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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 7 Minuten

Mélange KW 12/26: Antimuslimische Attacke zum Ramadan

Frei­spruch trotz „Sieg Heil“-Rufen und Biss­at­ta­cke über Het­ze im Gefäng­nis, ein Schwei­ne­kopf zum Rama­dan vor der Woh­nungs­tür einer mus­li­mi­schen Fami­lie in Tirol, Haken­kreuz-Schmie­re­rei­en bei einer jüdi­schen Orga­ni­sa­ti­on in Salz­burg, Ermitt­lun­gen zu FPÖ-Rei­sen, Kul­tur­kampf in der Stei­er­mark und eine AfD-Insze­nie­rung, die an Dumm­heit kaum zu über­bie­ten ist.

25. März 2026
Rückblick
Rückblick

Inhalt

Togg­le
  • Wien: Beis­sen­de Ange­klag­te freigesprochen
  • St. Pöl­ten: Sechs Mona­te obendrauf
  • Hall/T: Ras­sis­mus und Schwei­ne­kopf zum Ramadan
  • Purkersdorf/NÖ: Neo­na­zi-Schmie­re­rei­en und „Fuck Antifa“
  • Salz­burg: Haken­kreu­ze und Paläs­ti­na-Flag­gen gegen jüdi­sche Organisation
  • Graz-Kla­gen­furt: Ermitt­lun­gen wegen Süd­ame­ri­ka-Rei­sen der FPÖ
  • Stmk: Wider die blaue „Versep­pung”
  • Pinggau/Stmk: Selt­sa­me Ehrung
  • AFD: Düm­mer geht’s nimmer

Wien: Beissende Angeklagte freigesprochen

Im Sep­tem­ber 2025 soll die Ange­klag­te einen Beschäf­tig­ten der Park­raum­über­wa­chung am Wie­ner Mar­ga­re­ten­gür­tel ras­sis­tisch beschimpft und kör­per­lich ange­gan­gen haben. Bei einem Geran­gel soll sie ihm schließ­lich in den Unter­arm gebis­sen und zwei­mal „Sieg Heil!“ geru­fen haben. Gegen­über der dar­auf­hin geru­fe­nen Poli­zei wie­der­hol­te sie dies.

Aktu­ell ver­büßt die Frau eine sie­ben­mo­na­ti­ge Haft­stra­fe auf­grund einer Ver­ur­tei­lung aus dem Jahr 2023 und blickt auf sie­ben wei­te­re Vor­stra­fen zurück. Am 20. Jän­ner muss­te sie sich am Lan­des­ge­richt Wien vor einem Geschwo­re­nen­ge­richt verantworten.

Die 33-Jäh­ri­ge lei­de unter Alko­hol- und Dro­gen­sucht. Laut Ver­tei­di­gung habe sie mit dem NS-Gruß „nur pro­vo­zie­ren wol­len“, sie sei kein Neo­na­zi. Der Ver­fas­sungs­schutz bestä­tig­te, dass ihm kei­ne Ver­bin­dun­gen der Frau zur rech­ten Sze­ne bekannt seien.

Daher wird die Ange­klag­te vom Vor­wurf der Wie­der­be­tä­ti­gung frei­ge­spro­chen, für die Kör­per­ver­let­zung erhält sie sechs Mona­te unbe­ding­te Haft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

(Quel­le: der­stan­dard, 20.3.26)

St. Pölten: Sechs Monate obendrauf

Ein Häft­ling der Jus­tiz­an­stalt St. Pöl­ten wur­de am 20. März wegen Wie­der­be­tä­ti­gung nach dem Ver­bots­ge­setz ver­ur­teilt, nach­dem er drei Mit­ge­fan­ge­ne, dar­un­ter Ange­hö­ri­ge von Min­der­hei­ten, ras­sis­tisch beschimpft und den Natio­nal­so­zia­lis­mus sowie Hit­ler ver­herr­licht hatte.

Ein Zeu­ge, selbst Roma, berich­te­te, der Ange­klag­te habe unter ande­rem behaup­tet, „Als Hit­ler an der Macht war, war alles bes­ser, da gab’s kei­ne Zigeu­ner mehr.“ Der Ange­klag­te, der bereits eine vier­jäh­ri­ge Haft­stra­fe wegen Ver­ge­wal­ti­gung, Kör­per­ver­let­zung und wei­te­rer Delik­te ver­büßt, bestritt die Vor­wür­fe und erklär­te, er habe sich nicht ras­sis­tisch geäußert.

Das Schwur­ge­richt befand ihn jedoch schul­dig: In zwei Fäl­len ein­stim­mig, in einem Fall mit Mehr­heit. Der Häft­ling wur­de rechts­kräf­tig zu einer zusätz­li­chen, sechs­mo­na­ti­gen Frei­heits­stra­fe verurteilt.

(Quel­le: meinbezirk.at, 23.3.26)

Hall/T: Rassismus und Schweinekopf zum Ramadan

Eine Fami­lie mit tür­ki­schem Hin­ter­grund fand in Hall in Tirol einen Schwei­ne­kopf samt ras­sis­ti­scher Beschimp­fung vor ihrer Woh­nungs­tür vor. Schwei­ne gel­ten im Islam als unrein.

Der Kopf dürf­te in der Nacht auf den 12. März dort abge­legt wor­den sein; als mög­li­cher Anlass gilt der Fas­ten­mo­nat Rama­dan. Die betrof­fe­ne Fami­lie äußer­te Angst und befürch­tet, „dass es zu wei­te­ren ras­sis­ti­schen Über­grif­fen“ (tt.com, 16.3.26) kom­men könnte.

Laut der Doku­men­ta­ti­ons­stel­le für anti­mus­li­mi­schen Ras­sis­mus häu­fen sich der­ar­ti­ge Vor­fäl­le in letz­ter Zeit. Ins­be­son­de­re wür­den „reli­giö­se Fei­er­ta­ge oder Bericht­erstat­tung über mus­li­mi­sches Leben“ (tt.com) zuneh­mend als Anlass für Beschimp­fun­gen und Belei­di­gun­gen dienen.

Erst kürz­lich war es in Hall zu rechts­extre­men Schmie­re­rei­en gekom­men. Der aktu­el­le Vor­fall sei jedoch die ers­te geziel­te Atta­cke gegen Privatpersonen.

Der Bür­ger­meis­ter hat eine Beloh­nung von 10.000 Euro für Hin­wei­se aus­ge­lobt, die zur Aus­for­schung der Täter:innen führen.

➡️ derstandard.at (16.3.26): Poli­zei in Tirol ermit­telt wegen Schwei­ne­kopfs vor Haus­tür von tür­ki­scher Familie

Update 29.6.26: Der Täter, ein 29-jäh­ri­ger Öster­rei­cher, konn­te gefasst wer­den. Er ist geständig.

Purkersdorf/NÖ: Neonazi-Schmierereien und „Fuck Antifa“

Zwi­schen dem 13. und 15. März wur­den in Pur­kers­dorf Hin­weis­schil­der, Mau­er­werk und Brü­cken­über­gän­ge besprüht, dar­un­ter Haken­kreu­ze und NS-Paro­len. Die Poli­zei spricht von zehn Sach­be­schä­di­gun­gen. „Unter ande­rem wur­den Haken­kreu­ze oder natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Paro­len gesprüht. Wei­te­re Schrift­zü­ge mit ‚Fuck Anti­fa’, ‚Fuck Grü­ne’ und ‚ficke die Toten’ wer­den der­sel­ben Täter­schaft zuge­ord­net.” (noen.at, 17.3.26) Es wird nun auch nach dem Ver­bots­ge­setz ermittelt.

Salzburg: Hakenkreuze und Palästina-Flaggen gegen jüdische Organisation

In der Lin­zer Gas­se in Salz­burg wur­den in der Nacht zum 18. März auf einem Schau­fens­ter Auf­kle­ber mit Haken­kreu­zen, Paläs­ti­na-Flag­gen und der Auf­schrift „Boy­cott Israe­li Apart­heid“ ange­bracht. Ziel der Akti­on war offen­bar die jüdi­sche Orga­ni­sa­ti­on Cha­bad Salz­burg, die im Gebäu­de unter­ge­bracht ist.

Ihr Spre­cher, Rab­bi Men­achem Gruz­man, berich­tet, dass es bereits vor eini­gen Mona­ten einen Vor­fall gab. Damals wur­de ein Fens­ter ein­ge­schla­gen. Das Cha­bad-Haus ist eine Anlauf­stel­le für Jüdin­nen und Juden. Die Poli­zei hat Ermitt­lun­gen aufgenommen.

(Quel­le: salzburg24.at, 18.3.26)

Graz-Klagenfurt: Ermittlungen wegen Südamerika-Reisen der FPÖ

Im Rah­men des umfang­rei­chen Straf­ver­fah­rens rund um den Finanz-Skan­dal der Gra­zer FPÖ wer­den nun eben­falls die Süd­ame­ri­ka-Rei­sen eini­ger Ex-Poli­ti­ker unter­sucht.  Stoppt die Rech­ten hat über die auf­fäl­li­gen Trips bereits kurz nach Auf­flie­gen der Affä­re berich­tet.

Mar­tin Graf, Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ter der FPÖ, ist nicht nur der „Latein­ame­ri­ka-Beauf­trag­te“ des Frei­heit­li­chen Bil­dungs­in­sti­tuts, er lei­te­te schon vor 15 Jah­ren FPÖ-Dele­ga­tio­nen auf den Kon­ti­nent. Neben den ehe­ma­li­gen Gra­zer Stad­po­li­ti­kern Mario Eustachhio und Armin Sip­pel haben sich auch der Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te Axel Kas­seg­ger und der EU-Par­la­men­ta­ri­er Georg May­er an den frei­heit­li­chen Aus­flü­gen betei­ligt. In den Jah­ren 2016, 2017 und 2018 ging es jeweils für zwei Wochen nach Para­gu­ay, Argen­ti­ni­en, Pana­ma oder Chi­le. Dass die Rei­sen aber mit Steu­er­gel­dern aus der Klub­kas­se mit­fi­nan­ziert wur­den, soll nie offi­zi­ell beschlos­sen wor­den sein.

Heißer Tripp nach Chile: "With the FPÖ Tour in Chili (sic!)" (Bericht Enric Ravello Barber 2017)
Hei­ßer Tripp nach Chi­le: „With the FPÖ Tour in Chi­li (sic!)” (Bericht Enric Ravel­lo Bar­ber 2017)

Dem Ex-FPÖ-Funk­tio­när und Auf­de­cker Alexis Pas­cut­ti­ni zufol­ge hät­ten die Trips „aus­schließ­lich pri­va­ten Cha­rak­ter“ (derstandard.at 17.3.26) gehabt haben und der Arbeit im Gemein­de­rat nicht gedient haben. Die Staats­an­walt­schaft Kla­gen­furt plant nun die Teil­neh­men­den zur Finan­zie­rung der Aus­flü­ge einzuvernehmen.

Für alle Genann­ten gilt die Unschuldsvermutung!

Stmk: Wider die blaue „Verseppung”

Gegen die Spar­po­li­tik der blau-schwar­zen Lan­des­re­gie­rung regt sich Wider­stand. Der frei­en Kul­tur­sze­ne in der Stei­er­mark wur­den mas­siv För­de­run­gen gekürzt, das Kul­tur­kura­to­ri­um des Lan­des wur­de über­wie­gend mit FPÖ-affi­nen Per­so­nen umbe­setzt, wäh­rend der Tag des stei­ri­schen Lan­des­pa­trons, des hei­li­gen Josef, auf drei Tage („Jose­fi- bzw. Josefs­tag“) aus­ge­wei­tet wur­de – inklu­si­ve Ver­an­stal­tun­gen in allen stei­ri­schen Regionen.

Schnapp­at­mung bei den Blau­en hat nun eine ORF-Repor­ta­ge aus­ge­löst: Dort lasen der Publi­zist Andre­as Unter­we­ger und der Dich­ter Max Höf­ler ein sati­ri­sches Gedicht:

Im Bericht ver­le­sen Höf­ler und Unter­we­ger Aus­zü­ge des sati­ri­schen Gedich­tes Kurz mal Sepp. Gro­ße Namen und Kul­tur­gü­ter des Bun­des­lan­des wer­den dar­in verseppt. etwa „Schloss Eggen­sepp, Stift Sepp­mont, die Sep­piz­za­ner, Jose­fi­ne Jeli­nek, Sepp Sep­pi Bau­er und Cle­mens Sepp”.

Auch die Lan­des­hym­ne, deren Text auch Gebie­te des Nach­bar­lan­des Slo­we­ni­en besingt und Lan­des­haupt­mann Mario Kuna­sek beson­ders schüt­zens­wert scheint, kommt vor. Wer kennt sie nicht: „Hoch vom Seppstein an, wo der Sepp noch haust”. (der­stan­dard, 19.3.26)

Mar­co Tril­ler, blau­er Klub­ob­mann im stei­ri­schen Land­tag, atta­ckier­te dar­auf­hin in einer Press­se­aus­sendung den ORF und die freie Kulturszene.

Die bei­den Lite­ra­ten wider­spre­chen sei­nem Vor­wurf der Ver­höh­nung der hei­mi­schen Kul­tur. Ihr Bei­trag sei ledig­lich eine „sprach­spie­le­ri­sche Dar­stel­lung der aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in der stei­ri­schen Kul­tur­po­li­tik“ (derstandard.at).

Pinggau/Stmk: Seltsame Ehrung

Am 17. März wur­de im ost­stei­ri­schen Ping­gau der Gen­darm Franz Sta­chel, Staats­die­ner im NS-Regime, mit einem Gedenk­stein geehrt, wie der „Stan­dard” (19.3.26) ent­hüll­te. Er war im Jahr 1943 auf Strei­fe mit sei­nem eige­nen Gewehr ermor­det worden.

Bei der Gedenk­fei­er waren der Kame­rad­schafts­bund und die Blas­mu­sik, aber auch Vertreter:innen der Lan­des­po­li­zei­di­rek­ti­on (LPD), der Bezirks­haupt­mann­schaft, der katho­li­schen Kir­che anwesend.

Bereits 1943 fehl­te vom Täter jede Spur. In einer Aus­sendung der LPD von ver­gan­ge­ner Woche wird jedoch gemut­maßt, dass es sich bei den Tätern um geflüch­te­te Zwangs­ar­bei­ter aus Polen gehan­delt haben dürfte.

Das Innen­mi­nis­te­ri­um ging auf Distanz zur Ehrung und kri­ti­sier­te, dass der Gedenk­stein die Rol­le der Poli­zei im NS-Regime in kei­ner Wei­se the­ma­ti­sie­re und ver­lang­te eine nach­träg­li­che Kon­tex­tua­li­sie­rung. „Soll­ten geflüch­te­te Zwangs­ar­bei­ter an der Tat betei­ligt gewe­sen sein, so wird auch der Umstand der Zwangs­ar­beit im NS-Ver­bre­chens­re­gime und die Rol­le der Poli­zei bei der Suche nach geflüch­te­ten Zwangs­ar­bei­tern ent­spre­chend zu kon­tex­tua­li­sie­ren sein“, so das BMI.

Der frü­he­re Rek­tor der Uni Graz und Zeit­his­to­ri­ker, Hel­mut Kon­rad, dazu: „Die­se Ehrung ist typisch für den poli­ti­schen Klimawandel.“

(Alle Zita­te aus derstandard.at 19.3.26)

AFD: Dümmer geht’s nimmer

Der stramm-rech­te Deutsch­land-Kurier berich­te­te im Febru­ar von einer „geziel­ten Ein­schüch­te­rungs­ak­ti­on“ gegen ein AfD-Mit­glied im deut­schen Uffen­heim (Bay­ern). Ende Jän­ner sei ein Trans­por­ter mit Anti-Nazi-Paro­len besprüht wor­den, danach habe der Eigen­tü­mer eine Dro­hung erhal­ten, und kurz dar­auf brann­te das Fahr­zeug. Beschul­digt wur­de zunächst die „Anti­fa”, enspre­chen­de Empö­rung ging durch die rechts­extre­me Szene.

Ein loka­ler AfD-Funk­tio­när wur­de im Deutsch­land-Kurier zitiert: „Wir wol­len den Fall öffent­lich machen, damit der Täter gefun­den wird. Sol­che Angrif­fe die­nen der Ein­schüch­te­rung poli­tisch enga­gier­ter Bürger.“

Nun gab jedoch das zustän­di­ge Poli­zei­prä­si­di­um Mit­tel­fran­ken bekannt, dass der 44-jäh­ri­ge „Betrof­fe­ne“ gestan­den habe, das Fahr­zeug selbst ange­zün­det zu haben.

Auf­grund die­ser poli­ti­schen Dimen­si­on hat­te das Staats­schutz­kom­mis­sa­ri­at der Kri­mi­nal­po­li­zei Ans­bach die Ermitt­lun­gen über­nom­men. Der ent­schei­den­de Durch­bruch gelang den Beam­ten durch einen Droh­brief, den der 44-Jäh­ri­ge selbst als Beweis­mit­tel vor­ge­legt hat­te. Eine genaue Ana­ly­se durch Spe­zia­lis­ten ergab laut Poli­zei jedoch, dass die Hand­schrift auf dem Brief mit der des Man­nes über­ein­stimm­te. (br.de 19.3.26)

Der AfD-Funk­tio­när woll­te damit „gezielt den Anschein einer poli­tisch moti­vier­ten Tat“ erwe­cken. Nun muss er wohl den Sach­scha­den von etwa 30.000 Euro selbst berap­pen und hat sich zudem wegen einer Straf­tat zu verantworten.

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