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Braunau am Inn (OÖ): Ein seltsamer StadtpolizistLesezeit: 3 Minuten

Auch die Stadt­wa­che von Brau­nau kön­ne gegen die Blood & Honour-Rei­­sen­­den aus Ungarn ein­ge­setzt wer­den, ver­si­cher­te der Bür­ger­meis­ter von Brau­nau den Medi­en. Einer von den Stadt­wa­che wird nicht dabei sein kön­nen – ist ver­mut­lich auch bes­ser so! Der Brau­nau­er Stadt­po­li­zist Ber­ni R. wur­de beur­laubt, weil er den Bezirks­haupt­mann wegen des­sen Enga­ge­ment für die Unter­brin­gung von […]

15. Aug 2015

Auf der Face­book-Sei­te „Dahoam im Inn­vier­tel“, die uns noch ein ande­res Mal beschäf­ti­gen wird, erschien unter einem Bei­trag über die Unter­brin­gung von 100 Asyl­wer­bern in Burg­kir­chen das fol­gen­de Pos­ting des Brau­nau­er Stadt­po­li­zis­ten – berich­ten die OÖN:

„Ers­tens: dass de in Linz uns an Bezirks­haupt­mann schi­cken, der aus Traun kimt und nix mitm Inn­vier­tel zum duan hat. Zwei­tens: mit dem lächer­li­chen Frie­dens­be­zirk Brau­nau-Pro­jekt nur a Selbst­ver­herr­li­chung betreibt und Drit­tens: dann a nu 100 Flücht­ling vor unse­rer Nase ein­quar­tiert, des grenzt an Igno­ranz und Frech­heit. Fahrts end­lich mit dem Wojak o!!!!!!“.

Der Chau­vi­nis­mus treibt schon selt­sa­me Blü­ten, wenn „de in Linz“ vor­ge­wor­fen wird, dass in Brau­nau ein Ober­ös­ter­rei­cher aus Traun zum Bezirks­haupt­mann ernannt wur­de. Vor allem, wenn der Vor­wurf von einem kommt, der auch kein Brau­nau­er ist.

Aber das ist ja noch das gerings­te Pro­blem. Die Vor­wür­fe mit dem Frie­dens­be­zirk-Pro­jekt und mit der Ein­quar­tie­rung von Flücht­lin­gen wei­sen die Rich­tung, aus der die Kri­tik des Stadt­po­li­zis­ten gespeist wird. Der Ber­ni ist näm­lich ein begeis­ter­ter Fan der Blau­en. Wenn die FPÖ Bezirk Schär­ding was auf ihre Face­book-Sei­te gestellt hat, dann war der Ber­ni einer der flei­ßigs­ten „Liker“, egal, ob’s um die Flücht­lin­ge, einen Haim­buch­ner-Spruch oder um das nächs­te FPÖ-Grill­fest in Andorf gegan­gen ist. Auch mit der deutsch­na­tio­na­len pen­na­len Bur­schen­schaft Scar­do­nia in Schär­ding ver­bin­den ihn zar­te Ban­de. Ziem­lich pat­zig wird der Ber­ni, weil eini­ge aus dem Hit­ler-Geburts­haus ein „Haus der Ver­ant­wor­tung“ machen wollen.

Das alles ist natür­lich nicht ver­bo­ten. Pro­ble­ma­tisch wird es dort, wo der Brau­nau­er Stadt­po­li­zist Per­so­nen droht.

„Hof­fent­lich lau­fen wir bei­de uns nie über den Weg!“, pos­te­te er Ende Jän­ner 2015 der Pres­se­spre­che­rin der Auto­no­men Anti­fa Wien auf Face­book zu. Das muss man nicht bloß als Dro­hung mit Gewalt, das kann man auch als Selbst­schutz­maß­nah­me verstehen.

In Ver­bin­dung mit einem ande­ren Pos­ting von Ber­ni zum Bur­schen­schaf­ter­ball der FPÖ und den Demons­tra­tio­nen dage­gen wird aber sehr deut­lich, dass der Stadt­po­li­zist eine für einen Ver­tre­ter des Rechts­staats ziem­lich unge­klär­te Ein­stel­lung zu Recht und Gewalt hat. „So soll es sein! Weg mit dem gsin­del !!!!“, pos­tet er zu einem Bericht über die Demo und deren Verbot.

Die Auto­no­me Anti­fa Wien hat sich das Face­book-Kon­to von Ber­ni etwas genau­er ange­schaut und das Ergeb­nis fol­gen­der­ma­ßen zusammengefasst:

„Neben dem Tra­gen von gro­ßen Uhren „für rich­ti­ge Män­ner” und dem Schwen­ken der als ras­sis­tisch gel­ten­den ame­ri­ka­ni­schen „Rebellen-”(Südstaaten)Fahne bei sei­nem Auf­trit­ten als Rock-Sän­ger dürf­te Ber­ni auch ger­ne gegen Lin­ke het­zen: „weg mit dem gsin­del!!!!” tob­te er Ende Jän­ner gegen Antifaschist_innen. Dann wun­dert es auch nicht, dass sei­ne Freund_innen z.T. FPÖ-Fans und Kor­po­rier­te sind…

Wenn es bei mehr oder weni­ger sub­ti­len Face­book-Dro­hun­gen bleibt, ist das ja halb so schlimm. Wir möch­ten uns aber nicht aus­ma­len, wie sich Ber­ni im Dienst bei­spiels­wei­se gegen­über Geflüch­te­ten ver­hält“.

Wegen des Ber­ni-Pos­tings zum Brau­nau­er Bezirks­haupt­mann Wojak und den Flücht­lin­gen und den dazu gespie­gel­ten Pos­tings an die Pres­se­spre­che­rin der Auto­no­men Anti­fa Wien haben wir mitt­ler­wei­le mehr als eine Ahnung, wie sich der Ber­ni auf­füh­ren wür­de, wenn er die Mög­lich­keit hät­te. Sein Face­book-Pro­fil hat Ber­ni still­ge­legt, auf sei­nem google+-Konto prangt noch das Mot­to der Kal­ten Krie­ger: “Si vis pacem, para bel­lum“ (Wenn du den Frie­den willst, rüs­te dich für den Krieg).

Laut Brau­nau­er Bür­ger­meis­ter läuft der­zeit eine inter­ne Prü­fung durch die Per­so­nal­ab­tei­lung der Stadt . 

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