Die Rechten klagen gern

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Immer dann, wenn ihnen öffent­li­che Kri­tik unan­ge­nehm wird, ver­su­chen Rech­te, von der FPÖ abwärts bis zu Per­so­nen in ihrem Umfeld, mit zivil­recht­li­chen Kla­gen gegen ihre Kri­ti­ke­rIn­nen vor­zu­ge­hen. Zivil­recht­li­che Pro­zes­se bin­den Ener­gie und kos­ten Geld, viel Geld. Ges­tern fand in Wien eine Pres­se­kon­fe­renz von Beklag­ten (Hei­mat ohne Hass, Links­wen­de und Uwe Sai­ler) statt. Wir ver­öf­fent­li­chen hier ihre schrift­lich vor­be­rei­te­ten Statements.

1. Man­fred Wal­ter (Hei­mat ohne Hass)

Man­fred Wal­ter ist Spre­cher von „Hei­mat ohne Hass“ (HoH), betrof­fen von einer exis­tenz­be­dro­hen­den Klage.

Die Ini­ti­ta­ti­ve „Hei­mat ohne Hass” (Web­ar­chiv) hat es sich zur Auf­ga­be gemacht, rechts­extre­me und men­schen­ver­ach­ten­de Pos­tings und Kom­men­ta­re im Umfeld der FPÖ zu beob­ach­ten und zu doku­men­tie­ren. Dadurch wur­den bereits eini­ge Funk­tio­nä­rIn­nen und Komen­ta­to­rIn­nen, unter ande­rem wegen Ver­het­zung, Wie­der­be­tä­ti­gung und ähn­li­chen Delik­ten vor Gericht gebracht und deren Umtrie­be im Inter­net öffent­lich gemacht. Da HoH akri­bisch genau arbei­tet, war eine Ver­let­zung von Per­sön­lich­keits­rech­ten nie gegeben.

Am 30. Juli 2014 ver­öf­fent­lich­ten wir einen Arti­kel mit dem Titel „Der Poli­zist mit dem eiser­nen Kreuz“, der den Poli­zei­be­am­ten Paul Schmidt zum The­ma hat­te, der bei der Räu­mung der Piz­za­ria Anar­chia als Ver­sor­ger im Auf­trag der frei­heit­li­chen Poli­zei­ge­werk­schaft vor Ort war. Aller­dings bewaff­net, in Zivil­klei­dung und mit Schlapfen.

Im Novem­ber bean­stan­de­te die AUF schliess­lich eine angeb­li­che Unrhe­ber­rechts­ver­let­zung (sie­he Fak­si­mi­le aus der Kla­ge) bezüg­lich des Fotos von Paul Schmidt im Per­so­nen­re­gis­ter der AUF-Seite.

Da uns bis­her nicht anders bei­zu­kom­men war, ver­sucht die FPÖ bzw. die AUF nun auf die­se Wei­se einen kri­ti­schen Blog zum Schwei­gen zu brin­gen. Das Foto als sol­ches als schüt­zen­wer­tes Licht­bild­werk zu bezeich­nen ist, gelin­de gesagt, sehr mutig. Wenn es als sol­ches qua­li­fi­ziert wür­de, dann wäre ich mit mei­nen Knips­fä­hig­kei­ten ein Starfotograf.

Die Stra­te­gie der FPÖ ist die seit Jah­ren geüb­te: Kann man Kri­ti­ke­rIn­nen nicht – wie es im poli­ti­schen All­tag üblich wäre – mit Argu­men­ten über­zeu­gen, dann klagt man, bis das Gegen­über ent­nervt und/oder finan­zi­ell rui­niert auf­gibt. Da wir im Grun­de nur unkom­men­tiert, meist ohne Wer­tung, die betref­fen­den Ereig­nis­se doku­men­tie­ren, kann im Bereich der Per­sön­lich­keits­rech­te kei­ne Kla­ge erho­ben werden.

Die Fol­ge­wir­kung einer sol­chen Kla­ge darf nicht unter­schätzt wer­den. Wenn wir uns auf die­sen Rechts­streit nicht ein­ge­las­sen hät­ten und die Unter­las­sungs­er­klä­rung akzep­tiert hät­ten, wäre dies bei­spiel­haft für jede Bericht­erstat­tung in Öster­reich. Kein Blog, kei­ne Zei­tung könn­te noch mit Bild­zi­ta­ten arbei­ten, die nicht im eige­nen Hau­se ent­stan­den wären.

Spen­den­kon­to
Hei­mat ohne Hass
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BIC: BKAUATWW

Kon­takt
Man­fred Walter
www.heimatohnehass.at
[email protected]

2. Karin Wilf­lings­eder (Links­wen­de)

Karin Wilf­lings­eder ist zen­tra­le Akti­vis­tin bei „Links­wen­de“ (linkswende.org). Links­wen­de ist vor allem dafür bekannt, dass sie gegen die FPÖ und ihre Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen Pro­tes­te aufzubauen.

Ver­schie­de­ne Gesich­ter – der­sel­be Hass

FPÖ-Chef Stra­che hat Links­wen­de geklagt, weil wir sei­nen Hass auf poli­ti­sche Geg­ner mit jenem des nor­we­gi­schen Mas­sen­mör­ders Anders Brei­vik auf einem Demo-Pla­kat anläss­lich des FPÖ-Bur­schen­schaf­ter-Balls 2014 ver­gli­chen haben. Wir wol­len den Wahr­heits­be­weis antre­ten und die vie­len ideo­lo­gisch-poli­ti­schen Gemein­sam­kei­ten nach­wei­sen. Die Rhe­to­rik von Brei­vik und Stra­che unter­schei­det sich so wenig, dass man ein­zel­ne Aus­sa­gen mit nur gering­fü­gi­gen Ände­run­gen pro­blem­los aus­tau­schen könn­te. Ein Beispiel:

Brei­vik vor Gericht: „Hal­tet ihr es nicht für unde­mo­kra­tisch, dass das nor­we­gi­sche Volk nie durch ein Refe­ren­dum gefragt wor­den ist, ob sei­ne Hei­mat zu einem mul­ti­kul­tu­rel­len Staat umge­stal­tet wer­den soll?“ Stra­che in einer Aus­sendung: „Das öster­rei­chi­sche Volk ist nie gefragt wor­den, ob es die von Rot und Grün for­cier­te Mas­sen­zu­wan­de­rung haben will … Die Men­schen wol­len kei­ne Mul­ti­kul­ti­ge­sell­schaft, bei der sie zu Frem­den im eige­nen Land werden.“

Kla­gen und Einschüchterung

Seit den 1990er-Jah­ren setzt die FPÖ auf die Stra­te­gie kri­ti­sche Jour­na­lis­tin­nen und Jour­na­lis­ten oder poli­ti­sche Geg­ner nie­der­zu­kla­gen und ein­zu­schüch­tern. Wir las­sen uns nicht ein­schüch­tern. Die gan­ze Stra­te­gie Stra­ches und sei­ner Anwäl­te ist dar­auf aus­ge­legt, die Ver­fah­ren für Links­wen­de so teu­er wer­den zu las­sen, dass wir schließ­lich einen Kom­pro­miss schlie­ßen müss­ten. Wir aber behar­ren dar­auf: die Ver­harm­lo­sung Stra­ches muss been­det wer­den. Über 80 Pro­zent der FPÖ-Wäh­ler_in­nen wür­den die Par­tei nicht wäh­len, wären die FPÖ-Hin­ter­grün­de bekannt. Füh­len sich jun­ge Arbei­ter etwa von ewig­gest­ri­gen Bur­schen­schaf­tern ver­tre­ten, die sie als „die Pro­le­ten“ verachten?

Wenn Stra­che und sei­ne Abge­ord­ne­ten mit der blau­en Korn­blu­me, dem Sym­bol der ille­ga­len Faschis­ten aus der Zwi­schen­kriegs­zeit, zu jeder Ange­lo­bung im Par­la­ment antre­ten, zei­gen sie deut­lich ihre Geis­tes­hal­tung und zei­gen der Demo­kra­tie den Stin­ke­fin­ger. Es muss mög­lich sein den Poli­ti­ker Stra­che in der gebüh­ren­den Schär­fe zu kri­ti­sie­ren. Wenn man Stra­che nach einem Urteil des Ober­lan­des­ge­richts ganz offi­zi­ell „Nähe zum natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gedan­ken­gut“ nach­sa­gen darf, war­um dann nicht zum Gedan­ken­gut des Anders Beh­ring Brei­vik? War­um unter­bin­det dann Rich­ter Apos­tol in einem 20-minü­ti­gen Pro­zess jeg­li­che Beweis­füh­rung und Ladung von wich­ti­gen Zeugen?

Oft wird nicht wahr­ge­nom­men, dass eine gro­ße Mehr­heit die FPÖ ablehnt und soli­da­risch mit Anti­fa­schis­mus sind. Wir kas­sie­ren kei­ne öffent­li­chen Unsum­men wie die FPÖ, wir sam­meln Spen­den von vie­len Klein- und Kleinst­ver­die­nen­den. Durch die­se Unter­stüt­zung kön­nen wir Stra­ches Kla­gen zum Boo­me­rang machen und durch die Instan­zen zie­hen. Wir rech­nen damit in Öster­reich nicht Recht zu bekom­men. Wir stel­len uns dar­auf ein, erst vom Euro­päi­schen Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in Straß­burg Gerech­tig­keit zu erfahren.

Und wir bau­en daher wei­ter­hin Pro­test auf der Stra­ße auf:

  • Die Pro­tes­te gegen den FPÖ-Bur­schen­schaf­ter­ball („Aka­de­mi­ker­ball“) am 30. Jän­ner sind im Kern Pro­tes­te gegen die Ver­harm­lo­sung von Faschis­mus durch die Repu­blik Öster­reich. Deutsch­na­tio­na­le Bur­schen­schaf­ten sind, wie der Buch­au­tor Hans-Hen­ning Schar­sach („Stra­che im brau­nen Sumpf“) so rich­tig sagt, „das intel­lek­tu­el­le Rück­grat des Neo­na­zis­mus in Öster­reich“. Bei­na­he alles, was in der Neo­na­zi-Sze­ne Rang und Namen hat, kommt aus den schla­gen­den Bur­schen­schaf­ten. Nur einer von 2.100 Öster­rei­cher ist Bur­schen­schaf­ter, aber mit die­sem nied­ri­gen Bevöl­ke­rungs­an­teil stel­len sie in der FPÖ den Par­tei­chef, in Wien den Par­tei­vor­sit­zen­den, drei Stell­ver­tre­ter, den Lan­des­ge­schäfts­füh­rer, den Lan­des­par­tei­se­kre­tär, den Klub­ob­mann im Par­la­ment, usw.
  • Der öster­rei­chi­sche Able­ger von Pegi­da will am 2. Febru­ar durch Wien mar­schie­ren. Der Wie­ner Pegi­da-Anmel­der Arnold S. steckt mit­ten im rechts­extre­men Gewalt­sumpf und der offi­zi­el­le Spre­cher Georg Imma­nu­el Nagel ist Autor für die Zeit­schrif­ten „Der Eck­art“ und „Zur Zeit“ und pran­ger­te die Poli­tik der „Umvol­kung“ und „Isla­mi­sie­rung“ an. Wir wer­den Pegi­da stoppen.

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Ver­wen­dungs­zweck: Spen­de gegen Strache

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3. Uwe Sailer

Uwe Sai­ler ist Daten­fo­ren­si­ker und Angst­geg­ner der FPÖ, wur­de schon mit über 70 Kla­gen von FPÖ-Poli­ti­kern eingedeckt

Zu mei­ner Person

Uwe Sai­ler, 58 Jah­re alt, Linz wohn­haft, Daten­fo­ren­si­ker, Kri­mi­nal­be­am­ter, Antifaschist.

Ich beschäf­ti­ge mich seit 1983 mit dem Neo­na­zis­mus und Rechts­extre­mis­mus. Als Aner­ken­nung für mei­ne Arbeit erhielt ich 2011 den Elfrie­de-Grün­berg Preis von der Wel­ser Initia­ti­ve gegen Faschis­mus und im Jahr 2013 den von SOS Mit­mensch ver­lie­he­nen Ute Bock Preis.

Angrif­fe gegen mei­ne Person

Im Juli 2009 kon­stru­ier­te die FPÖ (H.C. Stra­che, Wer­ner Neu­bau­er, Dr. Mar­tin Graf und wei­te­re) den damals ihrer Ansicht nach „größ­ten Spit­zel­skan­dal der 2. Repu­blik“. Eini­ge weni­ge Emails, die ich mit dem dama­li­gen grü­nen Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­ten Karl Öllin­ger vor­wie­gend zur Cau­sa über den neo­na­zis­ti­schen Blog „Alpen-Donau.info“ aus­ge­tauscht hat­te, gelang­ten irr­tüm­lich in die Hän­de der FPÖ. Die erwähn­ten Man­da­ta­re erkann­ten die Bri­sanz der Emails, waren doch eini­ge von ihnen mit den Betrei­bern des Blogs eng ver­bun­den. Es kam zu einem par­la­men­ta­ri­schen Unter­su­chungs­aus­schuss. Ziel die­ser Angrif­fe war die öffent­li­che Ver­nich­tung mei­ner Per­son, sowohl gesell­schaft­lich, beruf­lich und wirt­schaft­lich. Das miss­lang gründ­lich, obwohl gegen mich bis jetzt mehr als 70 Anzei­gen und Kla­gen ein­ge­bracht wur­den. Und es geht weiter.

Poli­ti­sche Aufdeckerarbeit

Inves­ti­ga­ti­ves Arbei­ten im poli­ti­schen Ter­rain gilt als schwie­rig. Vie­le Inter­es­sen wol­len in der Poli­tik bedient wer­den. Sie stel­len somit Basis mög­li­cher Kor­rup­ti­on dar. Poli­ti­sche Auf­de­cker­ar­beit im neo­na­zis­ti­schen Bereich ist immer mit der FPÖ ver­bun­den. Gera­de die­se Par­tei ist heu­te mehr denn je Sam­mel­be­cken neo­na­zis­ti­scher, rechts­extre­mer Grup­pie­run­gen sowie Per­so­nen und Ver­schwö­rern, die dem Haken am Kreuz nachhängen.

Das Auf­de­cken der­ar­ti­ger Strö­mun­gen funk­tio­niert über Infor­ma­ti­ons­ka­nä­le. Waren es damals Tref­fen eini­ger weni­ger Teil­neh­mer an brau­nen Ver­an­stal­tun­gen in muf­fi­gen Hin­ter­zim­mern oder auf „blu­ti­gen Wie­sen“, so fin­den heu­te Kom­mu­ni­ka­ti­on und Inter­ak­ti­on im „Welt­netz“ statt. Der brau­ne Schei­tel­trä­ger plärrt die Bot­schaft raus, die Reich­wei­te strebt gegen unend­lich. Die Soli­da­ri­tät der Schmiss­ger­ma­nen ver­brü­dert sich länderübergreifend.

Poli­ti­sche Auf­de­cker­ar­beit im neo­na­zis­ti­schen Bereich funk­tio­niert under­co­ver bes­tens. Das gelang mir 26 Jah­re lang bis zum Juli 2009. Jetzt ver­brin­ge ich einen Groß­teil mei­ner Zeit in der Abwehr von Angrif­fen durch Demo­kra­tie­zer­stö­rer. Den­noch konn­te ich mei­nen Sta­tus, einer der här­tes­ten Geg­ner gegen den Rechts­extre­mis­mus zu sein, behaup­ten und ausbauen.

Das Antre­ten gegen den Faschis­mus ver­langt neben Fach­wis­sen, Kraft und Aus­dau­er auch Geld. Die Tak­tik der Geg­ner ist ein­deu­tig. Aus­schal­ten zumin­dest eines die­ser Erfor­der­nis­se, am bes­ten über das Kapital.

Spen­den­kon­to
Uwe Sailer
All­ge­mei­ne Spar­kas­se Linz
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Kon­takt
Uwe Sailer
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