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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 6 Minuten

Die identitären Kuschelbären von HC Strache

Spä­tes­tens seit die Staats­an­walt­schaft Graz ins­ge­samt 17 Iden­ti­tä­re wegen Bil­dung einer kri­mi­nel­len Ver­ei­ni­gung, Ver­het­zung, Sach­be­schä­di­gung und Nöti­gung vor Gericht brin­gen will, gibt es eine zag­haf­te öffent­li­che Fra­ge nach den Ver­bin­dun­gen der Iden­ti­tä­ren zur FPÖ. In den sozia­len Netz­wer­ken wird die FPÖ von iden­ti­tä­ren Fans als Schutz­macht ange­ru­fen, wäh­rend sich die Spit­zen der FPÖ in laue Demen­tis flüchten.

16. Mai 2018
Neben Strache und den Identitären (Patrick Lenart, Peter D.) auch AUF-Polizist Josef H. (Spielfeld 15.11.15)
Neben Strache und den Identitären (Patrick Lenart, Peter D.) auch AUF-Polizist Josef H. (Spielfeld 15.11.15)

So tön­te Stra­che am 9.5.2018 in der Puls 4‑Arena so:

Wir haben bei uns eine kla­re Defi­ni­ti­on, dass, wenn jemand bei uns Funk­tio­när ist, dann kann er nicht Mit­glied bei den Iden­ti­tä­ren sein. (…) Wenn einer das gewe­sen ist und sich klar getrennt hat, dann ist das zu akzep­tie­ren. Aber wenn jemand glaubt, er kann bei uns als Funk­tio­när auch ein Man­dat haben und ist bei den Iden­ti­tä­ren, dann geht das nicht. (https://www.puls4.com/pro-und-contra/videos/PULS-4-Arena/PULS-4-Arena-mit-Heinz-Christian-Strache; nicht mehr online)

Weni­ge Tage spä­ter war der FPÖ-Klub­ob­mann Gude­nus an der Rei­he mit einem eher pein­li­chen Demen­ti im Ö 1 Mit­tags­jour­nal am 15.5.18:

„Wir machen unse­re frei­heit­li­che Poli­tik. Und die Iden­ti­tä­ren sind eine ganz ande­re Ver­ei­ni­gung. Das hat mit uns eigent­lich über­haupt nichts zu tun.“

Nun, das war schon etwas anders zu lesen. Nach­dem im April 2016 die Iden­ti­tä­ren eine Auf­füh­rung der „Schutz­be­foh­le­nen“ von Elfrie­de Jeli­nek im Audi­max der Uni Wien gestürmt hat­ten, flö­te­te Stra­che auf Face­book (und teil­te sogar Video und Kom­men­tar der Iden­ti­tä­ren dazu):

Die Iden­ti­tä­ren sind eine par­tei­un­ab­hän­gi­ge nicht-lin­ke Bür­ger­be­we­gung, wel­che ihren fried­li­chen Aktio­nis­mus — offen­sicht­lich als Kon­trast und kri­ti­sches Spie­gel­bild — von den Lin­ken ent­lehnt haben, wel­che im Gegen­satz zu den Iden­ti­tä­ren oft­mals jedoch lei­der gewalt­tä­tig handeln.Sie sind qua­si jun­ge Akti­vis­ten einer nicht-lin­ken Zivilgesellschaft.

Die Iden­ti­tä­ren als weich­ge­zeich­ne­te Kuschel­bär­lis – das weicht doch ziem­lich stark von der Rea­li­tät ab und passt auch nicht wirk­lich zur Cha­rak­te­ris­tik im Verfassungsschutzbericht:

Die als „Bewe­gung“ auf­tre­ten­de Sze­ne, stellt die „Iden­ti­tät des eige­nen Vol­kes“ in den Mit­tel­punkt ihrer Pro­pa­gan­da. Unter dem Deck­man­tel das jewei­li­ge Land respek­ti­ve „ganz Euro­pa“ vor einer „Isla­mi­sie­rung“ und vor Mas­sen­zu­wan­de­rung schüt­zen zu müs­sen, wird auf einer pseu­do-intel­lek­tu­el­len Grund­la­ge ver­sucht, das eige­ne rassistisch/nationalistisch gepräg­te Welt­bild zu ver­schlei­ern. Die Distan­zie­rung vom Neo­na­zis­mus in öffent­li­chen State­ments ist als tak­ti­sches Manö­ver zu wer­ten, da sich in den Rei­hen der Bewe­gungs­eli­ten amts­be­kann­te Neo­na­zis befin­den und Kon­tak­te in ande­re rechts­extre­mis­ti­sche Sze­n­e­be­rei­che bestehen. (Ver­fas­sungs­s­schutz­be­richt 2014)

So schaut Stra­ches Bür­ger­be­we­gung in Wirk­lich­keit aus! Wie aber ver­hält es sich mit den Bezie­hun­gen zwi­schen der FPÖ und den Iden­ti­tä­ren? Offen­sicht­lich gibt es trotz fall­wei­ser Demen­tis und Distan­zie­run­gen von Stra­che, Hofer bis Gude­nus ganz aus­ge­zeich­ne­te Bezie­hun­gen, die weit über die von den Gra­zer Grü­nen ange­spro­che­ne Nähe des FPÖ- Gemein­de­rats Hein­rich Sickl zu den Iden­ti­tä­ren hinausgeht.

Mario Eustac­chio, Vize­bür­ger­meis­ter der Stadt Graz, nahm im Novem­ber 2015 an einer Demons­tra­ti­on der Iden­ti­tä­ren in Spiel­feld teil (gemein­sam mit Hein­rich Sickl).

Spiel­feld-Demo der Iden­ti­tä­ren mit Mario Eustac­chio (links) und Hein­rich Sickl (grü­ne Schu­he, Ord­ner­schlei­fe)
© Peter Palme

Ger­hard Kurz­mann, Drit­ter Prä­si­dent des stei­ri­schen Land­tags, demons­trier­te im Jän­ner 2016 mit den Iden­ti­tä­ren gegen eine Flücht­lings­un­ter­kunft und Rein­hard Reb­handl, Kan­di­dat der FPÖ für den Salz­bur­ger Land­tag, nahm nicht nur an einer Demo der Iden­ti­tä­ren am Grenz­über­gang Frei­las­sing teil, son­dern war auch bei einer gemein­sa­men Sonn­wend­fei­er der Iden­ti­tä­ren und sei­ner Bur­schen­schaft Gothia dabei. Wolf­gang Zan­ger, Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter der FPÖ, rief zu einer Kund­ge­bung der Iden­ti­tä­ren in Juden­burg Anfang Febru­ar 2016 auf, wäh­rend Micha­el Schned­litz, FPÖ-Vize­bür­ger­meis­ter in Wie­ner Neu­stadt, eine Demons­tra­ti­on der Iden­ti­tä­ren in Wie­ner Neu­stadt Ende Febru­ar 2016 ganz fei­er­lich begrüß­te: „Lie­be iden­ti­tä­re Bewe­gung, ich begrü­ße Euch recht herz­lich in Wie­ner Neu­stadt! Hier seid Ihr sehr herz­lich willkommen!“

„Diese Bundesregierung mit nassen Fetzen aus dem Parlament treiben“

Schon weni­ger bekannt ist, dass auch der heu­ti­ge Klub­ob­mann der FPÖ im Natio­nal­rat, Wal­ter Rosen­kranz, damals in Wie­ner Neu­stadt die Iden­ti­tä­ren als sei­ne „lie­ben Lands­leu­te“ von der Red­ner­büh­ne aus begrü­ßen durf­te, wäh­rend die­se „Wir sind das Volk“ skan­dier­ten. Ermu­tigt durch die Zuru­fe, brüll­te der Vize­bür­ger­meis­ter Micha­el Schned­litz ins Mikro: „Wenn wir die­se Kraft fort­set­zen, dann wer­den wir die­se Bun­des­re­gie­rung mit sprich­wört­li­chen nas­sen Fet­zen aus dem Par­la­ment treiben.“

Wal­ter Rosen­kranz als Red­ner bei der Iden­ti­tä­ren Demo in Wie­ner Neustadt

In die­sem wie in allen ande­ren bis­her geschil­der­ten Fäl­len gab es kei­ne Kon­se­quen­zen, nicht ein­mal eine Distan­zie­rung durch Parteigremien.

Der FPÖ-Abge­ord­ne­te Chris­ti­an Höbart trenn­te sich zwar „ein­ver­nehm­lich“ im Jän­ner 2017 von sei­nem par­la­men­ta­ri­schen Mit­ar­bei­ter Alex­an­der Schley­er, aber nicht wegen des­sen enger Bezie­hung zu den Iden­ti­tä­ren, son­dern wegen eini­ger übler Hass­pos­tings. Schley­er durf­te dann als Kapi­tän der unfrei­wil­lig ins Humo­ris­ti­sche abge­glit­te­nen Mit­tel­meer-Odys­see der Iden­ti­tä­ren fun­gie­ren. Der iden­ti­tä­re FPÖ- Funk­tio­när Luca Kerbl und der iden­ti­tä­re Frei­städ­ter FPÖ-und RFJ- Funk­tio­när Domi­nic Wink­ler sind zwei von den weni­gen FPÖ-Akti­vis­ten, für die es Kon­se­quen­zen setz­te. Wohl kein Zufall, dass das nur bei den unte­ren Char­gen passiert.

Apo­pos RFJ: Der bur­gen­län­di­sche RFJ hat über meh­re­re Jah­re immer wie­der gemein­sa­me Semi­na­re mit den Iden­ti­tä­ren ver­an­stal­tet, die Wie­ner FPÖ-Bezirks­rä­te Katha­ri­na Wal­ter und Jan Paw­lik waren eben­so an Demos und Aktio­nen der Iden­ti­tä­ren dabei wie die Gra­zer FPÖ-Bezirks­rä­tin Ingrid Lob­nig und der RFS-Mann Mario Sin­ger.

Der Fisch aber beginnt am Kopf zu stin­ken. Schon 2012 begann HC Stra­che auf sei­ner Face­book-Sei­te mit Rekla­me für den „Fun­ken“, damals das iden­ti­tä­re Zentralorgan.

Stra­che bewirtbt den Funken.

Mar­tin S. von den Iden­ti­tä­ren und das Sym­bol des neo­fa­schis­ti­schen „Fun­ken“ (nicht zu ver­wech­seln mit der lin­ken Grup­pe „Der Fun­ke“) Bild­quel­le: Youtube

2015 folg­te dann in Spiel­feld das Zusam­men­tref­fen des FPÖ-Par­tei­chefs am gedeck­ten Tisch mit Spit­zen der stei­ri­schen Iden­ti­tä­ren, fest­ge­hal­ten in einem schö­nen Foto.

Neben Strache und den Identitären (Patrick Lenart, Peter D.) auch AUF-Polizist Josef H. (Spielfeld 15.11.15)
Neben Stra­che und den Iden­ti­tä­ren (Patrick Len­art, Peter D.) auch AUF-Poli­zist Josef H. (Spiel­feld 15.11.15)

Und was soll man vom Innen­mi­nis­ter Her­bert Kickl erwar­ten, der im April 2016 als FPÖ-Gene­ral­se­kre­tär dem ORF für die ZIB 2 (15.4.16) noch erklär­te, die FPÖ habe mit den Iden­ti­tä­ren nichts zu schaf­fen, um dann eini­ge Mona­te spä­ter als Aus­hän­ge­schild beim von den Iden­ti­tä­ren mit­ge­schnei­der­ten Kon­gress der „Ver­tei­di­ger Euro­pas“ auf­zu­tre­ten? Sein Vor­gän­ger als Innen­mi­nis­ter, Wolf­gang Sobot­ka, hat­te die Iden­ti­tä­ren so beschrie­ben: „Ich ken­ne hier kei­ner­lei Tole­ranz, hier kann man nicht von Rechts­po­pu­lis­mus spre­chen, das sind klas­si­sche Rechts­ra­di­ka­le.“ Für Stra­che, Kickl & Co. gel­ten da ganz ande­re Maßstäbe.

P.S.: Einen wich­ti­gen Aspekt der Ver­net­zung von Iden­ti­tä­ren mit Frei­heit­li­chen beschreibt der Bei­trag „‘Iden­ti­tä­re‘ Bur­schen“ des DÖW. Vie­les läuft näm­lich über Bur­schen­schaf­ten und ande­re deutsch-völ­ki­sche Korporationen.

⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (I)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (II)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (III)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (IV)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (V)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (VI)
⇒ Die brau­nen Rän­der der Iden­ti­tä­ren (VII)

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