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Lesezeit: 5 Minuten

Mélange KW 38/25 (Teil 1): Waffenarsenal und ein angedrohter Amoklauf

Wäh­rend in Linz bald ein ehe­ma­li­ger Zivil­die­ner mit FPÖ-Hin­ter­grund vor Gericht ste­hen wird, weil er mit einem Amok­lauf gegen die KZ-Gedenk­stät­te Maut­hau­sen gedroht hat, wur­de in der Stei­er­mark ein­mal mehr ein Waf­fen­ar­se­nal im Neo­na­zi-Milieu aufgestöbert.

23. Sep. 2025
Rückblick
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Inhalt

Togg­le
  • Dornbirn/V: Wie­der­holt Hakenkreuzschmierereien
  • Hitzendorf/Stmk: Wie­der Waf­fen­ar­se­nal und Wiederbetätigung
  • Graz: Teil­wei­se rechts­wid­ri­ger Polizeieinsatz
  • Frei­stadt-Maut­hau­sen/OÖ: Mord­dro­hung eines Zivil­die­ners mit FPÖ-Hintergrund
  • Wien-Bri­git­ten­au: Bau­en auf ehe­ma­li­gem Zwangsarbeiterlager?

Dornbirn/V: Wiederholt Hakenkreuzschmierereien

In Dorn­birn sind neu­er­lich brau­ne Schmie­re­rei­en ent­deckt wor­den. Wie vol.at (15.9.25) berich­tet, wur­de dies­mal auf einem Kin­der­spiel­platz ein Haken­kreuz auf ein höl­zer­nes Schau­kel­ge­rüst geschmiert. Bereits Ende August wur­de auf einen Geh­weg in Dorn­birn ein Haken­kreuz ange­bracht, und Ende Mai war der Regen­bo­gen­schutz­weg mit Haken­kreu­zen beschmiert wor­den. Bis­her konn­ten der oder die Täter*innen noch nicht aus­fin­dig gemacht werden.

Hitzendorf/Stmk: Wieder Waffenarsenal und Wiederbetätigung

„18 Schuss­waf­fen, unzäh­li­ge Hieb- und Stich­waf­fen, Schall­dämp­fer, mehr als 30.000 Stück Muni­ti­on, Sucht­mit­tel sowie NS-Devo­tio­na­li­en“ (kleinezeitung.at, 19.9.25) wur­den bei einer Haus­durch­su­chung in Hit­zen­dorf bei Graz beschlag­nahmt. Die Haus­durch­su­chung aus­ge­löst hat­ten brau­ne Pos­tings des Waf­fen­be­sit­zers, ein 54-jäh­ri­ger Deut­scher, der in Hit­zen­dorf lebt. Alle Schuss­waf­fen soll der Mann legal beses­sen haben. Bei der Raz­zia am Mor­gen des 17.9. nahm die Poli­zei erhöh­tes Risi­ko an:

Erst bega­ben sich die Beam­ten in Lau­er­stel­lung, sie konn­ten den Mann auf sei­nem Grund­stück beob­ach­ten, wie er mit einem sei­ner Hun­de das Haus ver­ließ. Als der Ver­däch­ti­ge mit sei­nem Hund zurück­keh­ren woll­te, dürf­te er auf die Poli­zei auf­merk­sam gewor­den sein. Er flüch­te­te in ein angren­zen­des weit­läu­fi­ges Wald­stück und ver­steck­te sich. Sogar mit einem Hub­schrau­ber wur­de nach ihm gefahn­det – vor­erst jedoch erfolg­los. (kleinezeitung.at)

Gegen Abend, um ca. 17.30h, stell­te sich der Ver­däch­ti­ge bei einer Poli­zei­in­spek­ti­on in Graz-Umge­bung. Er wur­de nach einer Ein­ver­nah­me auf frei­em Fuß angezeigt.

➡️ Chro­no­lo­gie der Waf­fen­fun­de ab Juli 2019

Graz: Teilweise rechtswidriger Polizeieinsatz

Der Anlass für den Poli­zei­ein­satz ist schnell erzählt. Weil einem 60-jäh­ri­gen Bur­schen­schaf­ter und FPÖ-Lokal­po­li­ti­ker nach dem Gra­zer Bur­schen­schaf­ter­ball im Jän­ner 25 eine unbe­kann­te Per­son das Käp­pi vom Kopf riss, wobei der Alte Herr stürz­te und sich Rip­pen brach, such­te die Poli­zei im Umfeld der Gegner*innen des Balls nach dem mut­maß­li­chen Täter.

Mit­te März, also Wochen spä­ter, erfolg­te dann der Poli­zei­ein­satz in einer Gra­zer Wohn­ge­mein­schaft, in der die Poli­zei zwei Ver­däch­ti­ge ver­mu­te­te. „Meh­re­re Dut­zend Poli­zei­be­am­te“, so der „Stan­dard“ (18.9.25), bra­chen um fünf Uhr früh die Woh­nungs­tür der Wohn­ge­mein­schaft auf und beamts­han­del­ten danach auch eine jun­ge Frau, die mit dem Anlass für die Haus­durch­su­chung nichts zu tun hatte.

Jene Frau, die vom Poli­zei­ein­satz aus dem Bett geris­sen wur­de, hat­te, wie eine wei­te­re Per­son in der Wohn­ge­mein­schaft, das Pech, in der­sel­ben Woh­nung mit zwei Ver­däch­ti­gen zu woh­nen. Sie sprang aus dem Bett, nur mit einer Unter­ho­se beklei­det, und muss­te sich auf den Boden legen, wäh­rend die Poli­zei Nach­schau hielt, ob sich eine wei­te­re Per­son in ihrem Bett oder ihrem Zim­mer befand. Was nicht der Fall war.

Spä­ter durf­te sie sich ein T‑Shirt anzie­hen, und eine Poli­zei­be­am­tin wur­de geru­fen, die sie unter­su­chen, das heißt, abtas­ten muss­te. Die Frau will schon da gefragt haben, war­um man sie unter­su­che, wenn sie doch gera­de mit nichts als einer Unter­ho­se vor den Beam­ten am Boden gele­gen war. Wo soll­te sie denn eine Waf­fe ver­steckt haben, frag­te auch ihr Anwalt Cle­mens Lah­ner, der die Frau am Mitt­woch in Graz vor dem Lan­des­ver­wal­tungs­ge­richt ver­trat.(derstandard.at)

Die unan­ge­neh­me Begeg­nung mit der Poli­zei sei für die jun­ge Frau damit aber noch nicht zu Ende gewe­sen: Sie wur­de auch überwacht.

Die Rich­te­rin gab der Maß­nah­men­be­schwer­de, die der Anwalt der jun­gen Frau beim Lan­des­ver­wal­tungs­ge­richt ein­ge­bracht hat­te, in dem Teil, der die Per­lust­ra­ti­on betraf, statt und ver­wies für den zwei­ten Teil, der die dar­auf­fol­gen­de Über­wa­chung betraf, auf die Unter­su­chung der gesam­ten Haus­durch­su­chung durch das Ober­lan­des­ge­richt Graz.

Freistadt-Mauthausen/OÖ: Morddrohung eines Zivildieners mit FPÖ-Hintergrund

Mit Ende Sep­tem­ber hät­te der 20-Jäh­ri­ge aus dem Bezirk Frei­stadt sei­nen Zivil­dienst in der Gedenk­stät­te Maut­hau­sen been­det. Jetzt sitzt er aller­dings in U‑Haft und muss auf sei­nen Pro­zess wegen gefähr­li­cher Dro­hung und Ver­stoß gegen das Waf­fen­ge­setz beim Lan­des­ge­richt Linz war­ten. Er hat­te für den letz­ten Tag sei­nes Zivil­diensts, am 9. Sep­tem­ber, einen Amok­lauf in der KZ-Gedenk­stät­te angekündigt.

Sehr detail­liert, inklu­si­ve genau­er Beschrei­bung des­sen, was er anzie­hen, wel­che Waf­fe er ver­wen­den wer­de und wo er die­se her­be­kom­me. (…) Außer­dem ver­schick­te er eine Whats­App-Nach­richt mit einem Foto der Waf­fe und eine Nach­richt, in der er die Dro­hung wie­der­hol­te. Die Kol­le­gen ver­stän­dig­ten die Poli­zei, noch am glei­chen Abend wur­de er von der Cobra fest­ge­nom­men.“ (nachrichten.at, 19.9.25)

Mitt­ler­wei­le will der Ver­däch­ti­ge sei­ne geplan­te Akti­on als Scherz inter­pre­tiert wis­sen. Dar­auf will sich nicht ein­mal die FPÖ, bei der der Mühl­viert­ler Mit­glied war, ein­las­sen und hat ein Par­tei­aus­schluss­ver­fah­ren eingeleitet.

Am 6. Okto­ber fin­det der Pro­zess gegen den Ex-Zivi in Linz statt.

Wien-Brigittenau: Bauen auf ehemaligem Zwangsarbeiterlager?

Die „Kro­nen Zei­tung“ (19.9.25) macht in einem Bei­trag dar­auf auf­merk­sam, dass auf einem der­zeit ver­wahr­los­ten Bau­grund in der Bri­git­ten­au wäh­rend der Nazi-Zeit ein Zwangs­ar­bei­ter­la­ger unter­ge­bracht war:

Was hier gebaut wer­den soll, ist nicht ganz klar. Vom Bezirk heißt es, dass der Bau­grund als gemein­sa­mes Wohn- und Arbeits­pro­jekt ange­dacht gewe­sen wäre, jedoch wei­ter­ver­kauft wur­de. Der aktu­el­le Besit­zer, die SÜBA ras­sel­te heu­er im Früh­ling aber in die Insol­venz. Offen­bar wird ein Käu­fer für den wert­vol­len Grund gesucht. Die Lis­te LINKS befürch­tet, dass es aus der Kon­kurs­mas­se ver­kauft wird und dadurch die Stadt um die Leis­tun­gen aus dem städ­te­bau­li­chen Ver­trag umfällt, da die­se nicht im Grund­buch ein­ge­tra­gen wurden.

Inter­es­sant: Es han­delt sich nicht um irgend­ei­nen Bau­grund. Am Grund­stück Num­mer 53 wur­de 1942 bis 1945 im Zwei­ten Welt­krieg ein Lager für grie­chi­sche Zwangs­ar­bei­ter betrie­ben. Die sowje­ti­schen Zwangs­ar­bei­ter waren nur weni­ge hun­dert Meter wei­ter am Haus mit der Num­mer 93 untergebracht.

Die Zwangs­ar­bei­ter muss­ten die bei­den Flak-Tür­me im Augar­ten bau­en und Schie­nen vom Nord­west­bahn­hof zum Augar­ten ver­le­gen. Ob eine Gedenk­ta­fel errich­tet wer­den soll, wird bei der nächs­ten Sit­zung der Bezirks­ver­tre­tung diskutiert.

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Schlagwörter: FPÖ | Nationalsozialismus | Neonazismus/Neofaschismus | Oberösterreich | Polizei | Steiermark | Suchtmittelgesetz | Vandalismus/Sachbeschädigung/Schmierereien | Vorarlberg | Wiederbetätigung | Wien

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