Die braunen Ränder der Identitären (VII): ….und alte Bekannte

Als wir mit unseren Recherchen zu den Identitären begonnen haben, sind wir davon ausgegangen, dass sie eine rechte bzw. rechtsextreme Strömung repräsentieren, die mit nationalsozialistischer Ideologie und Neonazis tatsächlich nichts am Hut haben. Auch wir waren überrascht, als wir feststellen mussten, dass sich einige alte Bekannte bei den Identitären herumtreiben.

Am 25. Jänner 2013 äußern sich „die Identitären in Wien“ zu dem Vorwurf, sie seien Neonazis: „Zum Totlachen. Mit stolzundfrei und unsterblichen haben wir identitäre nix am hut“. Wirklich nicht?

Bei „stolzundfrei“ handelt es sich um die Nachfolgegruppe der Alpen-Donau-Nazis. Ihre Aktivisten waren 2010 beim Neonazi-Aufmarsch in Dresden dabei. Da war alpen-Donau.info und seine Strukturen ja noch aktiv. Dementsprechend fand sich eine große Delegation von österreichischen Neonazis in Dresden ein. Von den Chefs Küssel und Radl abwärts bis zur „SS-Liesl“ waren etliche vertreten. Auch einige, die sich jetzt hinter einer „identitären“ Identität verstecken. Handelt es sich bei ihnen um „Geläuterte“, die mit ihrer Vergangenheit gebrochen haben? Dann haben wir vielleicht etwas übersehen – Klarstellungen, Abrechnungen, die einen Bruch mit ihrer jüngsten Vergangenheit glaubhaft machen würden.

Stattdessen treffen wir auf alte Bekannte, die sich nicht nur einmal in die Neonazi-Szene verirrt haben.


Die Identitären (Faksimile der Website fedaynfavac1993.blogspot.co.at)

Da wäre zum Beispiel Martin, der bei seiner „identitären“ Präsenz einen Klarnamen vermeidet und sich „griechisch“ gibt. Beim Dresdner Neonazi-Aufmarsch 2010 schwenkte er noch die schwarze Fahne. Auf den Fotos gemeinsam mit ihm auch einige der Neonazis, die jetzt bei „stolzundfrei“ aktiv sind. Nix am Hut mit Neonazis?


Sebastian und Martin in Dresden, 2010

Martin war schon vorher aufgefallen. Im September 2007 tauchte er mit späteren „stolzundfrei“-Aktivisten bei einer „Pro-Iran“-Kundgebung auf, 2008 war er an mehreren neonazistischen Kundgebungen beteiligt, darunter beim Nowotny-Gedenken am Zentralfriedhof gemeinsam mit Gottfried Küssel und Felix Budin, wo er auch 2009 wieder zu sehen war. 2010 dann bei dem gut dokumentierten Aufmarsch in Dresden.


Martin & Co beim Versuch „eine antifaschistische Demonstration gegen die Angelobung von Martin Graf als drittem Nationalratspräsidenten auf der Wiener Parlamentsrampe zu stören“, Zitat und Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu


Martin & Co. gemeinsam mit Gottfried Küssel beim Nowotny-Gedenken 2008, Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu

Mit dabei in Dresden war auch Markus. Von ihm stammt jedenfalls die eindrückliche Schilderung eines Ausbruchsversuches bei der Neonazi-Demo, der an den eigenen Ordnern gescheitert ist auf „Altermedia“.

[youtube PenDAlfI6fU]

Auf „altermedia“ gab er 2009 auch noch andere Kostproben seines Denkens ab: die rechtsextreme British National Party (BNP) von Nick Griffin ist ihm zu lasch, weil sie sich auch für schwarze Briten wählbar machen will:

„Gut damit weiß man ja, was man von der BNP zu halten hat… Die schwarzen “Briten” sollen sie wählen? und noch eine liberalisierte anti-Islam Partei… juhu“. Stunden später präzisiert er seine Haltung: „Es hat nichts mit dem Beharren auf ideoligíschen (sic!) Dogmen zu tun, wenn ich die Aufgabe des britischen Selbsterhaltungskampfes verurteile.“ (Altermedia, 18.7.09)

Mit dieser Position ahnt er 2009 schon identitäre Ideologie voraus. Er kann aber auch noch deutlicher werden:

„Weißt du wir hier in der Ostamrk lachen für gewöhnlich nur über die Leute, die sich hinstellen und stolz verkünden wielange sie doch schon für die Bewegung kämpfen und was denn diese “Jungspunte” denn überhaupt wollen.
Wir lachen über euch, weil ihr es tatsächlich schafft stolz zu sein darauf, dass ihr seit Jahrzenten “kämpft” (selbsstverständlich nur mit “geistigen” Waffen, wie mutig…) und dennoch nicht den geringsten Erfolg aufweisen könnt.
Wo sind denn die Früchte dieses Kampfes? Wo ist denn die Veränderung, die ihr herbeigeführt habt? Der Widerstand den ihr geleistet habt war offensichtlich falsch, sonst hätte er Erfolg gehabt.
Verzeih uns Jungen also bitte, wenn wir unseren Widerstand nicht an dem euren orientieren.“
(Altermedia, 29.7.2009, Fehler im Original übernommen).


Markus will seine Propaganda bei stopptdierechten bewerben…

Markus ist auch mit der NPD unzufrieden, für die er schon mehrfach als Wahlhelfer aktiv war, wie aus geleakten NPD-Mails hervorgeht. Die Ziele der NPD und ihre Basis seien ja in Ordnung, aber am Verständnis der Parteiführung von Propaganda hapere es: „Vielleicht sollten unserer Porpaganda”strategen” einmal Mein Kampf oder die Werke von Goebbels lesen, dann wüssten sie mehr.“ (Altermedia, 27.9.09).

Heute ist Markus einer der selbsternannten Ideologen der Identitären…..

Julian ist der Dritte im Bunde der angeblich Geläuterten. Natürlich war auch er 2010 in Dresden mit dabei. Als die Burschis am 8. Mai 2011 wieder einmal trauerten, fand sich auch Julian in diesem „gemütlichen Biotop“ ein , aus dem er eigentlich ja ausbrechen will, wie er in schwülstigen Schilderungen eines „aufbrechenden Sturms“ beschreibt.


Julian trauerte am 8. Mai 2011, Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu

Ein weiterer Kamerad aus alten Zeiten ist Wolfgang, alias „Sowilo“ von den „Freien Freunden“, alias „Eva Kuieren“ derzeit auf Facebook. Er war so ziemlich überall dabei, im Umkreis von Küssel ebenso wie beim „Funken“.


Wolfgang, Martin und auch Norbert und Paul und viele mehr…, Bildquelle: kuesselskameraden.blogsport.eu

Allerdings ist er keiner von den „Geläuterten“: er hält nach wie vor für „Rassenkrieg“, was in der gewendeten identitären Sprache jetzt „Bürgerkrieg“ genannt wird.

Das dürfte eine gewisse Entfremdung von den Identitären zur Folge gehabt haben. Ein Kommentar von „Sowilo“ im „Funken“ wurde jedenfalls gelöscht.


Screenshot von der Website der-funke.info

Aber die Antwort, die der „Funke“ dann anstelle des gelöschten „Sowilo“ zu der Frage von „Nordlicht“ über die Gemeinsamkeiten von „Spreelichtern“ und „Unsterblichen“ und „Identitären“ gibt, ist auch nicht schlecht!


Screenshot von der Website der-funke.info

Sie haben weit mehr Gemeinsamkeiten als sie in ihren öffentlichen Distanzierungserklärungen zugeben!

Zur weiteren Information: „Küssels Kameraden“ und „Eine Bibel für die Sekte der Identitären“ (publikative.org).

Profil, 25.2.2013: Das verquere Weltbild der „Identitären“

Die braunen Ränder der Identitären (I)
Die braunen Ränder der Identitären (II)
Die braunen Ränder der Identitären (III)
Die braunen Ränder der Identitären (IV)
Die braunen Ränder der Identitären (V)
Die braunen Ränder der Identitären (VI)