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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Der nächste Identitäre im Parlament: FPÖ holt Gernot Schmidt als Mitarbeiter

Die neue iden­ti­tä­re Beleg­schaft im FPÖ-Par­la­ments­klub hat bereits für media­les Echo gesorgt. Nun hol­te der Neo-Abge­ord­ne­te Micha­el Ober­lech­ner mit dem Iden­ti­tä­ren-Kader Ger­not Schmidt die wohl extrems­te Per­so­na­lie als Mit­ar­bei­ter in den blau­en Parlamentsklub.

11. Juli 2025
Gernot Schmidt bei der Demo gegen das Symbole Gesetz am 31.7.21 (© Samuel Winter)
Gernot Schmidt bei der Demo gegen das Symbole Gesetz am 31.7.21 (© Samuel Winter)

Dass die FPÖ bei der Aus­wahl ihrer Mitarbeiter*innen tief in den rechts­extre­men Sumpf greift, ist mitt­ler­wei­le nicht mehr neu. Schnell nach Beginn neu­en Legis­la­tur­pe­ri­ode wur­den eini­ge aus dem iden­ti­tä­ren Umfeld bekann­te Gesich­ter als par­la­men­ta­ri­sche Mit­ar­bei­ter von neu­en FPÖ-Abge­ord­ne­ten eingestellt.

Der Salz­bur­ger Sebas­ti­an Schwaig­ho­fer hol­te mit Fabi­an Rusn­jak ein iden­ti­tä­res Urge­stein in sein Team. Der rechts­extre­me ehe­ma­li­ge Iden­ti­tä­ren-Kader, der 2016 in Graz mit Tele­skop­schlag­stock aus­ge­rüs­tet auf­ge­fal­len ist, darf nun Schwaig­ho­fer zuar­bei­ten, etwa wenn der glaubt, ver­meint­lich Links­extre­mes auf­ge­spürt zu haben. Zeit dürf­te Rusn­jak genug haben: Die Web­site der gemein­sam mit sei­nem Weg­ge­fähr­ten Phil­ipp Hue­mer gegrün­de­ten Wer­be­agen­tur „Thy­mos OG“ war schnel­ler weg, als man schau­en konn­te. Der Trä­ger­ver­ein des abge­stürz­ten „Hei­mat­ku­rier“, bei dem Hue­mer als Obmann und Rusn­jak bis Som­mer 2024 als Kas­sier fun­gier­ten, wur­de auf­ge­löst – und ist seit ver­gan­ge­nem Monat auch in Kon­kurs gegan­gen: „Das Insol­venz­ver­fah­ren wird man­gels Kos­ten­de­ckung nicht eröff­net. Der Schuld­ner ist zah­lungs­un­fä­hig“, ist zum Ver­ein ver­merkt. Die Freu­de der Gläubiger*innen über die Plei­te des Ver­eins dürf­te über­schau­bar sein.

Konkursverfahren für den Trägerverein des identitären "Heimatkurier"
Kon­kurs­ver­fah­ren für den Trä­ger­ver­ein des iden­ti­tä­ren „Hei­mat­ku­rier”

Auch Maxi­mi­li­an Wein­zierl, Obmann der Frei­heit­li­chen Jugend, bedien­te sich aus dem iden­ti­tär­na­hen Reser­voir: Er hol­te Andre­as Hin­ter­eg­ger als par­la­men­ta­ri­schen Mit­ar­bei­ter. Der bei der Bur­schen­schaft Teu­to­nia orga­ni­sier­te Hin­ter­eg­ger durf­te sich beim Kubit­schek-Auf­tritt der iden­ti­tä­ren „Akti­on 451“ vor der Uni Wien in Sze­ne set­zen, der vor allem in Erin­ne­rung bleibt, weil dem ein blu­ti­ges Hand­ge­men­ge vor­aus­ge­gan­gen war.

Der eben­falls frisch in den Natio­nal­rat ein­ge­zo­ge­ne Micha­el Ober­lech­ner hol­te sich nun jedoch die wohl extrems­te Per­so­na­lie als Mit­ar­bei­ter in den blau­en Par­la­ments­klub: Ger­not Schmidt.

Jung-National-Revolutionär-Sozial

Schmidts öffent­li­che Geschich­te begann mit Auf­trit­ten als jun­ger Olym­pia-Bur­schen­schaf­ter. Beim Nowot­ny-Geden­ken 2017 war er mit fri­scher Fecht­wun­de am Kopf neben dem dama­li­gen RFS Wien-Obmann und Bun­des­bru­der Mar­kus Ripfl zu sehen. Ripfls Kar­rie­re in der FPÖ – er war auch blau­er Gemein­de­rat in Orth an der Donau – nahm Anfang 2018 nach einem braun-getön­ten Eklat ein abrup­tes Ende; er wur­de aus der FPÖ aus­ge­schlos­sen. Zuvor hat­te er mit dem eben­falls im RFS enga­gier­ten Ger­not Schmidt ver­sucht, ein neu­es „natio­na­les Medi­en­pro­jekt“ zu grün­den, des­sen Name – „Jung-Natio­nal-Revo­lu­tio­när-Sozi­al“ – schon so ent­lar­vend war, dass es gleich nach Öffent­lich­wer­den wie­der begra­ben wurde.

Ripfl und Schmidt: Nationales Medienprojekt "Jung-National-Revolutionär-Sozial" (Screenshot via FPÖ Fails 2017)
Ripfl und Schmidt: Natio­na­les Medi­en­pro­jekt „Jung-Natio­nal-Revo­lu­tio­när-Sozi­al” (Screen­shot via FPÖ Fails 2017)

Also zog Schmidt wei­ter und dem als RFS-Chef abge­gan­ge­nen Ripfl nach: Er gab zuerst unter Ripfls Nach­fol­ger als RFS-Obmann den Stell­ver­tre­ter, um dann selbst zum Obmann auf­zu­stei­gen. Sein direk­ter Vor­gän­ger wur­de 2021 wegen Wie­der­be­tä­ti­gung ver­ur­teilt – auch wegen Delik­ten, die aus des­sen Zeit beim RFS stammen.

Schmidt selbst war bald bei den iden­ti­tä­ren Akti­ons­grup­pen, die unter ver­schie­de­nen Namen auf­tra­ten, zu sehen. Er betei­lig­te sich an der Stör­ak­ti­on gegen die Vien­na Pri­de 2021 und mut­maß­lich am Ein­drin­gen in das Lin­zer Pas­to­ral­amt, das selbst den mit der FPÖ koalie­ren­den Lan­des­haupt­mann Stel­zer tief empör­te: Der sprach von „wider­li­chen und scho­ckie­ren­den Vor­fäl­len“ (zit. nach derstandard.at, 24.9.21). Als 2022 die „Patrio­ten in Bewe­gung“ über ein Nach­bar­haus auf das Dach des „Ute Bock Hau­ses“ gelang­ten, ras­sis­ti­sche Äuße­run­gen skan­dier­ten, Rauch­bom­ben auf dem Dach und vor dem Ein­gang ent­zün­de­ten, war Schmidt eben­so dabei wie 2024 auf dem Bal­kon der EU-Grund­rech­te-Agen­tur am Wie­ner Schwar­zen­berg­platz, von dem mit Mega­fon ras­sis­ti­sche Reden geschwun­gen wurden.

Am 31. Jän­ner 2023, dem Tag der nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Land­tags­wahl, gelang­ten drei Ver­mumm­te auf das Dach der ÖVP-Zen­tra­le in St. Pöl­ten, ent­hüll­ten ein Ban­ner und boten den White-Power-Gruß dar. Ger­not Schmidt soll als Foto­graf von unten für die Insze­nie­rung via Fotos und Vide­os gesorgt haben. Eine Akti­on im März 2022 in der U6, als eini­ge Iden­ti­tä­re, dar­un­ter Ger­not Schmidt (samt Bru­der), ver­mummt ras­sis­ti­sche Swing­cards plat­zier­ten, ende­te nicht ganz kon­se­quenz­los: Schmidt muss­te einem Ver­gleich mit den Wie­ner Lini­en und der Bezah­lung eines Geld­be­trags zustimmen.

Gernot Schmidt: Oft voran, immer dabei und mit Neonazis

Bei diver­sen Coro­na-Demos began­nen Schmidts gro­ße Auf­trit­te als Cho­reo­graf und Ein­peit­scher des iden­ti­tä­ren Blocks. Ab da war er auch bei den von den Iden­ti­tä­ren orga­ni­sier­ten Auf­mär­schen als Orga­ni­sa­tor anzutreffen.

Beson­ders auf­fäl­lig war die Som­mer­kund­ge­bung 2023, bei der eine gan­ze Rei­he von auch aus dem Aus­land ange­reis­ten Neo­na­zis unter Schmidts Regie durch die Wie­ner Innen­stadt maro­dier­ten. Die Tapes, die zum Ver­de­cken straf­ba­rer Nazi-Tat­toos ver­teilt wur­den, hat­ten wohl nicht gereicht. Als Demo-Teil­neh­mer ver­such­ten, gewalt­sam eine Poli­zei­sper­re zu durch­bre­chen, es zu Ran­ge­lei­en und Wür­fen von Gegen­stän­den kam, war der Demo-Chef Schmidt flan­kiert von Neo­na­zis ganz vor­ne dabei, wie eine Video­auf­nah­me belegt.

Identitärendemo 29.7.23: Wochenspruch der NSDAP, Schwarze Sonne, Odalrune, T-Shirt der Neonazi-band Erschiessungskommando, Tyr-Rune, Algiz
Iden­ti­tä­ren­de­mo 29.7.23: Wochen­spruch der NSDAP, Schwar­ze Son­ne, Odal­ru­ne, T‑Shirt der Neo­na­zi-Band Erschies­sungs­kom­man­do, Tyr-Rune, Algiz

Die erneut von Schmidt orches­trier­te Som­mer­de­mo 2024 sorg­te für einen veri­ta­blen Eklat. Eine RTL-Doku zeig­te, wie am Vor­abend der Kund­ge­bung im iden­ti­tä­ren Kel­ler in Wien Box­kämp­fe orga­ni­siert wur­den. Eine ange­reis­te deut­sche Teil­neh­me­rin erklär­te dort unge­niert ins TV-Mikro, sie fän­de den Holo­caust „geil“. Am nächs­ten Tag mar­schier­te sie direkt hin­ter dem Frontbanner.

Gernot Schmidt am Vorabend der Sommerdemo vor dem Identitären-Keller und als Demo-Organisator – am Frontbanner mit blauer Kappe die Holocaustbefürworterin Jelena M. (19./20.7.24; © Samuel Winter)
Ger­not Schmidt am Vor­abend der Som­mer­de­mo vor dem Iden­ti­tä­ren-Kel­ler und als Demo-Orga­ni­sa­tor – am Front­ban­ner mit blau­er Kap­pe die Holo­caust­be­für­wor­te­rin Jele­na M. (19./20.7.24; © Samu­el Winter)

Im Jahr davor, als eini­ge Hun­dert Rechts­extre­me vor der „Tür­kis Rosa Lila Vil­la“ am 16. April gegen die Lesung einer Drag­queen hetz­ten, war selbst­ver­ständ­lich auch Ger­not Schmidt zuge­gen. Der stand direkt vor einem Mann, der sich durch einen Hit­ler­gruß auf die Ankla­ge­bank brach­te. Es über­rascht nicht mehr, dass Schmidt eben­falls ganz nahe war, als 2024 bei einer FPÖ-Kund­ge­bung in Favo­ri­ten ein „Puls 24“-Kameramann tät­lich ange­grif­fen wurde.

Schmidt vor Hitlergrüßer bei Rosa Lila Villa (16.4.23; © Samuel Winter)
Schmidt vor Hit­ler­grü­ßer bei Rosa Lila Vil­la (16.4.23; © Samu­el Winter)

„von Schland“

„ger­not­von­schland“ nennt sich der aus Ober­ös­ter­reich stam­men­de Schmidt auf Insta­gram. Wie er sei­ne „Schland“-Her­kunft ver­steht, lässt sich über ein Pos­ting erah­nen. 2022 fei­ert er den Medail­len­spie­gel der olym­pi­schen Win­ter­spie­le ab: „19 Gold­me­dail­len“ ist auf dem Sujet zu lesen – die Zahl ergibt sich nur, wenn man die Medail­len von Deutsch­land und Öster­reich zusammenzählt.

"19 Goldmedaillen" (Screenshot via IB-Doku 2.22)
„19 Gold­me­dail­len” (Screen­shot via IB-Doku 2.22)

Im DÖW-Rechts­extre­mis­mus­be­richt fin­det Schmidt mehr­fach Erwäh­nung, auch mit einem Zitat der Hit­ler­ju­gend: „Vom Hei­mat­ku­rier nach dem hohen Anteil jun­ger Men­schen auf der Demons­tra­ti­on befragt, gab Orga­ni­sa­tor Ger­not Schmidt einen Leit­satz der Hit­ler­ju­gend zu Pro­to­koll: ‚Wir sind eine Bewe­gung, in der Jugend von Jugend geführt wird.‘“ (S. 95) Das DÖW (4.24) zitiert Schmidt auch aus einer Video-Hom­mage an die neo­na­zis­ti­sche und neu­rech­te Kult­fi­gur Domi­ni­que Ven­ner, der sei­nen Sui­zid in der Pari­ser Kathe­dra­le Not­re Dame insze­nier­te, „aus Pro­test gegen den sei­nes Erach­tens durch Ame­ri­ka­ni­sie­rung, Islam und gleich­ge­schlecht­li­che Ehe vor­an­schrei­ten­den Nie­der­gang Euro­pas. „Ein ‚stum­mer Eid‘ ver­bin­det uns fort­an durch das Blut, das an jenem Tag unter dem stei­ner­nen Laub­werk der Kathe­dra­le ver­gos­sen wur­de“, so Schmidt. „Uns obliegt es, den ethi­schen und ästhe­ti­schen Kampf fortzuführen.“

Gernot Schmidt attackiert einen Pressefotografen (31.7.21; © Samuel Winter)
Ger­not Schmidt atta­ckiert einen Pres­se­fo­to­gra­fen (31.7.21; © Samu­el Winter)

Oberlechner und noch ein Mitarbeiter mit Geschichte

Dass Schmidt trotz die­ser Bio­gra­fie als Mit­ar­bei­ter ins Par­la­ment geholt wur­de, kann im demo­kra­ti­schen Lager nur Kopf­schüt­teln und Pro­test aus­lö­sen. Dafür sorg­te Micha­el Ober­lech­ner, Schmidts zustän­di­ger Abge­ord­ne­ter, bereits Jah­re davor, als zuerst die „Falter“-Journalistin Nina Horac­zek (2009) und dann der „Kurier“ (2011) von einem angeb­li­chen Absin­gen des Horst-Wes­sel-Lie­des durch Ober­lech­ner berich­te­ten, was Ober­lech­ner und Udo Land­bau­er, der dar­über sogar ein Pro­to­koll ver­fasst hat­te, spä­ter hef­tig dementierten.

Eben­falls demen­tiert hat ein wei­te­rer par­la­men­ta­ri­scher Mit­ar­bei­ter von Ober­lech­ner einen Vor­fall: Von Franz Lin­den­bau­er, seit 2015 auch FPÖ-Klub­ob­mann in der Wie­ner Leo­pold­stadt, tauch­te 2009 auf Face­book ein Foto auf, das ihn mit einer Haken­kreuz-Zeich­nung am Ober­arm zeig­te. Dazu von der „Pres­se“ (16.6.09) befragt, gab er noch an, nicht zu wis­sen, „was mir betrun­ke­ne Leu­te auf die Hand krit­zeln. (…) Mit Foto­mon­ta­ge ist ja schon alles mög­lich.“ 2018, als der „Fal­ter“ (21.3.18) die äußerst ver­hal­tens­auf­fäl­li­ge FPÖ Leo­pold­stadt por­trä­tier­te, hat­te Lin­den­bau­er eine ande­re Erklä­rung parat: „Es war eine Matu­ra­fei­er eines Freun­des, bei der Sachen gemacht wur­den, die man als Jugend­li­cher lus­tig fin­det. (…) Eine betrun­ke­ne, nega­ti­ve Gschicht, die lei­der pas­siert ist.“

Stellt sich nur noch eine drin­gen­de Fra­ge: Wur­de Mar­tin Sell­ners Vor­feld-Miliz im Par­la­ment vom Ver­fas­sungs­schutz sicherheitsüberprüft?

➡️ Twit­ter-Thread über Ger­not Schmidt (3.9.21)
➡️ derstandard.at (11.7.25): FPÖ holt füh­ren­den Rechts­extre­men als Mit­ar­bei­ter ins Parlament

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Schlagwörter: Burschen-/Mädelschaften/Korporationen | Demonstration/Kundgebung | FPÖ | Identitäre | Rassismus/Antimuslimischer Rassismus | Rechtsextremismus | RFS | Wien

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