Neusiedl (Bgld): Vollrausch, keine Wiederbetätigung

In der Vor­woche fand am Lan­des­gericht Wiener Neustadt ein Prozess wegen NS-Wieder­betä­ti­gung gegen einen 30-Jähri­gen aus dem Bezirk Neusiedl statt. Er war im Vor­jahr, konkret am 6. Feb­ru­ar 2013, ein­schlägig aufge­fall­en, als er ran­dalierend Nazi-Sprüche rief und Gegen­stände auf das Nach­barhaus warf, in dem eine türkische Fam­i­lie lebt.

Nach eige­nen Angaben hat­te der Angeklagte an diesem Tag schon sechs oder sieben Krügel Bier und zehn bis zwölf Stam­perl „Harakiri“-Schnaps intus, als er in sein Wohn­haus zurück­kehrte, dort vor sein­er Mut­ter und deren Fre­undin „Heil Hitler“ schrie und seine rechte Hand abspreizte, um dann in den Hof zu stür­men und das Nach­barhaus mit der türkischen Fam­i­lie zu attackieren.

Dem ange­blich Voll­ber­auscht­en gelang es, mit einem Stein ein Fen­ster zu tre­f­fen. Danach stürmte er mit einem Brecheisen auf die Straße, wo ihn schon die Polizei erwartete und zu Boden zwang. Dabei hat er laut Anklage weit­ere Nazi-Parolen gerufen.

Ein Sachver­ständi­gengutacht­en bescheinigte dem Angeklagten für den Tatzeit­punkt volle Berauschung. Er wurde daher vom Vor­wurf der NS-Wieder­betä­ti­gung freige­sprochen, aber wegen des ver­sucht­en Wider­standes gegen die Staats­ge­walt und wegen der Sachbeschädi­gung am Nach­barhaus verurteilt – die „Bur­gen­ländis­che Volk­szeitung“ (BVZ, 11.2.2014), die über den Prozess berichtet, ver­schweigt sich allerd­ings über das Strafaus­maß. Die Staat­san­waltschaft kündigte jeden­falls Beru­fung gegen das Urteil an.