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„Stoppt die Rechten“ ist eine unabhängige, antifaschistische Plattform, die Rechtsextremismus und Neonazismus in Österreich sichtbar macht, analysiert und dokumentiert – mit dem umfassendsten öffentlich zugänglichen Online-Archiv zu rechtsextremen Entwicklungen und Vorfällen in Österreich.

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Lesezeit: 3 Minuten

Salzburg: Probleme beim Gesinnungswandel

In Salz­burg hat ges­tern, am Jah­res­tag der Befrei­ung des Ver­nich­tungs­la­gers Ausch­witz durch sowje­ti­sche Trup­pen, der Pro­zess gegen vier jun­ge Men­schen begon­nen, die von der Ankla­ge beschul­digt wer­den, wäh­rend des Jah­res 2013 zahl­rei­che Nazi-Schmie­re­rei­en began­gen oder dabei gehol­fen zu haben. Die bei­den männ­li­chen Ange­klag­ten prä­sen­tie­ren sich geläu­tert. Aber trifft das für den jün­ge­ren der bei­den auch wirk­lich zu?

28. Jan. 2015

Als Haupt­tä­ter sind die zwei jun­ge Män­ner ange­klagt: Bei­de waren in der rechts­extre­men Sze­ne ver­an­kert, haben 2012 in „Odins Bar“ bis zu deren Schlie­ßung ver­kehrt und waren laut Ankla­ge auch bei „Skin­heads Bay­ern“ aktiv.


U‑Boot „Patrick Austria”

Eini­ge der Schmie­re­rei­en haben die bei­den Män­ner gemein­sam began­gen. Die zwei jun­gen Frau­en (17 und 20) sind der Bei­hil­fe in eini­gen Fäl­len ange­klagt. Der älte­re (22) der bei­den Män­ner wur­de eini­ge Wochen nach dem jün­ge­ren (21) ver­haf­tet. Er ist der­je­ni­ge, der sich mit einem Ent­schul­di­gungs­brief an Mar­ko Fein­gold gewandt hat, der ihn dann auch in der U‑Haft besucht hat. Sei­ne Ver­tei­di­ge­rin erklär­te am ers­ten Ver­hand­lungs­tag, dass er nach wie vor mit den Ermitt­lungs­be­hör­den koope­rie­re: „Er ver­sucht, was er ange­rich­tet hat, wie­der gut zu machen.“ (APA, 27.1.15) Mitt­ler­wei­le arbei­te er bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr mit und betei­ligt sich auch an einem Aus­stei­ger­pro­jekt für Neonazis.

Bei dem zwei­ten männ­li­chen Ange­klag­ten (21) ist das etwas anders. Der Ver­tei­di­ger schil­dert die schwie­ri­ge Jugend, betont aber auch sei­nen Ein­druck, „dass sich der Bursch seit sei­ner Ein­ver­nah­me von der Poli­zei vom Natio­nal­so­zia­lis­mus ver­ab­schie­det habe“ (APA, 27.1.15).

Der Anklä­ger zitiert ande­re Sät­ze aus dem Vor­ver­fah­ren. Dort hat er als Motiv für die Nazi-Schmie­re­rei­en ange­ge­ben: „Auf­grund mei­ner rechts­ge­rich­te­ten Ein­stel­lung reg­te es mich fürch­ter­lich auf, wenn ich an den Gedenk­stei­nen von jüdi­schen Opfern vor­bei­ge­hen muss­te. Ich has­se Juden und ich emp­fin­de es als mei­ne Auf­ga­be, die­se Stei­ne zu über­ma­len.“ (Salz­bur­ger Nach­rich­ten, 27.1.15)

Seit Okto­ber 2014 sitzt er wie­der in U‑Haft, Nicht wegen neu­er NS-Akti­vi­tä­ten, son­dern weil er ver­däch­tigt wird, im Som­mer 2014 einen schwe­ren Ein­bruchs­dieb­stahl began­gen zu haben. Bis zu sei­ner neu­er­li­chen U‑Haft war er auf Face­book aktiv, und da deu­tet nichts dar­auf hin, dass bei dem Ange­klag­ten – er selbst nann­te sich „Patrick Aus­tria” – ein Gesin­nungs­wan­del statt­ge­fun­den hätte.

Unter sei­nen vie­len FB-Freun­den war damals auch „Ari Bert­heim“, also jener Nick­na­me für einen offen­sicht­lich beken­nen­den Nazi, der sich nach dem KZ-Arzt und Nazi-Mör­der Ari­bert Heim benannt hat. Als die „Salz­bur­ger Nach­rich­ten”  und „Stoppt die Rech­ten” über den Nazi-Nick­na­me berich­te­ten, ver­schwand „Ari Bert­heim“. Wir erwähn­ten in unse­rem Bericht damals auch, dass „Ari Bert­heim“ mit einem der Salz­bur­ger Ange­klag­ten befreun­det war. Wegen eines ORF-Inter­views, in dem er sich als Aus­stei­ger prä­sen­tiert hat­te, ver­wech­sel­ten wir ihn mit dem ande­ren (älte­ren) Ange­klag­ten.


Patrick Aus­tria und ras­sist­si­che Meldung

Mitt­ler­wei­le ist „Patrick Aus­tria” über sein FB-Pro­fil nicht mehr erreich­bar – auch nicht über sei­nen Klar­na­men, den er frü­her benutzt hat. Sein Account, der noch bis Dezem­ber öffent­lich zugäng­lich war, wies damals noch Ein­trä­ge aus der Zeit vor sei­ner zwei­ten Ver­haf­tung im Okto­ber auf, die auf eine klar rechts­extre­me Hal­tung hin­wei­sen. Die FB-Freund­schaft mit „Ari Bert­heim“, die Likes für die „NPD“ und „Odins Bar“, könn­ten aus frü­he­ren Zei­ten hän­gen­ge­blie­ben sein, aber die mehr­ma­li­gen Ein­trä­ge aus dem Sep­tem­ber 2014 über die „Kana­cken“, die Zuwan­de­rung spre­chen nicht gera­de für den Gesinnungswandel.


Patrick Aus­tria gefällt NPD
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Schlagwörter: Antisemitismus | Neonazismus/Neofaschismus | Salzburg | Vandalismus/Sachbeschädigung/Schmierereien | Verbotsgesetz | Wiederbetätigung

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