Salzburg: Immer neue Nazi-Schmierereien

Vier Konzen­tra­tionslager der Nazis hat Marko Fein­gold, der Vor­sitzende der Israelitis­chen Kul­tus­ge­meinde in Salzburg, über­lebt. In der Vor­woche protestierte der 100-Jährige gegen die braunen Schmier­at­tack­en in Salzburg und besuchte einen der Nazi-Schmier­er im Gefäng­nis. Aber auch diese Woche taucht­en neue Schmier­ereien auf.

Mit ein­er Mah­nwache protestierten Salzburg­er AntifaschistIn­nen vor der Salzburg­er Syn­a­goge in der Lasser­straße gegen die jüng­sten Nazi-Attacke, bei der die David­sterne der Syn­a­goge gelb besprüht wur­den. Trotz der Ver­haf­tung von zwei jun­gen Män­nern, die für zahlre­iche Attack­en auf Stolper­steine und andere neon­azis­tis­che Schmier­ereien ver­ant­wortlich gemacht wer­den und dazu auch schon Geständ­nisse abgelegt haben, ist es der Polizei bis­lang noch nicht gelun­gen, die braunen Schmier­at­tack­en abzu­drehen und die weit­eren Täter auszuforschen.

Im Jän­ner kam es zu ein­er neuer­lichen Schmier­ak­tion am Salzburg­er Kom­mu­nal­fried­hof, bei der das Denkmal der „Opfer für Frei­heit und Men­schen­würde“, das im Dezem­ber mit „Horst Wes­sel“ beschmiert wurde, dies­mal mit „Horst Mahler“ beschmiert wurde. Wenige Tage später dann die Attacke auf die Syn­a­goge, eine Schmier­ak­tion beim Volk­sheim der KPÖ und eine bei den Räum­lichkeit­en der Öster­re­ichis­chen Hochschül­lerIn­nen­schaft – und auch diese Woche melden die Salzburg­er Medi­en wieder eine Hak­enkreuz-Schmier­erei auf ein­er Plakatwand.

Die Salzburg­er „Plat­tform gegen Rechts“ berichtet außer­dem , dass ver­mehrt auch Neon­azi-Pick­erl im öffentlichen Raum auf­tauchen und doku­men­tiert einige von ihnen. Bei den Kle­bern han­delt es sich um solche von „Recht und Wahrheit“, ein­er braunen Zeitschrift, die von dem deutschen Neon­azi Meinolf Schön­born her­aus­gegeben wird. Schön­born hat­te in den ver­gan­genen Jahren inten­sive Beziehun­gen nach Öster­re­ich unterhalten .

Marko Fein­gold, der 100-jährige Kämpfer, wollte nicht nur beim Protest ste­hen­bleiben („Wozu habe ich über­lebt, um das jet­zt sehen zu müssen“), son­dern set­zte eine beein­druck­ende Aktion der beson­deren Art. Er besuchte einen der zwei wegen der Nazi-Schmier­ereien Ver­hafteten in der U‑Haft. Der 21-Jährige hat­te sich zuvor mit einem Entschuldigungs­brief an Fein­gold gewandt. Das Gespräch dauerte eine Stunde, nach der Fein­gold keine Details erzählen wollte („Wir haben ver­traulich gesprochen“), aber davon aus­ging, dass der U‑Häftling jet­zt „bekehrt“ sei.