Die Öster-„Reichsbürger”-Freunde des Meinolf Schönborn

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Mein­olf Schön­born ist sehr aktiv. Für Ende Novem­ber orga­ni­siert er ein Leser­tref­fen sei­ner Neo­na­zi- Zei­tung „Recht und Wahr­heit“, berich­tet Blick nach rechts. Und auf Face­book hat er sein Kon­to auf­ge­räumt: Statt 1.8000 Freun­dIn­nen hat er nur mehr etwas über 200. Die frei­heit­li­chen Abge­ord­ne­ten sind alle­samt ver­schwun­den, eini­ge weni­ger pro­mi­nen­te aus der FPÖ hal­ten ihm die Treue. 

Die Neue Ord­nung des Mein­olf Schön­born ist eine akti­ve neo­na­zis­ti­sche Grup­pie­rung mit bemer­kens­wer­ten Ver­bin­dun­gen. Schön­born selbst schmückt sein Face­book-Kon­to mit zahl­rei­chen Freund­schaf­ten von FPÖ-Mit­glie­dern, dar­un­ter auch Mandatare.


Mein­olf Schön­borns „Neue Ordnung”

Bei dem im Herz­ber­ger Wei­ßen Haus ver­stor­be­nen Jörg Lan­ge bzw. in den Büro­räum­lich­kei­ten dort wur­den Flug­blät­ter der Neu­en Ord­nung gefun­den. Auf­kle­ber der Neu­en Ord­nung wur­den auch in der Nacht zu Hit­lers Geburts­tag bei einem Anschlag auf das Cafe Frei-Raum in Ber­lin gefun­den, berich­tet der Blog Publi­ka­ti­ve.

Publi­ka­ti­ve berich­tet in die­sem Bei­trag über auf­fäl­li­ge Ver­bin­dun­gen der Neu­en Ord­nung zur Reichs­be­we­gung, die im Früh­jahr 2012 auch in Öster­reich mit einem Droh-Auf­ruf an alle Tür­ken, das Land zu ver­las­sen, gesich­tet wur­de. Lud­wig Rein­th­a­ler, der Brau­ne aus Wels, hat einen wüs­ten Text der Reichs­be­we­gung wei­ter­ver­brei­tet, Roland Karl Schwin­ger aus Graz hat aus einem ande­ren zitiert und zur Benut­zung der Goog­le-Voll­text­su­che auf­ge­for­dert, um den Bei­trag im Netz zu fin­den. Und dann gibt es noch den „Reichs­bür­ger“ aus Kärn­ten, der sich bei einer Poli­zei­kon­trol­le mit Doku­men­ten der Reichs­be­we­gung auswies.


„Blood & Honour” auf Schön­borns Facebook-Seite

Schön­borns Neue Ord­nung und die mitt­ler­wei­le abge­sof­fe­ne Web­site der Reichs­be­we­gung pas­sen gut zusam­men. Die Neue Ord­nung, die als Web­site nach wie vor prä­sent ist (nicht zu ver­wech­seln: Die Neue Ord­nung mit öster­rei­chi­scher Web­adres­se ist ein publi­zis­ti­sches Pro­jekt des rech­ten Sto­cker-Ver­lags aus Graz!), ver­linkt nicht nur zu neo­na­zis­ti­schen Frei­en Kräf­ten, son­dern ent­hält auch Bei­trä­ge zur Ger­ma­ni­schen Medi­zin des Ryke Geerd Hamer, der mit Hel­mut Pil­har eben­falls einen akti­ven Able­ger in Öster­reich hat.

Mein­olf Schön­born, das „Steh­auf­männ­chen des Neo­na­zis­mus“ („NRW rechts­au­ßen”) dekla­riert sich selbst als „Reichs­bür­ger“. Er lässt auch sonst kei­ne Zwei­fel offen, wo er poli­tisch steht. Ob die bei den Haus­durch­su­chun­gen gefun­de­nen Mate­ria­li­en den Ver­dacht der Bil­dung einer bewaff­ne­ten Grup­pe erhär­ten, wird sich wei­sen. Der von der Staats­an­walt­schaft Ham­burg bestä­tig­te Ver­dacht, dass Schön­borns Kame­rad Jörg Lan­ge zuvor bei den Alpen-Donau-Nazis mit­ge­mischt hat, wür­de dar­auf hin­deu­ten, dass die Ani­mo­si­tä­ten zwi­schen den ver­schie­de­nen Neo­na­zi-Chefs und ‑grup­pen in letz­ter Zeit nicht sehr aus­ge­prägt waren.


Schön­born und die FPÖ

Was aber bedeu­tet es, wenn der Neo­na­zi Schön­born auf Face­book nicht nur mit diver­sen Neo­na­zis aus Deutsch­land, son­dern mit Dut­zen­den aus Öster­reich, von alten Bekann­ten wie Wer­ner Königs­ho­fer und Lud­wig Rein­th­a­ler bis hin zu frei­heit­li­chen Funk­tio­nä­ren und Man­dats­trä­gern befreun­det ist? Wer Mein­olf Schön­born auf Face­book anklickt, weiß schon nach weni­gen Sekun­den, dass er/sie es mit einem gereif­ten Neo­na­zi zu tun hat. War­um „befreun­den“ sich FPÖ­ler so flei­ßig mit Schönborn?


Ste­fan Got­scha­cher, „Freund” bzw. „Ex-Freund” von Mein­olf Schönborn

Als wir am 28. Sep­tem­ber über den toten Neo­na­zi von Herz­berg berich­te­ten und dabei auch auf des­sen Bezie­hung zu Schön­born ein­gin­gen, wuss­ten wir schon, dass unter den fast 1.800 Face­book-Freun­den Schön­borns auch drei FPÖ-Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te zu fin­den waren: Chris­ti­an Höbart, Elmar Pod­gor­schek und Josef Riemer.


Chris­ti­an Höbart, „Freund” bzw. „Ex-Freund” von Mein­olf Schönborn

Am 1. Okto­ber wid­me­te sich „Blog+“ den FPÖ-„Freunden“ von Schön­born und för­der­te eini­ge wei­te­re FPÖ-Poli­ti­ker wie z.B. den Wie­ner Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Peter Fri­go zu Tage. Auch Ste­fan Got­scha­cher, Pres­se­spre­cher der Wie­ner FPÖ, war wie­der dabei. Er hat­te erst jüngst dem „Kurier“ erklärt, dass ihm der deut­sche Neo­na­zi Ger­hard Itt­ner beim „Befreun­den“ „durch­ge­rutscht“ sei: Die Freund­schaft zu Itt­ner kün­dig­te er auf. Mit Mein­olf Schön­born, der ihm eben­falls „durch­ge­rutscht“ war, ist er mitt­ler­wei­le auch nicht mehr befreun­det. In den letz­ten Tagen hat näm­lich bei eini­gen FPÖ-Freun­den von Schön­born das gro­ße Rei­ne­ma­chen ein­ge­setzt. Höbart, Pod­gor­schek, Fri­go, Got­scha­cher und eini­ge ande­re sind von der Freun­des­lis­te Schön­borns auf Face­book verschwunden.

Umso ver­wun­der­li­cher ist, wie vie­le ande­re noch geblie­ben sind! Der Blog RFJ-Watch führt in einem Bei­trag vie­le, vie­le wei­te­re FPÖ- Mit­glie­der, Funk­tio­nä­re und auch Man­da­ta­re auf, die wei­ter­hin mit dem Neo­na­zi „befreun­det“ sind.


Hans-Jörg Gril­lit­sch, „Freund” bzw. „Ex-Freund” von Mein­olf Schönborn

Wenn sich Natio­nal­rats­ab­ge­ord­ne­te der FPÖ, ein bur­gen­län­di­scher FPÖ-Par­tei- und Klub­ob­mann, Gemein­de­rä­te der FPÖ und zahl­rei­ches ande­res FPÖ-Boden­per­so­nal mit einer Per­son befreun­den, die gegen die Ter­ror-Jus­tiz der „B.R.D.“ wet­tert und das „Deut­sche Reich“ ein­for­dert, dann hört sich ers­tens der Spaß auf und zwei­tens die Aus­re­de, da sei jeman­dem einer „durch­ge­rutscht“.

Schön­born selbst erklärt, was er von den rech­ten Par­tei­en erwar­tet, denen er ein bil­li­ges Anbie­dern an den Par­la­men­ta­ris­mus vorwirft:

Des­halb ist eine Sol­da­ri­sie­rung über alle rech­ten Par­tei­en, Grup­pen und Orga­ni­sa­tio­nen in die­sem Fall sehr wich­tig. Denn wenn die Sys­tem­büt­tel nie­mals wirk­li­chen Wider­stand spü­ren, wer­den sie wei­ter ver­fol­gen, wei­ter zuschla­gen, wei­ter Exis­ten­zen ver­nich­ten. Es ist die Zeit des natio­na­len Wider­stan­des, jetzt kön­nen alle zei­gen, ob sie es mit der „natio­na­len Soli­da­ri­tät“ auch wirk­lich ernst meinen.

Ein Toter mit Überraschungen
Ein „deut­scher Reichs­bür­ger“ mit Kontakten