir­git Gerstor­fer nach einer sepa­ra­ten Abstim­mung der ein­zel­nen För­de­run­gen wur­de abgelehnt.