Wochenschau KW 23/19

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Ein geplatz­ter Pro­zess wegen Wie­der­be­tä­ti­gung in Linz, einer mit Urteil in Feld­kirch – letz­te­rer nach einer bemer­kens­wer­ten Ver­tei­di­gungs­stra­te­gie. Ein Ober­stei­rer fährt mehr­fach mit dem Auto in eine Men­schen­grup­pe, und für die FPÖ Stei­er­mark kann sowas schon „beim Fort­ge­hen“ pas­sie­ren. Im Bur­gen­land wur­de ein FPÖ-Mit­glied wegen eines Pos­tings aus der Par­tei gewor­fen, in Kärn­ten hat eine gan­ze Orts­grup­pe die Par­tei aus Pro­test frei­wil­lig verlassen.

Linz: Ange­klag­ter Hit­ler-Grü­ßer untergetaucht
Feldkirch/Vbg 1: Jah­res­lan­ges SPD-Wäh­len als Verteidigungsstrategie
Feldkirch/Vbg 2: saf­ti­ge Geld­stra­fe nach Het­ze auf Facebook
Freistadt/OÖ: Moschee­be­such als getarn­ter Poli­zist mit Folgen
Niklasdorf/Stmk: „Beim Fort­ge­hen“ in eine Men­schen­grup­pe gefahren
Linz: FPÖ nomi­niert sich selbst in den Landeskulturbeirat
Pinkafeld/Bgld 1: Par­tei­aus­schluss nach Hitler-Double-Posting
Pinkafeld/Bgld 2: Haken­kreu­ze auf Kreuzwegstationen
Frauenstein/K: Haken­kreuz-Ent­fer­nung nach jah­re­lan­gen Diskussionen
Stall/K: Orts­grup­pe tritt aus FPÖ aus

Linz: Ange­klag­ter Hit­ler-Grü­ßer untergetaucht

Im Okto­ber gab’s am Urfah­ra­ner Jahr­markt­ge­län­de bei einem Got­tes­dienst uner­war­te­ten Besuch: Ein 34-Jäh­ri­ger tauch­te mit „Sieg Heil“-Ruf und Hit­ler­gruß auf. In der letz­ten Woche soll­te er sich dafür vor Gericht ver­ant­wor­ten, doch er zog es vor, abzu­tau­chen: „Der Ver­such, ihn von der Poli­zei vor­füh­ren zu las­sen, schei­ter­te. Der Pro­zess wur­de auf unbe­stimm­te Zeit ver­tagt. Die Staats­an­walt­schaft stell­te daher einen Fest­nah­me­an­trag wegen Flucht­ge­fahr. Wo der Mann wohnt, war offen­bar unklar. An zwei mög­li­chen Adres­sen traf ihn die Exe­ku­ti­ve am Mon­tag nicht an. Auch der Anwalt des Ange­klag­ten berich­te­te dem Gericht von geschei­ter­ten Kon­takt­ver­su­chen.“ (ooe.orf.at, 3.6.19)

Feldkirch/Vbg 1: Jah­res­lan­ges SPD-Wäh­len als Verteidigungsstrategie

Wenn nichts mehr hilft, dann kom­men zuwei­len selt­sa­me Ver­tei­di­gungs­stra­te­gien ins Spiel. Ein in Vor­arl­berg leben­der deut­scher Staats­bür­ger muss­te sich vor dem Lan­des­ge­richt wegen Wie­der­be­tä­ti­gung ver­ant­wor­ten, und zwar gleich in 15 Ankla­ge­punk­ten. „Der deut­sche Bau­ar­bei­ter zeig­te sich voll gestän­dig, ließ aber nach Anga­ben der Staats­an­walt­schaft kei­ne ech­te Reu­mü­tig­keit erken­nen. Der 47-Jäh­ri­ge wur­de auch schul­dig gespro­chen, weil er auf Face­book ein Foto gelik­ed hat­te, mit Hit­ler und Himm­ler und dem Text „Judentach. Die Ver­tei­di­ge­rin beton­te, dass der Deut­sche kein klas­si­scher Neo­na­zi mit Bom­ber­ja­cke und Nazi-Sym­bo­len an sei­ner Klei­dung sei. Er habe über Jah­re hin­weg die SPD gewählt.“ (vorarlberg.orf.at, 3.6.19) Das nicht rechts­kräf­ti­ge Urteil: acht Mona­ten bedingt und eine unbe­ding­te Geld­stra­fe von 1.200 Euro. Mer­ke: Jah­res­lan­ges Wäh­len – egal wel­cher Par­tei – schützt nicht vor einer Ver­ur­tei­lung wegen Wiederbetätigung!

Feldkirch/Vbg 2: saf­ti­ge Geld­stra­fe nach Het­ze auf Facebook

Teu­er zu ste­hen kam einem bereits vor­be­straf­ten 29-Jäh­ri­gem Vor­arl­ber­ger ein Face­book-Pos­ting: „Er hät­te schon längst alle Flücht­lin­ge aus Afgha­ni­stan in Gas­kam­mern gewor­fen, schrieb der gestän­di­ge Ange­klag­te auf der Face­book­sei­te einer Nach­rich­ten­platt­form. In sei­nem Pos­ting bezeich­ne­te er afgha­ni­sche Flücht­lin­ge als Dreck und kri­ti­sier­te, dass Öster­reich sie auf­ge­nom­men habe.“ (vol.at, 7.6.19) Das nicht rechts­kräf­ti­ge Urteil: eine Geld­stra­fe von 5.400 Euro.

Freistadt/OÖ: Moschee­be­such als getarn­ter Poli­zist mit Fol­gen 

Nach­dem am 1. Juni ein 18-Jäh­ri­ger als Poli­zist getarnt und mit einer Soft­gun aus­ge­rüs­tet in eine Frei­städ­ter Moschee ein­ge­drun­gen war, um dort amts­zu­han­deln, hat der ein Ver­fah­ren wegen Amts­an­ma­ßung am Hals.

Die Reak­tio­nen auf FB sei­tens der mus­li­mi­schen Com­mu­ni­ty schei­nen aller­dings auch hef­tig aus­ge­fal­len zu sein: „Die Aus­tria Linz Isla­mi­sche Föde­ra­ti­on (Alif), wel­che die Frei­städ­ter Moschee betreibt, lässt auf ihrer Face­book-Sei­te eine hef­ti­ge Dis­kus­si­on mit teils krass ver­het­zen­den Bei­trä­gen zu. Neben Kri­tik am Umstand, dass der jun­ge Mann nach einer ers­ten Ein­ver­nah­me auf frei­em Fuß gesetzt wur­de, gibt es auch meh­re­re Auf­ru­fe zur Selbst­jus­tiz. ‚Hofft nicht auf die Hil­fe ande­rer, helft euch selbst‘, ist noch ein ver­gleichs­wei­se harm­lo­ser Auf­ruf. Ein User hät­te ‚einen Vor­schlag zur Güte‘ für den Umgang mit dem fal­schen Poli­zis­ten: ‚Den Mann wegen erheb­li­cher Gefah­ren­la­ge … bis zur Unkennt­lich­keit ver­prü­geln, Waf­fe abneh­men und anschlie­ßend der Poli­zei über­ge­ben.‘ Die Fra­ge eines Chat-Teil­neh­mers, ob denn ‚der Spin­ner direkt hin­ge­rich­tet wer­den‘ soll­te, wird prompt beant­wor­tet: ‚Ja was denn sonst?!‘“ (volksblatt.at, 5.6.19)

Niklasdorf/Stmk: „Beim Fort­ge­hen“ in eine Men­schen­grup­pe gefahren

Dass ein 22-Jäh­ri­ger besof­fen mehr­fach ver­such­te, mit dem Auto in eine Men­schen­grup­pe zu fah­ren ist schon schlimm genug. Dass er zuvor im Zuge eines Streits von sich gege­ben haben soll, „dass alle Aus­län­der ster­ben müs­sen und er sie über­fah­ren wer­de“ (steiermark.orf.at, 9.6.19), soll­te wach­rüt­teln, eigent­lich. Nicht so die FPÖ Stei­er­mark, die in Reak­ti­on auf einen medi­en­kri­ti­schen Tweet von Max Schrems ant­wor­te­te: „Las­sens doch den Anti-Zucker­berg, den Unter­schied zwi­schen Öster­rei­cher, der hier beim Fort­ge­hen eine sol­che Hand­lung setzt und zwi­schen Ter­ro­ris­mus durch Aus­län­der wird er nie erken­nen.“ 

Mit „b’soffenen Geschich­ten“ geht die FPÖ ja recht mil­de um, wie wir wis­sen – zumin­dest, solan­ge die Täter die rich­ti­ge Staats­bür­ger­schaft haben. Inzwi­schen hat die FPÖ ihre Ant­wort auf Schrems zwar gelöscht, auf nach­hal­ti­ge Ein­sicht wer­den wir wohl noch lan­ge war­ten müssen.

Linz: FPÖ nomi­niert sich selbst in den Landeskulturbeirat

Nach­dem es mit der Nomi­nie­rung von Man­fred „Odin“ Wie­sin­ger in den ober­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­kul­tur­bei­rat nicht ganz geklappt hat, lässt sich die FPÖ von sich selbst bera­ten und nomi­nier­te ihre eige­ne Kul­tur­spre­che­rin Ani­ta Neu­bau­er in das zur Bera­tung und Kon­trol­le vor­ge­se­he­ne Gre­mi­um. Wohin die Rei­se mit ihr geht, hat sie bereits in einem Angriff auf den Inten­dan­ten des Lan­des­thea­ters ange­zeigt: „Ani­ta Neu­bau­er ist oben­drein Mit­glied des Uni-Rates der Bruck­ner-Pri­vat­uni­ver­si­tät und stell­ver­tre­ten­de Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de der Thea­ter- und Orches­ter GmbH, also des Lan­des­thea­ters. In die­ser Funk­ti­on stell­te sie im Mai bei der Gene­ral­ver­samm­lung des Ver­eins ‚Freun­de des Musik­thea­ters‘ Lan­des­thea­ter-Inten­dant Her­mann Schnei­der zur Rede, war­um er die Initia­ti­ve ‚Die Vie­len‘ unter­stüt­ze. ‚Die Vie­len‘ (www.dievielen.at) sind eine Bewe­gung für Viel­falt und Frei­heit der Kunst. Qua­si alle nam­haf­ten Künst­ler im deutsch­spra­chi­gen Raum befür­wor­ten deren Zie­le, gegen die auch sonst kein auf­ge­klär­ter Mensch etwas haben kann. Neu­bau­er warf Schnei­der vor, das Lan­des­thea­ter für per­sön­li­che Inter­es­sen zu instru­men­ta­li­sie­ren. (…) ‚Außer­dem tre­ten ‚Die Vie­len’ für eine Posi­tio­nie­rung gegen Rechts­extre­mis­mus und Rechts­po­pu­lis­mus ein. Wenn sie auch eine Abgren­zung gegen Links­po­pu­lis­mus und Links­extre­mis­mus for­dern, wür­de ich auch unter­schrei­ben.’“ (nachrichten.at, 5.6.19) Es ist zu ver­mu­ten, dass „die Vie­len“ kei­nen gestei­ger­ten Wert auf die Unter­schrift von Frau Neu­bau­er legen …

Pinkafeld/Bgld 1: Par­tei­aus­schluss nach Hitler-Double-Posting

Das Foto eines Hit­ler-Dou­bles, der in einer Stra­ßen­bahn sitzt, geis­tert als Meme mit dem Text „Die Ret­tung naht! Dau­ert nur etwas, er nimmt die Stra­ßen­bahn…”  durchs Netz. Offen­bar fand das auch eine Bur­gen­län­de­rin lus­tig und teil­te das Foto in die FB-Grup­pe der FPÖ Pin­ka­feld. Die Grü­nen kri­ti­sier­ten das Pos­ting in einer Aus­sendung. „Die FPÖ Bur­gen­land hat mitt­ler­wei­le das Pos­ting gelöscht. Eine ‚Dame, die in der FPÖ kei­ne Funk­ti­on hat­te‘, sei ‚unver­züg­lich als ein­fa­ches Mit­glied ent­fernt‘ wor­den, teil­te Lan­des­par­tei­ob­mann-Stell­ver­tre­ter Geza Mol­nar in einer Aus­sendung mit. Die Senio­ren­mit­glied­schaft sei dem­nach been­det wor­den.“ (derstandard.at/, 8.8.19)

Posting FPÖ Pinkafeld "die Rettung naht" (Screenshot Regina Petrik)

Pos­ting FPÖ Pin­ka­feld „die Ret­tung naht” (Screen­shot Regi­na Petrik)

Pinkafeld/Bgld 2: Haken­kreu­ze auf Kreuzwegstationen

Meh­re­re Kreuz­weg­sta­tio­nen wur­den in der letz­ten Woche mit NS-Moti­ven beschmiert. „‚Ich wur­de ange­ru­fen und habe das dann auch an die Pfar­re wei­ter­ge­lei­tet. Es waren Haken­kreu­ze und ver­schie­de­ne Zah­len in grü­ner Far­be  bei den Sta­tio­nen 4 und 6 zu sehen. Die­se wur­den bereits groß­teils ent­fernt, wobei bei den Mosai­ken noch grü­ne Farb­fle­cken zu sehen sind. Ob die­se ent­fernt wer­den kön­nen, ist unge­wiss”, berich­tet Fritz Luis­ser vom  ‚Ver­ein zur Reno­vie­rung der Kreuz­weg­sta­tio­nen auf dem Kal­va­ri­en­berg‘. Die Pfar­re erstat­te­te Anzei­ge gegen Unbe­kannt. ‚Es wur­den auch an der Orts­ta­fel der­ar­ti­ge Schmie­re­rei­en gefun­den. Auch die sind schon ent­fernt wor­den’, sagt Luis­ser.“ (meinbezirk.at, 7.6.19)

Frauenstein/K: Haken­kreuz-Ent­fer­nung nach jah­re­lan­gen Diskussionen

Wir haben im April 2014 eine Pres­se­aus­sendung des Maut­hau­sen Komi­tees wie­der­ge­ge­ben, in dem die Ent­fer­nung eines im Juli-Putsch 1934 ange­brach­ten rie­si­gen Haken­kreu­zes auf der Burg­rui­ne Hoch­kraig bei Frau­en­stein wur­de, gefor­dert wur­de. „Der Besit­zer der Burg­rui­ne Hoch­kraig ist Peter Goes, dem auch in der Umge­bung wei­te­re Bur­gen gehö­ren – eine davon ist die Burg­rui­ne am Ulrichs­berg bei Kla­gen­furt. Dort fin­den jedes Jahr die rechts­extre­men Ulrichs­berg­tref­fen der ‚Heim­keh­rer‘ des 2. Welt­kriegs statt. Vor eini­gen Jah­ren wur­de die Burg­rui­ne samt Haken­kreuz an den Stei­rer Franz Gindl ver­pach­tet. Seit­dem ist die Burg­rui­ne als Bau­stel­le mar­kiert und der Zutritt unter­sagt. Sowohl Burg­rui­nen in der Umge­bung als auch die Burg­rui­ne Hoch­kraig ste­hen unter Denk­mal­schutz.“ (Pres­se­aus­sendung MKÖ, 14.4.14)

Nach­dem der Eigen­tü­mer Goes die Kos­ten für die Ent­fer­nung abge­lehnt hat­te, sind nun Bund und Land ein­ge­sprun­gen. „Die Kos­ten in Höhe von ins­ge­samt rund 95.000 Euro inklu­si­ve not­wen­di­ger Sanie­rungs­ar­bei­ten über­neh­men das Kul­tur­mi­nis­te­ri­um (80.000 Euro) und die Kul­tur­ab­tei­lung des Lan­des (15.000 Euro), hieß es am Sams­tag in einer Aus­sendung.“ (kaernten.orf.at, 8.6.19) Net­te Ges­te gegen­über dem Eigen­tü­mer, der kei­ne Pro­ble­me mit NS-Sym­bo­len und NS-nost­al­gi­schen Auf­mär­schen zu haben scheint …

Stall/K: Orts­grup­pe tritt aus FPÖ aus

Ihren Unmut über den Ex-Par­tei­ob­mann Stra­che und den Umgang nach dem Ibi­za-Video sei­tens der Par­tei zeig­te die FPÖ-Orts­grup­pe Stall im Möll­tal: Sie trat geschlos­sen aus der Par­tei aus. „Über ein Infor­ma­ti­ons­blatt, das am Diens­tag an alle Haus­hal­te in der Gemein­de ver­teilt wor­den ist, wur­de der Aus­tritt der Orts­grup­pe Stall aus der FPÖ bekannt. In den Schrei­ben heißt es wört­lich: ‚Mit den Aus­sa­gen und dem Han­deln des Par­tei­chefs im Jahr 2017 wur­de unse­re Arbeit, unser Ver­trau­en und vor allem unser Ver­ständ­nis von frei­heit­li­cher Poli­tik mas­siv erschüt­tert.‘“ (kaernten.orf.at, 5.6.19) Die Gemein­de­vor­stän­din und ihre bei­den Kol­le­gen aus dem Gemein­de­rat wer­den ihre Man­da­te behal­ten, nun eben nicht mehr als Teil der FPÖ.