Wochenschau KW 4/22

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Ver­su­che in zwei unter­schied­li­chen Fäl­len, den Ver­dacht auf Wie­der­be­tä­ti­gung anzu­zei­gen, sol­len an der stei­ri­schen Poli­zei geschei­tert sein. Erst wei­te­re Inter­ven­tio­nen bewirk­ten, dass Ermitt­lun­gen durch die zustän­di­gen Staats­an­walt­schaf­ten auf­ge­nom­men wur­den. Der 18-Jäh­ri­ge, der in Hei­del­berg eine Stu­den­tin erschos­sen und drei wei­te­re Stu­die­ren­de ver­letzt hat, hat­te Bezie­hun­gen in den orga­ni­sier­ten Neo­na­zis­mus. Sei­ne Waf­fen hat er eine Woche vor der Tat in Wien gekauft.

Graz: Glücks­zahl und Andenken im Gesicht
St. Mar­tin im Mühlkreis/OÖ: Auto­fah­rer braun unterwegs
Bad Aussee/Stmk: Pla­ka­te mit NS-Ver­glei­chen am Fenster
Wien/Donaustadt: Autos mit Haken­kreuz beschmiert
Heidelberg/Wien: Waf­fen­kauf in Wien

Graz: Glücks­zahl und Andenken im Gesicht

Wer sich eine „88” (Code für „Heil Hit­ler”) ins Gesicht täto­wie­ren lässt und dazu auch noch SS-Runen, müss­te damit rech­nen, vor Gericht zu lan­den. Der 30-jäh­ri­ge Ange­klag­te, offen­bar Stamm­gast bei der Jus­tiz, woll­te, so gab er es an, die Täto­wie­run­gen auch schnell wie­der ent­fer­nen las­sen, aber da sei ihm die Ver­haf­tung dazwi­schen gekom­men. Der Beschul­dig­te selbst meint: ‚Ich bin schul­dig der Täto­wie­rung, nicht aber der Wie­der­be­tä­ti­gung.‘ Lapi­da­re Recht­fer­ti­gung: ‚Die 88 ist mei­ne Glücks­zahl und die Rune ist ein Andenken an mei­nen Groß­va­ter.‘ Er ver­sucht die Peckerl zu recht­fer­ti­gen: ‚Ich war tut­ten­zu!‘“ (Klei­ne Zei­tung, 26.1.22, S. 18)

Auf die Fra­ge, wer ihm die sym­bol­träch­ti­ge Täto­wie­rung ver­passt hat­te, gab sich der Ange­klag­te zuge­knöpft: „Weiß nicht, war mir wurscht.“ Es folg­te ein Schuld­spruch mit 24 Mona­ten Haft und dazu 16 Mona­te aus dem Wider­ruf zwei­er beding­ter Straf­nach­sich­ten aus Vor­ver­ur­tei­lun­gen. (Ob das Urteil rechts­kräf­tig ist, wur­de nicht berichtet.)

St. Mar­tin im Mühlkreis/OÖ: Auto­fah­rer braun unterwegs

Der Stei­rer W. war im Mühl­vier­tel mit dem Auto unter­wegs, vor ihm ein Fah­rer, der auf sei­ner Heck­schei­be bes­tens sicht­bar eine Schwar­ze Son­ne und den Schrift­zug „Stahl­ge­wit­ter“ – also den Namen einer deut­schen Neo­na­zi-Band ange­bracht – hat­te. Der Stei­rer woll­te bei der Gra­zer Poli­zei eine Anzei­ge erstat­ten, die die­se aber nicht ent­ge­gen genom­men haben soll. Mit der erstaun­li­chen Begrün­dung, 

die Zur­schau­stel­lung einer „Schwar­zen Son­ne“ sei nicht straf­bar. Ich hab’ dann das Maut­hau­sen Komi­tee ein­ge­schal­tet“, erklärt W. Das MKÖ und das oö. Netz­werk gegen Rechts­extre­mis­mus ersuch­ten dar­auf­hin Lan­des­po­li­zei­di­rek­tor Andre­as Pilsl, in der Sache tätig zu wer­den. Die­ser schal­te­te den Ver­fas­sungs­schutz ein, der den Fahr­zeug­be­sit­zer – einen 36-jäh­ri­gen, bis­her unbe­schol­te­nen Arbei­ter – rasch aus­forsch­te. (Kro­nen Zei­tung, 27.1.22, S. 20)

"Stahlgewitter" und "Schwarze Sonne" auf der Heckscheibe

„Stahl­ge­wit­ter” und „Schwar­ze Son­ne” auf der Heckscheibe

Die Sym­bo­le sind nun vom Auto ent­fernt, es setz­te gegen den Hal­ter eine Anzei­ge nach dem Ver­bots­ge­setz. Wie die Poli­zei dazu kommt, als Exe­ku­ti­ve der Jus­tiz vor­zu­grei­fen, soll­te geklärt werden.

Bad Aussee/Stmk: Pla­ka­te mit NS-Ver­glei­chen am Fenster

Ein Jahr lang war der Poli­zei von Bad Aus­see offen­bar schon bekannt, dass an den Fens­tern eines Wohn­hau­ses im Orts­zen­trum Pla­ka­te ange­bracht waren, die die Coro­na-Maß­nah­men und die Imp­fung mit den Ver­bre­chen des Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­gli­chen bzw. gleich­setz­ten. Einem deut­schen Tou­ris­ten sind die dubio­sen Fens­ter­bot­schaf­ten auf­ge­sto­ßen, des­halb ging er zur Poli­zei, um Anzei­ge zu erstat­ten. Doch dort wur­de er wie­der weg­ge­schickt. Der Deutsche

wand­te sich des­halb unter ande­rem an die Staats­an­walt­schaft Salz­burg, weil er dach­te, die­se sei für das Salz­kam­mer­gut zustän­dig, und an die SN. Die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft für Bad Aus­see ist in Leo­ben. Behör­den­spre­cher Andre­as Ried­ler: „Auf­grund der Anfra­ge prü­fen wir nun einen Anfangs­ver­dacht.“ Dabei geht es auch dar­um, ob die teil­wei­se im NS-Stil gestal­te­ten Pla­ka­te einen Tat­be­stand nach dem stren­gen Ver­bots­ge­setz erfül­len oder ob die Fens­ter­ge­stal­tung noch als freie Mei­nungs­äu­ße­rung ver­tret­bar ist. (Salz­bur­ger Nach­rich­ten, 27.1.22, S. 11)

Von Sei­ten der Lan­des­di­rek­ti­on der Poli­zei hieß es, eine Über­prü­fung habe bereits statt­ge­fun­den, der Tat­be­stand sei als nicht straf­bar befun­den wor­den. Die zustän­di­ge Staats­an­walt­schaft Leo­ben gab jedoch an, der Sach­ver­halt sei nicht an sie wei­ter­ge­lei­tet worden.

Der Haus­ei­gen­tü­mer habe erklärt, es hand­le sich um ein Kunst­pro­jekt. Er soll­te genau­er erklä­ren, was an dem Schrift­zug „Imp­fen macht frei“ in der Art, wie es am KZ Ausch­witz ange­bracht war, Kunst sein soll. Und auch hier wird wie beim obi­gen Fall das Vor­ge­hen der Poli­zei zu klä­ren sein.

Wien/Donaustadt: Autos mit Haken­kreuz beschmiert

Gleich 50 Autos wur­den in der Nacht vom 28. auf den 29. Jän­ner in der Stei­gen­tesch­gas­se (22. Bezirk) mit Far­be besprüht. Auf drei Autos fan­den sich Haken­kreu­ze. (kurier.at, 30.1.22)

Heidelberg/Wien: Waf­fen­kauf in Wien

Nach­dem der 18-jäh­ri­ge Niko­lai G. am 24.1. zu Mit­tag in einem Hör­saal der Uni­ver­si­tät Hei­del­berg eine Stu­den­tin erschos­sen, drei wei­te­re ver­letzt und sich danach sui­zi­diert hat­te, ist mitt­ler­wei­le bekannt gewor­den, dass er bis Herbst 2019 Mit­glied der Neo­na­zi-Par­tei „Der Drit­te Weg“ gewe­sen ist, deren Able­ger auch in Öster­reich aktiv und zuwei­len auch bei den Anti-Coro­na-Maß­nah­men auf­ge­taucht sind.

Ermitt­lun­gen haben auch erge­ben, dass G. sei­ne Waf­fen in Öster­reich, näm­lich etwa eine Woche vor der Tat in Wien erstan­den hatte.

Beam­te stell­ten am Tat­ort zwei der Waf­fen und rund 150 Schuss Muni­ti­on sicher. Die drit­te Waf­fe habe die öster­rei­chi­sche Poli­zei in einem Zim­mer gefun­den, das der jun­ge Mann bei einem Auf­ent­halt ange­mie­tet habe. Die bei­den bei der Tat ver­wen­de­ten Waf­fen hat der 18-Jäh­ri­ge dem­nach bei einem Waf­fen­händ­ler gekauft, die drit­te, eine Büch­se, bei einer Pri­vat­per­son. Inwie­fern sich der Waf­fen­händ­ler oder sei­ne Mit­ar­bei­ter wegen des Waf­fen­ver­kaufs straf­recht­lich ver­ant­wor­ten müs­sen, wird den Anga­ben zufol­ge geprüft. Dies gestal­te sich auf­grund der unter­schied­li­chen Rechts­la­ge in Öster­reich und Deutsch­land schwie­rig, hieß es. (derstandard.at, 26.1.22)

Hier blei­ben eini­ge Fra­gen offen: War­um ist der Täter nach Wien gefah­ren, um die Waf­fen zu kau­fen, zumal es öster­rei­chi­sche Orte mit Waf­fen­ge­schäf­ten gibt, die näher an Deutsch­land lie­gen, war­um hat der Täter eine Waf­fe im Wie­ner Hotel­zim­mer zurück­ge­las­sen und vor allem, was ist pas­siert, als die­se Waf­fe im Hotel­zim­mer auf­ge­fun­den wurde?